Die südmährische Volkskunde
MUNDART
Bui,
paß guit aufâs Muidern ihre Schuih auf. Und
aufâs Vodern sein Huit. Gib der Kuih a Fuider.
Schneit de net ban Rasiern, sunst is wiederâs Haundtuih voll
Bluit. Und mochâs Tor guit zui.
Kennen Sie die Ui-Mundart?
Sie wurde in ganz Südmähren und Teilen von Süd- und Südostböhmen
gesprochen. Man spricht sie heute noch im Weinviertel, Waldviertel, Teilen
des Burgenlandes und der Steiermark.
Erst nach dem Jahre 1500 entwickelte sich eine Verkehrssprache durch Annäherung
und Angleichung verschiedener Mundarten. Bis in die Zeit Maria Theresiaâs
waren weite Teile der Mundart und der Schriftsprache ziemlich gleichlautend.
Vor 1500 waren die Mundarten das alleinige Deutsch. Die Mundart ist eine
der Wurzeln eines Volkes. Sie ist organisch gewachsen und vielfältig
verästelt. Oft wird sie nur mehr belächelt und verächtlich
betrachtet.
Unsere größten Dichter und sprachschöpferischen Geister
jedoch wurzeln im Volke. Sie haben aus dem unerschöpflichen Quell
der Mundart ihrem Schriftdeutsch erst liebevolle Kraft zugeführt.
Goethe nennt die Mundart:"...doch
eigentlich das Element, in welchem die Seele ihren Atem schöpft."
Jeder der in den ländlichen Gebieten mit der Ui-Mundart aufgewachsen
ist, wird diese rauhe, einfache, urwüchsige, ungezierte und ungekünstelte,
manchmal auch deftige Art der Sprache noch im Ohr haben und wird jedesmal,
wenn er diese vertrauten Laute hört oder liest, immer wieder seine
Freude daran haben.
Wer sich mit der Sprache näher befaßt, wird selbst das Althochdeutsche
und Mittelhochdeutsche als Mundart erkennen. In den österreichischen
Bundesländern Niederösterreich, Oberösterreich und im größten
Teil des Burgenlandes leitet sich die Mundart vom Mittelbairischen her.
Weitgehend wird hier jedoch der Ua-Dialekt gesprochen, wo der mittelhochdeutsche
Zwielaut "UO" zu "UA" umgebildet wird.
Zum Beispiel: Kuah, Muada, Bluat usw.
Es gibt aber noch eine Unterscheidung: Es heißt in der UI-Landschaft
nicht schiaßn, sondern schoißn, nicht giaßn,
sondern goißn, froisn (frieren), verloisn (verlieren),
loign (lügen), boign (biegen) usw. Noch vor ca. 150
Jahren wurde die UI-Mundart auch im Marchfeld gesprochen. Als großer
österreichischer Dichter der UI-Mundart gilt Josef Misson. In manchen
Gebieten wollte man sich vom besonders bäuerlich klingenden UI absetzen
und ging zum feiner erscheinenden UA über, wie sich auch die ländlichen
Mundarten im Allgemeinen durch Verkehr, veränderte wirtschaftliche
und soziale Verhältnisse immer mehr zum "Wienerischen"
einschleifen.
Mögen aber die Liebhaber und Sprachpfleger der UI-Mundart noch recht
lange lebendig erhalten. Es gibt neben den bekannten niederösterreichischen
Mundartschreibern auch einige südmährische Landsleute, die in
der UI-Mundart schreiben. Hier seien die in Österreich lebenden genannt:
Rosl Vogeneder (Taßwitz - Esseklee), Hans Landsgesell
(Grafendorf), s.a. unter Buchbestellung
"Südm. Geschichten"
und Karl Mayer (Neusiedl am Sand). Vogeneder und Mayer haben auch
schon publiziert. Sie haben gemeinsam ein großes Vorbild: Den unvergessenen,
unvergleichlichen, großen südmährischen Mundartdichter
Karl Bacher. Als Bauernsohn in Waltrowitz bei Znaim geboren (10.02.18849,
besuchte er das Gymnasium in Znaim und studierte Germanistik in Wien.
Er wurde Mittelschullehrer und Direktor des Znaimer Gymnasiums. 1945 wurde
er wie alle deutschen Südmährer aus der Heimat vertrieben und
fand in Steyr eine Bleibe, wo er am 08.07.1954 starb. Soweit seine Kurzbiographie.
Interessenten für sein ausführliches Leben und Schaffen können
wir Adressen vermitteln. Er hinterließ ein großes Werk. Bei
der Beerdigung würdigte ein Redner den großen Dichter mit folgenden
Worten:
"Karl Bacher trug schon zu Lebzeiten den Kranz der Unsterblichkeit
um seine Schläfen. Jetzt, da uns der große Dichter des Bauerntums
für immer entrissen ist, werden wir dessen erst inne. Er ist in die
Unsterblichkeit eingegangen, denn sein Werk wird leben, solange die Sprache
lebt, die es trägt, und solang die Pflüge als immerwährende
Künder des ewigen Bauerntums ihre Furchen über Ackerbreiten
ziehen."
Im folgenden das Werkverzeichnis in zeitlicher Reihenfolge aus dem reichhaltigen
Schaffen des Karl Bachers:
| "Die
Sache läßt sich einrenken" |
Wiener Lustspiel |
1918 |
| "Südmährische
Gedichte" |
|
Wien, 1922 |
| "Neue
südmährische Gedichte" |
|
Wien, 1922 |
| "Der
Gmoanschmied" |
Bauerntragödie |
1924 Znaimer Wochenblatt |
| "Oberdeutsche
Mundartdichtung" |
mit einer Karte
des oberdeutschen Sprachgebietes |
Wien, 1925 |
| "Zeitige
Äha" |
Gedichte in südmähr.
Mundart |
Nikolsburg, 1925 |
| "Mutter" |
zwei Erzählungen
aus Südmähren in bairisch-österreichischer Mundart |
Knittelfeld, 1930 |
| "Schnitthohn" |
neue Dichtungen
in südmähr. Mundart |
Knittelfeld, 1930 |
| "Drei
in der Zwickmühle" |
Lustspiel |
1931 |
| "Milirahmstrudl" |
heiteres Bauernspiel |
1931 |
| "Der
Goethe-Bauer" |
Festspiel |
1932 |
| "Bauer
und Knecht" |
Bauerndrama |
1932 |
| "De
Weinbeergoaß" |
Hörspiel |
1934, im Wiener
und Brünner Rundfunk aufgeführt |
| "De
rennade Reuter" |
Bauernlustspiel |
Wien 1934, Selbstverl.
|
| "Zeitige
Troader oder: De Heilign drei Küning bein Heiratsstiftn" |
Lustspiel |
1936 |
| "Lesâweinbeer" |
Neue Dichtungen
in südmähr. Mundart |
Wien 1937, Selbstverl.
|
| "Mutter" |
Bauerndrama |
Reichenberg, 1939 |
| "Ums
Ausnhomsstübl" |
Bauerndrama |
1940 |
| "Der
Landrichter von Urbau" |
Geschichtliche
Bauerntragödie |
1934 |
| "Das
Ockermandl" |
Das Spiel vom guten
und schlechten Bauer |
1934 |
| "König
Lear in Bauerngwond" |
Bauerntragödie |
Steyr 1945 |
| "Der
Wettermocher vo Dumbachl" |
Bauernkomödie |
Steyr 1945 |
| "Die
Gnade" |
Laienspiel, schriftdeutsch |
1949 |
| "Wer
is der Rechte?" |
Bauenlustspiel |
Wien 1949 |
| "A
Loabl Brot vo dahoam" |
Mundartgedichte
aus Südmähren |
Wien 1951 |
| "Ausklabte
Äpfln" |
4 Körbln Äpfln
von dahoam |
Wien, 1952 |
| "Herdfeuer
vo dahoam" |
Mundartdichtungen
aus Südmähren |
Geislingen, 1953 |
| "Wo
die Muider haust" |
12 Aufsätze |
|
| "Der
Knödelwettstreit" |
|
1955 |
| "Das
Liad vo der Thaya" |
|
Stuttgart, 1974 |
|