Menü

Mödlau_am_Igelfluß

Mutter Gottes-Statue aus der Kirche St. Bartholomäus

Altar der Kirche St. Bartholomäus

Ansicht von Mödlau heute, rechts die Statue des hl. Florian

Ansicht von Mödlau

Ansicht von Mödlau

Tschechischer Name: Medlov

Fläche: 1038 ha

Einwohner 1910: 773 in 160 Häusern (772 dt. Ew.), 1930: 744 in 168 Häusern (709 dt. Ew.), 2010: 648.

heutiger Verwaltungsbezirk: Brno-venkov (Brünn-Land)

Matriken: seit 1712.

Lage:

Mödlau ist als Straßendorf mit Dreiecksanger angelegt und liegt auf ca. 200 m Höhe in der Thaya-Schwarze-Talsenke am linken Ufer der Jihlava (Igel) nördlich von Pohrlitz (Pohořelice) und westlich von Seelowitz (Židlochovice).

Geschichte:

Die erste urkundliche Erwähnung erfolgte in einer auf 1173 datierten Urkunde, die sich aber als mittelalterliche Fälschung herausstellte.
1203 tauchte der Name dann als Zusatz des Stepan de Medlov als „Stammvater“ der Herren von Pernstein auf, die Mödlau bis 1378 besaßen. 1235 wurden Kirche und Pfarre erwähnt und seit 1358 ist eine Burg nachweisbar.

1447 war Mödlau Bestandteil des Klosters Kanitz („Rosa Coeli“). 1486 wurde ein Teil der Herrschaft von den Pernsteinern zurück erworben. Im 16. Jh. gab es eine Täufergemeinde im Ort, deren Mitglieder allerdings 1622 ausgewiesen wurden. Mödlau erhielt 1585 das Marktrecht.
Unter der Ortschaft befinden sich heute noch Erdställe, die aus dem 15. und 16. Jh. stammen.

1640 kam ein Teil von Mödlau zur Herrschaft Seelowitz (Židlochovice).
Durch den Dreißigjährigen Krieg und Pestepidemien wurde der bis dahin zum Großteil von Tschechen bewohnte Ort fast völlig entvölkert. In der zweiten Hälfte des 17. Jh. erfolgte eine Neubesiedlung durch deutsche Siedler.

1731 bekam Mödlau die Marktrechte durch Karl VI bestätigt. Brände in den Jahren 1749 und 1784 zerstörten weite Teile der Stadt. Nach der Auflösung der Klöster wurde Mödlau bis 1821 vom Religionsfonds verwaltet.

Der zuständige Verwaltungsbezirk nach dem Ende der Grundherrschaften war Nikolsburg (Mikulov).

1831 brach die Cholera in Mödlau aus. 1892 wütete ein Brand im Ort und zerstörte 25 Häuser.

Im Zweiten Weltkrieg fielen 54 Männer aus Mödlau. Durch einen Fliegerangriff starb ein vierjähriges Mädchen. Am 17. April 1945 drangen Rotarmisten in die Ortschaft ein und zwangen die Ortsbewohner – vor allem Ortsbewohnerinnen – zu Schanzarbeiten. Hierbei kam es zu Vergewaltigungen.

Vertreibung 1945/46:
Im Zuge der Nachkriegsexzesse erschlugen die tschechischen „Revolutionsgardisten“ sieben Menschen. In Mödlau wurde ein „národní výbor“ (nationaler Ausschuss) eingerichtet, dem außerdem Mohleis (Smolín), Kuprowitz (Kupařovice), Klein Niemtschitz (Němčičky) und Prahlitz (Pravlov) unterstanden. Der Keller der Volksschule wurde als Gefängnis genützt. Die Eingesperrten wurden zur Zwangsarbeit herangezogen. Während der Internierungen kam es auch zu Misshandlungen.
Zwölf Personen konnten nach Österreich fliehen.
Bald darauf begann die Vertreibung der restlichen deutschen Bevölkerung die insgesamt 693 Personen betraf. Bis Juni 1946 wurden alle ehemaligen deutschen Bewohner Mödlaus nach Westdeutschland vertrieben. Der Ort wurde von tschechischen Bewohnern neu besiedelt.

1947 kam es durch einen Eisstau an der Iglaubrücke zu Überschwemmungen. 1951 und 1985 erfolgten weitere Überflutungen.

2001 entstand der Naturpark „Niva Jihlavy“.

Seit 2006 ist Medlov ein Městys, eine Minderstadt.

Wirtschaft und Infrastruktur:

Landwirtschaft: Das warme Klima förderte den Anbau von Obst und Gemüse sowie den Weinbau. Ansonsten wurden Getreide, Mais, Zuckerrüben und Kartoffeln angebaut.

Gewerbe: Im Ort gab es eine Zementwarenerzeugung. Die Mühle war von 1662 bis 1773 im Besitz des Jesuitenklosters in Brünn (Brno) und danach des Gutes Kanitz. Sie war 1934 niedergebrannt und wurde durch einen Neubau ersetzt. Weiters gab es vielfältiges Kleingewerbe.

Einrichtungen: Schule (1867 mit Lehrerwohnung und Bibliothek), Elektrifizierung 1929, Freiwillige Feuerwehr (1900), Raiffeisenkasse (1910).
Mödlau war unter anderem wegen der guten Badegelegenheit am aufgestauten Igelfluss bei der Mühle in der Umgebung bekannt.

Kulturerbe:

Grabkreuz

Pfarrkirche St. Bartholomäus: ursprünglich gotisch, 1699 in barockem Stil erneuert und 1749 und 1852 erweitert. Auf dem Hauptaltar Statuen des hl.Bartholomäus, sowie des hl.Wenzel und des hl.Andreas. Nebenaltäre : Unbefleckte Empfängnis und hl.Anna, sowie Statuen Hl.Josef, hl.Joachim und hl.Maria , hl. Johannes.
Triumphbogen mit Petrus und Paulus, Kreuzweg von J.Zeleny, Brünn

Dreifaltigkeitssäule von 1721 vor der Schule.

Statuen: hl. Johannes v.Nepomuk 1758, hl. Florian an der Straße nach Mohleis (Smolín) und hl. Urban beim Friedhof.

Pfarrhof, ehemaliges Jagdschloss.

Friedhofskreuz von 1758.

Mehrere schmiedeeiserne oder steinerne Kreuze und zwei steinerne Marterln.

Wappen und Siegel:

Das älteste Ortssiegel stammt von 1601. In der Umschrift „SIGIL DES EIGEN MEDLAV 1601“ ist ein Winzermesser und ein Pflugsech nebeneinander, dahinter ein beblätterter Rebenzweig mit zwei Trauben abgebildet. Die Farben sind nicht eindeutig überliefert, werden jedoch in der Regel mit Silber in Rot beschrieben.

Persönlichkeiten:

  • Cyrill Riedl (*1848; +1933 Brünn), Dechant und Stadtpfarrer von St. Jakob in Brünn.
  • Josef Mazanek (*zweite Hälfte des 18.Jahrhunderts), Kunstschmied.

Weblinks:

Genealogie:

zurück zum Ortsnamenverzeichnis deutsch, zurück zum Ortsnamenverzeichnis tschechisch