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Doerflitz

Ortsansicht von Dörflitz

Kapelle von Dörflitz

Tschechischer Name: Derflice

Fläche: 338 ha

Einwohner 1910: 268 in 56 Häusern (alle deutsch), 1930: 282 in 65 Häusern (278 deutsch), 2001: 136.

heutige Gemeindezugehörigkeit: Znojmo (Znaim)

heutiger Verwaltungsbezirk: Znojmo (Znaim)

Matriken: seit 1833 bei Naschetitz (Načeratice), davor ab 1700 bei Taßwitz (Tasovice).

Lage:

Dörflitz liegt auf 217 m Höhe und 7 km südöstlich von Znaim (Znojmo). Der Ort ist als Zeilendorf angelegt. Nachbarorte sind Naschetitz (Načeratice) im Nordwesten, Rausenbruck (Strachotice) bzw. Mitzmanns (Micmanice) im Südosten, Taßwitz (Tasovice) bzw. Gurwitz(Krhovice) im Norden bzw. im Nordosten und Urbau (Vrbovec) im Südwesten.

Geschichte:

Im Jahr 1210 wurde ein Gutshof auf dem Gebiet der heutigen „Brunnenwiesen“ nahe Dörflitz urkundlich erwähnt, der damals vom Kloster Bruck (Kloster Louka, Klášter v Louce) betrieben wurde. Dörflitz selbst fand zum ersten Mal Erwähnung im Jahr 1437 als Gutshof des Klarissenklosters in Znaim (Znojmo). Anlass war der Tausch von Besitzungen im Zuge dessen Dörflitz in den Besitz des Klosters Bruck kam.

Die Bauern im Ort betrieben in früheren Zeiten intensiv Schafzucht. Daher besaßen die Einwohner auch den Spitznamen „Schafhax’n“.

Charakteristisch für diese Region waren die sogenannten Zeilendörfer. Die Häuser wurden in einer Zeile aneinandergereiht errichtet. Dadurch ergaben sich abgeschlossene Anwesen ohne freien Zugang außer von der Straße her. Durch das „Hintaustor“ war der Stallhof erreichbar, der sich an das Gebäude anschloss. Dieser war mit einem Holzzaun oder einer Steinmauer eingefriedet und wurde oft als Weidefläche für Nutzvieh verwendet.
Ganz am Ende des Grundstückes, innerhalb des Stallhofes, stand der Stadel (Scheune). Bei der Anlage eines solchen bäuerlichen Anwesens ließ man nie die Sicherheitskomponente außer Acht. Damals waren die Häuser größtenteils noch mit Stroh gedeckt. Der große Abstand der Scheune zu den Stallungen bot Sicherheit bei Feuer. Bei einem Brand bestand also die Chance, dass nicht gleich das gesamte Anwesen vernichtet wurde.

Nach Verödung der Ortschaft im Dreißigjährigen Krieg erfolgte 1709 die Neugründung durch das Stift Bruck. Der jetzt noch existierende Trinkbrunnen war angeblich der Ortsmitte. Nur sieben Personen sollen die Kriegswirren überlebt haben.

In dem ersten vorhandenen Grundbuch aus dem Jahre 1709 berichtet der Prälat und kaiserliche Rat Karl Kratochwill, dass unter dem Abt vom Stift Bruck am 08. März 1708 ein neues Dorf mit dem Namen „Derfflitz“ gegründet wurde. Vermutlich wurde die ehemalige Herrschaft aufgelöst und der Grund an die Siedler als Lehen vergeben. Das heute noch existierende „Jägerhaus“ gehörte wahrscheinlich damals zur Herrschaft (Gutshof). Nach der Gründung des Dorfes siedelten sich laut Grundbuch von 1709 aus verschiedenen Regionen Bauern und Hauer (Weinbauern) an. Die meisten kamen aber aus Urbau (Vrbovec), Kallendorf (Chvalovice), Mühlfraun (Dyje), Nieder- und Oberösterreich. Auch ein tschechischer Name, Przibil aus Mrakolin, taucht unter den Siedlern auf.

Nach Auflösung des Klosters Bruck 1784 wurde Dörflitz vom Religionsfonds verwaltet. Die Kirche wurde bis 1833 bei Taßwitz (Tasovice nad Dyjí) eingepfarrt.

Das „zweite Dörflitzer Grundbuch“ von 1810 zählt wieder die Besitzer nach Hausnummern auf. Es berichtet, welches Lehen jeder Bauer innehatte (3/4, 1/2 oder 1/4-Lehen, 1 Lehen = ca. 30 ha.). Erstmals werden sogenannte „Heusler“ aufgeführt.

1852 wurde ein Großteil von Dörflitz durch Brand zerstört.
Nach Schaffung von Gemeinden und politischen Bezirken war Dörflitz eine Gemeinde im Bezirk Znaim (Znojmo).

Im „dritten Grundbuch“ (1826 – 1886) ist zu ersehen, dass Nr. 20 im Jahre 1819 als Hirtenhaus und Nr. 32 als „Schmidtenhaus“ auf Gemeindekosten erbaut wurde. Die Nummerierung der Häuser aus dem dritten Grundbuch entspricht mit wenigen Ausnahmen schon der, die bis ins Jahr 1945 noch existierte. 1889 waren erst 44 Hausnummern erfasst.

Nach der Angliederung an das nationalsozialistische Deutsche Reich im Herbst 1938 wurde Dörflitz mit Naschetitz (Načeratice) zur Gemeinde „Traubenfeld“ im neuen Landkreis Znaim (Znojmo) zusammengelegt. Nach dem Ende von Diktatur und Krieg erfolgte die Auflösung dieser Gemeinde.
18 zur Wehrmacht eingerückte Dörflitzer fielen.

Vertreibung 1945/46:
Militante Tschechen und radikalnationale Milizen, die sogenannten Revolutionsgardisten, verübten Gewaltakte an den deutschen Einwohnern von Dörflitz und vertrieben diese. Im August 1945 wurden die übrigen, noch nicht nach Österreich geflohenen deutschen Einwohner über die Grenze vertrieben. Von den Vertriebenen blieben 21 Familien in Österreich während die restlichen Familien sich in Deutschland (Baden-Württemberg und Bayern) ein neues Leben aufbauten. Zwei Personen wanderten in die USA aus.

Wirtschaft und Infrastruktur:

Landwirtschaft: Wie schon erwähnt, spielte die Schafzucht früher eine große Rolle, dürfte aber später aufgegeben worden sein. Um 1900 werden in der Statistik keine Schafe ausgewiesen. Der Großteil der Gemeindefläche wurde für Ackerbau genutzt. Angebaut wurden neben Getreide vor allem Gurken. Eine relativ große Rolle spielte auch der Weinbau, der um 1900 auf ca. 24 ha der Gemeindefläche betrieben worden war. Daneben gab es auch Obstbau.

Gewerbe: zwei Gasthäuser und ein wenig Kleingewerbe.

Einrichtungen: Volksschule (1829 bzw. 1905/06), Elektrifizierung (1928),
Milchgenossenschaft (1925) mit „Milchhäusl“ (1926), Freiw. Feuerwehr (1933).

Kulturerbe:

Kapelle der Unbefleckten Empfängnis: errichtet 1804, 1839 vergrößert, 1908-1930 renoviert, im Turm zwei Glocken, 1960 abgetragen.
1833 wurde die Pfarre Naschetitz (Načeratice) gegründet, und Dörflitz dieser zugeteilt.

heimatkundliche Literatur:

Muck, Franz: Chronik der Heimat – Dörflitz in Südmähren, 1982.

Genealogie:

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