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Brünn

Stadtpatronin von Brünn

Stadtplatz und Passanten in Brünn

Das Deutsche Haus

Foyer des Theaters

Kaiser Josef Denkmal

Krautmarkt

Petersdom von Süden 1817

Theaterplatz

Zderadsäule

St. Jakobs Kirche

Rathausturm aus dem 13.Jh (rechts) und Dominikanerkirche St. Michael (links)

Evangelische Kirche und Justizpalast

Denkmal von Joseph II.

St. Thomaskirche und Statthaltereigebäude

Der Große Platz mit Nikolaikirche und Merkurbrunnen

Pestsäule

Grabmal des General de Souches

Jesuitenkirche Maria Himmelfahrt

Tschechischer Name: Brno

Fläche heute: 23.020 ha

Einwohner 1900: etwa 110.000, 1920: ca. 200.000 (ca. 55.000 dt. Ew.), 2010: 371.399

heutiger Verwaltungsbezirk: Brünn-Stadt (Brno-město)

Geschichte:

Zwar ist nicht klar, wie alt die Siedlungen in Brünn sind, fest steht jedoch, dass der Name Brünn vom keltischen Wort für Berg abgeleitet ist. Da diesen Namen die Germanen und Slawen beibehielten ist anzunehmen, dass es bereits spätestens in einer vorchristlichen Periode zur ersten Besiedlung kam. Auf dem heutigen Brünner Burgberg ist daher eine frühgeschichtliche Siedlung anzunehmen.

Die um 1030 entstandene Brünner Burg gab auch der Siedlung ihren Namen, welche 1091 zum ersten Mal urkundlich erwähnt wurde.

Im 10. Jh. setzte sich in Böhmen und Mähren der katholische Glaube gegenüber dem, zuvor im „Großmährischen Reich“ (833 – ca. 907) durch Kyrill und Method einflussreicheren, orthodoxen Glauben durch. Daraufhin wurde 973 das Bistum Prag gegründet und im restlichen Land entstanden nach und nach verschiedene Klöster. So entstand im Jahre 1200 im Nordosten von Brünn das Prämonstatenser-Kloster in Odrowitz (Odrovice).
Brünn selbst war bereits vorher immer bedeutender geworden, was auch mit dem Ausbau der Burg am Petersberg einherging.

1182 übergab Kaiser Friedrich I. Barbarossa Mähren Konrad Otto von Znaim als reichsunmittelbare Markgrafschaft. Sein Auftrag war es, das Reich gegen äußere Feinde aus dem Osten zu schützen. Die Hauptstadt der Markgrafschaft blieb aber vorläufig Olmütz. Im Jahre 1243 erhielt Brünn von König Wenzel IV. von Böhmen das Stadtrecht. Dieses Stadtrecht war dem bereits bekannten Recht der deutschen Städte im Reich nachempfunden. Nun lagen Marktrecht, Strafrecht, Zivilrecht, Münzrecht und die Mautfreiheit im Ermessen der Stadt selbst. Ab 1349 regierten die Markgrafen von Brünn aus. Als festgesetzter Hauptort der Grafschaft begann die Siedlung um die Burg am Petersberg aufzublühen und zu wachsen. Neue Siedler kamen ins Land und langsam wurde aus der Siedlung, in welcher drei Sprachgruppen (Slawen, Deutsche und Romanen) nebeneinander lebten, eine Stadt. Das Gemeindewesen, die Rechtssprechung und die Architektur wurde weitgehend von der deutschsprachigen Bevölkerungsgruppe dominiert.

Im 14. Jahrhundert wurde Brünns Wirtschaft immer bedeutender. Als Angel- und Drehpunkt des Handels von Ost- und Nordsee zur Adria war Brünn äußerst wichtig für den Handel mit dem Reich und Prag. Kaufleute aus Deutschland, Holland, Polen und sogar Italien tummelten sich in der Stadt und boten Wein, Südfrüchte, Seide, Salz, Blei, Kupfer, Pelze und vieles mehr an. Der Weg von Samland an der Ostsee bis an die Adria wird heute als die „Bernsteinstraße“ bezeichnet. Auch bestätigten und erweiterten verschiedene Herrschaften die Stadtrechte Brünns im 14. Jahrhundert, so dass dessen wirtschaftliche Stellung noch mehr wuchs.

Im 15. Jahrhundert hatte die Stadt unter zwei Pestepidemien zu leiden. Einhergehend mit dem Bau neuer Befestigungsanlagen entstanden der Stadt hohe Schulden, welche erst später durch den fürstlichen Verzicht auf zwei Steuerjahre getilgt werden konnten. Obwohl Brünn 1428 von den Hussiten nicht erobert werden konnte, ging die Wirtschaft der Stadt durch diese Auseinandersetzungen zugrunde.

Durch diese Konflikte zog sich auch ein Riss durch die Bevölkerung. Es standen sich ehemalige Hussiten und Katholiken, sowie Deutsche und Tschechen gegenüber. Ganze Landstriche wurden verwüstet und ließen von dem früher fast völlig deutschbewohnten Teil Mährens (von Österreich bis Olmütz) nur „Sprachinseln“ übrig.

In der Zeit der Reformation kam es zwischen Lutheranern und Katholiken zu Zusammenstößen innerhalb der Stadt. Dieser Konflikt spitzte sich zu, als im Jahre 1572 die Jesuiten in die Stadt kamen und eine Schule errichteten. Die Rivalitäten blieben bestehen bis im Jahre 1599 Kardinal Franz von Dietrichstein Bischof von Olmütz wurde. Dieser führte eine kompromisslose Politik gegen die Lutheraner. Diese erkämpften sich jedoch ihre Gleichberechtigung und mit der Zeit wurde der Umgang zwischen den Konfessionen in der Stadt harmonisiert.

Erst der Dreißigjährige Krieg änderte diese Situation schlagartig.
Nach der Niederlage der Aufständischen in der Schlacht am Weißen Berg bei Prag kam es in ganz Böhmen und Mähren zu Rekatholisierungsmaßnahmen (Gegenreformation). Unter General Torstensson belagerten schwedische Truppen Brünn. Die Brünner Verteidiger hatten unter dem kaiserlichen Feldherrn Jean-Louis Raduit de Souches bereits die meisten Vorbereitungen auf die Belagerung abgeschlossen und waren gerüstet. Allerdings waren die schwedischen Belagerer fast zwanzigfach überlegen. Nach 16 Wochen musste Torstensson erfolglos abziehen.

In diesen Jahren wurde Brünn endgültig zum Mittelpunkt von Mähren. 1641 löste die Stadt Olmütz offiziell als Hauptstadt ab. Brünn war nun Sitz der Landesverwaltung und nun nicht nur kulturelles, sondern auch administratives Zentrum. Durch diese Neuregelung erlebte Brünn einen wirtschaftlichen und baulichen Aufschwung. Doch musste man zuerst neue Leute in die Stadt holen, um die Verluste des langen Krieges wett zu machen. So kamen Kriegsflüchtlinge aus dem umliegenden Land nach Brünn. Auch viele Norddeutsche ließen sich hier nieder. 1702 wurde von einem Osmanen das erste Cafehaus der Stadt gegründet.

Im Laufe der Jahre entwickelte sich ein reges Wirtschaftstreiben in der Stadt und erste Anzeichen zur Entwicklung einer Industrie zeichneten sich ab. Immer mehr richtete sich Brünn nach Wien aus, wo viele junge Einwohner hinzogen. Im österreichischen Erbfolgekrieg wurde Brünn von preußischen Truppen belagert. 1745 wurde der wegen Ungehorsam und anderer Vergehen verurteilte kaiserliche Offizier Franz von der Trenckauf der Burg Spielberg inhaftiert.

Die Wichtigkeit Brünns wurde durch die Erhebung zum Bistum im Jahre 1777 unterstrichen.

Während der Napoleonischen Kriege wurde Mähren wieder zweimal zum Kriegsschauplatz (1805 und 1809). Während der Schlacht von Austerlitz 1805 war Brünn von französischen Truppen unter Anwesenheit Napoleons besetzt. Durch diesen wurde das Kurfürstentum Bayern in Brünn zum Königreich erhoben.

1848, während der bürgerlich-revolutionären Aufstände, kam es zu Ausschreitungen, wobei einige Fabriken gestürmt wurden. Die Aufstände wurden durch das k.k. Militär und Nationalgarden unterdrückt.

In den nächsten 50 Jahren dehnte sich die Stadt immer stärker aus und bald besaß Brünn bereits 27 Vorstädte. Kultur- und Bildungseinrichtungen wurden vermehrt gebaut und Brünn entwickelte sich schließlich zu einer modernen Großstadt. 1861 wurde nach Plänen von Ludwig Förster eine Ringstraße nach Wiener Vorbild anstelle der zuvor entfernten Befestigunganlagen angelegt. An ihr entstanden auch repräsentative Gebäude wie das Mahen-Theater (Mahenovo divadlo) oder der Hauptbahnhof. Zur Entwicklung gehörte auch die Einführung der „Dampf-Tramway“ in Brünn im Jahr 1883. Die Bevölkerung von Brünn war bis zum Jahr 1910 auf 125.737 Einwohner angewachsen.

Nach dem Ersten Weltkrieg, als Brünn zu einer Bezirkshauptstadt in der neu gegründeten Tschechoslowakei wurde, lebten ca. 55.000 deutsche Einwohner in der Stadt.

Exkurs über den Brünner Dialekt: Im 20. Jahrhundert entwickelte sich zu dieser Zeit in Brünn ein eigener Dialekt (Hantec), der eine besondere Mischung aus Tschechisch, Deutsch und Jiddisch ist und die Sprachheterogenität Brünns widerspiegelt. Eine Reihe von Wörtern und Ausdrücken gelangte in die Brünner Umgangssprache: šalina (Straßenbahn, tschechisch „tramvaj“), prygl (Brünner Damm), love (Geld, tschechisch „peníze“).

Im März 1939 wurde im Zuge der Okkupation der Tschechoslowakei durch die Nationalsozialisten auch Brünn von deutschen Truppen besetzt. Nach der Errichtung des Protektorats „Böhmen und Mähren“ waren nicht nur politische Gegner und andere Gruppen, sondern vor allem auch die Brünner Juden von Verfolgung betroffen. Viele Juden aus Südmähren, die nach der Angliederung der deutschsprachigen Gebiete an das Deutsche Reich im Oktober 1938 über die neue Grenze geflohen waren landeten unter anderem auch in Brünn, wo sie nun erneut den NS-Instanzen ausgesetzt waren. So etwa auch viele Angehörige der ehemaligen Gemeinde aus Nikolsburg (Mikulov). Bis zum Kriegsende wurden mehrere tausend jüdische Stadtbürger aus Brünn in die Konzentrations- und Vernichtungslager transportiert. Nur wenige hundert überlebten den Holocaust.

Vertreibung der deutschen Bevölkerung 1945:
Nach dem Ende von Diktatur und Krieg im Mai 1945 waren es ca. 65.000 deutsche Einwohner die in Brünn und der „Sprachinsel“ um Brünn von gewaltsamen Aktionen und den Vertreibungen betroffen waren, wobei ein großer Teil der männlichen deutschen Einwohner entweder in die Wehrmacht eingerückt war und sich zu diesem Zeitpunkt schon in Kriegsgefangenschaft befand oder nach Verhaftungen durch tschechische Milizen in Lagern in und um Brünn (Festung Spielberg) interniert war.

Wie dokumentiert ist, wurden die Deutschen am Abend des 30. Mai gezwungen, binnen einer halben Stunde ihre Wohnung zu verlassen und sich an sieben verschiedenen Plätzen zu sammeln, wo die ganze Nacht hindurch ihr Handgepäck nach Wertsachen durchsucht wurde. Am Morgen setzte sich dann der Zug auf der Wiener Reichsstraße in Bewegung. Die ersten 500 Toten waren bereits auf dem Weg zum Zentralfriedhof zu verzeichnen, da man auch die Insassen von Altersheimen nicht ausgenommen hatte und Gehbehinderte von brutalen Bewachern oder aufgehetzten Halbwüchsigen an Ort und Stelle erschlagen wurden.

Insgesamt wurden wohl etwa mindestens 25.000-30.000 Menschen nachweislich zu Fuß in Richtung österreichische Grenze getrieben. Der Zug soll über 10 km Länge erreicht haben was bei einer Marschkolonne in Viererreihen eine höhere Anzahl (rund 40.000) ergibt, noch dazu wo die Kolonne auch die deutsche Bevölkerung der übrigen Brünner Sprachinsel aufnehmen musste. Der Zug bestand vorwiegend aus Frauen, Kindern, Säuglingen und alten Menschen. Auf dem Marsch waren vor allem die Frauen Übergriffen seitens der tschechischen Milizen und sowjetischen Soldaten ausgesetzt. Es kam zu Vergewaltigungen und Misshandlungen. Viele der Vertriebenen waren den Strapazen des Marsches nicht gewachsen. Die große Hitze, die zu dieser Zeit Ende Mai herrschte bei gleichzeitiger schlechter Wasserversorgung, ließ etliche zusammenbrechen.

Es war ein drückend schwüler Tag und die erschöpften Menschen fingen schon bei Raigern an, ihre Habseligkeiten weg zuwerfen. Die mit Karabinern und Peitschen bewaffneten Bewacher, zum Großteil Arbeiter der Brünner Waffenfabrik, duldeten kein Verlassen der Kolonne und liquidierten Zurückgebliebene gnadenlos. Weil der Zug aber zu langsam vorwärts kam, wurde schließlich Wasser aus einem Bach, in dem schon Leichen lagen, mit Wassertanks (ehemalige Jauchefässer) gebracht, was fürchterliche Folgen haben sollte.

Der Grenzübertritt in das sowjetisch besetzte Niederösterreich wurde zunächst verweigert, woraufhin man die vielen Menschen in Pohrlitz (Pohořelice) in Getreidelagerhallen bzw. einem ehemaligen Heereslager einsperrte. Geschwächt von Hunger und Durst und durch ausbrechende Seuchen starben viele Personen (nach Schätzungen von Augenzeugen 70 bis 100 Menschen täglich). Die Ruhr brach aus, weil viele davor von dem, in ehemaligen Jachefässern von den Bewachern herangeschafften, verseuchten Wasser getrunken hatten. Viele von ihnen wurden in Massengräbern (in vorhandene Panzergräben) bei Pohrlitz (Pohořelice) begraben. Erst im Juni 1945 durften die Vertriebenen nach Österreich, wo weitere Opfer aufgrund von Krankheit und Hunger zu beklagen waren. Etwa 1.000 Opfer dieser Vertreibungsaktion sind auf den Friedhöfen in den niederösterreichischen Ortschaften entlang der Brünner Straße begraben.

Insgesamt forderte diese Aktion offiziell ca. 2.000 Todesopfer, die durch Hunger, Durst, Krankheit oder einzelne Gewaltexzesse umgekommen sind. Die Dunkelziffer kann allerdings weit höher veranschlagt werden, da viele Opfer die am Straßenrand starben, in Straßen- und Schützengräben liegen blieben, in den Statistiken nicht berücksichtigt wurden. Neuere Studien gehen von bis zu über 5.000 Opfern insgesamt – vom Beginn der Aktion in Brünn bis zum Ende in Wien – aus, da angenommen wird, dass auf tschechischer Seite wesentlich mehr Opfer zu beklagen waren, als auf österreichischer Seite und auch die vorliegenden Vermisstenmeldungen in diese Richtung weisen. Diese Vertreibungsaktion wurde von den Vertriebenen als „Brünner Todesmarsch“ bezeichnet und ist auch als solcher bekannt geworden.

Als Organisator des „Brünner Todesmarsches“ gilt der tschechische Stabskapitän Bedřich Pokorný, der diese Aktion gemeinsam mit tschechischen Arbeitern der Brünner Waffenfabrik (Československá zbrojovka) durchführte. Er war zu diesem Zeitpunkt Befehlshaber der „Nationalen Sicherheitswacht“ in Mähren. Unter den Nationalsozialisten war Pokorný als Gestapo-Spitzel eingesetzt.

Der „Brünner Todesmarsch“ – vor allem in seiner Dimension eine der gewaltsamsten Vertreibungsaktionen gegen die deutschen Südmährer – gilt als Symbol für die Vertreibung der deutsch-südmährischen Bevölkerung ab Mai 1945.

Brünner Todesmarsch

Brünn nach 1945:
In der Zeit der ČSSR wurde Brünn ein führendes industrielles Zentrum. Um möglichst rasch und kostengünstig Wohnungen für den Zustrom an Arbeitern und die stetig wachsende Bevölkerung zu schaffen wurden in den Außenbezirken Plattenbausiedlungen errichtet.
Umfangreiche Sanierungen und Renovierungen der Altstadt gab es erst nach 1989.
Heute ist Brünn auch bekannte Messestadt.

Wirtschaft und Infrastruktur:

Landwirtschaft: im Umland von Brünn wurde vorwiegend Ackerbau betrieben.

Gewerbe und Industrie: Wirtschaftlich wurde Brünn im 19. Jahrhundert zur Industriestadt. Es gab mehr als 64 Betriebe mit 10 Spinnereien. Weiters gab es chemische-,Leder-, Maschinen-, Keramik-, Holzwaren-, Papier-, Petroleum-, Textil- und Zuckerfabriken.
Auch der Bahnanschluss im Jahr 1839 steigerte die Bedeutung Brünns im Wirtschaftssystem Österreich-Ungarns. Diese Bahnstrecke wurde durch 11 Millionen Gulden der Familie Rothschild ermöglicht.

Einrichtungen: Brünn besaß bereits um 1900 und im frühen 20. Jh. so ziemlich alles an Einrichtungen, die für eine Großstadt typisch waren. Neben den verschiedenen Verwaltungsstellen gab es eine gute Infrastruktur, zahlreiche kulturelle Einrichtungen sowie viele Angebote auf dem Dienstleistungssektor. 1873 wurde die deutsche technische Hochschule gegründet, 1899 die tschechische Hochschule. Die Masaryk-Universität wurde 1919 gegründet. Ebenfalls 1899 wurde die Mendel-Universität (Land- und Forstwirtschaft) und 1918 die veterinärmedizinische Universität gegründet. Bereits 1817 wurde das Mährische Landesmuseum eingerichtet. Das heutige Haus der Kuns (Dům umění) wurde als Kaiser-Franz-Josephs-Jubiläums-Künstlerhaus zwischen 1908 und 1911 errichtet.
1928 fand die Ausstellung der modernen Kultur statt, zu deren Zweck das Brünner Messegelände eröffnet worden war.

Kulturerbe:

  • Burg Spielberg (Špilberk): Sitz der Teilfürsten von Brünn, später der Markgrafen von Mähren, fertiggestellt im Jahre 1277, mehrmals umgebaut und erweitert (besonders im 17. und 18. Jh.); Außenwerke im Jahre 1809 geschleift. Ein Schandmal auf dem Namen der wehrhaften Burg waren noch im 20. Jahrhundert die Kerkerzellen, besonders die gefürchteten unterirdischen „Kasematten“. Im Jahre 1958 verlor sie den Rang eines Staatsgefängnisses und wurde fortan nur als Kaserne benützt. Seit dem Jahre 1960 ist die Burg Sitz des städtischen Museums. Seit 1962 ist die Burg ein nationales Kulturdenkmal.
  • Altes Rathaus: bis 1935 Sitz des Magistrats. Kernteil und Turm um 1240 entstanden, wertvolles spätgotisches Portal von Anton Pilgram aus dem Jahre 1510, Arkadengalerie und Turmaufbau mit Umgang von Pietro Gabri aus den 70er Jahren des 16. Jh., Ratsherrensaal und Teile des Hoftrakts von Jan Baptist Erna aus der 2. Hälfte des 17. Jh., Wandgemälde im Gerichtsaal von Joseph Winterhalter aus dem Jahre 1790, Krokodil und Rad in der Einfahrt.
  • Neues Rathaus: bis 1784 Tagungsort des mährischen Landtages und Sitz des Landesgerichts, seit 1935 Sitz des städtischen Nationalausschusses und des Magistrats. Entstanden durch Umbau eines Dominikanerklosters, auf dessen bauliche Entwicklung (Mitte des 13. Jh. bis Endes des 15. Jh.) teilweise aus der Gestaltung des ältesten erhaltenen Gebäudeteils (Kreuzgang) geschlossen werden kann. Renaissance-Anbau samt Freitreppe von Pietro und Antonio Gabri aus den Jahren 1582 -1585, Gebäude des ersten Hofes aus den Jahren 1718 – 1720 von Moritz Grimm, Quertrakt von Moritz Grimm aus den Jahren 1726 – 1728. Gebäude des zweiten Hofes aus den Jahren 1773 – 1778, Sonnenuhr aus dem Jahre 1728, Brunnen aus dem Jahre 1928. Wappen der mährischen Herren im Rittersaal von Giorgio Gialdi (1585), Deckengemälde im Treppenhaus von Franz Eskstein (1732), im Sitzungssaal von Daniel Gran und Gaetano Fanti (1734 – 1735), Fresken im Saal der Landtafel von Joseph Winterhalter (1777).
  • Kirche St. Peter und Paul: Auf dem Hügel hatte schon im 12. Jh. eine gemauerte romanische Basilika und neben ihr die alte Burg von Brünn gestanden. Der Dombau dauerte vom Anfang des 14. bis Anfang des 16. Jh. Das während der Schwedenbelagerungen schwer beschädigte Schiff erhielt seine heutige Gestalt durch Moritz Grimm (1743 – 1748), den Chor regotisierte August Prokop (1889 – 1891), beide Türme und die Front entwarf August Kirstein (1904 – 1908). Die Innenausstattung stammt von dem Bildhauer Andreas Schweigel (1775 – 1776) und den Malern Jan Spillenberg, Kremser Schmidt, Frantisek V. Korompay und Josef Vikart. Die steinerne Madonna unter dem Orgelchor stammt aus der 1. Hälfte des 14. Jh., eine spätgotische Pieta und das Renaissance-Grabgemälde zum Andenken des Brünner Patriziers Benedikt Umlauf sind weitere Kunstschätze des Doms. Seit der Gründung des Brünner Bistums (1777) ist St. Peter und Paul Bischofskirche.
  • Kirche St. Jakob: begonnen in der zweiten Hälfte des 14. Jh. (Brandkatastrophe 1515), vollendet 1592. Die Dreischiffhalle von Anton Pilgram aus dem Anfang des 16. Jh., regotisiert im 19. Jh. Gotisches Kruzifix aus der Mitte des 14. Jh. Reliefs Kreuzigung und Beweinung Christi aus den Jahren 1518 bzw. 1519. Kanzel (1525) barockisiert 1684. Grabplastiken (Gotik und Renaissance). Orgel (1694). Barockaltäre von Andreas Schweigel. Bilder von J. Sattler, F. Karompay, F. Palko und J. Stern. hinter dem Hauptaltar Sarkophag des Verteidigers der Stadt gegen die Schweden, Raduit de Souches, von J. Chr. Probstl und Johann S. Kercker (1722).
  • Kirche Mariä Himmelfahrt: das besterhaltene gotische Baudenkmal von Brünn, ursprünglich Kirche des 1323 gestifteten Zisterzienserinnenklosters, Backsteingotik, fertiggestellt Ende des 14. Jh. Im Zuge der Barockisierung des Klosters entstand in der ersten Hälfte des 18. Jh. die Propstei (von Moritz Grimm). Heute befindet sich im Kloster eine Gregor-Mendel-Gedenkstätte (Mendelianum). An der Innenausstattung (zweite Hälfte des 18. Jh.) der Kirche wirkten der Bildhauer Andreas Schweigel und der Maler Josef Rotter und Ignaz Raab. Die „Altbrünner Madonna“, wahrscheinlich byzantinischer Provenienz, über dem Hauptaltar hing ursprünglich in der Thomaskirche. Das silberne Tabernakel stammt von Johann Georg Herkommer aus Augsburg.
  • Kirche St. Thomas: Kirche des im Jahre 1350 gestifteten Augustinerklosters. Von den ursprünglichen Kunstwerken ist noch eine Pieta erhalten, wahrscheinlich ein Werk Heinrich Parlers aus den Jahren 1381 – 1387. Barocke Restaurierung des ursprünglich gotischen Baus durch Jan Baptist Erna (1665 – 1674). Die Frontstatuen sind das Werk des Bildhauers Jan van der Furth. Der barocke Chor und die anliegenden Klostergebäude stammen von Moritz Grimm (1749 – 1752). Kanzel und Seitenaltäre stammen von Ferdinand Pfaundler (1677 bis 1686), die Bildhauerarbeiten an dem Orgelbau von Anton Riga (1699), der Hauptaltar von Joseph Winterhalter und Jakob Scherz (1762), das Hauptaltarbild von Franz Anton Maulpertsch (1764). In einem Teil des ehemaligen Klostergebäudes ist jetzt das Museum der Arbeiterbewegung untergebracht.
  • Kirche Mariä Himmelfahrt Jesuitenkirche: erbaut 1598 – 1602, barocke Innengestaltung. Turmbau von Moritz Grimm (1732 – 1733). Älteren Ursprungs sind das spätgotische Kruzifix, die Marmorplatte über der Dietrichsteinschen Familiengruft (1607), die Chorbänke (Beginn des 17. Jh.), die acht Marienbilder von Baldassare d’Anna, einem flämischen in Venedig lebenden Maler (1. Hälfte des 17. Jh.), die Madonnastatue von Jan van der Furth.

Der Hauptaltar ist ein Werk Jan Schaubergers, das Hauptaltarbild Franz Ecksteins. Beide stammen aus den Dreißiger Jahren des 18. Jh. Weitere Kunstwerke sind die Statuen von Jan Adam Nessmann und das Deckengemälde von Felix A. Scheffler (1744).

  • St. Michael Dominikanerkirche: Kirche des zwischen 1228 und 1238 gestifteten Dominikanerklosters, dessen Teile in den Gebäudekomplex des Neuen Rathauses einbezogen wurden. Die frühbarocke Kirche erbaute 1655 – 1679 Johann Baptist Erna. Die Innenausstattung stammt aus der 1. Hälfte des 18. Jh. und ist das Werk der Bildhauer Anton Riga, Joseph Winterhalter, Dominik Kirchner, Damaszen Schwarz, Andreas Schweigel und der Maler Josef Stern und Ignaz Raab. Die Frontstatuen stammen von Anton Riga (1728), die Statuen auf der Terrasse von Joseph Winterhalter, Andreas Zahner und Jan Adam Nessmanns (1736 – 1737).
  • St. Johannes Minoritenkirche: Kirche des im Jahre 1230 gestifteten Minoritenklosters. Moritz Grimm barockisierte in den Jahren 1729 – 1733 den gotischen Bau, das Deckenfresko an der Tonnenwölbung schuf Johann Etgens (1732), die Altargemälde Felix Ivo Leicher und Josef Stern, die Orgelskulptur Anton Riga, die Statuen Johann Schauberger. Die anliegende Lorettokapelle mit der heiligen Stiege ist ebenfalls ein Werk Moritz Grimms (1716 – 1720), die Frontskulpturen schuf Johann Scherz, das Deckenfresko Franz Gregor Eckstein (1723), die Bilder Josef Havelka.

Steinerne Madonna aus dem Ende des 14. Jh.; spätgotische Grablegung.

  • Kloster der Kreuzerhöhung – Kapuzinerkirche: Ursprünglich 1604 – 1606 errichtet, wurden das Kloster und die Kirche nach der Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg 1648-1651 von Andreas Erna erbaut, das nach seiner Wiederherstellung unter die Verwaltung des Mährischen Museums gestellt wurde. Gotische Madonnenstatue aus dem zweiten Viertel des 15. Jh., Hauptaltarbild von Joachim Sandrart (1655), weitere Barockbilder von Johann Lukas Kracker und Josef Rotter, Statuen auf der Balustrade von Johann Adam Nessmann (1765) und Cenek Vosmik (1927). Die Kirche wurde 1763 – 1765 von dem Architekten Franz Anton Grimm um einen Flügel erweitert.

In der besuchsfreien Gruft unter der Kirche wurden nicht nur die Mönche und Gönner des Ordens beigesetzt. Seine letzte Ruhestätte fand hier auch der berüchtigte Pandurenoberst Baron Trenck sowie der Architekt Grimm.

  • Kirche St. Leopold: Kirche des im Jahre 1748 gegründeten Klosters der Barmherzigen Brüder (Entwurf von Moritz Grimm, evtl. auch seines Sohnes Franz Anton Grimm). Die Statuen im Inneren sind das Werk von Andreas Schweigel, die Gemälde einschließlich des Deckenfreskos Josef Sterns (1771). Die Statue Ecce homo vor der Kirche stammt von Johann Christian Pröbstl (1722). Das Klostergebäude dient heute als Krankenhaus, auch eine Apotheke ist hier untergebracht.
  • Kirche St. Ägidius: Kirche der im Jahre 1527 aufgelassenen Benediktinerpropstei. Spätgotischer Chor, Kanzel und Taufbecken aus dem Jahre 1572.
  • Kirche Mariä Himmelfahrt des Prämonstratenserordens: Barockbau aus den Jahren 1661 – 1669 nach einem Entwurf von Giovanni Pietro Tencalla. Die Kapelle der hl. Maria von Tschenstochau wurde um 1755 von Moritz Grimm angebaut. Die barocken Kirchen- und Kapellenskulpturen stammen von Andreas Schweigel, das Deckenfresko und Bilder der Seitenaltäre von Joseph Winterhalter, das Hauptaltarbild von Franz Anton Maulpertsch.
  • Kirche der Heiligen Dreifaltigkeit: Kirche des um 1370 gestifteten Kartäuserklosters. Gotischer Bau mit spätbarocker Front.
  • Evangelische Kirche „Jan Amos Komensky“: Neugotischer Bau von Ferstel (1862).
  • Mährisches Museum: Ursprünglich mittelalterlicher Bischofshof, 1579 von Antonio und Pietro Gabri erneuert und mit Renaissance-Hofarkaden verschönert, dann in der zweiten Hälfte des 17. Jh. von Johann Baptist Erna umgestaltet. Daran baute Kardinal Franz Dietrichstein in der ersten Hälfte des 17. Jh. einen prächtigen Palast mit Gartenterrassen (Entwurf von Giovanni Giacomo Tencalla) an, der dann um 1700 nach einem Projekt von Domenico Martinelli teilweise neugestaltet wurde. Eine Gedenktafel erinnert an Marschall Kutusow, der hier vor der Schlacht bei Austerlitz einige Tage gewohnt hat.
  • Das Haus der Herren von Lipa: Im Jahre 1587 erwarb der Patrizier Christoph Schwartz aus Retz das Haus des Cenek von Lipa, ließ es niederreissen, und von Antonio Gabri anstelle des ursprünglich, gotischen Gebäudes den neuen Palast erbauen. Die Steinmetzarbeiten am Portal und an den Erkern sind das Werk Giorgio Gialdis (1589). Das vierte Stockwerk wurde 1843 aufgebaut. Die Frontsgraffiti stammen von Emanuel Hrbek (1938). Das Haus ist eines der schönsten Denkmäler der Brünner Renaissancearchitektur.
  • Ethnographisches Museum: Das frühbarocke Gebäude wurde von Johann Baptist Erna erbaut (1674 bis 1679), in der Mitte des 18. Jh. umgestaltet und Ende des 18. Jh. aufgestockt. Heute befinden sich hier die ethnographischen Sammlungen des Mährischen Museums.
  • Haus der Herren von Kunstat: Die Stadtresidenz der Herren von Kunstat ging 1494 in den Besitz der Herren von Pernstein über, die den Renaissance-Arkadenhof anlegten. 1713 wurde das Haus von Moritz Grimm zu einer städtischen Markthalle (Schmetterhaus) umgebaut. Das kriegsbeschädigte Gebäude wurde in den Jahren 1952 -1955 restauriert. Es finden hier Ausstellungen und im Sommer im Hof Konzerte statt.
  • Schrattenbach-Palais: Barockbau ausgeführt von Moritz Grimm (1735 – 1739). an der Jahreswende 1767/1768 wohnte hier W. A. Mozart. Heute Sitz der Mährischen Bibliothek.
  • Klein-Haus: Wohnhaus mit prächtigen Räumen im Stil der Neurenaissance. Erbaut 1847 – 1848 nach einem Entwurf von Ludwig Förster. Vielfache Verwendung von Graugussmaterial.
  • Merkur-Brunnen: Im Hof des Mährischen Museums. Ursprünglicher Standort am Unteren Markt. Werk des Bildhauers Ignaz Bendl (1693 – 1699). Den Brunnen schmücken die Statuen von Merkur, Neptun, Vulkan und Ceres.
  • Parnass: Marktbrunnen, Entwurf von Fischer von Erlach, vollendet von Tobias Kracker (1693 – 1696). Über der Grotte, in der Herkules den überwundenen Zerberus fesselt, erheben sich in allegorischer Statuengestaltung Europa, Persien, Griechenland und Babylonien.
  • Zderad-Säule: Gotische Grenzmarke aus dem 14. Jh. vor der Svitava-Brücke
  • Pestsäule: Errichtet um 1680.

Persönlichkeiten

Politik

Wissenschaft

Kunst und Kultur

Wirtschaft

heimatkundliche und andere Literatur:

zu Brünn:

  • Kiowsky, Hellmuth: Mährische Impressionen. Brünn: Ein deutsches Schicksal im Schnittpunkt zweier Kulturen, 2010.
  • KLENOVSKÝ, Jakub. Brno židovské: historie a památky židovského osídlení města (Geschichte des jüdischen Brünn), 2002.
  • KUČA, Karel. Brno – vývoj města, předměstí a připojených vesnic (Entwicklung der Stadt und Vororte), 2000.

zur Vertreibung:

  • Brandes, Detlef: Der Weg zur Vertreibung 1938-1945. Pläne und Entscheidungen zum „Transfer“ der Deutschen aus der Tschechoslowakei und aus Polen, 2. Aufl., Oldenburg/München 2005.
  • Hertl, Hans: Der Brünner Todesmarsch 1945, 1998.
  • Odsun. Die Vertreibung der Sudetendeutschen: Dokumentation zu Ursachen, Planung und Realisierung einer „ethnischen Säuberung“ in der Mitte Europas 1848/49-1945/46, München 2000.
  • Staněk, Tomáš: Odsun Němců z Československa 1945 – 1947, (Vertreibung der Deutschen aus der Tschechoslowakei) Praha 1991.
  • Staněk, Tomáš: Verfolgung 1945. Die Stellung der Deutschen in Böhmen, Mähren und Schlesien (außerhalb der Lager und Gefängnisse), 2002.

Weblinks:

Genealogie:

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