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Damitz

Aufnahme einer Damitzer Familie bei Drescharbeiten

Freibad von Damitz

Tschechischer Name: Damnice

Fläche: 885 ha

Einwohner 1910: 532 in 104 Häusern (514 deutsch), 1930: 547 in 138 Häusern (505 deutsch), 2010: 325.

heutiger Verwaltungsbezirk: Znojmo (Znaim)

Matriken: seit 1635 bei Irritz (Jiřice)

Lage und Ortsbild:

Damitz liegt auf 198 m Höhe und ist ein langgezogenes Dorf, geteilt durch den Damitz-Bach, der von Mißlitz (Miroslav) durch Damitz in Richtung Irritz (Jiřice u Miroslavi) fließt. Vier Brücken und drei massive Stege verbanden die Ortsteile. Die Durchgangsstraße war die Hauptstraße, weitere Dorfteile waren die Badgasse, die Keller- oder Tullnitzerstraße, das „Wingl“, die Grünau und das Dörfl. Nachbarorte sind Tullnitz (Dolenice) im Süden, Irritz (Jiřice u Miroslavi) im Osten, Kaschnitzfeld (Kašenec) im Westen und Socherl (Suchohrdly u Miroslavi) im Norden.

Geschichte:

Die erste heute bekannte urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1353. Ältere Schreibweisen bis 1720 waren „Dampnycz“, „Tampnycz“, „Damycz“ und „Dammitz“.

1490 erlangte Georg von Weitmühl die Herrschaft über den Ort. Ab 1535 gehörte Damitz für längere Zeit zum Markt Schattau (Šatov). Im Dreißigjährigen Krieg wurde der Ort 1628 zerstört und verödete danach.

Nach einer Urkunde aus 1665 verkaufte die damalige Besitzerin Renata Maria Gräfin Slawata dem Kloster Bruck das Gut Damitz und „Sucherle“ um 9.000 Gulden, welches Damitz mit deutschsprachigen („ui“-Mundart) katholischen Bauern neu besiedeln ließ.

Mit der Säkularisierung der Klöster im Jahr 1784 fiel Damitz zunächst an die Herrschaft Mißlitz (Miroslav) und später an den k. u. k.-Religionsfonds. 1794 wurde durch einen Großbrand das halbe Dorf vernichtet. 1824 wurde Damitz an Josef Edlen von Hopfen für 130.000 Gulden verkauft.
Während des Preußisch-Österreichischen Krieges kam es um 1866 zu einer Cholera-Epidemie.

Durch die extreme Kälte in den Wintern der Jahre 1928/29 und 1939/40 erfror der Weizen.

Ab 1935 wurde Damitz offiziell ein Fremdenverkehrsort. Dabei wurde für das „Mineralbad“ geworben.

Bis 1938 gehörte Damitz nach der Schaffung der politischen Bezirke im 19. Jh. zum Bezirk Mährisch Kromau (Moravsky Krumlov). Nach der Angliederung an das nationalsozialistische Deutsche Reich durch das „Münchner Abkommen“ 1938 wurden die deutschsprachigen Teile dieses Bezirkes dem neuen Landkreis Znaim (Znojmo) einverleibt.

Am 7. Mai 1945 wurde Damitz das Ziel eines alliierten Bombardements. Dabei kamen sechs Menschen ums Leben und mehrere Gebäude wurden zerstört. Durch die zahlreichen Pferdeleichen brach Typhus aus, an dem drei Frauen starben.
Der Zweite Weltkrieg forderte 23 Opfer aus dem Ort.

Vertreibung 1945/46:
Zwei Wochen nach dem Einmarsch der Sowjetarmee im Ort kamen unter einem Kommissar Cepera ca. 20 junge militante Tschechen („Revolutionsgardisten“). Diese wurden im Gasthof Hanak einquartiert. Die von ihnen durchgeführten Razzien waren sehr gewaltsam. So wurde ein Bauer erschossen, der sein Jagdgewehr nicht abgegeben hatte und erst auf Befehl eines sowjetischen Offiziers begraben.
Die männliche Bevölkerung wurde zunächst in Mährisch Kromau (Moravský Krumlov) interniert. Vier Inhaftierte starben an Typhus. Da die ab November 1945 in die Damitzer Häuser eingezogenen Tschechen keine Landwirte waren, wurden einige vormalige deutsche Landwirte aus dem Ort zwangsweise zur Hilfsarbeit herangezogen. Die meisten deutschen Einwohner wurden in drei Transporten, im Februar, März und Juni 1946, nach Westdeutschland zwangsausgesiedelt. Insgesamt waren 473 Personen von der Vertreibung betroffen.

Wirtschaft und Infrastruktur:

Landwirtschaft: Um 1900 waren 837 ha Ackerland bewirtschaftet. Angebaut wurden Zuckerrüben, Getreide, Mais und Klee. Der angebaute Weizen wurde großteils für die Griesherstellung verwendet. Auf 10 ha der damaligen Gemeindefläche wurde auch Weinbau betrieben. Daneben wurde Vieh, vor allem Schweine und Rinder, gehalten.

Gewerbe: zwei Ziegeleien, Maschinenschlosserei und vier Gasthäuser.

Einrichtungen: Volksschule (1882), Freiwilligen Feuerwehr (1894) mit „Feuerwehrhäusl“, Freibad, Heilquelle, Elektrifizierung (1931), Milchhaus (1936), zuständiges Postamt in Irritz (Jiřice).

Kulturerbe:

Glockenturm von 1822

Dorfkapelle

heimatkundliche Literatur:

Sofka, Edmund/Wieder, Edmund: Heimatbuch der Gemeinden Irritz – Damitz – Tullnitz, Ulm 1975.

Weblinks:

Genealogie:

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