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Bratelsbrunn

Wappen

Kirche St. Johannes d. Täufer

Soldatendenkmal von Bratelsbrunn

Tschechischer Name: Březí u Mikulova

Fläche: 1.199 ha

Einwohner: 1910: 1.931 in 349 Häusern (1.922 Deutsche), 1930: 1.757 in 408 Häusern (1.563 Deutsche), 2010: 1.544

heutiger Verwaltungsbezirk: Břeclav (Lundenburg)

Matriken: seit 1740.

Grundbücher: seit 1797.

Geschichte:

1249 bei der Belehnung der Liechtensteiner erstmals genannt, wechselten die Namensformen von „Bretensprvn“, „Pritresprvnn“ über „Wratisprvn“ und „Praitensprvn“ zu „Preittessprvnn“ und 1715 endlich zu „Bratelsbrunn“.

1249 wurde Bratelsbrunn von Markgraf Ottokar Přemysl an Heinrich I. von Liechtenstein als Lehen gegeben. 1348 kam der Ort an das Kloster Kanitz (Rosa Coeli) dessen Besitz nach Auflösung des Klosters 1526 an den späteren Kaiser Ferdinand I. ging.

Im 16. Jahrhundert verödete das Dorf, wurde 1574 von dem Grafen Thurn-Valsasina erworben und durch deutsche Bauern wieder besiedelt. Seit damals behielt Bratelsbrunn seinen marktähnlichen Charakter. 1618 kam der Ort an die Teuffenbacher. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Ortschaft 1619 durch kaiserliche Truppen und Siebenbürgern unter Gábor Bethlen geplündert und verwüstet.

Erst 1809, in den napoleonischen Kriegen, war das Dorf wieder Kriegswirren ausgesetzt und wurde durch französische Truppen geplündert. Auch Seuchen forderten im 19. Jh. ihren Tribut. Die Cholera raffte 1831 und 1850 in Bratelsbrunn insgesamt 128 Bewohner dahin.
1858 vernichtete ein Großfeuer 34 Häuser der Ortschaft.

Am 12. Dezember 1918, nach dem Ende des Ersten Weltkrieges und noch vor der offiziellen Eingliederung Bratelsbrunns in den neuen Staat Tschechoslowakei, rückten tschechische Truppen in den Ort ein, nachdem sich die sogenannte Volkswehr nach Österreich abgesetzt hatte. Es wurden Denkmäler zerstört und zwei über die Grenze flüchtende Burschen aus Bratelsbrunn erschossen.

Durch die Bodenreform in der Tschechoslowakei wurde das Herrschaftsgut aufgeteilt. Hierbei erhielten die Kroaten in Guttenfeld (Dobré Pole) den größten Teil, da sie sich bei den Volkszählungen zum tschechischen Bevölkerungsteil zählten.

Im September 1938, vor der Angliederung Bratelsbrunns an das nationalsozialistische Deutsche Reich, wurden der Bürgermeister und weitere Funktionäre der Sudetendeutschen Partei (SdP) verhaftet und nach Brünn (Brno) gebracht. Nach dem Einmarsch deutscher Truppen wurden sie wieder freigelassen. Während der NS-zeit war aus dem Bezirk Nikolsburg (Mikulov) der Kreis Nikolsburg im „Reichsgau Niederdonau“ geworden zu welchem Bratelsbrunn nun zählte.

Der Zweite Weltkrieg kostete 92 Bratelsbrunnern das Leben. Zwei von ihnen starben durch einen Luftangriff am 11. Oktober 1944 auf dem Bahnhofsgelände.

Vertreibung 1945/46:
Radikale tschechische Milizen rückten nach dem Einmarsch der Sowjets im Frühjahr 1945 im Ort ein und begannen mit Aktionen gegen die deutsche Bevölkerung. Viele Deutsche flohen über die Grenze nach Österreich, andere wurden in einer „wilden Vertreibung“ über die Grenze gejagt.
Der letzte deutsche Bürgermeister und vier weitere Personen wurden in ein Lager nach Nikolsburg (Mikulov) gebracht und dort misshandelt.
Am 12. Juni 1946 wurde auch der deutsche Pfarrer aus dem Ort vertrieben. Mit ihm mussten ca. 600 deutsche Bewohner ihren Heimatort verlassen.

1965 lebten 135 ehemalige Bratelsbrunner Familien in Bayern, 99 in Württemberg, 62 in Baden, vier in Hessen, zwei in Hamburg, 110 in Wien, 45 in Niederösterreich, vier in Oberösterreich, je drei Familien in Salzburg und Vorarlberg und je eine Familie in der Steiermark, der Schweiz und der DDR.

Ein Gedenkstein an die Vertreibung der Bratelsbrunner Bevölkerung wurde in Wildendürnbach (NÖ) errichtet.

Wirtschaft und Infrastruktur:

Landwirtschaft: Ackerbau (829 ha) und weniger Weinbau (29 ha), daneben Waldbewirtschaftung (71 ha).

Gewerbe: Mühle, Sägewerk, Molkerei, sieben Gasthäuser, Kleingewerbe (darunter auch Handschuhnäherei, Haarnetzerei, Perlmuttdrechserlei sowie Gurken- und Gänsemarkt).

Einrichtungen: Volksschule (1807, Erweiterungen 1870, 1871 und 1882, Umzug 1890/91, Unterricht im Ort seit 1696 belegt), Bürgerschule (1938), tschechische Schule und Kindergarten (1920er Jahre), Gemeindebücherei, Postamt (1882), Haltestelle an der Bahnlinie Znaim (Znojmo)Lundenburg (Břeclav) (1880), Frachtstation, Elektrifizierung 1926, Freiwillige Feuerwehr (1880), Milchgenossenschaft (1908), Landwirtschaftliche An- und Verkaufsgenossenschaft (1926). Die vorhandene schwefelhältige Quelle wurde durch das Badehaus genutzt.

Kulturerbe:

Pfarrkirche St. Johannes d. Täufers: ursprünglicher Bau von 1691-96, um 1838 baufällig abgetragen und 1853-58 neoromanisch errichtet. Pfarre seit 1740. Stichkappentonnengewölbte Halle von 41 m Lange, 5 m Breite und 17 m Höhe. Einheitliche Einrichtung aus der Bauzeit; Hochaltarbild „Taufe Christi“ von Josef Ritter von Führich. Evangelienaltar „St. Georg“ ; Epistelaltar der „unbefleckten Empfängnis“ . 42 m hoher Westturm. Baumeister J. Unger in Znaim (Znojmo). 1929 Renovierung mit Kuppel auf dem Turm.

Rathaus von 1845.

Dreifaltigkeitssäule.

Statue des hl. Florian.

Kaiser-Josef-Denkmal von 1910.

Wappen:

Auf Grund kaiserlicher Vollmachten verlieh Franz Graf Thurn Valsasina am 21. August 1585 dem Dorf ein Wappen: innerhalb eines grünen Viereckfeldes erscheint in einem roten Renaissanceschild ein rundummauerter silberner Ziehbrunnen, an dessen Gestänge ein Wassereimer hängt.

Persönlichkeit:

Friedrich Wymetal (18.07.1877 Brünn – 09.08.1935 Bratelsbrunn), Lehrer, Vogel- und Schmetterlingsforscher.

heimatkundliche Literatur:

  • Kreuzer, Anton: Das mittelalterliche Bratelsbrunn, 1968.
  • Bauer, Karlheinz: Regesten des Urkundenbestandes der Gemeinde Bratelsbrunn 1675-1753, 1969.

Weblinks:

Genealogie:

Mährisches Landesarchiv Brünn

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