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Klein_Tajax

Postkarte mit Ansichten von Klein-Tajax

Tschechischer Name: Dyjákovičky

Fläche: 1.290 ha

Einwohner 1910: 897 in 202 Häusern (893 dt. Ew.), 1930: 997 in 229 Häusern (943 dt. Ew.), 2010: 494.

heutiger Verwaltungsbezirk: Znojmo (Znaim)

Matriken: seit 1710

Lage:

Klein Tajax liegt in 216 m Meereshöhe.
Der Ort ist als Breitangerdorf des 12. Jahrhunderts angelegt, wird vom Danischbach (Daníž) durchflossen und liegt 9 km südlich von Znaim (Znojmo). Nachbarorte sind Kallendorf (Chvalovice) im Westen, Urbau (Vrbovec) im Norden und Gnast (Hnízdo) im Osten. Im Süden liegen die tschechisch-österreichische Staatsgrenze und Kleinhaugsdorf.

Geschichte:

1220 wurde der Ort erstmals urkundlich erwähnt. Damals gehörte er zur Herrschaft des Klosters Bruck. Ab 1409 kam es auch zu Namensnennungen wie „Deiax superior“ oder „Unter-Tajax“. 1560 kam ein Teil von Klein Tajax zur Herrschaft Joslowitz (Jaroslavice). Im 18. Jh. wurde die Ortschaft eine Zeit lang auch „Ober Tajax“ genannt.

1728 und 1776 richtete jeweils ein Brand großen Schaden an. 1805 und 1809 wurde Klein Tajax von französischen Truppen besetzt und geplündert. 1866 musste die Bevölkerung an preußische Truppen hohe Kontributionen zahlen.

Im Ersten Weltkrieg fielen 27 Mann aus Klein Tajax. 1922 musste vom Gutshof Gnast ein Klassenzimmer für tschechische Kinder abgetreten werden. Aus dem Ort besuchte kein Kind dieses Klassenzimmer.

Von 1940 bis 1945 wurden von der nationalsozialistischen Verwaltung unter dem Ortsnamen „Schatzberg“ die Ortschaften Klein Tajax, Kallendorf (Chvalovice) und Gerstenfeld (Ječmeniště)) als Gemeinde zusammengefasst. Als solche gehörte sie bis zum Ende des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkrieges zum Kreis Znaim (Znojmo). Der Zweite Weltkrieg kostete 45 Männern aus Klein Tajax das Leben.

Weil der Ort während des „Kalten Krieges“ in Grenznähe am „Eisernen Vorhang“ lag, war er bis 1991 Sperrgebiet.

Vertreibung der deutschen Bevölkerung 1945/46:
Am 9. Mai gelangten erste russische Truppen in den Ort. In Klein Tajax verweilten zwei Kompanien unter denen es zu Plünderungen und Vergewaltigungen kam. Während dieser Nachkriegsexzesse wurde ein Mann erschossen. Einige Tage später kamen die ersten tschechischen „Revolutionsgardisten“ nach Klein Tajax. Arbeitsfähige Männer mussten Zwangsarbeiten leisten und kamen ins Arbeitslager nach Znaim (Znojmo). Am 14. August 1945 mussten innerhalb von vier Stunden alle deutschen Einwohner das Dorf verlassen. Pro Person waren 60 kg Gepäck erlaubt. Während der Vertreibungsexzesse kam es zu zwei Todesopfern.

Von den zunächst nach Österreich vertriebenen Klein Tajaxern wurden im Frühjahr 1946 die meisten weiter nach Westdeutschland transportiert. Sie landeten in Hessen, Württemberg und Bayern.

Wirtschaft und Infrastruktur:

Landwirtschaft: Aufgrund des günstigen Klimas wurde neben Acker- auch Weinbau betrieben (ca. 119 ha um 1900). Auf den Äckern wurden Getreide, Kartoffeln, Rüben und Mais angebaut. Auch der Anbau von Gurken hatte eine gewisse Bedeutung.

Gewerbe: Ziegelei (bis 1930), zwei Wirtshäuser, zwei Greissler, Kleingewerbe.

Einrichtungen: Schule (1800, Neubau 1891, mit dritter Klasse für tschechische Kinder ab 1922), Hauptschule (ab 1939-1943 für die neu geschaffene Großgemeinde „Schatzberg“), Kindergarten (ebenfalls 1939), Milchhaus, zwei Armenhäuser, Freiw. Feuerwehr (1925), Raiffeisenkasse (bis 1929), verschiedene Vereine, Buslinie nach Znaim (Znojmo), Elektrifizierung 1931.

Kulturerbe:

Pfarrkirche St. Veit: Urkundlich erwähnt 1220; gotischer kreuzrippengewölbter Chor mit Fünfachtel-Schluss, flachgedecktes Langhaus, neugotische Altäre, Bilder von Joseph Winterhalter, zweite Hälfte 18. Jh.; Orgel aus 1800; Kreuzweg 1836; romanischer Turm mit neuem Zeltdach; vor der Kirche Gekreuzigter und schmiedeeisernes Kreuz 18. Jh. auf Bildsäule von 1890.

Pfarrhaus (ca. 1740)

verschiedene Bildsäulen und Heiligenstatuen: Mariensäule (Pestmalter, 1701) an der Brücke über den Bach, Heiligenstatuen (Florian, Johannes, Dreifaltigkeit aus 1705), Baiersche Kapelle (1873), weitere Kreuze und Bildstöcke.

Besonderheit:

Als kleine Besonderheit des Ortes ist die Existenz von 38 Familien mit dem Namen Schneider zu erwähnen. Sie wurden durch die Hausnummern unterschieden (z.B. „Vierer-Schneider“)

Persönlichkeiten

  • Ferdinand Kauer (*18.Januar 1751; +13.April 1831, Wien), Komponist.
  • Hans Schmid (*20. November 1893; +27. Mai 1987), Militärmusiker und Komponist (Rainer-Marsch).
  • Raimund Nimführ (*17. August 1874; †15. September 1954, Wien), Luftfahrttheoretiker, Flugzeugpionier und Meteorologe.

heimatkundliche Literatur:

  • Rücker, Agnes: Gedenkbuch der Gemeinde Klein-Tajax. o.J.
  • Brunner Hans: Klein-Tajax. Unvergessene Heimat in Südmähren. 1998.

Weblinks:

Genealogie:

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