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Tschechischer Name: Horní Břečkov

Fläche: 644 ha

Einwohner 1910: 369 in 80 Häusern (366 dt. Ew.), 1930: 384 in 84 Häusern (338 dt. Ew.), 2010: 273.

heutiger Verwaltungsbezirk: Znojmo (Znaim)

Matriken: seit 1786, davor ab 1740 bei Schaffa (Šafov).

Lage:

Oberfröschau (Horní Břečkov) liegt auf 405 m Meereshöhe an der Grenze des Nationalparks Podyjí, welcher sich südlich bis zur tschechisch-österreichischen Grenze erstreckt. Nachbarorte sind Zaisa (Čížov) im Südwesten, Liliendorf (Lesná u Znojma) im Nordwesten, Edenthurn (Vracovice) im Norden, Milleschitz (Milíčovice) im Nordosten und Luggau (Lukov) im Süden.

Geschichte:

Johann von Luxemburg, König von Böhmen, hat in einer Urkunde vom 28. September 1323 für Heinrich von Leipa (Lipa) unter anderen auch das Dorf „Wreshow“ angeführt. Seit 1499 gehörte Oberfröschau zur Herrschaft Frain (Vranov).

Im 16. Jahrhundert soll der Ort in ein Ober- und Niederfröschau geteilt gewesen sein, doch sind um 1618 beide Dörfer verödet. Auch die als eine der ältesten unter den zwölf mährischen Pfarreien 1499 beurkundete Kirche war verfallen. Erst nach dem Dreißigjährigen Krieg wurde „Frischau“ 1671 als Dorf der Herrschaft Frain (Vranov) wieder genannt.
Die Namensform „Fröschau“ ist seit 1710 gebräuchlich, der Zusatz „Ober“ soll erst im Lauf des 18.Jahrhunderts hinzugekommen sein.

1806 und 1809 waren französische Soldaten im Ort einquartiert. 1856 vernichtete ein Brand zehn Häuser, 1876 fünf. 1866 hielten sich preußische Soldaten im Ort auf, die sich freundlich verhielten. 1886 wurde die Bezirksstraße durch den Ort geführt. 1892 vernichtete Hagelschlag die Ernte.

Von 1939 bis 1945 war Oberförschau aufgrund der neuen nationalsozialistischen Verwaltungsordnung eine Großgemeinde gleichen Namens, als man die Dörfer Edenthurn (Vracovice), Liliendorf (Lesná), Milleschitz (Milíčovice), Zaisa (Čížov) und den Bahnhof von Wolframitzkirchen (Olbramkostel) eingemeindet hatte. Als solche war die Gemeinde Bestandteil des Kreises Znaim (Znojmo).

Im Zweiten Weltkrieg fielen zwölf Männer während zehn vermisst blieben.
Tschechische nationale Milizen zwangen die deutschen Ortseinwohner nach Kriegsende, die Spuren des Krieges zu beseitigen (Schützengräben, Barrikaden).
Der Bürgermeister und andere ehemalige Ortsrepräsentanten wurden Ende Mai verhaftet und im Znaimer Arbeitslager interniert.

Im Sommer 1945 wurden die oben genannten Nachbargemeinden wieder selbstständig, lediglich Edenthurn (Vracovice) blieb seit 1950 ein Ortsteil der Gemeinde Oberfröschau.

Vertreibung der deutschsprachigen Bevölkerung 1945/46:
Im Juni und Juli 1945 wurden die deutschen Oberfröschauer mit 50 kg. Gepäck aus dem Ort vertrieben. Ein Jahr danach wurde ein Großteil der in Österreich lebenden nach Westdeutschland abgeschoben.
Ein Gedenkstein im niederösterreichischen Hardegg erinnert an die Vertreibung.

Oberfröschau liegt heute am Rand des 1991 geschaffenen Nationalparks Podyjí (Národní park Podyjí) und ist Ausgangspunkt für Wanderwege zur Ruine Neuhäusl (Novy Hrad), nach Hardegg oder nach Frain (Vranov). Im nahe gelegenen Zaisa (Čížov) befindet sich das tschechische Nationalparkzentrum.

Wirtschaft und Infrastruktur:

Landwirtschaft: Auf 531 Hektar wurde um 1900 Ackerbau betrieben. Der Weinbau spielte keine Rolle. 19 Hektar der Gemeindefläche waren von Wald bedeckt.

Gewerbe: Molkerei, Wirtshaus, Hebamme, Greisslereien, Bäcker, Fleischhauer, Schmiede, Wagner, Tischler.

Einrichtungen: Für die Volksschule war bereits 1808 ein Gebäude errichtet worden, welches 1904 von einem Neubau abgelöst wurde.
Die Elektrifizierung des Ortes erfolgte 1932. In Oberfröschau gab es zudem eine Molkereigenossenschaft (1924), eine Freiwillige Feuerwehr (1908) und einen Spar- und Darlehensverein (1900).

Kulturerbe:

Pfarrkirche St. Klemens: Pfarre urkundlich 1499. Das Langhaus hat ein Tonnengewölbe mit Stichkappen aus der zweiten Hälfte des 16. Jh., im Chor Platzlgewölbe mit Dreiachtel-Schluss, bauliche Veränderungen fanden 1748 und 1831 statt. Der Hochaltar wurde um 1760 errichtet und mit einem Bild von Joseph Winterhalter ausgestattet. 1887 wurde ein Nebenaltar zum göttlichen Herzen Jesu errichtet. Die anderen Seitenaltäre sind dem hl. Johannes v. Nepomuk und der Madonna von Lourdes geweiht. Die Orgel wurde 1864 restauriert. Drei Glocken, von denen die älteste aus dem Jahr 1466 im Jahr 1799 umgegossen wurde. Westturm bez. 1748; Nach Wolny gehört die Oberfröschauer Kirche zu den zwölf ältesten Kirchen Mährens ebenso wie jene in Alt Petrein (Starý Petřín). Beim Umbau im Jahr 1831 soll im Presbyterium ein Stein mit der eingemeißelten Jahreszahl 1198 gefunden worden sein. Dies würde auf eine hochmittelalterliche romanische Kapelle hinweisen.

Pfarrhaus von 1786

heimatkundliche Literatur:

Witamwas, Franz: Heimatbuch und Chronik von Ober-Fröschau, 1980.
Worresch, Anton/Worresch, Hans: Ober-Fröschau, unveröffentlichte Sammelmappen, o.J.

Weblinks:

Genealogie:

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