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Wostitz

Blick auf den Brüderhof in Wostitz

Kirche des Johannes dem Täufer in Wostitz

Rathaus von Wostitz

Die Gedenkstätte der Wostitzer in Staatz

Tschechischer Name: Vlasatice

Fläche: 2.546 ha

Einwohner 1910: 2.035 in 359 Häusern (2.015 dt. Ew.), 1930: 1.926 in 411 Häusern (1.813 dt. Ew.), 2010: 798.

heutiger Verwaltungsbezirk: Brno-venkov (Brünn-Land)

Matriken: seit 1631.

Grundbücher: seit 1788.

Lage:

Wostitz liegt 190 m über dem Meeresspiegel südwestlich von Pohrlitz (Pohořelice). Im Norden liegen Roßweide (Velke vinohrady, 207 m) und Hochberge (Male vinohrady, 211 m). Nachbarorte sind Treskowitz (Troskotovice), Mariahilf (Nová Ves) und Frainspitz (Branišovice).

Geschichte:

Seit 1276 als Besitz des Klosters Rosa Coeli in Kanitz beurkundet, wechselte die Ortsbezeichnung von „Wassatycz“(1333) über „Wasaticz“(1370) bis zu „Bassatitz“ im 17.Jahrhundert.

Von 1342 bis 1633 besaß Wostitz eine eigene Gerichtsbarkeit.

Während der Hussitenkriege konnten Taboriten die Burg erobern, die jedoch um 1428 von katholisch-kaiserlichen Truppen wieder zurückerobert wurde.

Am 25. April 1538 erhob der spätere Kaiser Ferdinand I. Wostitz zum Markt. Im Zuge der Reformation wurde die Bevölkerung um 1560 protestantisch. Kurze Zeit darauf ließ sich auch eine Täufergemeinde in Wostitz nieder. Sie wurden 1617 vom Grundherrn Thurn vertrieben. Dieser musste als protestantischer Aufständischer gegen den katholischen Kaiser drei Jahre später, nach Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges, selbst flüchten. Seine Besitzungen wurden vom Kaiser an Kardinal Franz Fürst von Dietrichstein übergeben.

Die kriegerischen Auseinandersetzungen des 17.Jahrhunderts gingen nicht ohne Spuren an Wostitz vorüber. 1619 wurde Wostitz von kaiserlichen Soldaten, 1663 und 1683 von osmanischen Heeren geplündert. Somit waren am Ende des Jahres 1683 nur noch 23 von 75 bäuerlichen Anwesen bewirtschaftet.

In den Jahren 1831 und 1866 forderte die Cholera 180 bzw. 73 Todesopfer.

Nach dem Ersten Weltkrieg und der Gründung der Tschechoslowakischen Republik wurde das Gut verstaatlicht. In den 1920er Jahren wurde eine tschechische Schule eingerichtet.

Um die 50 neue Häuser wurden in dieser Zeit gebaut. Die Gemeindegasse und die Brüderhofgasse gepflastert bzw. befestigt.

Der strenge Winter von 1929 führte zu einer starken Dezimierung des Wildes, wodurch für zwei Jahre ein Jagdverbot ausgesprochen wurde.

In den letzten Kriegstagen, am 17. April 1945, wurde die Bevölkerung von Wostitz großteils evakuiert. Dennoch kamen bei den Kämpfen neben 110 Soldaten auch 12 Zivilisten ums Leben. Nach den Sowjets, die am 7. Mai in Wostitz einzogen, kamen tschechische „Partisanen“.

Vertreibung 1945/46:
Nach dem Eintreffen der als „Revolutionsgardisten“ bezeichneten, militanten Tschechen kam es zu Übergriffen und Misshandlungen. Es gab sieben Verhaftungen. Ab Juni begannen die Enteignungen. Viele deutsche Einwohner flohen vor den Übergriffen über die Grenze nach Österreich oder wurden dorthin vertrieben.
Im Verlauf des Jahres 1946 wurde die deutsche Bevölkerung von Wostitz in mehreren Transporten über Nikolsburg (Mikulov) nach Westdeutschland zwangsausgesiedelt. Die meisten Wostitzer kamen in den Raum Karlsruhe, Stuttgart, Künzelsau, Donauwörth, München, Gießen und Offenbach.

Die ehemaligen Wostitzer errichteten 1987 in Staatz in Niederösterreich unterhalb des Burgberges eine Gedenkstätte.

Wirtschaft und Infrastruktur:

Landwirtschaft: ca. Dreiviertel der gesamten Bodennutzung wurden vom Gutshof (ab 1919 staatlich) verwaltet. Auch die Wälder gehörten zum Gut. Angebaut wurden vor allem Weizen, Zuckerrüben, Kartoffeln, Erbsen, Gurken, Zwiebeln und Mohn. Die Anbaufläche betrug um 1900 an die 2.280 ha.
Bis zu ihrer Auflassung 1832 gab es große Teiche mit reichem Fischbestand.

Gewerbe: Dampfmühle (1917), Ziegelei (1885), herrschaftlicher Gutshof, Kleingewerbe.

Einrichtungen: Gemeindebücherei, Armenhaus, Poststation (1872), Elektrifizierung 1925, Omnibuslinie Pohrlitz-Znaim und Treskowitz-Wostitz-Nikolsburg (1938 bzw. 1941); Freiw. Feuerw. (1879) mit Depot (1905), Raiffeisen Spar- und Darlehenskasse (1895), Milch- und Lagerhausgenossenschaft. Schulen: Volksschule (1841, mehrmals erweitert und aufgestockt; Schulmagister bereits 1631 belegt), tschechische Schule (1929 im Meierhof), Bürgerschule (1930 durch Aufstockung des Volksschulgebäudes).

Kulturerbe:

Pfarrkirche St. Johannes d. Täufers: Einheitlicher Bau von 1610 mit Veränderungen von 1810. Saalartiges Langhaus, eingezogener rechteckiger Chor, quadratischer Westturm mit geschwungenem Pyramidenhelm. Langhaus Stichkappentonnengewölbe mit Stuckrippen. Bemerkenswerte Westempore mit 23 Wappenschilden der Grafen Thurn, die von 1573 bis 1622 die Herrschaft Wostitz besaßen (1907 freigelegt). Klassizistische Altäre und Kanzel um 1830; Tabernakel in ägyptischem Stil 1812; Kanzel um 1775; Orgel 1861; Taufbrunnen 17. Jh.; Altarbild von G. Herbert. Sakristei mit Heilig-Grab-Kapelle von 1880

Pfarrhof von 1591 (1776 und 1844 aus- und umgebaut).

Schloss aus der zweiten Hälfte des 16. Jh.; inmitten geräumiger Meierhofbauten zweigeschossiger Bau mit Walmgiebeln an Bauernhausformen anknüpfend. Quadratischer, oben achteckiger Turm mit Pyramidenhelm. Zugang auf Schwibbogen (gedeckter hölzerner Gang). Der große Schüttkasten ist in seinem Kern aus dem 15. Jh.

Rathaus: zweistöckiges Gebäude in seiner heutigen Form von 1913, davor älteres Gebäude (durch Brand zerstört).

Statue Josephs II. von 1883, 1919 entfernt und im Feuerwehrdepot gelagert.

Wegkapelle am nördlichen Ortsrand von ca. 1880.

Bildsäulen: hl. Florian 1738; Joh. v. Nepomuk 1739.

Wappen:

Zugleich mit der Markterhebung hat Kaiser Ferdinand I. 1538 ein Wappen verliehen. Es ist in Blau auf grünem Hügel ein zweifenstriger silberner Zinnenturm mit rotem Satteldach und goldenen Dachknäufen.

Persönlichkeiten:

  • Anton Hammel (* 3. November 1912; +31. Juli 1932 Feldsberg), Lehrer und Lyriker.
  • Georg Hanreich (* 26. Juli 1887; +9. Mai 1955 Hargelsberg/OÖ), Parlamentsabgeordneter (Bund der Landwirte, 1920-1927 u. Sudetendeutscher Landbund 1929-1935).
  • Anton Heindl (* 2. Juni 1854; + 9. September 1927 in Weyer/OÖ), Schriftsteller.
  • Jakob Kapusta (*2. Juli 1834; + 25. Oktober 1920 Brünn), Priester, Domdechant in Brünn.
  • Franz Komenda (* 1. Dezember 1896; 25. März 1991 Deggingen), Lehrer und Journalist (Nikolsburger Wochenschrift).
  • Anton Kornherr (* 31. Mai 1925; + 3. Jänner 2001 Laa/Thaya), Lehrer, Landeskapellmeister von Niederösterreich.
  • Klaus Kugler (* 6. Juli 1942), Maler und Graphiker.
  • Siegfried Ludwig (* 14. Februar 1926), österreichischer Politiker (ÖVP) und Landeshauptmann von Niederösterreich (1981-1992).
  • Franz Marian Wagner (* 23. Jänner 1888; + 18. Juni 1943 Baden/NÖ), Priester, bekannt geworden als „Obdachlosenpfarrer“.

heimatkundliche Literatur:

Blaschka, Walfried: Wostitz, Geschichte einer deutschen Marktgemeinde in Südmähren, 1993.

Weblinks:

Genealogie:

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