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Groß-Tajax

Kirche St. Michael in Groß-Tajax 1938

Gasthof Hofer in Groß-Tajax

Kriegerdenkmal von Groß-Tajax

Kaufhaus Unger in Groß-Tajax

Sebastianplatz in Groß-Tajax

Dorfmitte von Groß-Tajax

Ansicht von Groß-Tajax

Tschechischer Name: Dyjákovice

Fläche: 3.138 ha

Einwohner 1910: 2.901 in 612 Häusern (2.895 deutsche Ew.), 1930: 3.257 Ew. in 711 Häusern (3.173 deutsche Ew.), 2010: 831.

heutiger Verwaltungsbezirk: Znojmo (Znaim)

Matriken: seit 1654.

Lage:

Die ursprünglich als Angerdorf angelegte Ortschaft liegt ca. 30 km südöstlich von Znaim (Znojmo) in 185 m Höhe. Nachbarorte sind Joslowitz (Jaroslavice) im Südwesten, Erdberg (Hrádek) im Westen, Höflein (Hevlín) im Osten und Laa an der Thaya (NÖ) im Südosten.

Geschichte:

1278 wurde der Ort erstmals beurkundet, nachdem Rudolf von Habsburg bei der Schlacht auf dem Marchfeld zwischen Jedenspeigen und Dürnkrut König Přemysl Ottokar II. besiegt hatte.
Der Name „Tajax“ leitet sich vermutlich vom Lager des böhmischen Heeres „apud dyax“ ab. 1324 und 1350, ebenso noch 1448 findet sich in den Urkunden die Bezeichnung „Deyax Inferior“.

Der Ort gehörte ursprünglich zum mährischen landesfürstlichen Besitz von Erdberg (Hrádek u Znojma). Nach der Zerstörung der Burg Erdberg war Groß Tajax Teil der Herrschaft Znaim (Znojmo).

Ab der Mitte des 13. Jh. gehörte der Ort der Familie von Jakobau. Um 1310 ging er in den Besitz der Familie Pernstein (Philipp von Pernstein) über.
Im 14. Jahrhundert ist mit Alfhard de Dyax 1322 und Dietrich de Dyax 1356 ein Ortsadel beurkundet. Der Name der Familie dürfte ebenfalls in Zusammenhang mit dem Heerlager stehen. Die Schreibweise „Tayax“ ist seit mindestens 1643, „Tajax“ seit 1672 urkundlich belegt. Seit 1720 heißt die Gemeinde „Groß Tajax“.

Gegen Ende des 14. Jh. kam der Ort unter die Herrschaft der Černahora von Boskowitz (Černohorský z Boskovic). Danach, über den abermaligen Umweg der Pernsteins kam die Herrschaft an Heinrich IX. von Leipa. Damit gehörte Groß Tajax zur Herrschaft Mährisch Kromau (Moravský Krumlov).

Während der Reformation wurde Tajax lutherisch. Wegen der Beteiligung auf Seite der protestantischen Heere zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges wurde Berthold Bohobud von Leipa enteignet. Der Ort wurde von kaiserlichen Truppen verwüstet.
Ab 1602 begann man mit dem Bau des Thayadammes, welcher nach 11 Jahren fertiggestellt war und den alten Verlauf der Thaya versanden ließ.

1622/23 erwarben die Fürsten von Liechtenstein die Herrschaft Mährisch Kromau (Moravský Krumlov) und somit auch Groß Tajax. Somit blieb der Ort bis zum Ende der Grundherrschaft 1848 in Liechtensteinischem Besitz. Der katholiche Glaube wurde durch die Herrschaft wieder durchgesetzt.

Während der Napoleonischen Kriege wurde Groß Tajax 1805 und 1809 von französischen Truppen besetzt und geplündert.

Ein Großbrand zerstörte 1848 170 Häuser und 1849 sowie 1866 mussten die Einwohner jeweils eine Choleraepidemie erdulden.

Ab 1850 bildete Groß-Tajax eine Gemeinde im Bezirk Znaim (Znojmo) und im Gerichtsbezirk Joslowitz (Jaroslavice).

Die Liechtensteiner erwirkten 1882 die Erhebung zur Marktgemeinde. Allerdings wurden in Groß Tajax bereits früher Märkte, zwei Jahrmärkte seit 1834, abgehalten.

In der Zeit des Nationalsozialismus war Groß Tajax Bestandteil des Kreises Znaim (Znojmo) im damaligen „Niederdonau“.
Der Zweite Weltkrieg forderte 210 Opfer unter den Einwohnern Groß Tajaxs. Sich zurückziehende deutsche Soldaten sprengten die Brücke über die Thaya.
Groß Tajax war vor dem Krieg mit 3.500 Einwohnern die größte Marktgemeinde des Znaimer Bezirkes.

Am 8. Mai 1945 marschierten russische Truppen durch den Ort von denen Kühe, Schweine und Wein beschlagnahmt wurden. Es kam zu Vergewaltigungen der weiblichen Einwohner, wobei zwei sechzehnjährige Mädchen erschossen wurden.

Vertreibung der deutschen Bevölkerung 1945/46:
Eine Woche später kamen tschechische Truppen in die Ortschaft und in ihrem Gefolge viele Neusiedler, welche die Häuser für sich beanspruchten. Viele wurden verhaftet und zur Zwangsarbeit verschleppt. Während dieser Aktionen wurde der Sohn des Bürgermeisters erschossen. Bald darauf flüchteten viele Einwohner aus Angst vor weiteren Drangsalierungen nach Österreich. Die „organisierten“ Abschiebungen begannen am 31. März 1946. Die noch verbliebenen deutschen Einwohner wurden in der Turnhalle versammelt und in zwei Transporten über das Lager Znaim (Znojmo) nach Deutschland zwangsausgesiedelt. Während der Vertreibung starben zehn Personen. Nur eine Familie konnte in Groß Tajax bleiben. Ungefähr 22% der deutschen Einwohner des Ortes blieben in Österreich.

1990 wurden mit Geldern aus Spenden der Vertriebenen Friedhofskreuz, Grabsteine und das Soldatendenkmal renoviert sowie eine Gedenkstätte im niederösterreichischen Wulzeshofen errichtet.

Wirtschaft und Infrastruktur:

Landwirtschaft: Die Landwirtschaft war die Hauptlebensgrundlage wobei neben Getreide- und Obstanbau auch der Weinbau eine gewisse Rolle spielte (um 1900 waren 2.731 ha Ackerfläche und 17 ha Weingärten). Charakterisitisch für den Ort sind die langen Gewölbekeller, die sich im Norden des Ortes befinden und wo die geernteten Früchte gelagert wurden. Ein großer Teil der Ackerfläche wurde von zwei Meierhöfen bewirtschaftet. Weiters war noch Waldbestand (131 ha) gegeben und Weiden (91 ha) vorhanden (ca. 1.000 Rinder und 1.266 Schweine um 1910).

Gewerbe: zwei Ziegeleien, zwei Mühlen, sechs Gasthäuser, florierendes Kleingewerbe (auch Trafikanten und Friseure).

Einrichtungen: Volksschule (zuletzt fünf Klassen, Neubauten 1818 und 1873, letzterer beherbergt heute das Rathaus), Bürgerschule (Neubauten 1921 und 1928), Kindergarten (1910, durch Hedwig-Schwestern betreut), Rathaus, Turnhalle (1937), Armenhaus, Freiwillige Feuerwehr (1889), Milchgenossenschaft.

Kulturerbe:

Pfarrkirche St. Michael: Weiträumige Rokokokirche aus 1757/61, zum Teil mit frühklassizistischen Formen. Beiderseits Kapellen als querschiffartige Erweiterung. Westturm. Hauptaltarbild „Engelssturz“, Kopie nach Luca Giordano von Robert Beyer 1854/55; von demselben: Muttergottes und Johann v. Nepomuk; am Hochaltar zwei Heiligenstatuen: hl. Petrus und hl. Paulus; davor die mährische Landespatrone: Cyrill und Method; HI. Michael, hl. Venantius und Schutzengel von Franz Morgenschön aus Wien.

Marienkapelle im Oberort mit gotischer Madonna aus verödetem Gognitz.

Lourdeskapelle mit Marienaltar von 1886, neugotisch, am östlichen Ortsausgang.

Statuen der Hl. Sebastian (1715), Florian, Donatus, Maria und Johannes (1793), Johannes v. Nepomuk (1735), Franz de Paul (um 1800), Josef (1734).

Pestsäule von 1736.

verschiedene Stein- und Eisenkreuze in der Umgebung.

Wappen:

Eine Wappenverleihung hat nicht stattgefunden. Die Marktgemeinde hat jedoch den Siegelschild und seine Figuren in den Farben Schwarz-Rot-Gold als Wappen verwendet, das daher wie folgt zu beschreiben ist: In Gold schräggekreuzt zwei gestümmelte schwarze Äste, beseitet von je einem auswärtsgekehrten, aufrechten roten Fisch.

Persönlichkeiten:

  • Martin Hansal (*17.Oktober 1823, +25.Januar 1885 Khartoum), letzter Konsul im Sudan, starb während des Madhi-Aufstandes
  • Rudolf Lachmayer (*13.August 1899,+4.Februar 1993 Klagenfurt), Heimatforscher
  • Anton Ladner (*2.Juni 1897, +3.November 1972 Schleinbach), Heimatforscher

heimatkundliche Literatur:

  • Brunner, Heinrich: Geschichte der Ortsgemeinde Großtajax. (1918)
  • Lachmayer, Rudolf: Kirche und Pfarre St. Michael in Großtajax. (1965)
  • Ladner, Anton: Die südmährische Gemeinde Groß-Tajax und ihr Brauchtum, 1965
  • Piringer, Karl: Groß Tajax – Südmähren. (1992)

Weblinks:

Genealogie:

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