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Kirche von Mariahilf

Ortsdurchfahrt und tschechische Schule

Ortsmitte von Mariahilf im Jahre 1922

Tschechischer Name: Nová Ves

Fläche: 615 ha

Einwohner 1910: 535 in 96 Häusern (523 dt. Ew.), 1930: 545 Ew in 111 Häusern (412 dt. Ew.), 2001: 326.

heutige Gemeindezugehörigkeit: Pohořelice (Pohrlitz)

heutiger Verwaltungsbezirk: Brno-venkov (Brünn-Land)

Matriken: seit 1701 bei Wostitz.

Grundbücher: seit 1711.

Lage:

Mariahilf liegt auf 180 Meter Höhe, an der Brünner Straße und war bis 1945 ein Straßendorf.

Geschichte:

Nach dem Verfall der Ortschaft Lenowitz (um 1574) schenkte Fürst Leopold von Dietrichstein etwa 600 Morgen (ca. 16 aufgelassene Hauergründe) in der Nähe an deutsche Siedler für eine Ortsneugründung. So entstand um 1701 das „Neydorff“ (Neues Dorf oder Neudorf, tschechisch Nová Ves) bei der „Wostitzer Mühl“.

Bald darauf wurde der deutsche Name in „Mariahilf“ geändert während die tschechische Bezeichnung bis heute unverändert geblieben ist.
Eine Sage berichtet, dass ein unbekannter Reiter in den Sumpf geraten war, Maria um Hilfe rief und gerettet wurde. Infolge des genannten Wunders, stiftete er ein Votivbild – Maria mit dem Jesuskind – wovon auch der Ortsname hergeleitet sein soll. Das Gnadenbild wurde vom Mauthaus (ehem. Bethaus) feierlich in die 1839 neu erbaute Kapelle übertragen.

1742 besetzten während des Österreichischen Erbfolgekrieges Preußen und Sachsen das Dorf. Deren General begnügte sich mit 200 Gulden und Brandschatzungen. Beim Abzug wurden alle Pferde mitgenommen.

1805 war Napoleon mit seinen Soldaten hier einquartiert, sie requirierten Brot, Fleisch sowie mehrere Fass Wein und richteten für die Verwundeten aus der Schlacht bei Austerlitz (Slavkov u Brna) ein Lazarett ein.
1839 wurde die neu erbaute Kirche zur Ehre der Muttergottes Maria Hilf von Bischof Gindel aus Brünn eingeweiht. 1848 wurde die durch den Ort führende Kaiserstrasse gebaut (1929 geteert und gepflastert).

Im Preußisch-Österreichischen Krieg zogen preußische Truppen durch die Ortschaft und nahmen einige Fass Wein und mehrere Stück Vieh mit. Die von den Soldaten eingeschleppte Cholera forderte 16 Opfer aus dem Ort.

Die 1874 mit Unterstützung der Herberstein und des Fondsgutes Dürnholz (Drnholec) eingerichtete Schule wurde von dem Pfarrer Martin Ivenz aus Wostitz (Vlasatice) eingeweiht.
Der Friedhof wurde 1880 südlich vom Dorf angelegt und 1849 das Hauptkreuz in der Mitte aufgestellt.

Im Ersten Weltkrieg fielen 17 Kriegsteilnehmer in Russland.
Schwere Stürme deckten 1918 die Kirche ab.

Im Herbst 1944 erreichten Flüchtlingstrecks aus Siebenbürgen und aus Schlesien die Ortschaft. Während der letzten Tage des Krieges wurde die Ortschaft zum Kriegsschauplatz. Dadurch wurden Häuser zerstört und drei Menschen durch Artillerieangriffe getötet. Im Zweiten Weltkrieg fielen 36 Soldaten aus Mariahilf.

Nach den Sowjettruppen kamen „Revolutionsgardisten“ sowie tschechische Neusiedler und begannen Häuser zu besetzen. Der „Brünner Todesmarsch“, der Marsch der vertriebenen deutschen Brünner, führte durch Mariahilf. Anfang 1946 wurde die deutsche Bevölkerung vertrieben, wovon der Großteil in Deutschland eine Bleibe fand. Nur ca. 50 Personen durften in Mariahilf bleiben.

Wirtschaft und Infrastruktur:

Landwirtschaft: Das Klima bewerkstelligte den Anbau von Getreide (fast alle Sorten), Gemüse, Zucker- und Futterrüben, Erbsen, Linsen, Bohnen, Mais, Kartoffeln und Obst.
Weiters gab es auch Viehzucht (Schweine und Rinder) und einen großen Niederwildbestand.

Gewerbe: im Ort gab es eine Mühle aus dem 16. Jh. (ältestes Gebäude neben dem Wirtshaus). Des weiteren waren ein Gutshof, zwei Gasthäuser, Kaufmann, Bäcker, Schmied und Wagner im Ort ansässig. Daneben wurde auch eine Perlmuttknopf- und Haarentzherstellung in Heimarbeit betrieben.

Einrichtungen: Volksschule seit 1874 (davor in Wostitz/Vlasatice), ab 1899 zwei Klassen. Gemeindebücherei, Notspital und Armenhaus, Gmeindeamt (seit 1705), Kindergarten ab 1931, fünf Dorfbrunnen, Autobuslinien nach Brünn (Brno), Nikolsburg (Mikulov), Znaim (Znojmo) und Pohrlitz (Pohořelice), Raiffeisenkasse (1888), Jagdgenossenschaft (1912), Milchgenossenschaft (1924), Bodengenossenschaft (1928), Elektrifizierung 1930.

Kulturerbe:

Kirche Mariahilf: 1839, nach Wostitz (Vlasatice) eingepfarrt.

Statue des hl. Johannes von Nepomuk.

Stein- und Metallkreuze aus dem 19. Jh. in Ort und Umgebung (ältestes von 1807).

Siegel:

Ein Siegel von 1705 zeigt Maria mit dem Jesuskind über den gleichmäßig angelegten Siedlerhäusern schwebend in einer Wolke, darunter ein Winzermesser und eine Weintraube.

Literatur (über die Kapelle):

Nová Ves – Kaple P. Marie Pomocnice, 1999.

Weblinks:

Beschreibung auf Wikipedia

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