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Rausenbruck

Brücke von Rausenbruck mit Kirche im Hintergrund

Friedhofgasse in Rausenbruck

Kriegerdenkmal und Feuerwehrhaus von Rausenbruck

Ansicht von Rausenbruck

Kirche von Rausenbruck

Altar der Kirche von Rausenbruck

Dorfkinder beim Baden

Tschechischer Name: Strachotice

Fläche: 967 ha

Einwohner 1910: 993 in 207 Häusern (985 dt. Ew.), 1930: 1.023 in 250 Häusern (1.001 dt. Ew.), 2010: 1.013.

heutiger Verwaltungsbezirk: Znojmo

Matriken: seit 1684.

Lage:

Rausenbruck (Strachotice) liegt 12 Kilometer südöstlich von Znaim auf 202 Metern Meereshöhe am rechten Thayaufer. Durch den Ort führt die Straße von Znaim (Znojmo) nach Joslowitz (Jaroslavice). Benachbarte Orte sind im Norden Krhovice (Gurwitz), im Westen Derflice (Dörflitz), im Südwesten Vrbovec (Urbau), im Südosten Slup (Zulb) und im Osten Valtrovice (Waltrowitz). Eine räumliche Einheit bildet Rausenbruck mit dem Nachbarort Mitzmanns (Micmanice).

Geschichte:

Funde aus Stein- und Bronzezeit belegen die frühe Besiedlung des Gebietes.

Erstmals wurde Rausenbruck urkundlich 1190 als „capella sancti Georgii Strachotin“ genannt. 1225 tauchte bereits der Name „Rauzenbrukh“, später auch „Reusenburgh“ auf.

1325 gab König Johann dieses Dorf den Brüdern Benedikt und Bohus von Rausenbruck zum Lehen. Die deutsche Bezeichnung scheint von einem Adelsgeschlecht zu stammen. Markgraf Karl von Brünn erhob Rausenbruck im Jahr 1341 zur Stadt.
1342 verlieh König Karl IV. Rausenbruck das Marktrecht und 1358 die Halsgerichtsbarkeit. 1356 wurde eine Burg als „castellum“ genannt. 1440 wurde sie als befestigte Burg erwähnt. 1447 erhielt Rausenbruck zwei weitere Jahrmärkte.

1520 wurde der Ort vom Abt des Stiftes Klosterbruck gegen Borotitz (Borotice) und Grillowitz (České Křídlovice) eingetauscht. 1526 wurde ein Herrschaftshof genannt. 1591 wurde von Rudolf II. ein weiterer Jahrmarkt gewährt sowie ein Wappen verliehen. 1604 wurde eine Gemeindeordnung erlassen.

1789 kam es nach der Auflösung des Klosters Bruck zur Teilung des Meierhofes. So entstanden zwischen 1824 und 1835 zwei Gassen („Erste Häusl“, „Zweite Häusl“). 1809 lagerten zehntausend französische Soldaten vor dem Ort. Diese mussten von den Ortsbewohnern versorgt werden.

1831 kamen 40 Menschen durch eine Choleraepidemie ums Leben. 1846 und 1849 vernichteten Großbrände mehrere Häuser. 1862 wurde eine neue Brücke über die Thaya gebaut. Gleich doppelt getroffen wurde die Bevölkerung 1866, als Frost die Ernte vernichtete und die Cholera abermals neun Opfer forderte. 1892 kam es durch Brandstiftung zu einem weiteren Großbrand.

Nach der Einrichtung von Verwaltungsbezirken wurde Rausenbruck Bestandteil des Bezirkes Znaim (Znojmo).

51 Rausenbrucker fielen im Ersten Weltkrieg.

Bis 1918 bezogen Wiener Gastwirte und Weinhändler die Maische während der Weinlese von den Rausenbrucker Weinbauern. Danach, während der Zeit der Ersten Tschechoslowakischen Republik, mussten diese ihre Produkte an die Händler und Wirte, meist zu niedrigeren Preisen, in Znaim (Znojmo) verkaufen.

An der Straße zur Thaya entstand in den 1930er Jahren der Ortsteil Neustift (Nové Sady).

Unter nationalsozialistischer Herrschaft wurde Rausenbruck Teil des Kreises Znaim (Znojmo).
Dem Zweiten Weltkrieg fielen ca. 100 Rausenbrucker zum Opfer.
Als sich die Wehrmacht im April 1945 zurückzog, sprengte sie eine von drei Brücken. Drei Kinder kamen am 13. Mai ums Leben, als sie Minen in ein Feuer warfen.

Vertreibung der deutschen Bevölkerung 1945/46:
Die Vertreibung der deutschen Bevölkerung von Rausenbruck vollzog sich in drei Phasen. Zuerst wurden die Häuser einiger Familien von tschechischen Hausbesetzern okkupiert. Die betroffenen Familien flohen bereits zu diesem Zeitpunkt nach Österreich. In der zweiten Phase wurden einige Familien über Joslowitz (Jaroslavice) nach Österreich vertrieben. Die Betroffenen mussten eine Erklärung zum „freiwilligen Verlassen“ der Heimat unterzeichnen. In der dritten Phase mussten die letzten deutsch-mährischen Einwohner im August 1946 Rausenbruck in einem Transport Richtung Deutschland verlassen. Die Hälfte aller Einwohner blieb in Österreich, während sich die andere Hälfte in Deutschland ein neues Leben aufbauen musste.

1961 wurde das direkt benachbarte Mitzmanns (Micmanice) nach Rausenbruck eingemeindet.

Wirtschaft und Infrastruktur:

Landwirtschaft: Angebaut wurden alle Getreidearten, Gemüse, Mohn, Gemüse und Obst. Das günstige Klima förderte auch die Bedeutung des Weinbaus (49 Hektar um 1900). Ein Teil wurde vom Herrschaftshof bewirtschaftet.

Gewerbe: Florierendes Kleingewerbe (darunter auch ein Instrumentenmacher).

Schule: 1679 wurde den freiwillig die Schule besuchenden Kindern in einer Klasse Unterricht erteilt. 1831 wurde eine zweiklassige Schule eingerichtet. Die jetzige Schule wurde 1912 auf vier Klassen erweitert, nachdem sie 1899 erbaut worden war.

Einrichtungen: Rathaus, Postamt (1869), Feuerwehrhaus (1909), Arzt, Gendarmerie, Kinderheimstätte (1930), Armenhaus (1908), Spar- & Darlehenskasse (1895), Milchgenossenschaft (1911), Hirtenhaus, Isolierspital, Elektrifizierung 1917. Daneben gab es zahlreiche Vereine (darunter Orts-Viehversicherungsverein, Konsumverein und Wassergenossenschaft).

Kulturerbe:

Pfarrkirche St. Georg: (Pfarre des Stiftes Bruck). Der Überlieferung nach soll schon 1190 eine St.-Georgs-Kapelle bestanden haben. Spätbarocker Bau 1744/67. Im Westen Fassadenvorbau; Langhaus spiegelgewölbt; Hochaltar 1839, 2 Seitenaltäre mit Altarbildern hl. Cyrill und Methud von Joseph Winterhalter. Geschnitzte Mutter Gottes aus der ersten Hälfte des 18. Jh.; Orgel vom Znaimer Orgelbauer Silberbauer 1802; Vorraumanbau und Erhöhung des Turmes auf 36 m um 1910. Kirchenmalerei 1916/17.

Pfarrhof von 1784.

Statuen: HI. Florian 1349; Schmerzhafte Mutter Gottes 1751 (oder 1757); Pestsäule (Dreifaltigkeitssäule) von 1727; hl. Nepomuk.

Persönlichkeiten:

  • Ernest Hauswirth (*25.09.1818; +), Abt in Rausenbruck, Lehrer am Schottengymnasium in Wien.
  • Franz Himmer (*11.Mai 1828, +14.Dezember 1899 Himmelstür bei Hildesheim), Opernsänger.
  • Franz Wild (* um 1800,+22. Dezember 1888 in Rausenbruck), Musikinstrumentenmacher.

heimatkundliche Literatur:

Sauer, Stefan: Ortsgeschichte der Marktgemeinde Rausenbruck, 2. Auflage, 1977.

Weblinks:

Genealogie:

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