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Kallendorf

Ansicht von Kallendorf

Tschechischer Name: Chvalovice

Fläche: 745 ha

Einwohner 1910: 711 in 161 Häusern (alle deutsch) 1930: 681 in 166 Häusern (639 deutsche Ew.), 2010: 485.

heutiger Verwaltungsbezirk: Znaim (Znojmo)

Matriken: seit 1710 bei Klein Tajax (Dyjákovičky), ab 1743 selbständig, seit 1858 bei Znaim (Znojmo).

Lage und Charakteristik:

Kallendorf liegt auf 217 m Meereshöhe und ca. 8 km südlich von Znaim (Znojmo). Nachbarorte sind Klein-Tajax (Dyjákovičky) und Urbau (Vrbovec) im Osten bzw. Nordosten, Kleinhaugsdorf jenseits der ca. 5 km entfernten Staatsgrenze im Süden und Schattau (Šatov) im Westen.
Der Ort ist als Angerdorf angelegt.

Geschichte:

1284 wurde Kallendorf erstmals urkundlich genannt, als das Kloster Bruck als Besitzer der Ortschaft „Qualndorff“ genannt wird. Die Schreibweise änderte sich im Lauf der Jahrhunderte: 1349 „Kalndorf“, 1523 „Kolindorff“, 1575 „Kalndorff“. Seit 1718 ist der heutige Name gebräuchlich.
Da Kallendorf an der 1752 gebauten Kaiserstraße lag, kam es zu dieser Zeit dadurch zu einem wirtschaftlichen Aufschwung im Ort.

In den Napoleonischen Kriegen wurde Kallendorf zuerst von russischen Truppen (1799 und 1805) dann von französischen Truppen (1809) besetzt und geplündert. Ein Großbrand im Jahr 1859 und eine Überschwemmung im Jahr 1874 richteten großen Schaden an.
Zwischen 1886 und 1888 wurden die Straßen nach Gerstenfeld (Ječmeniště) und Schattau (Šatov) errichtet.
Seit 1900 war Kallendorf eine selbständige Pfarre.

Der Erste Weltkrieg forderte 31 Opfer unter den Kallendorfern.
1939 wurden die ersten Traktoren in der Landwirtschaft im Ort eingesetzt. Während der NS-Herrschaft wurde Kallendorf mit Gerstenfeld (Ječmeniště) und Klein Tajax (Dyjákovičky) zur Gemeinde „Schatzberg“ zusammengefügt und Bestandteil des 1939 geschaffenen Kreises Znaim. Nach der Wiedererrichtung der Tschechoslowakei 1945 wurden die Gemeinden wieder selbständig.
Im Zweiten Weltkrieg fielen 37 Kallendorfer.

Vertreibung der deutschen Bevölkerung 1945:
Von tschechischen „Partisanen“ wurden elf Männer und eine Frau im Lager Znaim (Znojmo) interniert. Dort starb der ehemalige Bürgermeister am 5. Juli aufgrund schwerer Misshandlungen. Insgesamt gab es 11 Opfer durch die Nachkriegsexzesse. Die meisten Kallendorfer flohen 1945 über die nahe Grenze nach Österreich oder wurden dorthin vertrieben. Die noch Verbliebenen wurden großteils 1946 nach Westdeutschland zwangsausgesiedelt.

Zur Gemeinde gehört heute die Grenzansiedlung Hatě (Haid) bei Klein Haugsdorf, die im wesentlichen aus den ehemaligen Zollgebäuden besteht.

Wirtschaft und Infrastruktur

Landwirtschaft: Angebaut wurden Getreide, Gemüse, Obst und Wein (57 ha Weingärten um 1900). Insgesamt gab es ca. 88 landwirtschaftliche Betriebe. Erwähnenswert ist auch das Kellerdorf an der Straße nach Schattau (Šatov) wo 1717 bereits die ersten Weinkeller entstanden. 1945 gab es 116 Keller mit 79 Presshäusern.

Gewerbe: Gast- und Einkehrhof (Fichtl) an der alten Poststraße Wien – Znaim (Znojmo), Gemeindegasthaus (1854), florierendes Kleingewerbe.

Einrichtungen:
Schulhaus (1822, 1891 zweiklassig erweitert), Bürgermeisteramt (1850), Gendarmerie (1919), Posthaltestelle (1869) bzw. Postamt (1910), Telefon- und Telegraphenamt (1929), Elektrifizierung (1931), Autobusanbindung (1925 an der Strecke Wien-Znaim), Gemeindegasthaus (1854), Gemeinde-Stierstall (1927), Freiw. Feuerw. (1893), Milchgenossenschaft (1907).

Kulturerbe:

Pfarrkirche St. Margareta: Urkundlich genannt 1284. Gotischer kreuzrippengewölbter Chor mit Fünfachtel-Schluss, mittelalterlicher Nordturm mit neugotischer Bekrönung. Tonnengewölbtes Langhaus 1626; spätgotisches südliches Tor um 1500. Giebelgekrönter Vorbau mit barocker Margaretenstatue. Renaissancekanzel erste Hälfte 16. Jh., aus einem Stein gearbeitet. Schalldeckel Rokoko Mitte 18. Jh. Neugotische Einrichtung. Hauptaltarbild von Joseph Winterhalter. Vier Glocken aus 1560, 1777, 1779 und 1753.

Bildsäulen: hI. Anna 1734; Joh. v. Nepomuk 1735; hl. Florian 1764.

Marienkapelle mit holzgeschnitzter Marienstatue

Loretosäule (1628) am Dorfplatz.

heimatkundliche Literatur:

Hampel, Josef: Geschichte der Gemeinde Kallendorf, 1972.

Weblinks:

Genealogie:

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