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Pfarrkirche St. Elisabeth in Blauenschlag

Tschechischer Name: Blažejov

Fläche: 368 ha

Einwohner: 1910: 202 in 35 Häusern (169 Deutsche), 1930: 224 in 39 Häusern (143 Deutsche), 2010: 371.

heutiger Verwaltungsbezirk: Jindřichův Hradec (Neuhaus)

Matriken: seit 1701.

Lage: Blauenschlag liegt 8 km östlich von Neuhaus (Jindřichův Hradec) auf 526 m Meereshöhe. In der Nähe des Ortes liegt das Veitschlössl oder Pittenhäusl (Vítkův hrádek), sowie mehrere Teiche.

Geschichte:

Eine sehr frühe Besiedlung des Gebietes ist durch den Fund eines Hockergrabes belegt.

Das Haufendorf wurde 1359 als „Blazieiow“ urkundlich erwähnt und wurde wahrscheinlich ursprünglich bereits im 13. Jh. durch die Herrschaft Neuhaus mit deutschen Kolonisten besiedelt. Bereits 1360 wurde der Ort auch als Blasenslag (was auf „Blasius“/“Blažej“ und „Rodung“ zurückgeht – die Rodung des Blasius) genannt. Im 19. Jh. wurde nach weiteren Veränderungen der Name Blauenschlag gebräuchlich.

Im Spätmittelalter (seit 1249) hatte das Patronat der „Deutsche Ritterorden“ inne, der bis Ende des 15. Jahrhunderts in Mähren Besitzungen hatte. 1434 wurde der Ritterorden von hussitischen Heeren vertrieben. Die Herren von Neuhaus übernahmen das Patronat.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde Blauenschlag von schwedischen Truppen besetzt und die Burg zerstört.

Bis 1848 war der Ort der Herrschaft Neuhaus (Jindřichův Hradec) zugehörig.

Durch die Nähe zur Sprachgrenze gab es einen regen Austausch zwischen tschechischen und deutschen Bewohnern. Von den deutschen Bauern des Ortes wurden häufig tschechische Dienstboten eingestellt. Es kam zu vielen deutsch-tschechischen Ehen.

Vertreibung 1945/1946:
Die deutschen Bewohner mussten am 30. Mai 1945 binnen einer halben Stunde den Ort verlassen. Von drei verhafteten Männern starben zwei in tschechischer Gefangenschaft, ein weiterer kam erst nach zehn Jahren frei.

1964 wurde der Nachbarort Ulrichschlag (Oldřiš) in Blauenschlag eingemeindet. Weiters gehören heute Höflings (Dvoreček), Klein Rammerschlag (Malý Ratmírov) und Muttaschlag (Mutyněves) zur Gemeinde.

Wirtschaft und Infrastruktur:

Die Einwohner Blauenschlags lebten mehrheitlich von der Land- und Viehwirtschaft. Durch den Waldreichtum in dieser Region spielte auch die Forstwirtschaft eine Rolle. Die Bewohner trieben daneben Fischzucht und -handel.

Gewerbe: Leinöl-Mühle, Molkereigenossenschaft (Dampfmolkerei, 1904), Genossenschaftsbrennerei (1913).

Einrichtungen: zweiklassige Schule (1863, 1918 einklassig), tschechische Schule (nach 1918), Bahnstation (Schmalspurbahn Neuhaus-Neubistritz/Jindřichův Hradec–Nová Bystřice), Postamt, Elektrifizierung (1925), Freiw. Feuerwehr.

Kulturerbe:

Deutschordenskirche zur Hl. Elisabeth: aus dem 13. Jh. (1359 wird erstmals ein Pfarrer in Blauenschlag urkundlich genannt), wurde 1429 von Hussiten zerstört und erst 1564 wieder instandgesetzt.
1860 bis 1864 wurde die Kirche nach Plänen von Ing. Teisinger vergrößert. Die Bauausführung erfolgte durch Josef Kocab in Neuhaus (Jindřichův Hradec). Das Kirchenschiff erhielt eine Länge von 19 m bei einer Breite von 17 m und einer Höhe von 11 m; das Presbyterium ist 10 m breit, 4,75 m tief mit geradem Abschluss. Hauptaltar hl. Elisabeth, rechter Seitenaltar schmerzensreiche Maria, linker Seitenaltar Joh. v. Nepomuk. Die drei Altäre stammen von Josef Kocab aus Neuhaus, Zurichtung von Ing. A. Rosenberg; Bildhauerarbeit v. Joh. Stefal, Neuhaus. Turm ca. 20 m hoch.

Burgruine „Veitschlössl“ (Vítkův hrádek, „Pippenhäusl“ oder „Bittnhäusel“): gotische Burg, wahrscheinlich in der ersten Hälfte des 13. Jh. durch Witiko I. von Neuhaus angelegt, 1267 durch Witiko II. von Neuhaus an den Deutschen Ritterorden, wurde bereits im 15. Jh. als „wüst“ bezeichnet; ursprügnlich Anlage mit dreieckigem Grundriss und rundem Bergfried, zweifachem Wall; heute noch Reste der Mauer und Grundmauern des Turmes erhalten.

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