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Proßmeritz

Ansicht von Proßmeritz

Dorfplatz von Proßmeritz

Ansichten von Proßmeritz/Bonitz

Tschechischer Name: Prosiměřice

Fläche: 326 ha

Einwohner 1910: 494 in 122 Häusern (alle dt.), 1930: 498 in 135 Häusern (465 dt. Ew.), 2010: 790.

heutiger Verwaltungsbezirk: Znojmo (Znaim)

Matriken: seit 1652.

Lage:

Proßmeritz (Prosiměřice) liegt auf 205 Metern Höhe und ist als Straßendorf angelegt. Nachbarorte sind Vitonice (Wainitz) im Norden, Stošíkovice na Louce (Teßwitz an der Wiese) im Osten, Bantice (Panditz) im Süden, Těšetice (Töstitz) im Südwesten und Kyjovice (Gaiwitz) im Westen.

Geschichte:

Proßmeritz ist ein Straßendorf von 1,5 km Länge und liegt 155 m über dem Meer.

Im Jahre 1226 kam es zur Schenkung des Patronats von Proßmeritz an die Abtei Bruck durch König Premysl Ottokar I. Von diesem Ereignis stammt die älteste bekannte urkundliche Erwähnung des Ortes als „Prozimiriz“. Das Kloster erhielt ab 1293 den Zehent. Zu Beginn des 14. Jh. gehörte der größere Teil des Ortes zur Herrschaft Jaispitz (Jevišovice). 1435 wurde Proßmeritz ein dritter Jahrmarkt gewährt. 1540 erhob der böhmische König Ferdinand (der spätere Kaiser) Proßmeritz zum Markt und bestätigte 1556 die drei Jahrmärkte: Montag in der Karwoche, Montag nach Ägydius, am Tag des Apostels Thomas.

1596 wechselte die Herrschaft zu Leo von Rozmital, später zu den Herren von Leipa/Lipa. Ab 1625 gehörte Proßmeritz zu Kromau und dem Haus Liechtenstein. Zu dieser Zeit sollen auf der „Galgenhöhe“ Richtung Töstitz (Těšetice) Hinrichtungen stattgefunden haben. Laut Glockeninschriften brannte der Ort samt der Kirche 1717 und 1760 wiederholt ab.

Während der Napoleonischen Kriege kam es 1805 und 1809 zu Besetzungen des Ortes, während derer auch geplündert wurde.
Durch Brände werden in den Jahren 1821, 1829 und 1842 große Teile des Ortes eingeäschert.

Nach Schaffung der Verwaltungsbezirke im 19. Jh. war Proßmeritz Teil des Bezirkes Znaim (Znojmo).

Dieser Bezirk wurde mit Teilen anderer Bezirke unter der nationalsozialistischen Herrschaft zwischen 1939 und 1945 zum Kreis Znaim (Znojmo) in dessen Verwaltungsgebiet auch Proßmeritz lag.
Der Ort wurde am 7. Mai von Bomben getroffen. Bereits einen Tag später gelangt die Rote Armee nach Proßmeritz. Von den männlichen Einwohnern fielen 22 im Zweiten Weltkrieg.

Vertreibung der deutschen Bevölkerung 1945/46:
Nach der Besetzung durch sowjetische Truppen und dem Einzug tschechischer „Revolutionsgardisten“ wurden in den darauffolgenden Monaten die ersten deutschen Proßmeritzer über die Grenze nach Österreich vertrieben. Die restliche Bevölkerung wurde 1946 bis auf zwei Personen nach Deutschland abgeschoben.

1949 wurde Bonitz (Bohunice) eingemeindet.

Wirtschaft und Infrastruktur:

Landwirtschaft: Angebaut wurden auf der, im Verhältnis zu anderen Orten, kleinen Fläche von 285 Hektar hauptsächlich Hackfrüchte, Zuckerrüben und Gurken. Der Weinbau wurde auf 2,2 Hektar betrieben.

Gewerbe: drei Mühlen, Weber und Färber (Schafzucht in Gaiwitz), Gemeindegasthaus mit Gemeindestube, vielfältiges Kleingewerbe.

Einrichtungen: Arzt, Tierarzt, Armenhaus, Post- und Telegraphenamt, Gendarmerie, Molkerei, Spar- & Darlehenskasse, Molkereigenossenschaft (1900), Freiwillige Feuerwehr (1875), Molkereigenossenschaft (um 1900), Volksschule (1780 gegründet, 1829 und 1884 neu errichtet).

Kulturerbe:

Pfarrkirche des St. Äidius: frühgotischer Bau, Chor mit Kreuzrippengewölbe und Fünfachtel-Schluss aus der zweiten Hälfte des 13. Jh. Vom zweischiffigen gotischen Langhaus ist das südliche schmälere Schiff mit einem Kreuzrippengewölbe versehen (15. Jh.), das nördliche breitere Schiff ist flach gedeckt (Restaurierung 1453). Gotisches westliches Tor mit Fialen, giebelgekrönter Vorbau an der mit Renaissancegiebel abgeschlossenen Schauwand. Zwei Altarbilder von Franz Anton Maulpertsch. Kapelle mit Fresken von Joseph Winterhalter. Frühgotische Sakramentsnische mit Gitter. Taufkessel erste Hälfte 17. Jh. Wuchtiger Turm (ursprünglich spätromanisch) mit Steinkegeldach und Eckpyramiden, im 16. Jh. ausgebaut.

Pranger, auf dem Platz vor dem ehemaligen Rathaus, Zeichen öffentlicher Gerichtsbarkeit aus dem Mittelalter.

Statuen: hl. Johannes von Nepomuk, hl. Florian

Weblinks:

Genealogie:

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