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Gurwitz

Dorfstraße von Gurwitz

Dorfplatz von Gurwitz

Ansicht der Thaya bei Gurwitz

Ansichten von Gurwitz

Tschechischer Name: Krhovice

Fläche: 546 ha

Einwohner 1910: 680 in 141 Häusern (668 deutsche Ew.), 1930: 789 in 183 Häusern (788 deutsche Ew.), 2010: 497.

heutiger Verwaltungsbezirk: Znojmo (Znaim)

Matriken: 1677 bei Taßwitz (Tasovice)

Lage:

Gurwitz liegt am Osthang des Steinberges (Kamenná hora), wo der Mühlgraben von der Thaya abzweigt. Benachbarte Orte sind Hodonice (Hödnitz) im Norden, Strachotice (Rausenbruck) im Süden, Valtrovice (Waltrowitz) im Südosten und im Westen Derflice (Dörflitz).

Geschichte:

Urkunden des Königs Wenzel I. aus dem Jahr 1294 und des Deutschen Ordens von 1367 nennen einen „Hartlin von Kurowicz“ bzw. einen „Frenzlin de Gorwic“. Die Erwähnung erfolgte in Verbindung mit Rausenbruck (Strachotice). Rausenbruck (Strachotice) hatte bereits 1190 eine St. Georgskapelle, die später als Pfarre geführt wurde und zu deren Sprengel Gurwitz gehörte.
Der Ortsname selbst wurde nebst zweier Mühlen in den Urkunden des Kosters Bruck um 1505 zum ersten mal genannt, als das Kloster die Ländereien erhielt.

Die Pfarre wurde um 1350 aufgegeben und der Ort bei Waltrowitz (Valtrovice) eingepfarrt. 1578 kam Gurwitz zur Pfarre nach Taßwitz (Tasovice nad Dyjí), bei der es bis heute geblieben ist.

Um 1300 war Gurwitz ein sogenanntes Freiherrengut. Im Jahre 1505 kaufte der Abt Paul von Bruck von Johann von Weitmühl die Feste und das Dorf Gurwitz mit der Ödung Neßlowitz und zwei Mühlen. Eine davon stand in Richtung Hödnitz (Hodonice) und wurde als „Tempe“ bezeichnet, die andere lag in Richtung Erdberg (Hrádek u Znojma). 1513 wurde eine Fischzucht gegründet.

Aus dem Jahre 1557 existiert ein Vertrag zwischen dem Freiherren Adam von Kraig und Christoph Retzern wegen der Instandhaltungskosten des Gurwitzer Wasserwehres und des Mühlgrabens für die Mühlen Neßlowitz, Mitzmanns (Micmanice), Zulb (Slup), Klein Olkowitz (Oleksovičky) und Joslowitz (Jaroslavice).

Im Dreißigjährigen Krieg wurde Gurwitz geplündert. Die Fischerzunft wurde bald danach aufgelassen.
Der Name „Gurwitz“ ist seit 1672 gebräuchlich.

Gurwitz gehörte zur Herrschaft des Klosters Bruck bis zu desse Auflösung durch Kaiser Joseph II. 1784. Danach kam es zu einem Herrschaftswechsel.

Politisch gehörte Gurwitz nach der Auflösung der Grundherrschaft zum Bezirk Znaim (Znojmo).
Nach einer Überschwemmung durch Hochwasser der Thaya wurde um 1870 eine Wehr errichtet. Durch den Ausbau des Schienennetzes entstand etwa zu dieser Zeit im Nachbarort Hödnitz (Hodonice) auch ein Bahnhof.

Im 19. Jahrhundert wurden in der Nähe von Gurwitz Überreste von prähistorischen Tieren gefunden.

Während der Zeit der ersten tschechoslowakischen Republik arbeiteten viele männliche Einwohner in einem Steinbruch in de Nähe. Für viele weibliche Einwohner bietete die Konservenfabrik in Znaim (Znojmo) eine Verdienstmöglichkeit.
Die nahe gelegene Thaya wurde gerne von Anglern und Badegästen aufgesucht. Viele Städter vor allem aus Brünn (Brno) waren darunter. Dadurch entwickelte sich in den 1930er Jahren auch ein wenig Fremdenverkehr in Gurwitz.

Nach der Angliederung an das Deutsche Reich unter den Nationalsozialisten befand sich Gurwitz bis zu dessen Ende 1945 im Verband des neuen Kreises Znaim (Znojmo).
Der Zweite Weltkrieg forderte 78 Opfer unter den Gurwitzern.

Vertreibung der deutschen Bevölkerung 1945:
Von tschechischen „Revolutionsgardisten“ wurden viele Leute aus Gurwitz unter Misshandlungen nach Hödnitz (Hodonice) befördert, wo sie zur Reparatur einer Gleisanlage herangezogen wurden. Am. 18. Mai wurden einige Männer (tw. Repräsentanten des NS-Regimes) verhaftet und zuerst nach Znaim (Znojmo) und dann in das Lager Mannsberg (Mansberk) gebracht, wo sie ebenfalls schwer misshandelt wurden.
Im Juni kamen einige Tschechen, die Häuser im Ort für sich beanspruchten und sich laut Zeitzeugenberichten teilweise an den Misshandlungen der „Revolutionsgardisten“ beteiligten. Am 8. August, kurz nach der „Potsdamer Erklärung“, begann die Vertreibung aus dem Ort. Ungefähr 20% der nach Österreich geflohenen Einwohner konnten auch dort bleiben, während die restlichen nach Deutschland weiter transportiert wurden.

Wirtschaft und Infrastruktur:

Landwirtschaft: Auf ca. 426 ha Ackerfläche wurden um 1900 vor allem Gurken, Kraut, Rüben, Kartoffeln, Mais, Wirsing und Getreide angebaut. Ebenso verschiedene Hülsenfrüchte und Obst.
Die Gemarkung umfasste um diese Zeit 546 ha. In Gemeindebesitz waren davon 63 ha. Von Gurwitzer Bauern wurden noch ca. 350 ha Ackerland auf der Gemarkung Borotitz (Borotice nad Jevišovkou) (Hoad) bewirtschaftet.
Der Weinbau spielte bei ca. 18 ha ebenfalls eine größere Rolle.

Gewerbe: in der Gemeinde gab es einen Steinbruch mit Gneisabbau, drei Gemischtwarenhandlungen, drei Gastwirte, zwei Bäcker, einen Fleischhauer, einen Friseur, zwei Tischler, drei Schuster, einen Wagner, einen Huf- und Wagenschmied, vier Herrenschneider, vier Damenschneiderinnen und eine Hebamme.

Einrichtungen: 1830 wurde eine einklassige Schule gebaut. Die spätere zweiklassige Schule mit der Oberlehrerwohnung entstand 1890. In einem Neubau von 1912 fanden drei Klassen Platz. Vor allem ab der zweiten Hälfte des 19. Jh. kam es zu einer starken Entwicklung der Infrastruktur. Im Ort gab es das Gemeindehaus, Armenhaus, Kindergarten und eine Gemeindebücherei. Das Postamt, die Polizei und der Bahnhof waren in Hödnitz (Hodonice). 1893 wurde die Freiwillige Feuerwehr gegründet, 1912 die Milchgenossenschaft und 1924 die Raiffeisenkasse eröffnet. Die Elektrifizierung erfolgte 1928.

Kulturerbe:

Filialkirche St. Bartholomäus: erbaut 1867 anstelle einer Kapelle von 1756 mit Hauptaltar und zwei Nebenaltären und Orgel (1234 bis 1784 gehörte die Pfarre zum Kloster Bruck).

Statue des hl. Johannes v. Nepomuk bei der Nesselmühle.

Siegel seit 1784:

Weintraube mit Umschrift.

Persönlichkeit:

Eduard Jordan (*16. März 1850, +7. April 1930 in Wien), Lehrer und Schriftsteller.

heimatkundliche Literatur:

Ristl, Rudolf: Gurwitzer Heimatbuch 1190-1945, 1983.

Weblinks:

Genealogie:

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