Menü

Hosterlitz

Wappen

Dorfmitte

Ortsansicht

Pfarrkirche Hl. Kunigunde

Mariensäule vor dem Rathaus

Tschechischer Name: Hostěradice

Fläche: 1.499 ha

Einwohner 1910: 1.291 in 307 Häusern (1.287 deutsche Ew.), 1930: 1.284 in 345 Häusern (1.169 deutsche Ew.), 2010: 1.450.

heutiger Verwaltungsbezirk: Znojmo (Znaim)

Matriken: seit 1653, seit 1888 bei Mißlitz (Miroslav)

Lage:
Hosterlitz liegt auf 212 m Höhe und ist ursprünglich als Dreiecksangerdorf angelegt. Im Norden befindet sich Nispitz (Míšovice), im Osten Mißlitz (Miroslav) und im Westen Skalice sowie Chlupitz (Chlupice).

Geschichte:

1197 wird Hosterlitz in einer Schenkungsurkunde des Klosters Bruck erstmals als „Gostradic“ urkundlich erwähnt. Der Deutsche Ritterorden richtete im Ort eine Kommende ein, nachdem ihm von König Wenzel I. ein Teil von Hosterlitz übergeben worden war. Die Ritter ließen den Ort befestigen.

1308 wurde Hosterlitz zum Markt erhoben. Dies wurde 1371 bestätigt. Heinrich von Leipa (Lipa) erhielt 1319 die Güter von „Hostraditz“ und Nispitz (Míšovice) von König Jöhann im Tausch gegen andere Herrschaften (Zittau/Žitava).

Ab der Mitte des 14. Jh. gehörte Hosterlitz zur Herrschaft Kromau (Moravský Krumlov)
Während der Hussitenkriege wurde der Ort 1425 zerstört.

Hosterlitz wurde in der Reformationszeit lutherisch. Zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges wurde der Ort 1619 von kaiserlichen Truppen besetzt und geplündert. Der Ort wurde gebrandschatzt und 14 Menschen getötet. Die evangelischen Adeligen, so auch das Haus Leipa (Lipa), wurden nach dem Sieg der kaiserlichen Truppen in der Schlacht am Weißen Berg enteignet und Hosterlitz kam 1625 an die katholische Familie Liechtenstein. Seit 1633 ist auch der Name Hosterlitz unverändert geblieben.

Während der Napoleonischen Kriege waren 1809 französische Soldaten im Ort einquartiert. 1866 wurde von preußischen Soldaten die Cholera eingeschleppt.
Nach Bildung moderner Verwaltungsbezirke an Stelle der Grundherrschaften gehörte Hosterlitz zum Bezirk Mährisch-Kromau (Moravský Krumlov).

Nachdem Hosterlitz 1919 zur Tschechoslowakei gekommen war wuchsen auch hier die Spannungen im Ort. Konflikte gab es vor allem zwischen der tschechischen Gendarmerie und den deutschen Vereinen.

Als die Angliederung der deutschsprachigen Gebiete an das nationalsozialistische Deutsche Reich bevorstand, verkauften einige tschechische und eine jüdische Familie ihre Häuser und Grundstücke und flüchteten weiter in das Landesinnere.

Unter den Nationalsozialisten wurde im April 1939 der Kreis Znaim (Znojmo) gebildet, dem auch die deutschsprachigen Gemeinden wie Hosterlitz des ehemaligen Bezirkes Mährisch-Kromau (Moravský Krumlov) angehörten.

Den Mangel an männlichen Arbeitskräften in der Landwirtschaft durch den Krieg mussten französische, jugoslawische und später italienische Kriegsgefangene sowie polnische und ukrainische „Fremd-“ und Zwangsarbeiter und Arbeiterinnen kompensieren.

Hosterlitz wurde, wie viele andere Orte auch, zum Aufnahmeort evakuierter Bombenopfer aus den größeren Städten. Ca. 200 von ihnen lebten gegen Kriegsende im Ort.

Der Zweite Weltkrieg forderte 94 Opfer aus dem Ort.
Bei den Kampfhandlungen gegen Ende des Krieges kam es zu mehreren Todesopfern. Am 06. Mai 1945 wurde Hosterlitz bombardiert, wobei drei Personen (eine Frau und zwei Kinder aus Wien) umkamen. Am 07. und 08. Mai wurde Hosterlitz nochmals bombardiert, wobei 40 Häuser zerstört, sechs Zivilpersonen und 10 Soldaten getötet wurden.

Vertreibung der deutschen Bevölkerung 1945:
Bereits am 09. Mai besetzten sowjetische Truppen das Dorf. Die Nachkriegsexzesse der tschechischen „Partisanen“ setzte am 16. Mai ein. Requirierungen und Plünderungen folgten. Der Bürgermeister und der Volksschuldirektor wurden verhaftet.

Ein Zeitzeugenbericht führt deutlich vor Augen, in welchen Exzessen diese Aktionen enden konnten: Am 25. Mai wurden der Rektor Reinhard Dostal und der Müller Anton Frank öffentlich hingerichtet. Die beiden wurden einige Tage zuvor verhaftet, im Hauskeller verwahrt und dort misshandelt.

Am 25. Mai wurde aus einem Doppelmast der Lichtleitung am Marktplatz ein Galgen errichtet. Die Hosterlitzer Einwohner ab 15 Jahren wurden gezwungen, sich auf dem Marktplatz einzufinden. Als die beiden Gefangenen vorgeführt wurden, wurde vom tschechischen Kommissar verlesen, dass Dostal den Josef Scheibl in einen Schweinestall im Rathaus sperren habe lassen und Frank einen tschechischen Arbeiter geohrfeigt habe. Die darauffolgende Exekution misslang zwar, da die Stricke rissen, jedoch wurden die beiden auf den Boden gestürzten Männer durch Genickschüsse getötet. Die Ehefrau Dostals und Franks Tochter mussten bei dieser Hinrichtung zusehen. Die Versammelten auf dem Marktplatz mussten in Anspielung auf Hitler und die NS-Herrschaft „Wir danken unserem Führer!“ rufen.
Erst ein russischer Offizier befahl am nächsten Tag, die Leichen zu begraben und Verfolgung und Lynchjustiz zu unterlassen.

Alle Inhaftierten wurden am 28. Mai entlassen. Im Juni kam es noch einmal zur Verschleppung mehrerer Personen zur Zwangsarbeit. Die Umstände forderten weitere Todesopfer. 1946 wurden die noch nicht Geflüchteten in mehreren Transporten ausgesiedelt. 58 Personen aus Hosterlitz blieben in Österreich, während über 1.000 nach Westdeutschland gelangten.

Wirtschaft und Infrastruktur:

Landwirtschaft: Auf den rund 1.184 ha Ackerfläche wurde um 1900 vorwiegend Getreide, Mais, Hirse und Zuckerrüben angebaut. Die Weinbaufläche machte 68 ha der Gemeindefläche aus. Daneben wurde auch Obstbau betrieben.
Bemerkenswert war mit etwa 500 Stück auch die Anzahl der Rinder. Gezüchtet wurde vor allem der „Rotscheck“.

Gewerbe: Schotterwerk, drei Ziegeleien, Zementrohrerzeugung (Betonwarenwerk, Beschäftigung von bis zu 50 Arbeitern) – im Quarzsandvorkommen (Meeresablagerung am äußersten Rand des Wiener Beckens), dem Rohstoff für das Werk, wurden Haifischzähne (Lamna) und Austernbänke entdeckt – Mühle, Molkereibetrieb (10.000 Liter täglich).

Einrichtungen:
Zollhaus mit Laubengang, Zecklhaus (Bethaus), Armenhaus, Raiffeisenkasse, Volksschule (1807, 1839 erweitert), landwirtschaftliche Fortbildungsschule (1883), Kindergarten, praktischer Arzt, Zahnarzt, Hebamme, Tierarzt in Mißlitz (Miroslav), drei Gasthöfe, acht Krämereien, zwei Bäckereien, Knopfdrechslereien, zwei Wagner, ein Binder, drei Schreinereien, Bücherei, Post, Mühle, drei Schmiede, zwei Schlosser, zwei Fleischer, zwei Schneider.
Raiffeisenkasse (1890), Molkereigenossenschaft (1902), Druckgenossenschaft (1906), Elektrifizierung (1926), Freiw. Feuerwehr.

Kulturerbe:

Pfarrkirche St. Kunigunde: Ehemalige Komtureikirche des Deutschen Ritterordens. Spätromanisch-frühgotische dreischiffige Pfeilerbasilika zweite Hälfte des 13. Jh. mit gerade geschlossenem Chor und wehrhaftem nördlichen Turm, dessen zurückspringender gemauerter Helm aus der gleichen Zeit. Kreuzgewölbe im Chor zweite Hälfte 16. Jh. Die Konsolen und Knospenkapitellen 13. Jh., dreiteilige Sitznische und das spitzbogige Tor in die Sakristei. 1471/1486 spätgotischer Umbau der Kirche, Mittelschiff netzrippengewölbt, nördl. Seitenschiff erhöht, das südliche in seinem westlichen Teil auf Kopfkonsolen sternrippengewölbt (Niklas von Edelspitz), im östlichen Teil zur zweischiffigen Halle erweitert. Deren Kreuz- und Netzrippengewölbe schneidet in der Mitte in zwei Säulen ein (ähnlich der Nikolaikirche in Znaim (Znojmo)) und ruht seitlich auf Pfeilervorlagen. Rechtes Seitenschiff mehreckig geschlossen. Sakristei im Turm mit Sternrippengewölbe. Nördliches Tor und netzrippengewölbte Orgelempore spätgotisch. Im ersten Joch des Mittelschiffes Freskenreste (Engel?) 14. Jh., Hochaltar um 1780 frühklassizistisch; Rokokotabernakel; rechter Seitenaltar erste Hälfte 18. Jh.; Taufstein klassizistisch um 1820. Kanzelfuß gotisch; Maßwerkbrüstung Ende 15. Jh. Im nördlichen Schiff spätgotisches Vesperbild um 1520. Von der anschließenden Komturei sind Mauerreste mit rundbogiger Zugbrücke und gekuppelten Fenstern des 13. Jh. erhalten.

Karner: frühgotisch, kreuzrippengewölbt mit Fünfachtel-Chor, drittes Viertel 13. Jh.

Rathaus: Wuchtiger Bau mit Säulenhof im Erdgeschoss und im 1. Stock; in der oberen Halle Jahreszahl 1515, außen 1514.

Immaculata-Säule mit steinernen Statuen der Heiligen Josef, Joachim, Urban und Sebastian aus 1728.

Häuser am Marktplatz: spätgotisches Haus, Renaissancehaus mit Runderkern und schönem Renaissancefenster; Gasthaus mit wappengekröntem Renaissancefenster aus dem 16. Jh.

Kapelle „Der gegeißelte Heiland“ in der Friedhofsmauer.

Kapelle „Zu den drei Bründeln

Steinkreuz von 1777.

Heiligenstatuen: Anna am Unteren Markt, Johannes von Nepomuk (dreimal: vor der Kirche, am Oberen Markt und an der Gaierbruck).

heimatkundliche Literatur:

Annerl, Fritz: Die Marktgemeinde Hosterlitz, 2006

Weblinks:

Genealogie:

zurück zum Ortsnamenverzeichnis deutsch, zurück zum Ortsnamenverzeichnis tschechisch