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Kriegerdenkmal von Weißstätten

Ansicht von Weißstätten

Ansicht von Weißstätten mit Kirche im Hintergrund

Ansicht von Weißstätten

Kirche St. Anna in Weißstätten

Tschechischer Name: Pasohlávky

Fläche: 1376 ha

Einwohner 1910: 993 in 187 Häusern, 1930: 1.021 in 223 Häusern (956 dt. Ew.), 2010: 734.

heutiger Verwaltungsbezirk: Brno-venkov (Brünn-Land)

Matriken: von 1707 bis 1784 bei Wostitz (Vlasatice), danach selbst geführt.

Grundbücher: seit 1704.

Lage:

Weißstätten liegt am nördlichen Ufer des Oberen Stausees der Thaya-Talsperre von Nové Mlýny (Neumühl). Östlich erhebt sich der Burgstallhügel (Hradisko, 222 m), im Westen der Karlsberg (207 m). Im Südosten befinden sich die Pollauer Berge.

Geschichte:

Weißtstätten wird 1322 erstmals urkundlich genannt. Teilweise gehörte es zum Kloster Rosa Coeli in Kanitz (Dolni Kounice). Während der Hussitenkriege dürfte der Ort verwüstet worden sein, denn es wird danach als „öde“ bezeichnet. Im 16. Jh. kam es zu einer Neubesiedelung mit deutschen und kroatischen Bauern. 1574 nennt das Nikolsburger Urbar „Awertschiz in der weißen Gstetten“.

Das Dorf wird zusammen mit Wostitz (Vlasatice) nach dem es im Besitz der Dietrichstein war vom Grafen Hieronymus Wenzel Thurn erworben, doch dessen Sohn verliert den Besitz nachdem er 1619 auf der Seite des protestantischen Adels gestanden hatte.
„Wiedertäufer“ siedelten in der Ortschaft und nannten in ihren Büchern von 1612-1619 das Dorf „Weißstetten“. 1622 ging die Ortschaft an Kardinal Franz Fürst von Dietrichstein. Unter ihm wurden die Täufer vertrieben.
Während des Dreißigjährigen Krieges wurde das Dorf wiederholt zerstört und ausgeplündert.

1852 ging durch Erbteilung Weißstätten an Gräfin Theresia von Herberstein. 1836 forderte die Cholera fast 100 Todesopfer. Mehrere Brände vernichteten mehr oder weniger große Teile des Ortes im 19. Jh.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde der Gutshof verstaatlicht und in zwei Hälften geteilt. Die Gründe wurden von tschechischen Familien gepachtet. Daraufhin wurden ein tschechischer Kindergarten und eine Schule eingerichtet.

1945 wurde das Dorf von der Wehrmacht zur Igelstellung ausgebaut und Weißstätten somit zum Kriegsschauplatz. Erbitterte Kämpfe waren die Folge in deren Verlauf die Front sich mehrmals verschob und die Zivilbevölkerung in Mitleidenschaft gezogen wurde. Durch Artillerie und Bombardierung wurde mehr als die Hälfte der Häuser zerstört. Zehn Zivilisten und 49 Soldaten kamen in diesen Kämpfen um.

Vertreibung 1945/46:
Im Februar 1946 wurden die deutschen Einwohner von Weißstätten zu Aufräumarbeiten der Kriegsschäden herangezogen. Sie rissen die zerstörten Häuser ab und reparierten die Schäden der Sowjetpanzer an der Straße.
Danach wurden alle deutschen Bewohner vertrieben und gelangten nach Baden-Würtemberg, Bayern und Hessen. Einige Familien konnten in Österreich bleiben.

Wirtschaft und Infrastruktur:

Landwirtschaft: Anbau von Getreide, Mais, Zuckerrüben und Obst (Großteil der Gemeindeflur), Weinbau (1900: 71 ha).

Gewerbe: Kleingewerbe.

Einrichtungen: dreiklassige Schule (1883, ab 1928 vierklassig, erstes Schulhaus von 1788), Gemeindebücherei (1925), Turnhalle (1924), Armenhaus, Elektrifizierung (1930), Freiw. Feuerwehr, Gesangsverein (1897), Raiffeisenkasse.

Kulturerbe:

Pfarrkirche hl. Anna: 1811 erbaut (Pfarre bereits 1276 erwähnt) bzw. Kapelle von 1691 umgebaut, 1818 vergrößert und klassizistisch erneuert, Anbau eines Turmes (drei Glocken). Hauptaltar der hl. Anna; auf der Epistelseite Nebenaltar Cyrill und Method geweiht. Einheitliche Einrichtung aus der Bauzeit tw. noch mit Rokokoeinflüssen. Eine Glocke gegossen 1817 von Sigmund Kercker in Brünn (Brno), das Sterbeglöcklein gegossen in Nikolsburg (Mikulov); bis 1784 nach Wostitz (Vlasatice) eingepfarrt.

Johannes-v.-Nepomuk-Saule 1736.

Haus mit barockem Giebel.

Funde aus der Bronzezeit.

Siegel:

Das Siegel aus dem 17. Jahrhundert weist auf die Bedeutung des Fischfanges und des Weinbaues hin: Rebmesser in ovalem Blätterkranz, darunter ein nach rechts gewandter Krebs über stilisierten Ufersteinen, darüber zwei zueinander geneigte Blütenstengel.

Bedeutende Persönlichkeiten:

heimatkundliche Literatur:

Max, Wenzel: Geschichte des Dorfes Weißstätten im Kreis Nikolsburg, 1975.

Weblinks:

Genealogie:

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