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Kapelle zur Kreuzerhöhung in Tullnitz

Tschechischer Name: Dolenice

Fläche: 363 ha

Einwohner 1910: 393 in 86 Häusern (357 dt. Ew.), 1930: 388 in 92 Häusern (285 dt. Ew.), 2010: 144.

heutiger Verwaltungsbezirk: Znojmo (Znaim)

Matriken: seit 1635 bei Irritz (Jiřice).

Lage:

Tullnitz (Dolenice) liegt 27 Kilometer von Znaim (Znojmo) entfernt und liegt auf dem Niveau von 255 Metern. Nachbarorte sind Damitz (Damnice) im Norden, Irritz (Jiřice) im Nordosten, Leipertitz (Litobratřice) im Südosten, Frischau (Břežany) im Süden, Moskowitz (Mackovice) im Südwesten, Mißlitz (Miroslav) im Nordwesten und Socherl (Suchohrdly) im Norden.

Geschichte:

Der Ort wurde 1239 erstmals als „Podolitz“ erwähnt. Weitere Nennungen: 1530 als „Dolnitz“, 1589 als „Dolanus“, 1635 als „Dillnitz“, 1650 „Tollnitz“ und 1729 als „Tullnitz“.
Der Ort gehörte zur Herrschaft Mißlitz (Miroslav), später dem Kloster Bruck und kam 1585 an das Nonnenkloster Maria Saal in Alt-Brünn.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde Tullnitz zerstört und noch 1673 als „öde“ bezeichnet. Erst nach 1680 begann eine Neugründung. Ab 1681 sind Nachrichten über Taufen und Eheschließungen überliefert.

Nachdem der Orden 1714 Tullnitz an die Familie Kaschnitz von Weinberg verkauft hatte, kam es 1729 an die Liechtensteiner (Herrschaft Frischau). 1720 wurden das zerstörte Schloss und der Meierhof wieder aufgebaut.

1805 und 1809 verursachten die einquartierten französischen Soldaten hohe Kosten. Zwischen 1816 und 1820 wurde der Meierhof verkauft und aufgeteilt. Tullnitz erhielt eine Bahnstation an der 1870 eröffneten Bahnlinie Brünn-Znaim.
Im 19. Jh. kam Tullnitz zum Bezirk Znaim (Znojmo)

Nach 1919 wurde der Gutshof vom neuen tschechoslowakischen Staat enteignet und an die tschechischen Siedler verteilt. Tschechische Familien wurden unter Druck gesetzt, ihre Kinder auf die tschechische Schule zu schicken. Durch den Südmährerbund wurde eine Tagesheimstätte im Ort eröffnet. Die Národní jednota versuchte, deren Einstellung zu erwirken. Sie wurde jedoch durch die Kromauer Bezirksbehörde weiter zugelassen.
Nach der Angliederung an das Deutsche Reich wurde die tschechische Schule von den NS-Behörden geschlossen. Bis zum Ende von Krieg und Diktatur gehörte Tullnitz dem Kreis Znaim (Znojmo) an.

1940 vernichtete Hagel den gesamten Weinertrag.

Am 7. Mai 1945 wurde Tullnitz bombardiert und am 8. Mai von der sowjetischen Armee eingenommen. Der Zweite Weltkrieg forderte 20 Opfer unter den Einwohnern von Tullnitz.
Die Sowjets wurden nach Zeitzeugenberichten von den ukrainischen Arbeiterinnen und Arbeitern im Ort um Nachsicht für die Ortsbewohner gebeten, weil diese gut für sie gesorgt hätten. Nur vereinzelt kam es zu Plünderungen und Vergewaltigungen.

Vertreibung der deutschen Bevölkerung von Tullnitz 1945/46:
Die bald darauf eintreffenden tschechischen „Revolutionsgardisten“ verübten hingegen Übergriffe auf die Bevölkerung. Einige Ortsbewohner flohen über die Grenze nach Österreich. Am 8.Februar 1946 wurde ein Teil der deutschen Bevölkerung unter Zurücklassung ihrer Wertsachen aufgefordert, sich am Bahnhof einzufinden. Über Deutsch Konitz (Konice) wurden sie mit einem Bahntransport nach Deutschland ausgesiedelt. Diesem folgten zwei weitere Transporte. 39 Deutsche aus Ehen mit Tschechinnen oder Tschechen konnten im Ort bleiben. Von den 276 Vertriebenen wurden 195 nach Deutschland abtransportiert, während 80 nach Österreich geflüchtet waren.

Wirtschaft und Infrastruktur:

Der größte Teil der Einwohner lebte von der Landwirtschaft. Ein Teil des 337 Hektar großen Ackerlandes wurde durch den Meierhof bewirtschaftet.

Gewerbe: Greißler, Bäcker.

Schule: „Kaiser-Franz-Joseph-Jubiläumsschule“ (1908), davor Schulbesuch in Irritz (Jiřice); tschechische Schule (1922).

Einrichtungen: Freiwillige Feuerwehr, tschechischer Kindergarten (1933), deutscher Kindergarten.

Kulturerbe:

Kapelle zur Kreuzerhöhung: 1714/16 errichtet, renoviert 1787 nach Brand; achtseitiger Bau mit Laterne; Altar erste Hälfte 18. Jh.;
Säule mit Kruzifix und schmerzhafter Mutter Gottes Rokoko um 1775.

Statuen, Kreuze: Johannes von Nepomuk (1878), Antonistatue (1734), Kapellenkreuz (1840), Eisernes Kreuz, Irritzer Kreuz, Damitzer Kreuz, Mariensäule.

Persönlichkeit:

  • Karl Pospischil (*1869, +6. November 1933 Emmerich am Niederrhein), Maler

heimatkundliche Literatur:

Sofka: Heimatbuch der Gemeinden Irritz-Damitz-Tullnitz, Ulm 1975.

Weblinks:

Genealogie:

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