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Zlabings

Wappen

Blick auf den Marktplatz (Unterer Platz)

Sgraffito-Fassade am Haus Nr. 520.

Der Röhrenbrunnen mit Mariensäule auf dem Unteren Platz

Häuser auf dem Unteren Platz

Kirche vom Unteren Platz aus gesehen.

Friedhofskapelle

Rathaus. Fotografie um 1930.

Zlabings auf einer alten Ansichtskarte um 1900.

Tschechischer Name: Slavonice

Fläche: 2.293 ha

Einwohner 1910: 2.601 in 483 Häusern (2.571 dt. Ew.), 1930: 2.288 in 483 Häusern (1.817 dt. Ew.), 2010: 2.608. Angaben mit Kadolz (Kadolec), Lexnitz (Léštnice) und Rubaschhof (Rubašov).

heutiger Verwaltungsbezirk: Jindřichův Hradec (Neuhaus)

Matriken: seit 1647.

Lage:

Die Stadt liegt an den südlichen Ausläufen des Böhmisch-Mährischen Höhenzuges in 519 m Seehöhe.
Zlabings ist eine der wenigen Städte, die sich den mittelalterlichen Charakter mit ihren altertümlichen Bauten bis heute erhalten hat.

Geschichte:

Bei Zlabings handelt es sich um eine fränkisch-bayrische Gründung im 12. Jh (vermutlich bei der Spitalskirche).
Die erst urkundliche Erwähnung als Marktflecken erfolgte 1260.
Aus dem ursprünglichen Walddorf entwickelte sich allmählich ein Marktdorf.

Der Name Zlabings, in älteren Formen „Zlewings“ oder „Zlebings“ geht nach J. Reutter auf „ze lebings“ zurück was nach der alten Wohnstättenbezeichnung „lēwer“ übersetzt „beim Hügel“ bedeuten könnte (die ehemalige Wehrkirche lag auf einer Anhöhe).

Im 13. Jh. entstand ein unterirdisches Entwässerungssystem, welches auch zu Verteidigungszwecken genutzt wurde. Im Zuge der Güterteilung im Jahr 1354 zwischen Hermann und Ulrich von Neuhaus wurde Zlabings erstmals als Stadt genannt.

Im 14. Jh. entstanden viele der für Zlabings typischen gotischen Gebäude um den Marktplatz. Sie wurden tw. vor allem in der Renaissance im 16. Jh. verändert und erhielten die heute noch erhaltenen Fassaden.

Während der Auseinandersetzungen mit den Hussiten wurde Zlabings 1423 erfolglos von deren Truppen belagert. Allerdings dafür die Umgebung verwüstet.
Im Jahre 1526 unterhielt Zlabings die erste und älteste Poststation in Mähren, auf der Strecke von Wien nach Prag. In der Stadt bestanden zu dieser Zeit bereits zahlreiche Zünfte.

Großer Schaden wurde der Stadt durch den Dreißigjährigen Krieg zugefügt, da in dessen Verlauf immer wieder verschiedene militärische Einheiten durchzogen, Kontributionen verlangten und plünderten. So wie 1645, als schwedische Truppen die Stadt eroberten. 1680 brach eine Pestepidemie in Zlabings aus. Angesichts des Krieges mit dem Osmanischen Reich bereitete sich die Stadt 1682 auf einen Angriff osmanischer Armeen vor. So wurden die Stadtmauern verstärkt, Waffen ausgegeben und Wachen aufgestellt sowie ein Graben ausgehoben. Durch die fehlgeschlagene Belagerung Wiens 1683 war diese Gefahr für Zlabings jedoch gebannt.

1750 vernichtete ein Großbrand 40 Häuser in Zlabings. Davon waren auch die Kapelle St. Jakob und tw. die Kirche betroffen.
Durch die Verlegung der Poststrecke im selben Jahr, die danach über Znaim (Znojmo) und Iglau (Jihlava) nach Prag führen sollte, verlor Zlabings an wirtschaftlicher Bedeutung.

Die bürgerliche Revolution von 1848 wirkte sich auch in Zlabings aus, was sich in Konflikten unter der Bevölkerung und dem Aufstellen einer Nationalgarde widerspiegelte.

Ab der zweiten Hälfte des 19. Jh. gehörte Zlabings zum neu gebildeten politischen Bezirk Datschitz (Dačice).

Die Schafzucht hatte in der Zlabingser Umgebung schon seit Jahrhunderten Bedeutung. Durch deren extensive Betreibung bekam auch die Tucherzeugung eine gewisse Bedeutung. Im Zuge der „industriellen Revolution“ des 19. Jh. entstanden in Zlabings zahlreiche Strick- und Wirkwarenerzeugungen (in den 1870er Jahren bestanden neun Betriebe alleine in Zlabings).

1903 wurde die Lokalbahn Waidhofen/Thaya und Zlabings eröffnet. 1907 war das erste Mal ein Zlabingser Besitzer eines Automobils.

Im Rahmen der politischen Wirren nach dem Zerfall der Habsburgermonarchie 1918 war Zlabings Zentrum von Auseinandersetzungen zwischen tschechischem Militär und einer städtischen Bürgerwehr. Die Stadt war schließlich 14 Monate lang besetzt.

1929 wurde in der Nacht von 9. auf 10. Jänner ein Rekordwert von minus 38 Grad Celsius gemessen.

Während der NS-Herrschaft und des Zweiten Weltkrieges unterhielt die Deutsche Kraftpost eine Postbusverbindung von Neubistritz (Nová Bystřice) über Zlabings nach Znaim (Znojmo). Gleichzeitig war Zlabings Eisenbahnstation auf der Strecke von Wien nach Prag. Zu dieser Zeit war Zlabings Bestandteil des Kreises Waidhofen a.d. Thaya im nat.soz. „Reichsgau Niederdonau“.

Vertreibung 1945/46:
Von Seiten tschechischer „Partisanen“ kam es im Mai 1945 zur Verschleppung, Festnahme und Misshandlung von insgesamt ca. 25 deutschen Einwohnern, die erst am 15. Juni entlassen wurden. Bereits am 6. Juni wurden die deutschen Zlabingser über die nahe Grenze nach Österreich vertrieben. Ein großer Teil von ihnen wurde 1946 nach Deutschland abgeschoben. Durch Zlabings kam auch der Zug der vertriebenen deutschen Iglauer. Bei der Dorfkapelle in Fratres, dem ersten Ort in Österreich nach der Grenze, sind 25 Säuglinge und Kleinkinder, die auf dem Marsch verhungert sind, begraben.

1950 wurde die Stadt unter Denkmalschutz gestellt.

Der politische Bezirk Datschitz (Dačice) wurde um 1960 aufgelöst und Zlabings ist seitdem Bestandteil des Bezirkes Jindřichův Hradec (Neuhaus).

1974 wurde in Fratres/NÖ ein Gedenkstein für die Opfer der Vertreibung aus Iglau (Jihlava) und dem Zlabingser Ländchen errichtet.

Kurz vor und nach dem Fall des „Eisernern Vorhanges“ ließen sich in Zlabings viele Künstler, Handwerker und Kulturschaffende nieder. Bedeutung war hier vor allem die „Divadlo Sklep“ aus Prag, die in Maříž (Maires) eine Keramikmanufaktur und die Künstlergaststätte „Besídka“ gründeten. Zlabings ist daher heute geprägt von Galerien, Manufakturen und Kunstgeschäften.

Eingemeindet in Zlabings sind heute die Ortschaften Kadolec (Kadolz), Maříž (Maires), Mutišov (Muttischen), Rubašov (Rubaschhof), Stálkov (Stallek) und Vlastkovec (Laskes) sowie das Gebiet der Ödung Léštnice (Lexnitz).

Wirtschaft und Infrastruktur:

Landwirtschaft: In der Umgebung der Stadt waren Ackerbau und Viehzucht sowie durch den Waldreichtum auch Waldwirtschaft prägend. Daneben gab es auch bewirtschaftete Teiche.

Gewerbe:
Textilfabriken, Mühlen (später tw. mit Sägewerk und Ölpresse), Landwirtschaftliches Lagerhaus, Molkerei, Schlachthaus, Malzhaus, Kleingewerbe (darunter Hotels, Kürschner, Messerschmied, Spengler, Seiler, Steinmetze, Fotograf und Buchbinder).

Einrichtungen: Städtisches Museum, Stadtbibliothek, Ärzte, Apotheke, Drogerie, Sparkasse der Stadt Zlabings (1867) und Spar- und Darlehenskasse (1868), Versicherungsagenturen, Geschäftsstelle der Allgemeinen Ortskrankenkasse Datschitz, Bezirksgericht, Notare, Zollamt, Gendarmerieposten und Post- und Telegraphenamt (1870), Bahnstation, Postbusverbindung, Kino, Badeanstalt (Freibad, Strandbad), Kinderschwimmbad, Tennisplatz, Fußballplatz, Turnsaal; Schützengesellschaft (seit 15. Jh.), Freiw. Feuerw. (1877), Turnverein, Musikverein, Theaterspielgruppe, Jägervereinigung, Molkereigenossenschaft, Lagerhausgenossenschaft.

Bildungseinrichtungen: Volksschule (1897), Knabenbürgerschule (1898, ab 1919 tschechische Schule), kaufmännische Fortbildungsschule, Musikschule.

Kulturerbe:

Stadtmauern: Urkundlich 1260; 1278 befestigt; wurde planmäßig um zwei Plätze auf einer den Übergang über den Altbach beherrschenden Platte angelegt. Von der aus doppelten Mauern bestehenden Befestigung sind noch Mauer- und Turmreste erhalten, von den drei Toren das Rotenturmtor oder Rotes Tor, ein hoher rechteckiger Bau mit Treppengiebeln und barockem Türmchen und das Obere Tor mit geradem Abschluss. Beide Tortürme mit spitzbogigen Toren aus der ersten Hälfte des 16. Jh.

Marktplatz, Bürgerhäuser: Das Stadtbild mit seinen, meist noch in geschlossenen Reihen erhaltenen Laubenhäusern, Ziergiebeln und Zinnen vom Übergang der Gotik zur Renaissance ist von hohem malerischem Reiz. An zahlreichen Häusern Kratzputzmalereien aus dem 16. Jh. Sgraffitohäuser mit Fresken und Sgraffiti an den Fassaden mit alttestamentarischen und mythologischen Gestalten, Regenten und Gelehrten.

Am Oberen Platz Florian-Brunnen von 1784; am Unteren Platz Röhrenbrunnen mit Mariensäule und der Rose der Rosenberge 1667, Marienbrunnen von 1770.

Pfarrkirche Mariae Himmelfahrt: Bemerkenswerte dreischiffige kreuzrippengewölbte gotische Pfeilerbasilika aus dem 14. Jh. (mit Veränderungen im ersten Viertel des 16. Jh.), eng von Häusern umgeben, darunter dem 1384 erwähnten Schlösschen der Rosenberger (heute Schule). Mittlerer Langchor mit Fünfachtel-Schluss; Seitenschiffe ursprünglich flach geschlossen. Das südliche erhielt später einen Fünfachtel-Schluss. Westliche Schauwand mit Blendbogen verziertem Giebel und zwei reichen Toren, das südliche 1521 bezeichnet. Beiderseits eine Kapelle 1708 und 1709 angebaut. Der sechsgeschossige Turm an der Nordseite des Chores (laut Inschrift auf Tuchschererabzeichen 1549 vollendet) zeigt die einstige Wehrhaftigkeit durch den auf Kragsteinen ruhenden, mit Stichbogen geschlossenen spätgotischen Wehrgang, über dem der mit achteckiger welscher Haube bedeckte Turm als Wahrzeichen der Stadt aufsteigt. Gotische Sakristeitür mit alten Beschlägen aus dem 15. Jh.; Renaissancetaufkessel aus der zweiten Hälfte des 16. Jh.; Orgelempore aus dem 17. Jh.; im rechten Seitenschiff Überlebensgroße Christusfigur (1512); 14 große in Bewegung dargestellte Apostel- und Heiligenstatuen um 1719; sonst neogotische Einrichtung. An der Westwand Figurengrabstein von 1578, Wappengrabstein von 1587. In den drei Turmkammern befindet sich heute das sehenswerte Stadtmuseum.

Spitalskirche St. Johannes d. T.: urkundl. 1282. Gotischer Bau des 15. Jh. Im Langhaus Platzlgewölbe aus dem 17. Jh., im Chor Kreuzrippengewölbe und Fünfachtel-Schluss; gotisches Westtor. An den Längswänden sechs Sgraffiti in ornamentalen Rahmungen, Szenen aus dem Neuen Testament bez. mit 1582. Ober dem nördlichen Eingang Anna Selbdritt aus dem 15. Jh. Hochaltar um 1780, zwei Seitenaltäre um 1800. Statuen des hl. Rochus und des hl. Sebastian um 1700; Muttergottesbild in Rahmen mit Engelsköpfen aus dem 17. Jh.; Kreuzigung Christi nach Art Grecos Ende des 16. Jh.; Wappengrabsteine 1687 bzw.
1691.

Friedhofskapelle HI. Kreuz: 1702. In die Schauwand wurde das Renaissance-Friedhofstor bez. mit O.L. 1586 eingebaut. In den Nischen Statuen der Muttergottes und des hl. Josef, in den Zwickeln des Rundbogens Auferstehungsengel, über dem verzierten Sturzbalken Christus auf dem Regenbogen, beiderseits Wappen der Stadt, der Herren von Neuhaus und der Anna von Schleinitz. Deckenfresko im Innern mit Auferstehung und Jüngstem Gericht von 1708. Wandgemälde Muttergottes aus der Montserratkirche und Ignatius von Loyola. Hochaltar vom Anfang des 18. Jh., auf dem Seitenaltar Vesperbild von 1520.

Fronleichnamskirche (H1.-Geist-Kirche): Reich ausgestattete Wallfahrtskirche auf einem Hügel nördlich der Stadt, in ihrer heutigen Form erbaut 1478. Spätgotische zweischiffige kreuz- und sternrippengewölbte Hallenkirche mit hochgezogenem netzrippengewölbtem Chor. Das Langhaus wurde in der zweiten Hälfte des 17. Jh. durch ein stichkappentonnengewölbtes Seitenschiff erweitert. Dazwischen eine auf Konsolen gestützte Empore, die sich in die alte Kirche und in den Zubau öffnet und sich bis zu einer nördlichen Empore des Chores und zu einer Emporenkapelle fortsetzt. An der Südseite des Langhauses tonnengewölbte Lorettokapelle bez. mit 1820. Spätgotisches Westtor um 1500; Tor zum nördlichen Seitenschiff bez. mit 1677. Reiche Innenausstattung; Hochaltar um 1650 mit Bild „Mariae Krönung“ von Leopold Daisinger aus 1771; rechter Seitenaltar aus dem 17. Jh. mit Rokokozierat aus der Mitte des 18. Jh., Fronleichnamsaltar aus der zweiten Hälfte des 18. Jh. Kanzel in Rokoko um 1770. Im nördlichen Anbau Hauptaltar aus der ersten Hälfte des 18. Jh.; in Nischen zwei gotische und zwei barocke Heiligenstatuen aus der Montserratkirche. In der Emporenkapelle Muttergottes-Altar um 1770, auf der Stiege „Letztes Abendmahl“, volkstümliches Relief aus dem 16. Jh.; Altar der Lorettokapelle aus der dersten Hälfte des 18. Jh. Am Standort ursprünglich kleine Kapelle auf den Bericht eines „Hostienwunders“ hin gegründet aus dem Jahr 1280, 1423 von Hussiten zerstört.

Auf dem Weg zur Kirche mehrere Kreuzwegkapellen aus dem 18. Jh.;

am Weg zum Friedhof Joh.-v.-Nepomuk-Kapelle aus der ersten Hälfte des 18. Jh.

Persönlichkeiten:

  • Johann Gabriel Anderle (*3. April 1899, +26. Juni 1957 Krieglach),Schriftsteller, Dichter.
  • Theodor Deimel (*30. Oktober 1866, +28. Dezember 1952 Zlabings), Theologe, Patristiker, Heimatforscher.
  • Emmerich Pabisch (*28. September 1881, +10. Mai 1956 Graz), Dichter
  • Franz Joseph Pabisch (*25. März 1825; +8. Oktober 1879 Baltimore/USA), Theologe und Rechtswissenschaftler, Priester.
  • Johann Peker (*1726, +19. Juni 1771 Zlabings), Maler.
  • Josef Steindl (*10. März 1852, +1. Mai 1932 Krasna), Bildhauer.
  • Leopold Tomschik (*12. Juli 1903; +17. August 1944 Brandenburg), Sozialdemokrat und Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus.

heimatkundliche Literatur:

  • Polly, Eleonora: Zlabings, 1975.
  • Diess.: Zlabings. Heimaterinnerungen, 1977.
  • Diess.: Zlabings – Bilder einer alten Stadt, 1983.
  • Puffer, Emil: Zlabings, 1992.

Weblinks:

www.slavonice-mesto.cz. Offizielle Seite der Stadt Zlabings und des Touristischen Informationszentrums (in deutsch). Viele nützliche Informationen und Bilder. Unter anderem werden unter „Sehenwürdigkeiten“ die einzelnen bedeutenden Häuser und Bauwerke des Marktplatzes und der Innenstadt vorgestellt.

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