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Hflein an der Thaya

Ortsansicht von Höflein

Dorfstraße von Höflein

Tschechischer Name: Hevlín (bis 1965 Hevlín nad Dyjí)

Fläche: 3.046 ha

Einwohner 1910: 2.205 in 427 Häusern (2.204 deutsche Ew.), 1930: 2.423 in 521 Häusern (1.967 deutsche Ew.), 2010: 1.380.

heutiger Verwaltungsbezirk: Znojmo (Znaim)

Matriken: seit 1670, ab 19. Jh. in Grusbach (Hrušovany).

Lage:

Höflein liegt auf 182 m Meereshöhe. Benachbart sind Groß Tajax (Dyjákovice) im Nordwesten, Laa an der Thaya im Süden und Grafendorf (Hrabětice) sowie Schönau (Šanov) im Norden. Die Ortschaft liegt nahe an der heutigen tschechisch-österreichischen Grenze.

Geschichte:

Der Ort wurde 1282 urkundlich erwähnt („Huelin“ oder „Hoevelin“ = altd. „kleiner Hof“). Auch die Existenz der Pfarrkirche St. Marien ist zu jener Zeit urkundlich ersichtlich.
Die Schreibweise änderte sich im Lauf der Zeit wie folgt: 1371 schrieb man „Hofleins“, 1562 „Hevlein“, 1633 „Hefflin“ und ab 1672 entweder Höfflein, Hoeflein oder Höflein.

Höflein war ursprünglich im Besitz der Landesherren und hatte zwischen 1400 und 1524 wechselnde Besitzer. 1524 kam Höflein mit der Herrschaft Grusbach, zu welcher es mittlerweile gehörte, in den Besitz von Johannes von Pernstein.

1578 wurde ein protestantischer Pfarrer im Ort genannt.
Im Dreißigjährigen Krieg wurde der Ort stark mitgenommen und das benachbarte Anschau verödete völlig. Als Rest blieb der „Anschauer Hof“ erhalten. Ebenso gingen Koppenhof und Rohrhof unter. Fischzucht war schon früh für die Ortsbewohner ein Erwerbszweig. 1623 ging Höflein an Seifried Christoph von Breuner (Herrschaft Staatz, später Statthalter von Niederösterreich).

1668 wechselte die Herrschaft abermals und Höflein kam an den Reichsgrafen von Althan, der auch den Neubau der Kirche in den Jahren 1740/43 durchführen ließ. 1799 gelangte Höflein erblich an Anna Gräfin von Hardegg, verehelichte Kammel.

1809 wurde Höflein von französischen Truppen geplündert.
Die Thaya-Regulierung erfolgte 1830/31 (Kreuzungsbauwerk Pulka / Joslowitzer Mühlgraben), wodurch aber die Anzahl der Teiche abnahm. Bis zu diesem Zeitpunkt lag Höflein in sumpfigem Gebiet.

Im Lauf des 19. Jahrhundert erlebte Höflein Ruhr- und Choleraepidemien sowie mehrere Brände.

Um 1850 entstand der politische Bezirk Znaim (Znojmo) zu dessen Gebiet auch Höflein gehörte.

Während des Preußisch-Österreichischen Krieges war Höflein von österreichischen Truppen besetzt.

Wenn die Thaya zuviel Wasser führte, kam es immer wieder zu Überschwemmungen, die erst durch den Bau der Frainer Talsperre ihr Ende fanden. 1870 erhielt Höflein einen Bahnhof.

Der damalige Bürgermeister von Höflein und der aus dem Ort stammende Reichsratsabgeordnete Josef Brunner nahmen 1919 an Protestkundgebungen in Retz teil, um für den Anschluss der deutschsprachigen Gebiete des ehemaligen böhmischen Kronlandes an Österreich zu demonstrieren.

Während der nationalsozialistischen Herrschaft entstand der Kreis Znaim (Znojmo) zu welchem Höflein von 1939-1945 gehörte.
Der Zweite Weltkrieg forderte rund 150 Höfleiner Opfer.
Beim Abzug der Wehrmacht am 7. Mai zerstörte diese alle Straßen- und Eisenbahnbrücken. Einen Tag später drangen russische Truppen in den Ort ein. Dabei kam es zu Plünderungen und Vergewaltigungen.

Vertreibung der deutschen Bevölkerung 1945:
Bereits vor dem Einsetzen der Vertreibung flüchteten viele Höfleiner über die nahe Grenze nach Österreich.
Einige Tage nach dem sowjetischen Einmarsch kamen tschechische „Partisanen“ und Hausbesetzer in den Ort. Alle deutschen Einwohner mussten eine weiße Armbinde mit einem „N“ für Němec (Deutscher) darauf tragen. Am 19. Mai wurden mehrere Männer festgenommen und ins Lager Znaim (Znojmo) gebracht. Während der Vertreibungsexzesse starben mindestens 10 Menschen an Misshandlungen oder durch Erschießen. Am 25. September 1945 wurden alle deutschen Einwohner verständigt, dass sie das Dorf verlassen müssten. Von den letzten verbliebenen deutschen Höfleinern wurden „offiziell“ 240 im April 1946 nach Deutschland transferiert während ca. 370 bleiben durften.
Als unmittelbare Nachbarn zu Laa fand ein größerer Teil der Höfleiner nach der Vertreibung am Ende des Zweiten Weltkrieges in Niederösterreich eine Bleibe (=32% der nach Österreich Geflüchteten und Vertriebenen).

Die Eisenbahnverbindung zwischen Höflein und Laa a. d. Thaya wurde nach 1945 stillgelegt.
Die vertriebenen Höfleiner ließen auf dem Laaer Friedhof einen Gedenkstein errichten.

1965 fiel der Zusatz „nad Dyjí (an der Thaya)“ des tschechischen Namens weg, da es in der Tschechoslowakei keinen anderen Ort mit dem Namen Hevlín gab. Im deutschen Sprachgebrauch in der Zeit der Monarchie (und auch während der NS-Zeit) war der Zusatz notwendig, um Höflein von Ortschaften gleichen Namens (etwa Höflein an der Donau) unterscheiden zu können.

Wirtschaft und Infrastruktur

Landwirtschaft: Der Großteil der Höfleiner lebte von Landwirtschaft und Fischzucht. Um 1900 machte die Ackerfläche 2.749 ha aus. Angebaut wurden alle Getreidesorten, Gemüse, Obst, Mais und Rüben. Der Weinbau wurde auf ca. 3,7 ha betrieben. Mit 1.494 Rindern und 1.948 Schweinen war die Anzahl von Vieh im Jahr 1910 ebenfalls beachtlich.

Gewerbe: Zu Höflein gehörten einige Meierhöfe: Der Höfleiner Hof, der Anschauer Hof (Dvůr Anšov) und der Annahof (Anenský dvůr), früher auch der Koppenhof, der Rohrhof und der Ruhhof (mit Mühle, heute in Österreich, 3 km von Laa entfernt). Weiters gab es verschiedene Gewerbebetriebe: Dampfmolkerei, Mühle (1935), Ziegelei, Teichwirtschaft (bis zur Thayaregulierung), fünf Gasthöfe und viel Kleingewerbe (z.B. verschiedene Viehhändler und Fuhrwerkunternehmer).

Einrichtungen: Postamt mit Gendarmeriestation (1923), Bahnstation (1870, 1911 Neubau), Zollhaus (1925), Armenhaus, Gemeindebücherei, Volksschule (urspr. als katholische Trivialschule 1807, Neubau 1815, 1828 und 1843; bis 1889 auf vier Klassen vergrößert, Anbau 1909), Kindergarten (1930), Freiw. Feuerwehr (1893), Spar- und Darlehenskassa, Molkereigenossenschaft.

Kulturerbe:

Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt: In den Jahren 1740/43 wurde die jetzige Pfarrkirche Mariae Himmelfahrt anstelle der abgebrannten früheren Kirche (1282 urkundlich genannt) erbaut. Üppige Rokokoeinrichtung aus der Bauzeit. Vor der westlichen Turmfassade Säulen des hl. Franz Xaver und hl. Johannes v. Nepomuk. Mariensäule um 1700.

Statuen, Bildsäulen: Rochussäule (1823), Marienstatue (1852) an Straße nach Grafendorf (Hrabětice), Statuen der Heiligen Johannes von Nepomuk (1722), Philipp Neri und Florian, weitere Bildstöcke und Kreuze in der Umgebung.

Kapelle an der Bahn von 1777.

Siegel:

Ein Siegel ist auf einer Urkunde aus dem Jahre 1644 nachgewiesen. Das Siegelbild zeigt in einem Renaissanceschild eine Gefäß mit einer Öffnung nach oben, woraus ein Fisch herausragt.

Persönlichkeiten:

  • Karl Hörmann, (*23. Jänner 1915; †19. September 2004, Wien), Theologe, Professor der Moraltheologie 1953 und 1972/73 Dekan, 1966/67 Rektor der Universität Wien.
  • Josef Brunner (*9.September 1861, +25.November 1941, Höflein an der Thaya), Reichstagsabgeordneter der Deutschen Agrarpartei.

heimatkundliche Literatur:

  • Jirikowski, Gustav: Höflein an der Thaya wie es einmal war, 1965.
  • Hörmann, Karl: Höflein an der Thaya in Vergangenheit und Gegenwart, 1982.

Weblinks:

Genealogie:

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