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Schattau

Ortsansicht von Schattau mit der Pfarrkirche des hl. Martin im Hintergrund

Platz in Schattau

Ortsansicht von Schattau

Altar der Pfarrkirche des hl. Martin in Schattau

Altar der Pfarrkirche des hl. Martin in Schattau

Ortsansicht von Schattau

Postkarte mit Ansichten von Schattau

Florianiplatz in Schattau

Monstranz

Tschechischer Name: Šatov

Fläche: 1.575 ha

Einwohner 1910: 2.323 in 377 Häusern (2.228 dt. Ew.), 1930: 2.065 in 398 Häusern (1.300 dt. Ew.), 2010: 1.167.

heutiger Verwaltungsbezirk: Znojmo (Znaim)

Matriken: seit 1637.

Lage:

Das ursprünglich als Angerdorf am Danischbach (Daníž) angelegte Schattau (Šatov) liegt in 258 m Meereshöhe. Es liegt 9,5 km südwestlich von Znaim (Znojmo). Benachbart sind die Orte Gnadlersdorf (Hnanice) im Westen, Kaidling (Havraníky) im Norden, Kallendorf (Chvalovice) im Osten und auf österreichischer Seite Retzbach (Straßengrenzübergang) im Südwesten und Unterretzbach (Bahngrenzübergang) im Süden.

Geschichte:

Eine Urkunde von 1190 nennt einen „Fridericus de Chattowe“. Der Ort selbst wird 1202 als „Chattav“ genannt, ebenso 1220, als das Kirchenpatronat des Stiftes Klosterbruck (Loucký klášter) bestätigt wurde sowie 1225 und 1276. Seit 1338 erschien die Bezeichnung „Schattau“.

Um 1200 kam das Patronat über die Pfarrkirche (Hl. Bischof Martinus) an Klosterbruck. Ein Teil des Ortes wurde von Klosterbruck (Loucký klášter) bis zu dessen Auflösung im 18. Jh., ein anderer von der Herrschaft in Znaim (Znojmo) verwaltet. Danach kam Schattau zur Herrschaft Frain (Vranov), bei der es bis zum 16. Jh. blieb. Ab 1601 gehörte der Ort zur Herrschaft Joslowitz (Jaroslavice).

Bereits am 12. November 1373 gestattete Markgraf Johann von Mähren den Schattauern die Abhaltung eines achttägigen Jahrmarktes und in der Urkunde vom 29. Juli 1497 erhob König Wladislav II. Schattau zum Markt. 1586 wurde ein Schulmeister genannt. Die Marktrechte und weitere Privilegien wurden von Erzherzog Ferdinand 1531, Kaiser Rudolf II. 1601, Kaiser Karl VI. 1727 und Maria Theresia 1747 bestätigt und erneuert.

1609 wurde der Ort an Wolf Dietrich von Althan verkauft
Schattau besaß eine eigene Gerichtsbarkeit, die noch im Namen des „Galgenberges“ deutlich wird.
1677 wurden 80 Menschen Opfer einer Pestepidemie. Ein Jahr später kamen 178 Schattauer bei einer Wallfahrt nach Mariazell um, als ihr Schiff auf der Donau kenterte.

Während des Österreichischen Erbfolgekrieges 1742, waren Preußische Truppen zwei Tage lang in Schattau stationiert. In zwei aufeinanderfolgenden Jahren, 1766 und 1767 wurden zahlreiche Häuser durch Brände zerstört.

1805 und 1809 waren französische Soldaten im Ort, unter deren Besetzung die Bevölkerung litt. 1831/32 gab es zwanzig Todesopfer durch die Cholera. 1850 fand die erste Gemeindewahl statt. Die Gemeinde wurde vom Bezirk Znaim (Znojmo) verwaltet. Ein Hochwasser zerstörte 1874 mehrere Häuser.

Der Bau der Nordwestbahn (Teilstrecke Schattau – Znaim 1870) begünstigte das Entstehen von Gewerbe und Industrie im Ort.

Nachdem während der Zugehörigkeit zum nationalsozialistischen Deutschen Reich der Kreis Znaim (Znojmo) gebildet worden war, gehörte Schattau diesem bis zum Ende von Krieg und Diktatur an.

Vertreibung der deutschen Bevölkerung von Schattau 1945/46:
Während der Nachkriegsexzesse durch die „Revolutionsgardisten“ starben sieben Ortsbewohner an den Verletzungen durch schwere Misshandlungen. Ein großer Teil der deutschen Einwohner floh entweder über die nahe Grenze nach Österreich oder wurde dorthin „wild“ vertrieben. Die verbliebenen 58 Einwohner wurden zwischen Juli und September 1946 über Znaim (Znojmo) nach Westdeutschland zwangsausgesiedelt.

Seit 2007 ist Schattau eine Minderstadt (městys).

Wirtschaft und Infrastruktur:

Landwirtschaft: Vieh- und Landwirtschaft prägten das Leben der Einwohner von Schattau. Für den Ackerbau standen immerhin über 1.200 Hektar zur Verfügung. Auch der Weinbau spielte bis zum Auftreten der Reblaus gegen Ende des 19. Jh. eine besondere Rolle. Noch um 1900 betrug die Fläche der Weingärten 259 Hektar.

Gewerbe: Der Anschluss an die Nordwestbahnstrecke von 1870 förderte die Gründung von Betrieben im Ort. So entstand eine Tonwarenfabrik (1873). Weiters wurden Ziegeleien gegründet und eine Dampfmühle eingerichtet. Außerdem war das übliche Kleingewerbe vorhanden.

Schulen: Volksschule (1885), Pfarrschule (1586 bzw. 1706, 1787 Neubau), Tschechischsprachige Schule (1919, 1923).

Einrichtungen: Post, Telefon, Bahnstation, Gendarmerieposten (1864), Kino, Armenhaus, Notspital; Freiwillige Feuerwehr (1888), Milchgenossenschaft (1910).

Siegel:

Entsprechend den Privilegien vom 29. Juli 1497 hatte sich der Markt seit dem 16. Jahrhundert des Vorrechtes mit grünem Wachs zu siegeln sowie eines neu angefertigten Siegels bedient. Es hat einen Durchmesser von ca. 35 mm und zeigt unterhalb der lateinischen Inschrift „S.CIVIVM.OPITI.SCHATAVIENSIS“ (=Siegel der Bürger des Marktes Schattau) einen kräftig geschwungenen Renaissanceschild, dessen seitliche Spitzen bis in die Umschrift reichen. Abgebildet ist ein Zinnenturm, über dessen offenen, mit einem Fallgitter versehenen Tor ein Schildchen angebracht ist, das zwei schräg gekreuzte, gestümmelte Äste enthält, das Wahrzeichen der Herren von Lichtenburg. Das kleine (ca. 23 mm) Siegel für den Markt ist mit dem gleichen Bild, nur veränderter Inschrift „Marckt Schattaw“ ausgestattet.

Kulturerbe:

Pfarrkirche St. Martin: Ehemalige Stiftskirche von Klosterbruck (Loucký klášter). Spätgotische dreischiffige Staffelkirche, nach Brand 1656 wieder aufgebaut. Mittelalterlicher Westturm mit Tor aus dem 15. Jh. in erneuerter Westfassade. Alte Sakristei 1784 zu Kapelle umgebaut; dort Vesperbild Mitte 18. Jh.; Mittelschiff mit Tonnengewölbe mit Stichkappen auf Pfeilern ruhend. Seitenschiffe mit Kreuzgewölbe. Chor mit Fünfachtel-Schluss über alle drei Schiffe. Altarbilder von Joseph Winterhalter 1784; Statuen Joh. v. Nepomuk 1737, hl. Sebastian 18. Jh., 4 Reliefs 17. Jh.; spätgotische Monstranz 1524; Sakristeischrank Ende 17. Jh.; Grabstein 1784. Klassizistische Orgel 1864.

Pfarrhof, 17. Jh.

Rathaus, Umbau 1900.

Dreifaltigkeitssäule

Persönlichkeiten:

Weblinks:

Genealogie:

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