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Hans Lederer

Johann Lederer wurde am 20. Dezember 1914 in Unter-Tannowitz (Dolní Dunajovice) geboren.

Lederer wurde noch als Kleinkind zum Vollwaisen, da seine Mutter im Kindbett und sein Vater ein Jahr darauf starben. Er wuchs mit seinen beiden Schwestern beim Großvater auf. Nach der Volksschule ging er auf das Gymnasium in Nikolsburg (Mikulov). Danach wechselte Lederer auf die Acker- und Weinbauschule in Znaim (Znojmo) und begann nach Abschluss schließlich als Volontär auf einem Gutshof.

1936 wurde Lederer zur tschechoslowakischen Armee eingezogen. Während dieser Zeit besuchte er die Unteroffiziersschule. 1938 wurde er jedoch als „unzuverlässiger Deutscher“ in die Ostslowakei versetzt. Nach dem „Anschluss“ an das nationalsozialistische Deutsche Reich wurde Lederer bald zur Wehrmacht eingezogen und diente im Zweiten Weltkrieg buchstäblich fast vom ersten (1939) bis zum letzten Tag (1945) zuerst an der West- dann an der Ostfront und wurde dabei dreimal verwundet. Ein Lichtblick in dieser Zeit war die Hochzeit mit Maria Seidl aus Muschau (Mušov), die er 1942 heiratete. Aus dieser Ehe hat Lederer zwei Töchter und einen Sohn.

Nach der Vertreibung aus der Heimat musste Lederer sich in Österreich ein neues Leben aufbauen. Anfangs als Hilfsarbeiter bei Waldarbeiten eingesetzt, schaffte er erst später eine leitende Tätigkeit in der Nahrungsmittelindustrie zu übernehmen. Aufgrund dieser neuen wirtschaftlichen Basis konnte er sich schließlich in Steinebrunn nahe der österreichisch-tschechischen Grenze niederlassen, wo er „seinen“ Pollauer Bergen so nah wie möglich war.

Lederers Haus wurde auch zur Zieladresse für viele ehemalige Tannowitzer und Familienforscher. Für seine Verdienste wurde Lederer bereits 1988 mit dem Prof.-Josef-Freising-Preis ausgezeichnet. 1998 erhielt Lederer vom damaligen Bundespräsidenten Thomas Klestil den Ehrenprofessor verliehen. Im gleichen Jahr wurde er auch mit dem Südmährischen Kulturpreis ausgezeichnet.

Lederer war ein Sachkenner für Vor- und Frühgeschichte im südmährisch-niederösterreichischen Raum. Er wirkte als Mitglied des Bundesdenkmalamtes, der österreichisch-deutschen Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte und des Vereins für Landeskunde in Niederösterreich und verfasste über die Jahre viele Artikel und Beiträge die im „Südmährischen Jahrbuch“, den „Unter-Tannowitzer Jahresheften“, dem tschechischen heimatkundlichen Jahrbuch „Jizni Morava“ und vielen lokalen und regionalen Zeitschriften abgedruckt wurden.

Sein zweites Fachgebiet war die Familienforschung. So erstellte er die umfangreiche Darstellung „Ahnenliste“ des österreichischen Bundespräsidenten Dr. Karl Renner, der ebenfalls aus Unter-Tannowitz (Dolní Dunajovice) stammte. Für die Familienforschung kamen ihm besonders seine Tschechisch-Kenntnisse und nach dem Fall des „Eisernen Vorhanges“ die Nähe seines Wohnortes zu seiner ehemaligen Heimat zugute. Für Recherchen besuchte Lederer oft die Archive in Nikolsburg (Mikulov), Lundenburg (Břeclav) und Brünn (Brno).

Hans Lederer starb am 16. Februar 2007 in Steinebrunn (Niederösterreich).

Literatur:

  • Walfried Blaschka: Hans Lederer. Träger des Südmährischen Kulturpreises 1998, in: Südmährisches Jahrbuch, Jg. 2000, S. 20-24.
  • Winfried Illsinger: Gedenken an Prof. Hans Lederer, in: Unter-Tannowitz, Jg. 2009, S. 93.

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