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Groß-Olkowitz

Grundriss der Ortschaft Groß-Olkowitz

Postkarte mit Ansichten von Groß-Olkowitz

Ansichten von Mausdorf

Tschechischer Name: Oleksovice

Fläche: 2.058 ha

Einwohner 1910: 1.177 in 235 Häusern (1.113 deutsche Ew.), 1930: 1.277 in 286 Häusern (1.131 deutsche Ew.), 2010: 689.

heutiger Verwaltungsbezirk: Znojmo (Znaim)

Matriken: seit 1694

Lage:

Groß Olkowitz liegt in 199 m Höhe südwestlich von Miroslav (Mißlitz). Nachbarorte sind Stošíkovice (Teßwitz) im Südwesten und Vitonice (Wainitz) im Nordwesten. Im Norden liegt Hostěradice (Hosterlitz) und im Westen Prosiměřice (Proßmeritz).

Geschichte:

Groß-Olkowitz wurde erstmals 1199 urkundlich erwähnt. Bereits 1201 wurde eine Kirche genannt und 1220 die Pfarre, womit diese nachweislich eine der ältesten Pfarren des Landes ist.
Der Name des Ortes durchlief verschiedene Änderungen auf den erhaltenen Urkunden: 1190 „Oleczovicz“, 1363 „Olokowitz“, 1529 „Groß Alexovitz“ und 1672 „Olkowitz“. Seit dem 18. Jahrhundert war „Groß Olkowitz“ gebräuchlich.

Bereits am 10. April 1336 erfolgte die Markterhebung sowie ein halbes Jahr später der Erhalt der Gerichtsbarkeit durch König Johann. Von dieser Gerichtsbarkeit zeugten bis zur Entfernung durch die tschechische Verwaltung 1945 noch der Prangerstein und Faust mit Schwert an einer Hausecke am Marktplatz. 1338 wurde das Rathaus erbaut.

In der Reformationszeit, zu Beginn des 16. Jahrhunderts, entstand die Glaubensgemeinschaft der Täufer, die auch in Groß Olkowitz Einfluss hatte. Noch heute steht der sogenannte Tempel (das Gebetshaus) links vom Friedhofseingang hinter der Kirche. Er wurde von der katholischen Pfarre zu einem Beinhaus umfunktioniert. Durch das Einsetzen der Gegenreformation im Lauf des Dreißigjährigen Krieges wurden sie allerdings außer Landes verwiesen. Viele von ihnen zogen nach Siebenbürgen weiter.

Am 01. August 1606 bestätigte Kaiser Rudolf II. (1551-1612) Marktrecht und Gerichtsbarkeit und bewilligte zwei Jahrmärkte. An jedem 29. Juni war der Bindermarkt, welcher am Binderplatz vor der Volksschule abgehalten wurde. Der zweite Jahrmarkt fand am Montag nach dem 15. August statt. Am 14., 15. und 16. August fand auch der Kirtag des Ortes statt.

Im Dreißigjährigen Krieg wird Groß Olkowitz von schwedischen Truppen geplündert.
Im Jahre 1692 kam Olkowitz an das Stift Klosterbruck (Klášter v Louce).
Das Kloster wurde unter Kaiser Joseph II. aufgelöst. Danach entstand auf den Gründen des Karlhofes der Ortsteil Mausdorf, der von Häuslern der Herrschaft Lechwitz besiedelt wurde.

1855 forderten Pest und Cholera viele Opfer in den Dörfern. 1866, als preußische Truppen im preußisch-österreichischen Krieg den Ort besetzten, brach eine Choleraepidemie aus. Die Preußen verlangten eine Kriegskontribution. Wegen Zahlungsunfähigkeit mussten die Ortsbewohner Rinder abliefern. Später wurde der Schaden von der Regierung der Monarchie rückvergütet. Von dem Geld wurden Kreuzwegstationen für die Kirche gestaltet.

1895 bekam Groß Olkowitz ein Wasserreservoir um Überschwemmungen vorzubeugen.
Grippe und Ruhr forderten 1918 20 Todesopfer unter den Olkowitzern.

Der Erste Weltkrieg forderte einige Gefallene aus dem Ort für die ein Kriegerdenkmal vor dem Pfarrhaus errichtet wurde. Dieses wurde 1945 von der neuen tschechischen Verwaltung entfernt.

Im Zuge der Bodenreform in der Tschechoslowakei werden zwischen 1921 und 1924 die Herrschaftsgüter aufgeteilt. Auf einem Grundstück wurde eine tschechischsprachige Schule gebaut.
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1938 wurde ein Teil dieser ehemaligen Herrschaftsgüter wiederum staatlich und später an einen niederösterreichischen Gutsbesitzer gegen Grund bei Tulln eingetauscht, da dort ein Flugplatz errichtet werden sollte.
Der Zweite Weltkrieg forderte 106 Opfer unter den Einwohnern.

Vertreibung der deutschen Bevölkerung 1945/46:
Ende Mai wurden von tschechischen „Revolutionsgardisten“ 13 Männer, bei denen eine Verbindung zum NS-Regime festgestellt worden war oder zumindest in dieser Hinsicht verdächtigt wurden, festgenommen, die in Znaim (Znojmo) interniert wurden. Die meisten anderen Männer wurden in den Keller des Klosters Mariahilf gesperrt und dort misshandelt. Insgesamt starben dadurch vier Männer (einer erlag später seinen Verletzungen). Am 18. August 1945 wurde der Großteil der deutschsprachigen Einwohner vertrieben. Sie kamen unter Bewachung der tschechischen Milizen an die österreichische Grenze. Dort wurden sie abgewiesen und mussten zurück nach Znaim (Znojmo) bzw. Gerstenfeld (Ječmeniště) von wo sie später nach Deutschland weiter transportiert wurden. Vielen gelang jedoch vorher die Flucht über die österreichische Grenze. Nur 111 Personen durften in Groß Olkowitz bleiben. Von den Vertriebenen blieb ein Teil in Österreich während der andere Teil nach dem Potsdamer Kommuniqué 1946 nach Deutschland abgeschoben wurde.

Im Jahr 2009 wurde Groß Olkowitz, nunmehr Oleksovice, wieder zu einem Městys. (Minderstadt).

Wirtschaft und Infrastruktur:

Landwirtschaft: Den größten Teil von der 2.058 ha großen Gemeindefläche nahm um 1900 Ackerland ein. Angebaut wurde hauptsächlich Getreide und Gemüse (vor allem Gurken). Daneben spielte auch der Weinbau mit 36 ha eine beachtliche Rolle. 114 ha entfielen auf Wald.
Im Ort wurden um die vorletzte Jahrhundertwende ca. 600 Rinder und 230 Schweine gehalten (daneben 130 Pferde und Ziegen).

Gewerbe: Ziegelofen (bis 1920er Jahre), Gastwirte, Fleischer, Greissler, Tischler, Schmiede und Händler.

Einrichtungen: Postamt (1913), Armenhaus mit Notspital (1924), Telegraphenamt (1926), Elektrifizierung (1930), Volksschule (Neubauten 1760, 1829 und 1893/94, später erweitert), Freiw. Feuerwehr (1894)

Kulturerbe:

Pfarrkirche Mariae Himmelfahrt: 1192 eingepfarrt beim Kloster Bruck; frühgotischer kreuzrippengewölbter Chor mit Dreiviertel-Schluss und Sessionsnische aus der zweiten Hälfte des 13. Jh.; dreischiffiges Langhaus aus der gleichen Zeit, im 16. Jh. zur Hallenkirche umgebaut; Mittelschiff und
nördl. Seitenschiff netzrippengewölbt, südliches Seitenschiff sternrippengewölbt; Spätgotisches Tor um 1500; Hochaltarblatt von Joseph Winterhalter II., zweite Hälfte des 18. Jh.; Seitenaltäre hl. Norbert und hl. Josef; frühklassizistische Kanzel um 1780; Vesperbild um 1400.

Pfarrhof: zweigeschossig 16. Jh., 1776 umgebaut.

Rathaus ursprünglich von 1338. 1832 und 1925 umgebaut.

Bildsäulen: Hl. Florian 16. Jh.; Hl. Joh. v. Nepomuk erste Hälfte 18. Jh.; Hl. Dreifaltigkeit 1760, Martersäule von 1595

Gebetshaus der Täufer: viereckiger Bau, sehr niedrig, mit einem spitzen, rot angestrichenen Turm, welcher vierkantig zur Spitze oben endet. Auf der Spitze befindet sich ein ungefähr 2 m hoher eiserner Stab, auf welchem ein eisernes Sternchen angebracht ist. Dieses Gebäude wurde nach der Ausweisung der Täufer als „Baanaheis’l“ (Beinhaus) und zur Aufbewahrung der Geräte des Totengräbers benutzt.

Siegel:

In einem Blütenkranz ein ovaler Barockschild mit einem Turm mit kreuzbestecktem Spitzdach und den Initialen P und R (?)

Persönlichkeiten:

  • Martin Bauer (*11.Dezember 1833, +19.April 1921 Mödling), Dekan der Universität Wien und Hofkaplan
  • Alois Springer (*20. Dezember 1935), Dirigent

heimatkundliche Literatur:

Zuckriegl, Franz: Heimatbuch der Marktgemeinde Groß-Olkowitz-Mausdorf, 1952.

Weblinks:

Genealogie:

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