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Dorfstraße von Frainersdorf

Dorfmitte von Frainersdorf

Tschechischer Name: Vranovská Ves

Fläche: 430 ha

Einwohner 1910: 752 in 119 Häusern (680 deutsch), 1930: 542 in 125 Häusern (304 deutsch), 2010: 269.

heutiger Verwaltungsbezirk: Znojmo (Znaim)

Matriken: seit 1713 bei Schiltern (Štítary)

Lage:

Frainersdorf liegt in 385 m Höhe nordwestlich von Znojmo (Znaim).
Nachbarorte sind Pavlice (Paulitz) im Nordwesten, Olbramkostel (Wolframitzkirchen) im Südosten, Šumná (Schönwald) im Südwesten und Boskovštejn (Boskowstein) im Norden.

Geschichte:

An der Stelle des Dorfes stand angeblich im 17. Jahrhundert ein Wirtshaus „Zur goldenen Krone“. Seit Anfang des 18. Jahrhunderts ist ein Meierhof der Frainer Gutsherrschaft an dieser Stelle bekannt. Der damalige Inhaber der Herrschaft Frain teilte 1786 den zum Meierhof gehörigen Landbesitz an deutsche Ansiedler auf. Der Ort lag direkt an der Sprachgrenze.

Die Existenz von Tonwarenfabriken – auch das schlossartige Herrschaftsgebäude wurde 1874 in eine Tonwarenfabrik umgebaut – gab der Bevölkerung im 19. und frühen 20. Jahrhundert einen gewissen wirtschaftlichen Rückhalt (die ehemalige Tonwaren- Fabrik Wranitzky machte den Ort bekannt). Daneben wurde mit der Keramikindustrie verknüpft auch Kaolin abgebaut.

Der zu Frainersdorf gehörende Ortsteil „Fischhäusel“ (Hostěrádky) im Südosten ist bereits 1361 urkundlich genannt, war aber seit dem späten 16. Jahrhundert verödet und wurde erst im Zuge der Gründung von Frainersdorf als „Kolonie“ im 18. Jh. wieder besiedelt. Fischhäusel gehörte bis 1848 jedoch zur Herrschaft Frischau (Břežany u Znojma). Danach bildete es eine Gemeinde im politischen Bezirk Znaim (Znojmo).

Bereits zwei Jahre vor der Angliederung an das nationalsozialistische Deutsche Reich 1938 wurde in Frainersdorf eine NSDAP-Ortsgruppe gegründet. Von 1938 bis zum Ende der Diktatur und des Zweiten Weltkrieges 1945 war Frainersdorf Bestandteil des Landkreises Znaim (Znojmo) in „Niederdonau“.

Vertreibung 1945/46:
Die nach der Besetzung durch die Rote Armee ankommenden tschechischen nationalen Milizen begannen mit Vertreibungsaktionen, wobei ein Todesopfer zu beklagen war. Alle deutschsprachigen Einwohner wurden in einer sogenannten wilden Vertreibung über die Grenze nach Österreich vertrieben.
Ein großer Teil von ihnen wurde später infolge des „Potsdamer Protokolls“ nach Deutschland abgeschoben.

Wirtschaft und Infrastruktur

Landwirtschaft: Etwa die Hälfte der kleinen Gemeindefläche war um 1900 Ackerboden. Die Landwirtschaft stellte demnach die Haupterwerbsquelle der Einwohner dar. Der andere Teil bestand zum größten Teil aus Wald.

Gewerbe: Die Keramikwarenerzeugung spielte aufgrund des Tonvorkommens bis nach dem Zweiten Weltkrieg eine Rolle. Die Tonwarenfabrik brannte 1930 aus. Daneben gab es eine Ziegelei und Kleingewerbe.

Einrichtungen: Volksschule mit zwei Klassen, Postamt, Gendarmerieposten.

Kulturerbe:

Kapelle St. Stanislaus: wurde 1804 durch die Gemeinde errichtet; Orgel 1808; drei Glocken aus den Jahren 1760 und 1891; Wandlungsglocke 1810.

Schlossartiges Herrschaftsgebäude:, 1874 zu einer Tonwarenfabrik umgebaut.

Siegel:
Einem Hinweis von 1906 im Mährischen Landesarchiv Brünn zufolge soll Frainersdorf im 18. Jahrhundert ein Siegel besessen haben, welches ein Pflugeisen und einen darauf sitzenden Vogel zeigt. Während das Pflugeisen leicht als landwirtschaftliches Symbol zu deuten ist, bleibt es offen, ob der Vogel sich auf den Raben (Krähe?) der Herrschaft Frain oder auf die Taube der Herrschaft Frischau (Břežany u Znojma) bezogen hat.

Weblinks:

Genealogie:

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