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Fratting

Dem Hl. Jakobus d. Ãlteren geweihte Kirche von Fratting

Ansicht von Fratting

Ortsansicht von Fratting

Tschechischer Name: Vratěnín

Fläche: 1.521 ha

Einwohner 1910: 487 in 102 Häusern (484 deutsch), 1930: 529 in 107 Häusern (375 deutsch), 2010: 301.

heutiger Verwaltungsbezirk: Znojmo (Znaim)

Matriken: seit 1655

Lage:

Die Marktgemeinde Fratting liegt auf einem Hochplateau ca. 21 km südöstlich von Zlabings (Slavonice) in 469 m Seehöhe, an der Bezirksstraße Zlabings (Slavonice)Piesling a.d. Thaya (Písečné u Slavonic)Znaim (Znojmo).

Geschichte:

Die erste urkundliche Erwähnung erfolgte als „ecclesia Wratingen“ im Jahr 1251 in einer Schenkung des Wichard von Tyrna an das Stift Geras. Fratting wurde 1325 von Johann von Luxemburg zum Markt erhoben. 1498 wird dieses Recht erneuert und erweitert (im 15. Jahrhundert wurden die Frattinger Marktrechte schriftlich abgefasst).

Mitte des 16. Jh. wechselte die Herrschaft und Frattting kam an Wenzel Kraiger von Kraigk. Unter ihm bekam Fratting auch eine eigene Gerichtsbarkeit (zur Schlichtung von Streit unter den Untertanen).

1719 wurde mit dem Bau des Augustiner-Eremitenklosters begonnen.

Über Fratting führte einst die alte Poststraße von Wien über Zlabings (Slavonice) nach Prag. Schon im 16. Jahrhundert gab es in Fratting eine Poststation, die 1723 zu einer Hauptpoststation erhoben wurde. In dieser Station konnten die Pferde getauscht werden und die Reisenden in einer Herberge ausruhen.
Die Poststation und damit der Ort verloren überregional an Bedeutung, da die später unter Maria Theresia angelegte neue Kaiserstraße weit nördlich von Fratting vorbeiführte.
Unter Kaiser Joseph II. wurde das Augustiner Eremitenkloster 1784 aufgelassen.
Fratting war bis ins 19. Jh. als Wallfahrtsort und für seinen Loretoaltar bekannt.

Das 1904 geplante Projekt einer elektrifizierten Bahnlinie von Znaim (Znojmo) über Frattings nach Raabs a.d. Thaya in Niederösterreich wurde zuerst wegen der Pläne zum Bau eines Staudammes verzögert und war dann durch den Ausbruch des Ersten Weltkrieges und der nach Kriegsende erfolgten Gründung der Tschechoslowakei nicht mehr möglich.

Seit der Mitte des 19. Jh. gehörte Fratting zum politischen Bezirk Mährisch Budwitz (Moravské Budějovice) und zum Gerichtsbezirk Jamnitz (Jemnice). 1938 wurde es dem Landkreis Horn im nationalsozialistischen Deutschen Reich angegliedert zu dem es bis zu dessen Zusammenbruch 1945 gehörte.

Vertreibung 1945/46:
Am 8. Juni 1945 wurden der Bürgermeister und vier weiter Männer, welche die tschechischen „Revolutionsgardisten“ als Repräsentanten der Ortsverwaltung bzw. der NSDAP sahen, verhaftet. Sie wurden zwei Tage später bei Döschen nach schweren Misshandlungen ermordet. Am 9. Juni wurden alle restlichen deutschen Einwohner bis auf sieben Familien aus Fratting über die österreichisch-tschechoslowakische Grenze vertrieben. Die zurückgehaltenen Familien wurden in der Landwirtschaft eingesetzt und ein Jahr später abgeschoben.
Im März 1946 wurden 200 der in Österreich weilenden ehemaligen Frattinger gemäß dem „Potsdamer Protokoll“ nach Deutschland transferiert.

Wirtschaft und Infrastruktur:

Landwirtschaft: Ackerbau (1.172 ha), Viehzucht (600 Rinder, 400 Schweine), Waldwirtschaft (182 ha).

Gewerbe: Kalkbrennerei, Sägewerk, Schmiede.

Einrichtungen: Schule (erste Erwähnung 1662, zweiklassig), tschechische Schule (aus vormaliger Volksschule 1918), Kindergarten, Postamt, Gendarmerieposten, Zollhaus, Arzt, Tierarzt, Freiwillige Feuerwehr, Raiffeisenkasse, Gemeindebücherei, Armenhaus.

Kulturerbe:

Kirche mit einer Loretokapelle: 1696 bauten Mönche (Orden des Hl. Augustinus) in Fratting eine Kirche mit einer Loretokapelle, die 1821 abbrannte.

Pfarrkirche hl. Jakobus: erbaut 1773, drei Altäre, Turm mit vier Glocken; Die Altarblätter sind von Anton Franz Zeller um 1770. Weiters gibt es in der Kapelle eine Orgel, eine Orgelempore und ein Taufbecken aus der Bauzeit. Eingepfarrt sind: Nespitz (Mešovice), Ungarschitz (Uherčice) und drei Weiler.

Pfarrhof von 1705.

Marktsäule/Rolandsäule, 1595.

Häuser aus dem 17. und 18. Jh.

Bildsäule „Donatus“ auf dem erhöhten Seitenhang des Galgenberges an der Straße nach Ranzern (Rancířov).

Marterl an der Straße nach Nespitz (Mešovice), erinnert an die Pest.

Ruine des Augustinerklosters.

Vom Ortsausgang bis zum Friedhof stehen an der Straße vierzig Lindenbäume, die zur Erinnerung an das vierzigjährige Jubiläum der Regierungszeit Maria Theresias gepflanzt wurden.

heimatkundliche Literatur:

Pařízek, B.: 450 Jahre Marktgemeinde Fratting 1498-1948, 1990.

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