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Kriegerdenkmal von Fröllersdorf

Das Heilige Grab Fröllersdorf

Altarbild der Kirche der hl. Kunigunde

Tschechischer Name: Jevišovka, (Frélichov 1918 – 1948, Charvátská 1948 – 1950)
Kroatischer Name: Frjelištorf

Fläche: 1.296 ha

Einwohner 1910: 1.227 in 243 Häusern (765 dt.) 1930: 1.268 in 292 Hs. (213 dt.), 2010: 604.

heutiger Verwaltungsbezirk: Břeclav (Lundenburg)

Matriken: seit 1686

Grundbücher: seit 1788.

Geschichte:

1291 als „Frolaychstorf“ erstmals genannt und wieder 1352 als „Besitz des Smil von Fröllersdorf“, findet sich in einer Urkunde vom 10. Februar 1367 die Namensform „Vrelestorff“. Als „Fröleisdorf“ erscheint der Ort im Güterbestandsverzeichnis der Herrschaft Dürnholz (Drnholec), als diese 1394 von Johann von Liechtenstein erworben wurde. Durch die Hussitenkriege und den böhmisch-ungarischen Krieg wiederholt zerstört und verödet, so dass die Bevölkerung auf vier Personen zurückging. Nun begann in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts in mehreren Wellen die Wiederbesiedlung der Gegend (vornehmlich durch kroatische Flüchtlinge). Das neue „Frolesdorf“ wurde bereits 1570 als aufblühendes Dorf genannt, das 1583 mit der Herrschaft Dürnholz (Drnholec) an Christoph Freiherr von Teuffenbach kam. Dieser verstärkte die Ansiedlung von Kroaten, welche sich als geschlossene Volksgruppe bis 1945 erhalten hatte.

Fröllersdorf war in der Reformationszeit bis 1626 protestantisch, bevor die Rekatholisierung einsetzte. Zur Pfarre gehörten auch die Ortschaften Guttenfeld (Dobré Pole, eingepfarrt bis 1790) und Neu Prerau (Nový Přerov, eingepfarrt bis 1834).
Bis 1848 unterstand Fröllersdorf der Herrschaft Dürnholz (Drnholec). Danach war es eine Gemeinde im Bezirk Nikolsburg (Mikulov).

Nach dem Ersten Weltkrieg wurden die beiden deutschen Lehrer vom Dienst suspendiert. Das Gebäude wurde als eine fünfklassige tschechische Volksschule eingerichtet. Die beiden Lehrer setzten ihren Unterricht privat fort. Erst ein Jahr später konnten die Kinder in die Volks- und Bürgerschule nach Dürnholz (Drnholec) gehen. Die Errichtung einer eigenen Schule wurde von den tschechischen Verwaltungsbehörden untersagt.

Gleichzeitig wurde auf die Schulleitung in Dürnholz (Drnholec) Druck ausgeübt. Es sollten keine Kinder mehr aufgenommen werden, welche nicht mindestens einen deutschsprachigen Elternteil nachweisen konnten. Damit sollte die Assimilierung der kroatischen Bevölkerung eingeleitet werden. Kroatische Kinder sollten vermehrt auf tschechischsprachige und nicht auf deutschsprachige Schulen gehen. Bei der Bodenreform 1926 wurde der Grund nicht verteilt sondern neue Höfe errichtet und tschechische Kolonisten aus dem Landesinneren geholt. Das restliche Land wurde pachtweise durch die tschechische „Domovina“ (Heimstätte) vergeben. Dabei wurden deutsche Bauern nicht berücksichtigt.

Der Zweite Weltkrieg forderte das Opfer von 130 männlichen Einwohnern aus Fröllersdorf in Kriegshandlungen.

Vertreibung 1945/46:
Im Mai 1945 kam es zu Plünderungen und Misshandlungen durch sogenannte tschechische „Partisanen“. Die Gewaltakte forderten vier Todesopfer innerhalb der Bevölkerung. 450 Deutsche wurden vertrieben, wovon 250 in Österreich bleiben konnten. Ein Teil der deutschen Bewohner floh bereits vor dem Einsetzen der Vertreibungsexzesse über die nahe Grenze.
Zunächst erfolte einer Wiederbesiedlung nicht nur durch Tschechen sondern auch durch Jugoslawen und Bulgaren.

Die zurückgeblieben 700 Kroaten galten unter dem ab 1948 regierenden stalinistischen Regime als „politisch unverlässlich“. Bis dahin hatten sich die Kroaten Kultur und Sprache teilweise erhalten können. Erst die rigorose Zwangszerstreuung von 1947/48 führte zu einer Auflösung dieser Kultur im Ort. Die kroatischen Ortsbewohner von Fröllersdorf und Guttenfeld (Dobré Pole) wurden zwischen 1948 und 1950 auf 118 innermährische Bezirke zwangsverteilt und wurden dort zur Gänze assimiliert.

Der Ortsname wurde danach innerhalb kurzer Zeit zweimal geändert.

Seit 1991 gibt es in Fröllersdorf einen „Tag der kroatischen Kultur“ (Den chorvatské kultury v Jevišovce) und seit 2008 ein Kroatisches Haus (Chorvatský dům), welches als Museum und Bücherei mit Themenschwerpunkt kroatischer Kultur dient.

Die Renovierung des 1928 errichteten Soldatendenkmals wurde zur Gänze mit Spenden der vertriebenen Fröllersdorfer in Österreich und Deutschland bewerkstelligt. Auch zwei Kapellen konnten wieder errichtet und 1992 neu eingeweiht werden.

Wirtschaft und Infrastruktur:

Landwirtschaft: um 1900 waren 852 ha Anbaufläche. Um 1910 wurden 118 Pferde, 552 Rinder und 807 Schweine gehalten.

Gewerbe: Kleingewerbe.

Einrichtungen: Volksschule (1877 zweiklassig, 1883 dreiklassig, bis 1805 dreisprachiger Unterricht in Kroatisch, Tschechisch und Deutsch), Gemeindebücherei, Gemeindearmenhaus, Haltestelle an der Bahnlinie Lundenburg (Břeclav)Znaim (Znojmo), Freiw. Feuerwehr (1885), Raiffeisenkasse (1895), Milchgenossenschaft (1920).

Kulturerbe:

Pfarrkirche zur hl. Kunigunde: 1929/31 anschließend an einen alten Wehrturm gebaut. Glocke aus dem Jahre 1387.

Pfarrhaus von 1810.

Statue des hl. Johannes von Nepomuk vor der Kirche.

Nischenkapelle St. Urban, am Weinberg.

1884 errichteter Marmorobelisk zur 300-Jahrfeier der kroatischen Siedlung, 1992 renoviert.

Siegel:

Seit 1654 ist ein Gemeindesiegel bekannt. Es zeigte einen Zweig mit 3 Rosenblüten.

Persönlichkeiten:

  • Friedrich Hausmann (* 2. Dezember 1917; † 10. Juli 2009 Graz), Historiker, Mediävist.
  • Fritz Jurditsch (*9.März 1883;+13.Mai 1952), Schriftsteller und Lehrer.
  • Josef Löhner (*13.08.1901, +27.09.1964), Südmährischer Landschaftsbetreuer, Stifter des Josef-Löhner-Preises.
  • Othmar Ruzicka (*07.11.1877 Wien; +04.11.1962), Akademischer Maler für volkstümliche und landschaftliche Bilder.
  • Erwin Zajicek (* 22.11.1890; +29.10.1976), Politiker (Christlichsozialer), Lehrer, Mitglied des tschechoslowakischen Parlaments und Minister (1936-38), Obmann des Dachverbandes der Südmährer in Österreich (1962-74).

heimatkundliche Literatur:

Schalamon, Mathias: Fröllersdorfer Ortsgeschichte, 1996.

Weblinks:

Genealogie:

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