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Groß-Grillowitz

Ansicht von Groß-Grillowitz mit Denkmal

Ansicht von Groß-Grillowitz

Pfarrkirche des Hl. Petrus und Paulus in Groß-Grillowitz

Tschechischer Name: České Křídlovice

Fläche: 1.625 ha

Einwohner 1910: 1.178 in 266 Häusern (1.166 deutsche Ew.), 1930: 1.279 in 290 Häusern (1.173 deutsche Ew.), 1961: 720.

heutige Gemeindezugehörigkeit: Božice (Possitz)

heutiger Verwaltungsbezirk: Znojmo (Znaim)

Matriken: seit 1663.

Lage:

Groß Grillowitz liegt 193 m über dem Meer. Nachbarorte sind Possitz (Božice) und Probitz (Pravice) im Osten, Mühlhäuseln (Mlýnské Domky) im Norden, Borotitz (Borotice) im Westen und Erdberg (Hrádek) im Süden. Böhmisch Grillowitz ist als Dreiecksangerdorf angelegt. Zum Ort gehört der Ortsteil „Mühlhäuseln“.

Geschichte:

Von 1225 ist die älteste urkundliche Erwähnung überliefert. Die Herrschaft wechselte häufig.
Der Burggraf von Möderitz verkaufte den Besitz an die Joslowitzer Herrschaft. 1526 kam der Ort mit Grusbach (Hrušovany) und Possitz (Božice) an Sebastian von Weitmühle und danach an andere Grundherren, bis schließlich der mährische Landesherr Johann von Zerotin das Dorf endgültig an die Joslowitzer Herrschaft verkaufte.

Um 1570 galt Böhmisch Grillowitz als lutherisch. Um 1645 wurde die Kirche von schwedischen Soldaten ausgeraubt und über die Hälfte der Häuser zerstört. 1692 gelangte das Haus Liechtenstein an die Herrschaft über den Ort. Von diesen kam Böhmisch Grillowitz an die Familie Lobkowitz.

Graf Hompesch-Bollheim von Joslowitz (Jaroslavice) ließ 1830 das Waldhaus „Allein“, eine Art Vorläufer eines „Wochenendhauses“ bauen.

Choleraepidemien forderten dreimal im 19. Jh. (1832, 1836 und 1866) mehrere Opfer. Bei einem Brand im Jahr 1860 wurden 56 Häuser zerstört.

Nach dem Ende der Patrimonialherrschaft 1848 bildete Böhmisch Grillowitz eine Gemeinde im Bezirk Znaim (Znojmo) und im Gerichtsbezirk Joslowitz (Jaroslavice)

Der Erste Weltkrieg kostete den Ort 57 Einwohner.
In der Zeit der ersten Tschechoslowakischen Republik wurde 1931 die Bezirksstraße durch den Ort befestigt. 1933 erfolgte die Errichtung einer Betonbrücke über den bereits regulierten Jaispitzbach (Jevišovka).

In der Zeit als Teil des nationalsozialistischen Deutschen Reiches wurde Böhmisch Grillowitz im Jahr 1939 mit Possitz (Božice) zur neuen Gemeinde „Neuweidenbach“ im Kreis Znaim (Znojmo) zusammengelegt. Diese wurde nach Krieg und Diktatur wieder aufgelöst. 86 männliche Einwohner fielen im Zweiten Weltkrieg.

1951 wurde Böhmisch Grillowitz bei Possitz (Božice) eingemeindet.
1974 existierten noch 128 Häuser.

Vertreibung der deutschen Bevölkerung 1945/46:
Nachdem die tschechischen „Partisanen“ im Ort eingetroffen waren, verhafteten sie mehrere Männer und Frauen, misshandelten und internierten sie in Znaim (Znojmo). Insgesamt starben vier Personen durch Gewaltaktionen tschechischer Milizen. Im Juni kamen „Hausbesetzer“ und zwangen die ehemaligen Besitzer, für sie zu arbeiten. Nach der Ernte, am 13. und 14. August 1945 wurden alle deutschsprachigen Einwohner zur österreichischen Grenze getrieben.

Im Mai 1991, nach dem Fall des „Eisernen Vorhanges“ und dem Zusammenbruch des „Ostblocks“, fand eine Messe in der Ortskirche mit ca. 200 Landsleuten statt, die von einem tschechischen und einem österreichischen Pfarrer zelebriert wurde.

Wirtschaft und Infrastruktur:

Landwirtschaft: Auf den 667 ha Ackerfläche wurde Getreide, Klee, Kartoffeln, Zucker- und Futterrüben, Mais, Linsen, Erbsen, Bohnen, Mohn, Raps, Gurken und anderes Gemüse angebaut. Eine weitere wichtige Rolle spielten Obst- (vorwiegend Steinobst, Äpfel und Birnen) und Weinbau (17,2 ha).

Gewerbe: Schneidermühle (1804), drei Ziegeleien, florierendes Kleingewerbe (darunter Dachdecker und Friseur).

Einrichtungen: Schule (1751, 1824, 1880 um vier Klassen erweitert), Bürgerschule für Mädchen („Haushaltsschule“, vier Klassen), Kinder- und Altenheim „Mariahilf“, Arzt, Postamt, Gendarmerieposten, Armenhaus (1936), Elektrifizierung (1927), Fr. Feuerwehr (1891), Milchgenossenschaft.

Kulturerbe:

Kirche St. Peter und Paul: 1225 geweiht, Patronat Kloster Bruck (Loucký klášter), Hauptaltar mit Bild der Apostelfürsten vor ihrer Gefangennahme; an den Seiten Cyrill und Method, auf den Seitenaltären hl. Maria und hl. Josef.

Pfarrhof um 1700.

ehem. Kloster Mariahilf: Fünfgeschossiges Gebäude 1894/1906 erbaut. Heute ist im Gebäude ein Altersheim untergebracht.

Klosterkapelle zur unbefleckten Empfängnis.

Dreifaltigkeitssäule von 1747

Statue des hl. Johannes.

Erdställe: In Groß Grillowitz und der Nachbargemeinde Possitz (Božice) befinden sich unter einigen Hausern Erdställe und Gänge, die einst miteinander verbunden waren, doch heute infolge eines Einsturzes nur teilweise zugänglich sind. Das Alter dieser im Löß ausgehobenen Höhlen ist unbestimmt.

Persönlichkeiten:

  • Franz Breiner (*2.Februar 1889, +16.März 1960), Schriftsteller
  • Laurenz Müllner (*19.Juli 1848, +8.November 1911 in Meran), Professor und Rektor der Universität Wien

heimatkundliche Literatur:

Pfister, Anton und Lucia: Possitz, Groß-Grillowitz, Neuweidenbach, 1992.

Genealogie:

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