Menü

Lechwitz

Ansicht der Wallfahrtskirche Mariä Heimsuchung in Lechwitz

Tschechischer Name: Lechovice

Fläche: 755 ha

Einwohner 1910: 610 in 126 Häusern (598 dt. Ew.), 1930: 575 in 143 Häusern (529 dt. Ew.), 2010: 452.

heutiger Verwaltungsbezirk: Znojmo (Znaim)

Matriken: seit 1785, davor ab 1694 bei Groß Olkowitz (Oleksovice)

Lage:

Lechwitz wurde als Straßendorf angelegt und liegt in 197 m Seehöhe. Nachbarorte sind Pratsch (Práče) im Westen, Teßwitz an der Wiese (Stošíkovice na Louce) im Norden und Borotitz (Borotice) im Süden.

Geschichte:

Die erste urkundliche Nennung erfolgte nach unterschiedlichen Quellen 1255 bzw. 1287, damals als landesfürstlicher Besitz mit einer „Veste“. 1317 gelangte das Patronat der Kirche an die Klarissinnen in Znaim (Znojmo), ein Teil des Dorfes gelangte 1389 in den Besitz des Klosters Bruck.

1657 wurde die Kirche im Visitationsbericht nicht erwähnt, die Pfarre dürfte aufgelassen worden sein. 1660 kaufte das Kloster Bruck die Herrschaft vollständig. Nach dem Bau der Wallfahrtskirche „Maria Heimsuchung“ unter dem Abt Wellner im Jahr 1721, bekam der Ort durch die Wallfahrten einen beachtlichen wirtschaftlichen Aufschwung. Außerdem wurde ein Schloss als Sommerresidenz der Äbte errichtet. Nach der Auflösung des Klosters unter Kaiser Joseph II. im Jahr 1784 wurde Lechwitz vom Religionsfonds verwaltet.

1808 bis 1811 wurde, als Verbindung zwischen den Reichsstraßen von Wien nach Prag und von Wien nach [[|Brünn|Brünn (Brno)]], die Reichsstraße von Znaim (Znojmo) über Lechwitz nach Pohrlitz (Pohořelice) gebaut. 1824 wurde der Ort von den Freiherren von Kübeck erworben, die als Patronatsherren Kirche und Pfarre erhielten. Ab 1870 wurde eine Verbindung mit einer Postkutsche zum Bahnhof Frischau (Břežany) eingerichtet. Erst 1885 wurde Lechwitz eine selbständige Pfarre. In die Pfarre waren Borotitz (Borotice nad Jevišovkou) und die dazugehörige Siedlung Phillipsdorf eingegliedert. 1888 zerstörte eine Überschwemmung den tiefer gelegenen Ortsteil.

Im Ersten Weltkrieg fielen 28 Mann. Die Gutshöfe in Groß Olkowitz (Oleksovice) und Lechwitz wurden nach 1918 von der neuen tschechoslowakischen Regierung enteignet. Im nationalsozialistischen Deutschen Reich von 1939-1945 war Lechwitz Bestandteil des Kreises Znaim. Ende 1944 mussten sich die verbliebenen männlichen Einwohner jeden Sonntag einer Ausbildung für den „Volkssturm“ unterziehen. Im Zweiten Weltkrieg fielen 46 Mann. Ende April 1945 wurde die Evakuierung von Lechwitz verfügt, aber nicht durchgeführt. Einige Familien verließen allerdings bereits den Ort. Am 7. Mai 1945 wurde die Kirche durch einen Bombentreffer beschädigt, am 8. Mai wurden die Brücken durch die Wehrmacht gesprengt, kurz darauf marschierten sowjetische Truppen ein, wobei bei den folgenden Plünderungen auch das Schloss ausgeraubt wurde.

Vertreibung der deutschen Bevölkerung 1945/46:
Am 19. August 1945 wurden rund 300 deutsche Lechwitzer vertrieben, im Juni 1946 diejenigen, welche als Zwangsarbeiter zurückgehalten worden waren (110-120 Personen). Ca. 40 % von den insgesamt rund 500 Vertriebenen blieben in Österreich, die anderen gelangten nach Westdeutschland.

Wirtschaft und Infrastruktur:

Landwirtschaft: Wegen des günstigen Klimas wurde neben Getreide auch Obst und Gemüse angebaut. Der Weinbau spielte eine eher untergeordnete Rolle.

Gewerbe: zwei Ziegeleien, Mühle, vier Wirtshäuser, Kleingewerbe.

Einrichtungen: Volksschule (Schulbetrieb 1740 nachweisbar, 1828 Neubau, 1889 Erweiterung, 1930 mit tschechischsprachiger Klasse, Neubau 1931), Museum, Theater und Kino (Wanderkino, 1939), Armenhaus, Lagerhaus, Postamt, Gendarmerieposten, Kindergarten, Bücherei, Buslinie nach Znaim (Znojmo) bzw. Brünn (Brno),
Freiwillige Feuerwehr (1898), Spar- und Darlehenskasse (1900), Elektrifizierung (1928-1930).

Kulturerbe:

Pfarrkirche Mariae Heimsuchung: 1718/21 anstelle einer hölzernen Waldkapelle von Christian A. Oedtl als Wallfahrtskirche mit dem Grundriss eines griechischen Kreuzes erbaut. Mächtige Mittelkuppel und je eine Ovalkuppel über dem westlichen und östlichen Flügel. Über den Querarmen Tonnengewölbe. Großer Hochaltar, Marmor und Stuck. In einer Nische über ihm lebensgroße Marienstatue, künstlerisch aus Holz geschnitzt und teilweise gefasst. Vier Seitenaltäre: hl. Johannes v. Nepomuk (mit Bild vom holländischen Maler Schoonjans 1726); hl. Laurentius (Schoonjans oder Johann Michael Fisse); St. Rochus, Sebastian und Rosalie; St. Florian und Donatus mit Bildern von Johann Michael Fisse. Über dem Taufbecken Bild der Taufe Christi im Jordan von Joseph Winterhalter. Kuppeln mit Freskomalereien und Seitenaltäre mit gemalter Architektur von Schoonjans und Fisee. Reich verzierte geschwungene Beichtstühle, die Orgel mit Putten des Brunners J. A. Richter 1725; figürlicher Grabstein des General Sentinion 1750. An der Rückwand der Kirchenkapelle Nische mit Statue des hl. Antonius 2. Hälfte 18. Jh. Prächtige ein- und ausschwingende zweitürmige Westfassade, eine Glocke aus 1741; die Kirchtürme von Lechwitz sind weithin sichtbar, z.B. von den Pollauer Bergen oder vom Heimatdenkmal in Unter-Retzbach.

Schloss: östlich von Lechwitz mit Siedlung „U Zámku“, 1740 als Sommersitz des Brucker Abtes erbaut; 1824 als Schloss umgebaut. Großer Park mit tausendjähriger Eiche und Schiffsrumpf des Schiffes, mit dem der spätere Kaiser Max von Mexiko fuhr.

Kapelle Maria Siebeneichen (1880), Großes Steinkreuz (1725, am Friedhof ab 1786), Marienstatue am Kirchplatz, Hl. Johannes von Nepomuk (1760), Hl. Antonius von Padua (1742); viele weitere Bildstöcke und Marterln.

Persönlichkeiten:

  • Franz Wagner (*4. Oktober 1860; †10. März 1929), Politiker (Deutschnationaler), Abgeordneter zum Mährischen Landtag (1905-1907) und zum Reichsrat (1907-1918).
  • Hans Wagner (*3. März 1893; †1984), Abgeordneter in der Monarchie und in der Tschechoslowakei (Bund der Landwirte).

heimatkundliche Literatur:

Prock-Schauer, Hans: Heimatbuch der Gemeinde Lechwitz. 1988

Weblinks:

Genealogie:

zurück zum Ortsnamenverzeichnis deutsch, zurück zum Ortsnamenverzeichnis tschechisch