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Voitelsbrunn

Luftaufnahme. Im Hintergrund der Steindammteich (Nesyt)

Ansicht der Kirche St. Veit

Gemeindegasthaus von Voitelsbrunn

Soldatendenkmal in Voitelsbrunn

Schule von Voitelsbrunn

Der „Nimmersatt“ – im Hintergrund Voitelsbrunn

Tschechischer Name: Sedlec u Mikulova

Fläche: 2.037 ha

Einwohner 1910: 1.035 in 240 Häusern (1.023 dt. Ew.), 1930: 1.151 in 282 Häusern (895 dt. Ew.), 2010: 831.

heutiger Verwaltungsbezirk: Břeclav (Lundenburg)

Matriken: seit 1642.

Grundbücher: seit 1710.

Lage:

Der Ort liegt am Steindammteich (auch „Nimmersatt“ genannt, tschechisch: Nesyt), also am ehemaligen österr.-mähr.Grenzbach (bis 1919), 5 km südöstlich von Nikolsburg (Mikulov) in 179 m Seehöhe und hat einen Teil der Grundfläche des erloschenen Ortes Königsbrunn übernommen. Heute befindet sich unweit davon die österreichisch-tschechische Grenze.

Geschichte:

Das Dorf wurde vermutlich wischen 1000 und 1100 gegründet. Darauf deutet die Endung „prunie“ bzw. „prunn“ hin. Die erste bekannte urkundliche Erwähnung stammt von 1298 als „Foydesprvn“. Der Anlass war die Übernahme der Herrschaft des durch die Herrschaft Falkenstein gegründeten Dorfes von Seifried dem Waisen.
Weitere Nennungen des Ortes sind 1305 als „Woisprunie“, 1332 als „Foydasprunn“ und 1408 als „Voytesprunn“. Die heutige Namensform hat sich seit dem 17. Jahrhundert unverändert erhalten.
Ab 1332 war Voitelsbrunn bis 1560 Bestandteil der Liechtensteiner Herrschaft Nikolsburg.

Im 16. Jh. ließ sich eine Täufergemeinde in Voitelsbrunn nieder. Sie errichteten 1557 ein Gemeindehaus und unterhielten drei „Brüderhöfe“. Die neue Herrschaft unter Adam von Dietrichstein führte in der zweiten Hälfte des 16. Jh. eine Rekatholisierung im Ort durch.
Die Täufer wurden 1591 (nach anderen Quellen erst 1623) aus Voitelsbrunn vertrieben.

Während des Dreißigjährigen Krieges wurde Voitelsbrunn von den Truppen Bethlen Gábors geplündert und verwüstet. Ab 1671 ist Schulunterricht im Ort belegt. Neben einer Unterrichtsstätte ist das damalige Schulhaus auch Schenke, Rathaus und Pfarrerswohnung. 1680 kauften die Dietrichstein die in Voitelsbrunn vorhandene Schwefelquelle.
Um sie wurde 1770 ein fürstliches Badehaus errichtet.

1833 vernichtete ein Großbrand 32 Häuser.
Nach Auflösung der Grundherrschaft bekamen 1852 die Bauern von der Herrschaft 100 ha Land.
Die von den preußischen Soldaten 1866 eingeschleppte Cholera forderte 60 Tote.
Nach 1870 erhielt Voitelsbrunn an der Bahnlinie Lundenburg-Grusbach einen Bahnhof. Der erste Zug fuhr 1872 ein.

1912/13 wurde die Neue Straße zum Hohen Eck gebaut.
In der Zeit der ersten Tschechoslowakischen Republik wurde 1924 beim Bahnhof eine Kolonie für tschechische Familien mit zwei Bauernhöfen, Wohnungen, Volksschule und Kindergarten gegründet.
Nach der Angliederung der Region an das nationalsozialistische Deutsch Reich im Oktober 1938 flohen viele tschechische Bewohner über die neue Grenze im Norden in die Tschechoslowakei.

In den letzten Monaten des Zweiten Weltkrieges wurde Voitelsbrunn auch Kriegsschauplatz.
Im März 1945 trafen Truppen der Wehrmacht (Pioniere und Stäbe) in der Ortschaft ein und begannen das Dorf mit Verteidigungsstellungen zu befestigen. Fast alle Bewohner wurden für die Arbeiten herangezogen.
Als ein Tiefflieger das Haus Nr. 197 zerstörte, mussten alle männlichen Einwohner (prinzipiell zwischen 15 und 60 Jahren) in den „Volkssturm“. Der Rest der Bevölkerung versteckte sich in Weinkellern.
Am 15. April 1945 mussten die Bewohner auf Befehl die Ortschaft räumen.
Durch einen Angriff geriet fünf Tage später die Schule in Brand.
Unter den Eingerückten aus Voitelsbrunn forderte der Zweite Weltkrieg insgesamt 59 Opfer.

Vertreibung 1945/46:
Nachdem die siegreichen sowjetischen Truppen am 21. April den Ort besetzt hatten, kam es auch im Zuge des Eintreffens der tschechischen „Revolutionsgardisten“ zu Ausschreitungen gegen die Zivilbevölkerung. Vor allem Frauen und Mädchen wurden durch zahlreiche Vergewaltigungen Opfer dieser Ausschreitungen. Zwei Personen wurden erschossen.
Einige Männer wurden verhaftet. Von ihnen starben später drei an den Folgen von Misshandlungen. Ein zurückgekehrter deutscher Soldat wurde von tschechischen Paramilitärs beim Grenzübertritt erschossen.
Viele Frauen wurden zur Zwangsarbeit herangezogen. Vor den Drangsalen flohen viele Bewohner über die nahe Grenze nach Österreich. Zwischen März und Oktober 1946 wurden die noch nicht geflüchteten oder „wild vertriebenen“ Voitelsbrunner in mehreren Transporten „offiziell“ nach Westdeutschland abgeschoben.

Nach 1990 wurden von ehemaligen Voitelsbrunnern die Grabkreuze und das Friedhofskreuz renoviert.

Wirtschaft und Infrastruktur:

Landwirtschaft: 144 bäuerliche Betriebe, Anbau von Getreide und Gemüse, Weinbau, Viehwirtschaft (vor allem Schweine- und Rinderhaltung), Teichwirtschaft (Steindammteich, alle zwei Jahre abgefischt, 2.400 bis 2.700 dz Karpfen).

Gewerbe: Mühle (Leh- oder Perzmühle), Molkerei, Meierhof (1729), Heidhof (1920), Kleingewerbe.

Einrichtungen: Volksschule (1892, davor 1807 bzw. 1748), Bücherei, Kindergarten, Armenhaus, Rathaus (1910 im ehemaligen Gemeindehaus), Badhaus (1780), Bahnhof (1870), Postamt (1892), Elektrifizierung 1927, Freiwillige Feuerwehr (1892), Raiffeisengenossenschaft (1892), Molkerei- und Landwirtschaftsgenossenschaft.

Kulturerbe:

Pfarrkirche St. Veit: ursprünglich Wehrkirche, wuchtiger quadratischer Westturm mit großen frühgotischen Schallfenstern und Pyramidenhelm, Kern des Langhauses und Chorquadrat um 1300. Östliche Sakristei 17. Jh. Das Innere des kreuzgewölbten Langhauses aus der zweiten Hälfte des 16. Jh. (Weihe 1582). Im eingezogenen Chor Kreuzrippen um 1300. Ausstattung: drei Altäre, Kanzel und Orgel Rokoko um 1770, Taufstein 1585.

Pfarrhof, 1793

Statue des Johannes von Nepomuk, 1657.

Die „Burg“ (ältestes Haus). Einer Überlieferung nach war das älteste Haus in „Veitsbrunn“ das Haus Nr. 110, welches allgemein unter dem Namen „die Burg“ bekannt war und in früherer Zeit tatsächlich burgähnliche Einrichtungen besaß: einen Turm, Graben, Fallöcher, Vorratskeller, welche das Haus verteidigungsfähig machten. Es handelte sich um die befestigte Anlage („Festes Haus“) des jeweiligen Grundherren. Der Keller war durch einen unterirdischen Gang mit einer Vorratsgrube (Getreidespeicher, Erdstall?) verbunden, der später (vermutlich schon im Dreißigjährigen Krieg) verfallen ist. Dieser Krieg verursachte überhaupt den Verfall der Siedlung, so dass die Häuser von der Herrschaft (Liechtenstein, denen damals noch Nikolsburg gehörte) an siedlungswillige Bauern vergeben wurden. Auch die „Burg“ wurde als Hofstatt abgegeben, später aber als ein Halblehen bestiftet. Die dort befindlichen Bauern änderten im Lauf der Zeit das Anwesen nach den wirtschaftlichen Bedürfnissen; der Turm wurde bis zur Höhe des Hausdaches abgetragen, der Graben eingeebnet, der Keller in einen Weinkeller umgewandelt und statt des Falloches eine Treppe in den Keller eingebaut. Der gebräuchliche Hausname „die Burg“ erhielt sich aber bis ins 20. Jh. Nach 1945 verfiel das Anwesen und das Haus wurde abgebrochen.

Schwefelbad. Zweigeschossiger Bau mit beiderseits angesetzten kurzen Querflügeln und betontem Mitteltor 17. Jh., um 1780 umgebaut.

Siegel:

In einem Renaissanceschild ist das Pflugeisen von zwei Rebzweigen mit je zwei Trauben und je drei Blättern umgeben. Das Siegel stammt von 1593.

heimatkundliche Literatur:

  • Holzer, Otto: Ortsgeschichte Voitelsbrunn, 1951.
  • Holzer, Otto: Liebes Voitelsbrunn, 1981.

Weblinks:

Genealogie:

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