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Ansichten des Altares der Pfarrkirche St. Ägidius

Pulgram von der Thaya aus gesehen

Ansicht von Pulgram mit Dorfplatz und der Pfarrkirch St. Ägidius

Dorfmitte mit Pfarrhof, Rathaus und Meierhof

Ziegelstätte mit altem Radbrunnen in Pulgram

Tschechischer Name: Bulhary, bis 1950: Pulgary

Fläche: 1.473 ha

Einwohner 1910: 1.109 in 233 Häusern (1.049 dt. Ew.), 1930: 1.144 in 288 Häusern (940 dt. Ew.), 2010: 800.

heutiger Verwaltungsbezirk: Břeclav (Lundenburg)

Matriken: 1678.

Grundbücher: seit 1781.

Lage:

Pulgram befindet sich direkt am rechten Thayaufer an den letzten Ausläufern der Pollauer Berge im Westen. Der Ort liegt auf 175 m Seehöhe und ist ein nordwestlich gelegener Nachbarort von Eisgrub (Lednice).

Geschichte:

Die Ansiedlung am rechten Thayaufer ist 1244 erstmals urkundlich genannt, als es mit Neudek (Nejdek) und Eisgrub (Lednice) von König Wenzel an Sifrit den Waisen verliehen wurde.

Eine Urkunde vom 13. Juli 1310 in der Heinrich II. von Liechtenstein mit der Herrschaft über Pulgram betraut wurde, beinhaltet die Schreibweise „Pulgran“. Pulgram wurde damit auch Teil der Herrschaft Nikolsburg (Mikulov). In den Urbaren von 1414, 1560 und 1629 ist eine wechselnde Schreibform des Ortes als „Bvlgren“, „Pulgrvm“ und „Pullgram“ ersichtlich.

1545 ließen sich Täufer in der Ortschaft nieder. Die Kirche von Pulgram wurde lutherisch geweiht. Als 1574 Adam von Dietrichstein die Ortschaft kaufte, begann die Gegenreformation im Ort. Im Dreißigjährigen Krieg wurde Pulgram von Söldnern der protestantischen Stände im Jahr 1619 niedergebrannt.

Von 1585 bis 1785 war Pulgram der Pfarre Voitelsbrunn (Sedlec) zugewiesen.

1828 und 1833 vernichteten jeweils zwei große Brände mehrere Höfe. Im 19. Jh. wurde der herrschaftliche Meierhof aufgelöst und das dazugehörige Land an die ansässigen Bauern verpachtet. Als nach dem Ende der Grundherrschaft politische Bezirke eingerichtet worden waren gehörte Pulgram zum Bezirk Nikolsburg (Mikulov).
Seit 1886 ersetzte eine neue Brücke die alte Holzbrücke über die Thaya.

Im Zweiten Weltkrieg fielen 82 Männer bzw. blieben vermisst.
Als 1945 die Front näher rückte, mussten Männer und Frauen des Ortes Schanzarbeiten verrichten. Es wurden Panzer- und Schützengräben ausgehoben. In den ersten Apriltagen beanspruchte der Tross der Wehrmacht Platz. Beim Meierhof lag eine Panzer-Reparaturwerkstatt.

Am 15. April 1945 gab der Bürgermeister Befehl den Ort zu räumen, dem etwa die Hälfte der Bewohner nachgekommen war. Fünf Tage später zog die Wehrmacht aus dem Ort, der schon unter Granatwerferfeuer lag, ab. Die zurückgebliebenen Bewohner versteckten sich in Kellern und vergruben Lebensmittel. In den Kampfhandlungen wurde ein Mann getötet. Am 22. April 1945 drangen die Sowjets in die Ortschaft ein. Es kam zu Plünderungen und Vergewaltigungen, wobei eine Frau ermordet wurde.

Am 24. April, wurden alle deutschen Männer nach Poysdorf in Niederösterreich eskortiert. Dort wurden die über Fünfzigjährigen entlassen, während die anderen in russische Gefangenschaft gerieten und erst nach vielen Jahren zurückkehren durften. Ein Pulgramer wurde bei einem Fluchtversuch erschossen.

Vertreibung 1945/46:
Bald kamen tschechische „Revolutions-Gardisten“ und setzten einen Bürgermeister ein. Die zurückgebliebenen deutschen Pulgramer mussten Zwangsarbeit verrichten. Drei aus dem Krieg zurückgekehrte deutsche Soldaten wurden erschlagen.
Viele deutsche Einwohner waren schon vor Beginn der Nachkriegsexzesse über die nahe Grenze nach Österreich geflohen. Einige kehrten wieder zurück, mussten jedoch, nachdem ihre Häuser bereits beschlagnahmt waren, im Meierhof untergebracht werden.
Am 24. Mai wurde bekanntgemacht, dass alle deutschen Pulgramer den Ort verlassen mussten. Mit 30 kg Gepäck pro Person wurden sie vom Meierhof von Gendarmen und Gardisten über Voitelsbrunn (Sedlec) nach Österreich gebracht.
Von den 976 vertriebenen Deutschen konnten in Österreich 98 Familien bleiben, während 160 später nach Deutschland abgeschoben wurden.

Wirtschaft und Infrastruktur:

Landwirtschaft: Die Pulgramer lebten hauptsächlich von Land- Vieh- und Forstwirtschaft. Auch der Weinbau spielte bis zum Auftreten der Reblaus um 1900 eine Rolle. Der größte Teil der Gemeindefläche entfiel um 1900 auf Ackerfläche (771 ha) und Wald (476 ha). Die Weinbaufläche machte knapp 100 ha aus.

Gewerbe: Neben dem Kleingewerbe gab es in Pulgram drei Ziegeleien und den herrschaftlichen Meierhof.

Einrichtungen: Armenhaus, Hirtenhaus, Lagerhaus, Milchsammelstelle, Elektrifizierung 1929 bis 1931; Freiwillige Feuerwehr 1888, Raiffeisenkassa 1893, Milchgenossenschaft 1903.
Die erste Schule wurde 1672 gebaut. 1882 wurde ein neues Gebäude errichtet. Dieser Neubau ermöglichte drei Klassen und später vier Klassen. 1911/12 wurde ein Turnraum angebaut. Ab 1925 hatte die Schule wieder drei Klassen, da für die tschechischen Kinder eine eigene Volksschule errichtet worden war.

Wappen:

Über die Verleihung des Wappens ist nichts bekannt. In der Praxis waren aber die beiden gekreuzten Fische bis in unsere Zeit als Wappensymbol in Gebrauch.

Kulturerbe:

Pfarrkirche St. Ägidius: erbaut 1580, abgetragen 1781 und neu aufgebaut 1783. Altarbild von Martin Schmied (Kremser Schmied), 1770.

Pfarrhof aus 1785.

Statue des hl. Johannes (d. Täufer).

heimatkundliche Literatur:

Vogel, Alfred: In Pulgram daheim. 1991.

Weblinks:

Genealogie:

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