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Dorfplatz von Tracht

Altar der Kirche St. Ulrich

Soldatendenkmal

Pfarrkirche St. Ulrich (Udalrikus)

Tschechischer Name: Strachotín

Fläche: 1.390 ha

Einwohner 1910: 1.010 in 205 Häusern (988 dt. Ew.), 1930: 923 in 224 Häusern (829 dt. Ew.), 2010: 772.

heutiger Verwaltungsbezirk: Břeclav (Lundenburg)

Matriken: seit 1657 (1945 durch Kriegseinwirkung verbrannt).

Grundbücher: seit 1785.

Lage:

Tracht liegt 6 km nördlich von Nikolsburg (Mikulov) direkt am Stausee bei der Talsperre Neumühl III (Nové Mlýny III) in 171 m Seehöhe. Nachbarorte sind Unter Wisternitz (Dolní Věstonice) auf der anderen Seite des Stausees im Süden und Poppitz (Popice) im Norden.

Geschichte:

Eine erste Ansiedlung erfolgte vermutlich um 1050. In den Urkunden von 1174 und 1178, welche von dem böhmischen Herzog Soběslav II. ausgestellt wurden, wird unter anderem auch die befestigte Anlage „STRACHOTIN“ erwähnt. Tracht soll als befestigte Anlage und Grenzort im Süden des Landes zwischen Znaim (Znojmo) und Lundenburg (Břeclav) und an der Thaya jene Bedeutung gehabt haben, die später auch die Maidenburg inne hatte.
Strachotin leitet sich vom slawischen „strach“ ab, was Angst oder Furcht bedeutet. So wurden auch Orte bezeichnet, wo die Bevölkerung besonders Gefahren ausgesetzt war (Feindesgefahr, Wassergefahr.)

Bei der in Sagen vorkommenden „untergegangenen Stadt“, die auf der „Peterswiese“ gestanden sein soll, dürfte es sich vermutlich um die in den Urkunden erwähnte befestigte Anlage gehandelt haben.
Die Peterswiese ist heute vom Stausee Neumühl (Vodní nádrž Nové Mlýny) überflutet.

1334 wurde Tracht durch Johann von Luxemburg an das Haus Liechtenstein als „Markt“ übergeben. 1575 kam der Ort an Adam von Dietrichstein. 1582 wurden Tracht zwei Jahrmärkte sowie ein Wochenmarkt durch Rudolf II. gewährt. Zusätzlich bekam der Ort eine Bergrechtsordnung (Weinbau) und eine eigene Gerichtsbarkeit (bis 1729) erteilt. Vom 16. Jh. bis zu ihrer Ausweisung 1622 war eine Brüderschaft der Täufer im Ort ansässig.

Während des Dreißigjährigen Krieges fand 1619 zwischen Tracht und Unter Wisternitz (Dolní Věstonice) auf der bereits erwähnten Peterswiese eine Schlacht zwischen den Truppen Teuffenbachs und den kaiserlichen Truppen unter Dampierre statt, die letzterer verlor. Der Ort wurde danach geplündert.

Tracht wurde 1663 von türkischen Heerscharen überfallen. 1680 fielen viele Einwohner einer Pestepidemie zum Opfer.

1805 und 1809 wurde Tracht von Franzosen geplündert. 1866 starben 68 Menschen im Ort an der Cholera.

In den Jahren 1619, 1727, 1818 1827 und 1898 wüteten Großbrände die teilweise fast die Hälfte von Tracht in Schutt und Asche gelegt haben.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde das herrschaftliche Gut im Zuge der Bodenreform aufgeteilt, wobei vor allem die hinzu gewanderten tschechischen Siedler profitierten. Die Landwirte bekamen vom Restgut ihre Anteile.
1926 wurden durch Hochwasser große Schäden in Tracht verursacht.

Tracht gehörte vom 19. Jh. bis 1938 zum politischen Bezirk Auspitz (Hustopeče) und während der NS-Zeit von 1938 bis 1945 zum neu gebildeten Landkreis Nikolsburg (Mikulov).

Im Zweiten Weltkrieg fielen 26 Männer und 23 blieben vermisst. Durch Kriegseinwirkungen in den letzten Tagen des Krieges starben fünf Personen.

Vertreibung 1945/46:
50 bis 60 Personen waren bereits vor dem Einsetzen der Nachkriegsexzesse geflohen. Von den restlichen 806 Deutschen im Ort durften nur 18 nach 1946 bleiben. Die restlichen Bewohner wurden in mehreren Transporten ab März 1946 unter anderem über Auspitz (Hustopeče) ausgesiedelt (146 Familien nach Baden-Würtemberg, 30 nach Bayern, 4 nach Hessen, 45 in Österreich, eine nach Schweden, eine nach Australien, zwei nach Kanada und vier in die USA).

Wirtschaft und Infrastruktur:

Landwirtschaft: Die Einwohner von Tracht waren in erster Linie Landwirte. Das günstige Klima förderte einen vielseitigen Anbau: Getreide, Mais, Rüben, Luzerne, Kartoffeln, Gurken, Bohnen, Weinbau (Grüner Veltliner, Riesling, Grauer Portugieser, Gutedel, Blauer Hans, Blaufränkisch und Portugieser) und Obst (Zwetschgen, Weichseln, Kirschen, Nüsse, Pfirsiche, Marillen, Äpfel, Birnen und Ribisel). Der Weinbau erholte sich nach dem Auftreten der Reblaus wieder.

Gewerbe: Im Ort florierte das Kleingewerbe: Gasthäuser, Kaufhäuser, Bäcker, Metzger, Sattler, Schmiede, Tischler, Wagner, Zimmerer, Maurer, Dachdecker, Spengler, Schuhmacher, Schneider und Schneiderinnen, Händler.

Einrichtungen: Rathaus (1927), Gemeindebücherei, Schule (Unterricht seit 1584 nachgewiesen, Schulbau von 1804, 1861 Umbau), tschechische Schule im Gemeindehaus (1922-1938), Schulbücherei, Schulküche, Kindergarten (1933), Elektrifizierung 1929, Postautobus (zur Bahnstation, nach Auspitz/Hustopeče und nach Nikolsburg/Mikulov); Freiwillige Feuer- und Wasserwehr (1895), Milchgenossenschaft (1895), Raiffeisenkassa (1895), Dampfdruschgesellschaft (um 1900) und Motordruschgesellschaft (um 1925).

Kulturerbe:

Pfarrkirche St. Ulrich: 1582 erbaut auf Resten der älteren Kirche aus dem 13. Jh.; vom ursprünglichen Bau Teile des Langhauses erhalten; vom Neubau 1582 Tonnengewölbe mit Stichkappen. Erweiterung der Kirche gegen den Chor 1789. Vortretender Westturm mit Pyramidenhelm 1753, 1791 erhöht. Taufstein um 1780, sonst neuromanische Einrichtung. Hochaltarbild v. Franz Anton Maulpertsch; Bildhauerarbeiten von Andreas Schweigel.

Statuen: Johannes von Nepomuk (1735), St. Florian (1833), hl. Maria (1889).

Siegel – Wappen:

1583 ist ein Siegel erwähnt. Anlässlich der Erneuerung der Marktrechte 1887 würde das älteste Siegelbild erneuert und auch als Wappen geführt: Das Siegelbild zeigt eine aufrecht stehende Eichel mit einem Winzermesser links und einem Pflugmesser rechts. Farbgebung unklar, am ehesten roter Schild mit goldener Eichel und goldenen Geräten.

Persönlichkeit:

  • Wolfgang Eduard Pauker (*14. Dezember 1867, +09. Jänner 1950 Klosterneuburg), Priester, Kunsthistoriker und Schriftsteller.

heimatkundliche Literatur:

  • Rieß, Anton: Der Markt Tracht in Vergangenheit und Gegenwart, 1930.
  • Schenk, Willibald: Kurze Geschichte des Marktes Tracht, 1952.

Weblinks:

Genealogie:

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