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Erdberg

Ansicht von Erdberg

Erdbergerin in traditioneller Kleidung

Überblick über den Ortskern von Erdberg

Die Erdställe unter dem Ort

Plan der Erdställe

Dorfteich

Tschechischer Name: Hrádek u Znojma

Fläche: 2.051 ha

Einwohner 1910: 2.168 in 470 Häusern (alle deutsch), 1930: 2.238 in 583 Häusern (2.212 deutsch), 2010: 941.

heutiger Verwaltungsbezirk: Znojmo (Znaim)

Matriken: seit 1660.

Lage:

Erdberg liegt am linken Thayaufer in der Thaya-Schwarza-Senke in ca. 200 m Höhe und 22 km südöstlich von Znaim (Znojmo). Nur wenige Kilometer südlich verläuft die tschechisch-österreichische Grenze. Nachbarorte sind Groß Tajax (Dyjákovice) im Osten, Klein Grillowitz (Křídlůvky) im Westen und Joslowitz (Jaroslavice) im Südwesten. Die hügelige Umgebung ist geprägt von Ackerflächen und Weingärten.

Geschichte:

Aus der ursprünglichen, um ca. 1000 auf einem Höhenrücken an der Thaya entstandenen, hölzernen Befestigung entstand einige Jahrzehnte später eine feste Burganlage. Um die Burg Nagradku entwickelte sich ein Dorf.

Eine urkundliche Fälschung aus dem 12. Jh., datiert auf das Jahr 1052 nennt das Dorf als „Erpurch“. 1131 wurde Erdberg als zum Znaimer Kirchengut (im Besitz der Mailberger Johanniter) gehörig erwähnt. Eine Pfarre ist erstmals 1227 belegt.

Eine Burg, die zum Schutz des Thayaüberganges diente, wird in einer Urkunde von 1235 erwähnt. Diese wurde in den Kämpfen zwischen Babenbergern und Přemysliden 1244 zerstört.

Vor allem im 12. und 13. Jh. kam es zu einer Besiedlung durch deutschsprachige Menschen (bayrisch).
In einer Urkunde von 1342 wird Erdberg zu den damals bestehenden 16 Märkten von Mähren gezählt.

1370 bis 1390 wurde ein Niklas von Hradek (Neuhaus) als Herrschaft genannt. Zur Neuhauser Herrschaft gehörte Erdberg bis 1437. Mitte des 16. Jh. gelangte Erdberg zur Herrschaft Joslowitz (Jaroslavice).

Im Dreißigjährigen Krieg wurde Erdberg von schwedischen Truppen erobert und geplündert. Der Pestepidemie von 1679 fielen viele Erdberger zum Opfer.

1747 zerstörte ein Feuer den gesamten Ort.
1785 erteilte Kaiser Joseph II. dem Ort das Privileg, Jahrmärkte abzuhalten.

Zwei Choleraepidemien in der ersten Hälfte des 19. Jh. forderten viele Opfer aus Erdberg. Zu dieser Zeit wechselten auch die Herrschaften häufig.

Nach Ende der Grundherrschaften und Bildung von Bezirken und Gemeinden kam Erdberg zum Bezirk Znaim (Znojmo). Zuständiger Gerichtsbezirk war Joslowitz (Jaroslavice).

1865 wurden die Wein- und Obstgärten von schweren Unwettern (Hagel) vernichtet.
Im Preußisch-Österreichischen Krieg wurden im Ort mehrere tausend preußische Soldaten einquartiert.
1872 und 1883 wurden Teile von Erdberg durch Brände vernichtet.

Im Zuge der Grenzbefestigung durch das tschechoslowakische Militär wurden 1937 im Gemeindegebiet 13 Betonbunker errichtet.
Fast 200 männliche Einwohner aus Erdberg fielen ab September 1939 als Soldaten im Zweiten Weltkrieg.

Vertreibung 1945/46:
Nach dem Einmarsch der Roten Armee kamen tschechische „Partisanen“ (oder sogenannte Revolutionsgardisten) welche viele „Heimkehrer“, also aus Krieg und Gefangenschaft zurückgekehrte Soldaten, nach Znaim (Znojmo) verschleppten. Hausbesetzer vertrieben die deutschen Besitzer aus ihren Häusern. Ungefähr die Hälfte aller Einwohner floh in diesen Tagen nach Österreich. Im Mai 1946 wurde der letzte deutschsprachige Erdberger in Znaim (Znojmo) per Bahn nach Deutschland abtransportiert.

Die ehemaligen Erdberger errichteten eine Gedenkstätte an ihren Heimatort in Pernhofen in Niederösterreich.

Wirtschaft und Infrastruktur:

Landwirtschaft: Anbau von Getreide, Kartoffeln, Hülsenfrüchten, Rüben und Gemüse. Mit 40 ha war der Weinbau um 1900 sehr bedeutend. Daneben gab es auch größere Viehzucht (vor allem Rinder und Schweine).

Gewerbe: Mühle, Schrotmühle, Zementwarenerzeugung, fünf Gasthäuser, florierendes Kleingewerbe.

Einrichtungen: Volksschule (1825 erbaut, 1869, 1891 sowie 1911 erweitert), Postamt (1899), Rathaus (1926), Armenanstalt (1820), Hirtenhaus (1849), Elektrifizierung (1929/30), Raiffeisenkasse (1899/1926), Freiw. Feuerwehr (1892), Milchgenossenschaft (1923).

Kulturerbe:

Pfarrkirche St. Petrus und Paulus: bis zum 16. Jh. vom Malteserorden betreut. Einheitlicher Rokokobau 1764/67, Hochaltarbild, zwei Seitenaltarbilder (hl. Joh. v. Nepomuk und Geburt Christi) und kleinere Bilder von Franz Anton Maulpertsch, Kanzel aus der Bauzeit, Taufbecken um 1780, neue Orgel mit Verwendung des alten figürlichen Schmuckes aus der Bauzeit, plastische Gruppe Christus, Johannes und Maria um 1770, Pestaltar, Nordturm aus der Bauzeit.

Karner: Rundbau aus der zweiten Hälfte des 13. Jh. mit halbkreisförmiger Apsis.

Friedhof mit Ecktürmchen und schönem spätbarockem Tor, 1755 verlegt,

Kapelle z. hl. Franziskus.

Pfarrhof um 1740, im Speisesaal Bildnisse der Pfarrer und Bischöfe.

Ulrichskapelle bei der Pfarrkirche, Rest der alten Burg, die schon 1052 genannt wird. Bildsäulen Abschied Christi von Maria 1695; hl. Joh. v. Nepomuk 1788.

Skulpturen, Bildstöcke: Pestsäule (1695), Bildsäule „Abschied Jesu von Maria“ (1695), Weißes Kreuz mit Statuengruppe, Dreifaltigkeitssäule, Statuen der Heiligen Johannes von Nepomuk (1788) und Florian.

Besonderheit:

Erdställe: Unter zahlreichen Häusern wurden umfangreiche Gänge und unterirdische Räume festgestellt, die ehedem wohl ein zusammenhängendes System dargestellt haben, das heute infolge von Einstürzen unterbrochen ist, die Zusammenhänge aber noch ahnen läßt. In keinem anderen Ort Südmährens gibt es so viele Erdställe wie in Erdberg. Solche befinden sich aber nur unter Häusern innerhalb des mittelalterlichen Ortsumfanges. Ungefähr 5 m unter der Erdoberfläche ziehen sich die im Tegel ausgebauten Gänge — ungefähr 60 cm breit und 80 cm hoch, also nur schliefbar — dahin und enden in runden Kammern mit einem Durchmesser von 2,5 —3 m und einer Höhe von etwa 3 m. Die Seitenwände streben spitzbogenförmig nach oben und münden in einem Luftloch. In die Seitenwände sind 50 cm über dem Boden Nischen von ungefähr 50 cm Breite und 1 m Höhe ausgehauen, die vermutlich als Sitzflächen oder zum Aufbewahren von Vorräten dienten. Die meisten Erdställe befinden sich unter der ehemaligen Burg und in deren Umgebung. Eine besonders schön ausgearbeitete Kammer mit acht gleichmäßigen Nischen, deren obere spitzbogenförmige Abschlüsse strahlenförmig zur Raumdecke streben, zeigt auf der dem Zugang gegenüberliegenden Seite einen ausgeweiteten Raum von eineinhalb Meter Durchmesser und 2 m Höhe. Man deutet diesen feierlich wirkenden Raum als Andachtstätte oder Versammlungsort. Für Alter und Zweck dieser unterirdischen Anlagen wurde bisher keine zuverlässige Erklärung gefunden. Leider ist bisher keine exakte geodätische Aufnahme durchgeführt worden.

Persönlichkeiten:

Franz Müllner (* 15.September 1899, +13.Oktober 1974), Komponist, Dichter und Lyriker.

heimatkundliche Literatur:

Wild, Franz: Von Erpurch bis Erdberg, 2 Bde., 1964 bzw. 1982.

Weblinks:

Genealogie:

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