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Nikolsburg

Wappen

Luftaufnahme. Links im Bild Ausläufer des „Heiligen Berges“.

Luftaufnahme von Nikolsburg

Kriegerdenkmal von Nikolsburg

Nikolsburg nach dem Schlossbrand im Jahre 1945

Panorama von Nikolsburg

Die Pollauerstraße in Nikolsburg

Propsteikirche von Nikolsburg

Sgraffitohaus am Stadtplatz in Nikolsburg

Heiliger Berg von Nikolsburg

Jüdischer Friedhof

Thronsaal im Schloß von Nikolsburg

Tschechischer Name: Mikulov

Stadtgemeinde (seit 1330) – 248 m ü.d.Meer, 16 Grad 38’ ö.L.; 48 Grad 49’ n.Br.

Bezirks- bzw. Kreishauptstadt vom 19. Jh. bis 1946.

Fläche: 4.641 ha (größte Gemeindeflur Südmährens)

Einwohner 1793: 7.440 Einwohner in 760 Häusern (damals fünftgrößte Stadt Mährens), 1910: 8.043 in 1.209 Häusern (7.787 dt. Ew.), 1930: 7.790 in 1.426 Häusern (6.409 dt. Ew.), 2010: 7.454 (mit Eingemeindungen).

heutiger Verwaltungsbezirk: Břeclav (Lundenburg)

Matriken: seit 1624 (St. Wenzel), seit 1785 (St. Johann).

Grundbücher: seit 1616.

Allgemeine Informationen:
(von Reiner Elsinger)

Lage:

Nikolsburg (Mikulov) wurde als Burgort mit Breitstraßendorf angelegt und liegt an der Kreuzung der alten, von Westen nach Osten verlaufenden „Böhmischen Straße“ zwischen Krems und Lundenburg (Břeclav) mit der von Norden nach Süden verlaufenden „Bernsteinstraße“. Nikolsburg liegt auf 248 m Höhe am Fuß der Pollauer Berge (Pálava).
Die Stadt liegt zwischen dem „Schlossberg“ und dem „Heiligen Berg“ (Svatý Kopeček). Im Norden befinden sich „Gaisberg“ mit Pulverturm und „Turold“, im Süden, nahe der Grenze zu Österreich, „Galgenberg“ (Šibeniční vrch) und „Brennhügel“ und im Nordwesten liegt der „Stadtwald“ (2.550 ha).

Bauliche Situation und Denkmalschutz:

Die Altstadt innerhalb der ehemaligen Stadtmauern ist heute unter Denkmalschutz. Ebenso die Reste des jüdischen Viertels im Westen der Stadt, welches von 1421 bis 1921 die selbständigen Judengemeinde Nikolsburg war, und der 18.000 Quadratmeter große jüdische Friedhof (größter in der Tschechischen Republik). Ein großer Teil des jüdischen Viertels wurde in den 1960er Jahren zerstört, ebenso der deutsche Friedhof in den Jahren 1970-1972.
Durch die Kriegsereignisse am 22. April 1945 wurden 17 Gebäude zerstört und 85 schwer beschädigt. Das Nikolsburger Schloss brannte in Folge der Kampfhandlungen aus. Aufgrund der Beneš-Dekrete wurden 1.030 Häuser und 1.298 Grundstücke zwischen 1945 und 1946 enteignet. In der Folgezeit entstanden große Baulücken. Hingegen wurden in Bahnhofsnähe und im Westen der Stadt in den 1960er Jahren Plattenbauten errichtet. Auch das Bild des alten Stadtkerns wurde wesentlich beeinträchtigt.

Bedeutung:

Der Unterschied zu anderen Kleinstädten in Mähren oder Niederösterreich ergibt sich aus folgenden Tatsachen.
Es handelt sich um einen alten Handelsplatz, ausgestattet mit sieben Jahrmarkts- und zwei Wochenmarktsrechten, mit weitem Einzugsbereich (einschließlich dem heutigen nördlichen Niederösterreich mit Poysdorf, Laa und Mistelbach).
Der erste Wochenmarkt wurde „villa Nicolspurch“ am 24. August 1279 durch Rudolf von Habsburg gewährt.
Im 16. Jh. ließen sich Nürnberger Kaufleute (Sgraffitohaus) in Nikolsburg nieder. Außerdem entstand eine Erb-Poststation.
Nikolsburg besaß eine Salzlagerstätte und die Juden der Stadt erhielten Privilegien für Wolle- und Leinenhandel.

Nikolsburg war aber auch als Schulstadt überregional bedeutend (ältestes Piaristen-Gymnasium ab 1631 mit Sitz des Provinzials, Bürger- und Fortbildungs- sowie Fachschulen).

In Nikolsburg entstand der älteste landwirtschaftliche Bezirksverein von 1850.
Ab 1623 war die Stadt Wallfahrtsort.

Über 700 Jahre lang war Nikolsburg Sitz der bedeutenden Adelsgeschlechter Liechtenstein und Dietrichstein.

Mit dem Standort der Fürstenresidenz war auch der Besuch der Stadt von prominenten Persönlichkeiten und der Abhaltung wichtiger Verhandlungen (Frieden 1621 und 1866) verbunden. So waren fast alle deutschen und österreichischen Kaiser und Erzherzöge in Nikolsburg, ausländische, diplomatisch hochgestellte Persönlichkeiten oder auch Usurpatoren wie Napoleon am 12. Dezember 1805 und Hitler am 27. Oktober 1938 (Abschlusskundgebung zum Anschluss des Sudetenlandes). Historisch bedeutsam waren: der „Friede von Nikolsburg“ am 31. Dezember 1621 welcher die kämpferischen Auseinandersetzungen zwischen Gabriel Bethlen, Fürst von Siebenbürgen, und Kaiser Ferdinand II. beendete, und weiters der „Vorfrieden von Nikolsburg“ vom 26. Juli 1866 zwischen Preußen und Österreich während des Deutschen Krieges. Bereits drei Wochen nach der Niederlage Österreichs in der Schlacht von Königgrätz (3. Juli 1866) wurde dieser Präliminarfriede unterzeichnet, der schließlich zum Friedensvertrag von Prag führte.

Nicht zuletzt ist der Einfluss der seit 1421 bestehenden selbständigen Judengemeinde hervorzuheben.

Geschichte:
(von Reiner Elsinger)

1.- 6.Jh. Germanische Zeit

Bis 400 nach der Zw. haben die Quaden und Markomannen Südmähren besiedelt. Die Archäologen fanden auch in der Nikolsburger Gemeindeflur Gräber aus dieser Zeit und zwar bei der Anlage des Oberfeld-Barackenlagers und in der Flur „Tirasäcker“ am westlichen Fuß des Muschelberges an der Voitelsbrunnerstraße (z.B. 36 Gräber datiert 1.-3-Jh.). Bis Ende des 6.Jh. lebte in Südmähren auch die Heruler, dann die Langobarden, die 570 nach Norditalien zogen (Lombardei).

7.-9.Jh. Vordringen der Awaren, Slawen und Magyaren.

Unter Herrschaft der Awaren drangen auch die Slawen entlang der March vor. Karl der Große besiegte die Awaren 791-796, das Gebiet fiel an die Diözese Passau und das „Großmährisches Reich“ und hatte sein Zentrum bis 906 an der March: Mikulcice, Pohanskawald.
Der Magyarensturm aus der ungarischen Tiefebene beendet diese Periode. Auch der Kriegszug des deutschen Kaisers endet 907 mit einer vernichtenden Niederlage bei Pressburg (Bratislava).

10. – 12. Jh. Bairische Kolonisation

Erst die Siege Heinrich I.  933 – und Otto I. – 955 auf dem Lechfeld beenden die ungarische Vorherrschaft in Niederösterreich und Südmähren. Durch einen Kriegszug Kaiser Arnulfs wird 998 auch die Lehenspflicht der Slawen gegenüber dem Frankenreich hergestellt und ab 1002 unter Heinrich I., mit dem systematischen Siedlungsausbau in der Babenberger Mark begonnen, dabei könnte Nikolsburg als Königslehen bereits den zentralen Ort der „böhmischen Mark“ 1039 gebildet haben. Unter Heinrich III. wurden 1042 -1044 die Magyaren endgültig aus dem östlichen Weinviertel hinter die March gedrängt und es entstand , unter Einbeziehung der böhmischen Mark , die sog. „Neumark“ unter den Babenberger Markgrafen Siegfried und Adalbert. 1058 besiegelte Kaiser Heimrich IV. mit seiner Mutter Agnes am Marchfeld den Frieden mit Ungarn. In wenigen Jahrzehnten zwischen 1020 und 1070 brachte das gewaltige bairische Siedlungswerk rund 200.000 Siedler in die Babenbergermark und nach Südmähren, die 1.300 Anger- und Straßendörfer gründeten, wie an Flur- und Ortsformen noch heute nachgewiesen werden kann. Der Hauptgrund für diese bleibende Besiedlung war die genaue Vermessung der Fluren und vor allem die „Dreifelder- Wirtschaft“, die durch die Einführung der Brache plötzlich weitaus bessere Erträge lieferte und daher auch mehr Menschen ernähren konnte.

13.Jh. Grenzkämpfe mit den Przemysliden.

Während die bairische Besiedlung schon im 11. Jh. die Thaya überschritten hatte, wurde sowohl 1041 als auch 1179 auf den Reichstagen in Regensburg die Thaya als Grenze zu Mähren festgelegt. Die von der Babenbergermark aus besiedelten Gebiete sollten bei der Mark bleiben (Pfandgebiet Neuhaus bis 1240 und Nikolsburg bis 1342 ). Durch die 1182 erfolgte Erhebung von Mähren zur Markgrafschaft durch
Friedrich I. Barbarossa flammten die Grenzstreitigkeiten erneut auf. 1185 kam es zur großen Ritterschlacht bei Lodenitz, in der ein Großteil der bisherigen Herrschaftsbesitzer ums Leben kam. Besonders Graf Wilhelm verheerte das damalige österreichische Gebiet mit solcher Grausamkeit, dass er mit dem Kirchenbann belegt wurde. Um diesem zu entkommen, gründete er das Kloster Kanitz, dem er sämtliche Kirchen im Nikolsburger Raum als Kirchenzehent zuwies. Vor 1200 erfolgte auch der Ausbau der Burgenkette Staatz-Falkenstein-Nikolsburg-Rosenburg-Neuhäusl–Maidenburg. 1241 folgte ein Mongoleneinfall, grössere Verheerungen unterblieben aber. 1246 ereignete sich eine siegreiche Schlacht des letzten Babenbergers Friedrich des „Streitbaren“ bei Staatz gegen Ulrich von Kärnten, der im Auftrag seiner böhmischen Verwandtschaft in Österreich eingefallen war. Friedrich fiel am 15. Juni 1246 in der Schlacht an der Leitha gegen den Ungarnkönig Béla IV., damit starben die Babenberger im Mannesstamm aus.
Aus diesem Jahrhundert sind zwei Urkunden mit dem deutschen Namen „Nicolspurch“ überliefert. 1249 nutzte Přemysl Otakar II. die „kaiserlose Zeit“ (Interregnum) und schenkte am 14.1. das Reichslehen „Villam Nikulsburch“ dem Heinricus de Liechtenstein. Nach der Schlacht bei Dürnkrut in der Friedrich v. Liechtenstein einen entscheidenden Flankenstoß ausführte, erhielt „Nicolspurch“ am 24. August 1279 den ersten Wochenmarkt von Rudolf von Habsburg.

14. u. 15. Jh weitere Kämpfe nach Ende der Przemysliden (1306 Ermordung Wenzels)

Die Luxemburger kommen in Böhmen an die Macht, die Österreicher wollen Nikolsburg zurückerobern, zwischen 1330 und 1362 erhielt Nikolsburg das Stadtrecht. Ungarneinfälle ab 1371. 1419 : 1.Prager Fenstersturz, die Hussitenkriege beginnen.1422 trifft Albrecht V. von Österreich Kaiser Sigsimund im Schloss, gemeinsamer Kampf gegen Hussiten, 1426 brennen die Hussiten Nikolsburg und Feldsberg nieder, ebenso 1429 – 1432. 1442 -1448 Streifscharen aus Polen (Pankraz) und Ungarn. 1458 das heer Georg von Podiebrad brandschatzt Nikolsburg ebenso 1468 Mathias Corvinus, nach dessen Tod erobert Maximilian I. das Land zurück.

16.Jh. Reformation, Täufer und Gegenreformation, 17. Jh. 30j. Krieg, Türken

Bereits 1526 bildete sich im Raume Nikolsburg um Balthasar Hubmaier eine der ersten Gütergemeinschaften der radikal-reformatorischen Täuferbewegung. Die nach der Hinrichtung Hubmaiers 1528 drohende Auflösung der Täufergemeinde konnte der aus Tirol stammende Jakob Hutter verhindern. Nach ihm wurden die Täufer auch Hutterische Brüder genannt. Es lebten bis zu 60.000 Täufer in Mähren, davon 12.000 in Nikolsburg. Kurz nach den Täufern und gefördert durch den ansässigen Adel hielt auch die Lehre Martin Luthers Einzug in Südmähren. Dadurch kam es zur Kirchenspaltung und zur Bildung der evangelisch-lutherischen Kirche und zu weitern Konfessionen des Protestantismus.

1572 erhält Adam v. Dietrichstein von Maximilian II Nikolsburg zum Lehen. Nun erfolgt die Gegenreformation (1. Fronleichnamsumzug 1582), 1623 Hl.Berg Kreuzweg.

1605 Einfälle von Türken und Siebenbürgern.

1618 2. Prager Fenstersturz, Beginn 30 jährigen Krieges: 1619 erste Schlacht bei Unter Wisternitz, die mährischen Stände besetzen die Stadt 1620. Nach der Schlacht am Weißen Berg verhandelt Franz von Dietrichstein, Kardinal seit 1599, Reichsfürst 1624, am 31.12.1621 mit Bethlen Gabor v.Ungarn einen Frieden in Nikolsburg, als dessen Folge 1625 der Reichshofrat 3 Wochen im Schloss (letzte Wappenverbesserung durch Ferdinand II.) tagt. 1645 erobern die Schweden Nikolsburg (u.a. rauben sie die Schlossbibliothek: 48 Fässer werden nach Upsala gebracht) außerdem werden alle Burgen, auch in NÖ zerstört.

1663 Türkeneinfall, 1678-1680 Pestjahre (95 Häuser ausgestorben). 1683 das polnische Entsatzheer für Wien verheert Nikolsburg beim Durchzug zwei Mal.

18.u.19.Jh. Kaiserstraße und Barockumbau von Schloß Nikolsburg,
Annakirche, Dreifaltigkeitssäule, Piaristenkirche St. Johann d.T.,
Franzosen- und Preußenkriege, Revolution 1848.

Durch die Kaiserstraße Wien-Brünn ab 1725 wirtschaftlicher Aufschwung, Neubau der Annakirche ab 1701, Neubau des Schlosses nach Brand 1719 – 1725 Ausgestaltung der Stadt, 1752 -1758 Neubau und spätbarocke Ausgestaltung der Piaristenkirche ( u.a. Lengelacher, Preuner, Troger, Maulbertsch, Leicher), ab 1784 zweite Pfarre.

1742 brandschatzen die Sachsen als Verbündete Friedrichs von Preußen die Stadt. 1743 huldigen die mährischen Stände im Schloss der Kaiserin Maria Theresia. 1793 und 1798 Durchzug von russischen Soldaten und Auxiliartruppen, 1805 neuerlicher Truppendurchzug von Heeren zur Schlacht bei Austerlitz (2. Dezember 1805). Nach der Schlacht übernachtet Napoleon am 12. Dezember eine Nacht im Schloss. 1809 neuerliche Besetzung durch die Franzosen, Verwundete Österreicher und Franzosen im Schloss und bei den Piaristen.

1848 Revolution , neue Stadt- und Bezirksverwaltung, Durchzug der Truppen von Alfred Fürst zu Windisch-Graetz.

1866 Preußenkrieg, Preußisches Hauptquartier mit Wilhelm I., Bismarck und Moltke im Schloss, Friedenspräliminare von 18. – 26.Juli, Cholera über 200 Tote – Preußenfriedhof mit Kreuz von Wilhelm I. 1869.

20.Jh. Weltkrieg I. v. 1914 -1918 und Weltkrieg II v. 1939 – 1945 = 2. 30 j.Krieg.

Trotz des Mährischen Ausgleichs von 1905, an dem der Nikolsburger Bürgermeister, Landtags- und Reichstagsabgeordneter Dr. Leopold Götz namhaften Anteil hat, führen die nationalen Spannungen in der Monarchie schließlich nach dem Mord am Thronfolger Franz-Ferdinand in Sarajewo zum I. Weltkrieg 1914 – 1918. Über 250 Nikolsburger, darunter 15 Juden, fallen im Krieg. Im Vertrag von St. Germain erhalten die Tschechen ihren eigenen Staat. Sie besetzten aber bereits unter Missachtung des Selbstbestimmungsrechtes der Bevölkerung am 16. 12. 1918 , also vor Beginn der Friedenskonferenz in Paris, die Stadt. Die österreichischen Beamten verlieren ihre Stellung und müssen das Land verlassen. Die 1.Tschechoslowakische Republik zeichnet sich durch eine Tschechisierungspolitik aus, mit einem katastrophalen Rückgang der Wirtschaft in den deutschen Gebieten. Auch die Weltwirtschaftskrise nach 1929 trifft vor allem die hochindustrialisierten, deutschen Randgebiete durch Arbeitslosigkeit. Die tschechische Bevölkerung – 1910 noch 1 % – nahm auf 15 % zu (in anderen deutschen Städten sogar auf 25%).

Durch das Erstarken des Nationalsozialismus und seine wirtschaftlichen Erfolge, erhofften die Deutschen in den Nachfolgestaaten der Monarchie eine Besserstellung durch den Anschluss an das Deutsche Reich. Als dieser im März 1938 in Österreich erfolgte, wurde am 21.September 1938 die CSR-Regierung, nach einer Mission des britischen Lords Runciman im Sinne der britischen Appeasement-Politik, von England und Frankreich zur Abtretung der mehrheitlich deutsch bewohnten Gebiete gezwungen. Im Münchner Abkommen vom 28. 9. 1938 wurden völkerrechtlich unter den Signatarstaaten des Versailler Friedensvertrages von 1919 : Frankreich, England und Italien, die Übergabe des Sudetenlandes an Deutschland vereinbart. Daraufhin marschierte die Deutsche Wehrmacht am 8. 10. 1938 in Nikolsburg ein. Am 27. 10. 1938 fand in Nikolsburg die Abschlusskundgebung zum Anschluss der Sudetengebiete statt. Die sofort einsetzende Gleichschaltung mit der NS-Diktatur im Deutschen Reich, haben sich viele Bewohner Nikolsburgs sicher anders vorgestellt.

Im Jahre 1938 zählte die Stadt etwa 8000 Einwohner, davon 472 Juden. Von diesen konnten 110 ins Ausland fliehen. 327 überlebten die Shoah nicht. Die jüdische Gemeinde in Nikolsburg hörte dadurch auf zu bestehen.

Der Anschluss an den „Reichsgau Niederdonau“ brachte für die Nikolsburger Bevölkerung zunächst Vorteile, die dem Regime anfänglich einen breiten Rückhalt in der Bevölkerung sicherte: Hilfsaktion der NS-Volkswohlfahrt für erholungsbedürftige Kinder, ausbau der Infrastruktur (Bezirksstraßennetz, Busverbindungen), Entschuldung der Betriebe durch großzügige Kredite u.a.m.

Mit der Schaffung des „Protektorats Böhmen und Mähren“ am 15. 3. 1939 wurde das Münchner Abkommen verletzt.

Am 1.September 1939 begann der 2. Weltkrieg. Die Bevölkerung betroffen. Besonders Frauen weinten bei der Einführung der Lebensmittelrationierung. Die ersten deutschen Erfolge und als auch Frankreich im Mai 1940 besiegt war, hoffte die Menschen auf ein baldiges Ende des Krieges. Bis zu diesem Zeitpunkt waren 12 Nikolsburger an der Front gefallen. Mit Beginn des Russlandfeldzuges setzte in der Bevölkerung großer Pessimismus ein, besonders nach Stalingrad – wo 27 Nikolsburger fielen. Kritik an Krieg und Diktatur wurde nun häufiger. Bei Ende des Krieges hatte Nikolsburg über 500 Gefallene zu beklagen, fast doppelt so viele wie im 1. Weltkrieg.

Im April 1945 überstürzten sich die Ereignisse als plötzlich die Front näher kam. Bereits am 7. und 15.4. wurden Frauen und Kinder evakuiert, am 22. 4. wurde bei den Kämpfen um die Stadt das Schloss in Brand geschossen. Die Besetzung durch die Sowjets brachte viel Leid über die Bevölkerung, das nach der Kapitulation Deutschlands am 8.Mai 1945 und nach der Übernahme der Herrschaft durch die Tschechen ab 13. Mai, das endgültige Aus für die deutsche Bevölkerung bedeutete.

Über 2.300 Besitze wurden nach den enteignet. Die Bewohner zur Zwangsarbeit gezwungen und zum Teil ins Innere des Landes oder in die Ostrauer Kohlengruben verschleppt. Am 1.Juni fand der grauenhafte Brünner Todesmarsch seinen Weg durch Nikolsburg. Viele erschöpfte Ruhrkranke starben noch Ende Juni im Lager Muschelberg.

Massengräber säumen den Weg von Brünn bis Pohrlitz und von dort nach Drasenhofen und bis nach Wien. Im Mai, Juni, Juli 1945 nahmen die „nationalen Verwalter“ Besitz von den Häusern und Bauernhöfen. Diese „nationalen Verwalter“ waren meist Arbeiter aus Zlin, die nur eine Aktentasche mit einem Bund Dietriche und einer Stichwaffe mitbrachten und gar nicht in der Lage waren die Bauernwirtschaft auszuüben.

Opfer unter der deutschen Bevölkerung durch Krieg, Diktatur und Vertreibung: 505 Nikolsburger blieben an den Fronten, 6 starben im KZ, 11 durch Bomben, 8 endeten im Mai 1945 durch Freitod und 31 durch Mord im Laufe der Umsturztage 1945.

Die „wilde Vertreibung“ aus dem Bezirk Nikolsburg umfasste 1945 insgesamt 37.000 Personen . 1946 erfolgte der „Abschub“ von 18 Transporten und 20.000 Personen aus dem „Lager Nikolsburg“ in den Oberfeldbaracken.

Mit der Vertreibung der deutschen Bevölkerung und dem Beginn des „Kalten Krieges“ schwand die historische Bedeutung von Nikolsburg nach 900 Jahren deutsch-österreichischer Geschichte. Die kleine Stadt mit seiner fruchtbaren und reizvollen Umgebung verschwand 44 Jahre hinter dem „Eisernen Vorhang“ und sank unter ihrem tschechischen Namen Mikulov zur Bedeutungslosigkeit herab.

Die jüdische Gemeinde:

Die Nikolsburger jüdische Gemeinde war eine der bedeutendsten in Mähren. Sie entstand wahrscheinlich nach der Vertreibung eines Großteils der Wiener Juden unter Herzog Albrecht V. nach 1420. Hartneid V. von Liechtenstein nahm vertriebene Juden in Nikolsburg auf. Eine erste Synagoge ist bereits im 15. Jh. anzunehmen (um 1450). Im Urbar von 1560 sind 32 jüdische Familien erwähnt. 1591 gewährte Maximilian von Dietrichstein der Gemeinde die Wahl eines eigenen Richters. Nikolsburg war Sitz des mährischen Landesrabbiners (z.B. Rabbi Löw). 1593 wurden die Juden gegen Entschädigung von Zug- und Handrobot befreit und man gestattete ihnen den Tuch- und Leinenhandel. 1657 waren es bereits 146 jüdische Familien, die in Nikolsburg ansässig waren. 1787 wurde das Tragen von bürgerlichen Namen angeordnet. In der Ersten Tschechoslowakischen Republik wurden die jüdische mit der christlichen Gemeinden 1921 zusammengeschlossen.

Nach der Angliederung der Stadt an das Deutsche Reich flüchteten ca. 105 jüdische Familien aus Nikolsburg. Die Zurückgebliebenen, vorwiegend alte Leute, fielen der NS-Verfolgung zum Opfer. Diejenigen, die im Oktober 1938 über die neue Grenze in die Tschechoslowakei geflohen waren (nicht immer wurden sie sofort über die Grenze gelassen, da die meisten von ihnen Deutsche waren und daneben antijüdische Ressentiments auch auf tschechischer Seite bestanden) wurden nach der Okkupation und der Errichtung des „Protektorats Böhmen und Mähren“ im März 1939 wieder vom NS-Staat eingeholt. Viele, denen die Flucht nicht mehr gelungen war, wurden ab 1941  deportiert und ermordet.

Einige Nikolsburger Juden, welche die NS-Herrschaft überlebt hatten und im Laufe des Jahres 1945 zurückkehren wollten, wurden von den tschechischen Behörden mit dem Hinweis auf das Konfiskationsdekret die Rückgabe ihres unter NS-Herrschaft arisierten Eigentums verweigert und sie wurden wieder fort geschickt.

Wirtschaft und Infrastruktur:

Landwirtschaft: Die Umgebung der Stadt war landwirtschaftlich geprägt. So machte um 1900 die Ackerfläche mit 2.623 ha mehr als die Hälfte der Gemeindefläche aus.
Der Weinbau hatte in dieser Gegend eine besondere Bedeutung (Weinbaugebiet seit dem 13.Jh). Um 1900 betrug die Weinbaufläche 352 ha.

Gewerbe: Mühle, Ziegelofen, Kalköfen, Steinbruch, Maschinenfabrik Lange (Benzinmotoren und Dreschgarnituren), Kofferfabrik Rochleder, Farbwerke Kronsteiner, Druckerei; vielfältiges Kleingewerbe (neben den meist üblichen auch z.B. Auto- und Landmaschinenreparatur, Fotografen, Uhrmacher, Instrumentenbauer, Buchbinder).

Einrichtungen: Spital und Armenhaus (1360 im Piaristenkolleg, 1631 Neubau, später Haus in der Feldsberger Straße), Bezirkshauptmannschaft, Bezirksgericht, Steueramt, Gendarmeriekommando, Eichamt, Poststation bzw. später Postamt (1692), Ärzte; zahlreiche Vereine (z.B. Freiw. Feuerwehr 1881, Bicycle-Club 1884, Eislaufverein 1888, Bienenzuchtverein 1900, Fremdenverkehrsverband 1912, Museumsverein 1913, Bezirksverein für Landwirtschaft und Weinbau 1850, Mährisch-Schlesicher- Israeliten-Lehrerverein 1867 u.a.); Genossenschaften (Beamten- und Schrebergarten-Genossenschaft 1921, Sparkasse 1862, Raiffeisenkasse 1929).

Schulen: Piaristenkolleg 1631, später Gymnasium; Knabenschule 1869; Mädchenschule, 1886; Bürgerschule 1896.

Kulturerbe (ein kunsthistorischer Rundgang durch die Stadt, gestaltet von Reiner Elsinger):

Schloß Nikolsburg – Erster Stock

Grabkreuz

Toroberlichtgitter bei der Gruft in Nikolsburg

Zunftsiegel

Zunftsiegel

Betritt man von der Böhmgasse (ehemals Sonnenfelsgasse, heute Česká) durch das ehemalige Brünner Tor (heute Baulücke), den Kirchenplatz (Kostelní náměstí), führen Stufen mit Heiligenfiguren / Joh.v.Nepomuk und Franz Xaver von Ignaz Lengelacher/ zur Kollegiatkirche St. Wenzel (kostel sv. Václava) und zur Propstei: Pfarre urkundlich 1039, ehemalige Wehrkirche, nach Zerstörung durch die Hussiten 1426 als spätgotische, dreischiffige Hallenkirche mit fünf Paar achteckigen Säulen erneuert; dreigeschossig mit fünfachtel-geschlossenem, netzrippengewölbten (parlersches Muster) Chor im Osten, Langhaus 1625 mit Engelsköpfen und Akanthus- Rankenwerk stuckiert. / Westempore mit Zugang vom Schloss / Weymola Orgel am linken Chor 1773/ Ratsherrenempore rechts/ Altarbilder : „Ermordung des hl. Wenzel“, „Enthauptung der hl. Barbara“ und „Letztes Abendmahl“ von Josef Anton Adolph v. Freental (aus Nikolsburg)/ Rokokokanzel von Andreas Schweigel d.Älteren/ Lobkowitz-Epitaph/ Grabplatten 16.Jh./ tonnengewölbte Seitenkapelle für die „Schwarze Madonna“, welche aus der Annakirche beim Brand gerettet wurde/ Seitenkapelle rechts mit Pieta von Ignaz Lengelacher/ im Deckel des Taufsteins ein Bild von Joseph Winterhalter I. „Taufe Christi“/ Inneneinrichtung barock.

Stadtturm (beim Schlosstor, zámecká brána): viergeschossig, mit Glocken- und Türmerstube/ mit Renaissance-Laubengang aus 1584/dreiteiliger, ebenmäßig proportionierter Zwiebelhelm, von Laterne unterbrochen.

An der Ecke zum oberen Stadtplatz (náměstí) Haus mit Barockgiebel, anschließend Laubenhäuser, gegenüber das Rathaus (Městská radnice, bis 1574 herrschaftliches Brauhaus), daneben die ehemalige Erbpoststation (ab 1592), anschließend das Bezirksgericht (ehemalige Salzlagerstätte). Vor dem Rathaus der Stadtbrunnen mit Pomonastatue (kašna Pomona, 1699 von Ferdinand Groß) und vor dem Übergang in den unteren Stadtplatz, die Dreifaltigkeitssäule (Sousoší Nejsvětější Trojice, 1723 nach einem Entwurf des im Schloss beschäftigten Hofmalers Anton Josef von Preuner, ausgeführt vom Nikolsburger Steinmetz Philipp Nader und Andreas Steinböck aus Eggenburg (aus Zogelsdorfer Kalksandstein); Figurenschmuck von Ignaz Lengelacher, konsequente Dreigliederung: drei Engel (Glaube, Hoffnung, Liebe), drei Pestheilige, Maria mit Sternenkranz inmitten dreier, toskanischer Säulen, darüber Putten mit Gewölk und die Dreifaltigkeit, eines der schönsten Denkmäler in Mähren.

Platzöffnung zum abschüssigen Platz vor der ehemaligen Annakirche (kostel sv. Anny, jetzt Gruftkirche/Ditrichštejnská hrobka), mit der 1701/1704 erbauten Fassade im römischen Monumentalbarock (ein erhaltener fünfachsiger Entwurf mit Kuppel, ähnlich der Karlskirche, von Johann Bernhard Fischer von Erlach wurde nicht ausgeführt); Vorgängerbau 1640 von Giovanni Tencala, Fassade 1701 vermutlich von Domenico Martinelli.

Auf der linken Seite des Platzes die malerische Gruppe der Renaissancehäuser, als Wohnhäuser der Kanoniker (Kanovnické domy) und in der nordöstlichen Ecke der Stadtmauer war von 1611 bis 1784, als die ganze Innenstadt abgebrannt ist, die Kapuzinerkirche (jetzt noch Profanbau).

Lorettokapelle (nach dem Vorbild der Santa casa). Auf der Monumentalfassade das Relief „Anna selbdritt“ von Mathias Roth, über den Seiteneingängen hl. Joachim und hl. Zacharias von Anton Riga, auf der Balustrade Christus und zwei Engel von Josef Kässmann ( 1932 Jedermannspiele). Nach dem Brand 1784 wurde 1846/1852 an Stelle des Presbyteriums die klassizistische Gruftkirche (Ditrichštejnská hrobka) zum hl. Kreuz von Heinrich Koch erbaut / Marmoraltäre von Cyrill Lerch/ Hl.Anna und hl. Leopold von Vinzenz Pilz/ Bronzeluster Entwurf Theophil Hansen/ Orgel von Deutschmann/ in den Seitenschiffen 44 fürstl.Bestattungen in Zinnsärgen auf Eichenpodesten von Bildhauer Leimen./Wien. Im offenen Gartenraum Standbild von Franz Josef Dietrichstein 1806-1854 (Maria-Theresia-Orden, Statue ursprünglich im Ahnensaal des Schlosses). Nachodkapelle reich stuckiert, ebenso das ehemalige Refektorium des Kapuzinerklosters im Gebäude rechts neben der Kirche.

Gegenüber der Dreifaltigkeitssäule ein Sgraffitohaus (dům U Rytířů) im Renaissancestil/ Darstellung der Sintflut/ Hof mit Loggien/ Vorbau mit Lauben. Gegenüber das ehemalige „Hotel Rose“. Am Ende des unteren Platzes war bis 1837 das „Wiener Tor“. Den Platz schließt seit 1992 das neue Gebäude der Sparkasse ab (die Dächer sind Architektonische Zitate des Brünner Tores).

Vor dem Wiener Tor war ursprünglich der Viehmarkt (mit den Fleischbänken und Anschluss zum Ghetto) auf den die Straßen aus Laa und Feldsberg (Valtice), später die Wr. Kaiserstraße, einmündeten. Später war hier der Josefsplatz mit dem Denkmal Kaiser Josefs II., das 1919 von tschechischen Soldaten demontiert wurde. Auf der linken Seite, Ecke Schleifmühlgasse, Neubau der Bezirkshauptmannschaft 1912 und des Feuerwehrdepots 1911.

Piaristenkirche hl. Johannes des Täufers (Kostel sv. Jana Křtitele):
1631 beruft Kardinal Franz v. Dietrichstein aufgrund seiner persönlichen Bekanntschaft mit Josef v. Calasanz die Piaristen nach Nikolsburg, die hier ihren ersten Konvent und das erste Gymnasium nördlich der Alpen errichteten (gleichzeitig Sitz des Provinzials für Böhmen und Mähren bis ins 18.Jh.). Zu diesem Zweck erhielten sie das ehemalige Spital mit Friedhof und Johanniskirchlein, unterhalb der Quergasse, welche die beiden Südstraßen am Viehmarkt verbindet, am sog. Töpfermarkt gelegen (später Schul- bzw. Hasnerplatz), 1658 bekamen sie auch den Meierhof zu den zwei Grundlehen. 1666 erfolgte der erste Kirchenumbau und ab 1746 der große Umbau durch Casparus Oswald (einem Piaristen Laienbruder, der sich schon mit 19 Bauwerken als Baumeister bewährt hatte). Dabei wurde durch Halbsäulen und ein flaches Gewölbe, bei gleichzeitiger Vergrößerung des Presbyteriums mit Ovalkuppel und Änderung der Orientierung der heutige Kirchenraum geschaffen.
Besonders beachtenswert an diesem spätbarocken Juwel ist die Innengestaltung durch berühmte Künstler. Vor allem der „letzte große Freskant des Abendlandes“ Franz Anton Maulpertsch, den die Kunstgeschichte an 59 Orten nachweist, schuf hier ein Deckenfresko aus dem Leben Johannes d.T. von der Geburt bis zur Enthauptung, ferner die Seitenaltarbilder „Hl. Josef v. Calasanz“, „Sterbender hl. Josef“ und „Himmelfahrt des Johannes von Nepomuk“.

Das Hauptaltarbild „Taufe Christi“ und die Seitenaltarbilder: „Hl.Philipp Neri“ und „Maria Himmelfahrt“ stammen von Felix von Leicher (aus Schlesien). Von Paul Troger (1759-1762 Direktor der Wr,.Akademie, auch als Freskant von 50 Freskenzyklen bekannt) stammt der reiche Figurenschmuck: hl. Elisabeth, hl. Zackarias, hl. Johannes d.T., hl. Johannes d. Evangelist und hl. Josef. Nachdem bereits 1731 der Meierhof neu gebaut wurde, konnte auch 1746 der Ausbau des Gymnasiums erfolgen, welches nach der Übernahme in staatliche Verwaltung 1873 auch noch 1887 eine Erweiterung erhielt. Ab 1784 wurde die Kirche zweite Pfarre der Stadt. In der an die Kirche angebauten, ehemaligen „Totenbruderschaftskapelle“ befindet sich das Taufbecken mit einem Wandrelief von Andreas Schweigel.

Piaristengymnasium (Gymnázium): Die Nikolsburger Piaristen als Schulorden für breite Bevölkerungsschichten legten sehr früh den Schwerpunkt auch auf Mathematik und lehrten ergänzend Geographie und Geschichte. Im Gegensatz zu den Jesuiten, die in erster Linie die Heranbildung von Geistlichen im Auge hatten. So waren sie auch wesentlich an der Schul- und Lehrplanreform Maria Theresias im Jahre 1777 beteiligt und 1795 an der Errichtung einer deutschen Hauptschule und der Ausbildung von Fachlehrern. Pflege von Musik und Theater, vorwiegend durch die Seminaristen, auch „Lauretaner“ genannt. Eine umfangreiche Bibliothek und Musik- bzw. Theaterliteratur befindet sich im Landesarchiv. 29 Stiftungen mit 1,2 Mio Kc Kapital ermöglichten die Vergabe von jährlich 115 Stipendien. Unter den Absolventen finden sich zahlreiche berühmte Namen, wie Jan Ev. Purkyne, die beiden Sonnenfels, drei Pröpste und Augustinerchorherren von Klosterneuburg (Leeb, Sedlacek, Pauker), Karl Renner u.v.a.m.

Schulkomplex: Ebenfalls an der Quergasse liegt die ehemalige, 1877 erbaute Knaben- bzw.die anschließend auch für Mädchen erweiterte Volksschule (je sieben Klassen) und die 1896 angebaute Bürgerschule, die auch eine landwirtschaftliche und gewerbliche Fortbildungsschule beherbergte.
Seit geraumer Zeit steht der ganze Komplex leer und verfällt.

Kommt man von der Umfahrungsstraße, wo an der Bahnhofstraße (Nádražní) die 1903 erbaute ehemalige evangelische Kirche liegt, die heute als Orthodoxe Kirche zum hl. Nikolaus (Pravoslavný chrám sv. Mikuláše) in Verwendung steht, passiert man auch das große städtische Schwimmbad, das 1940 mit einem Kinder-, einem Nichtschwimmerbecken mit Wasserrutsche und einem 50 m Sportbecken mit Sprungturm (3, 5 und 10m) erbaut wurde und einen Park mit dem Sowjetdenkmal. Hier stand bis 1945 das Krieger- oder Soldatendenkmal, ein sechseckiger Turm mit Säulen und langen Glasfenstern für die im Ersten Weltkrieg gefallenen 259 Nikolsburger.

Der Bahnhof besteht seit 1873, als die Verbindungsbahn von Lundenburg (Břeclav) (Nordbahn) nach Grusbach (Hrušovany) (Ostbahn) und Znaim (Znojmo) (Nordwestbahn) ihren Betrieb aufnahm.

Der Rundgang führt vom Standort des ehemaligen Kriegerdenkmales zurück, entlang der Mauer des Piaristengartens, durch das im 12. Jh. besiedelte Neustift (Nové Sady) und bei der Kreuzung mit der alten Wienerstraße (Feldsberger Straße, Vídeňská bzw. Valtická) weiter durch die zwischen Niklbach (Ende des 19. Jh. im Stadtverlauf eingewölbt) Süd nach Nord verlaufende, lange Steinzeile (Koněvova). In Höhe der Schleifmühlgasse (Svobody, südl. Stadtmauer, an der Ecke das Waisenhaus) zweigt rechts die Berggasse (Novokopečná) ab, welche sich beim ehemaligen Keller der Piaristen (Piaristický dům) gabelt. Rechts führt sie zum Ölberg mit malerischen Häusern, von denen man einen reizvollen Ausblick auf Stadt und Schloss hat. In den Felsformationen mit Überschiebungen von Felsblöcken war das sog. „Studentenplatzl“. Früher mündete oberhalb auch ein vom Verschönerungsverein angelegter Rundweg um den Heiligen Berg (Svatý kopeček).

Links von dem genannten Keller beginnt der Kreuzweg zur Kuppe des „Heiligen Berges (Svatý Kopeček)“ mit der ersten Kapelle „Jesus Abschied von Maria“, die Kapellen zwei bis sechs zeigen verschiedene Ölbergszenen („Schlafende Jünger“, „Jesus im Gebet“, „Geißelung“. „Jesus fällt unter dem Kreuz“). Die siebente Kapelle steht bereits weithin sichtbar am Bergrücken, wie auch die Kapellen acht bis zehn, die zwar äußerlich verputzt, aber leer dastehen und auf Erneuerung der Kreuzwegstationen warten.
Die Anlage des Kreuzweges begann 1622 durch Kardinal Franz v. Dietrichstein nach einem Pestjahr, als er am Plateau eine Sebastianskapelle (kostel sv. Šebestiána) und 1636 einen freistehenden Glockenturm erbauen ließ. Diese Kapelle wurde 1679 als Kirche zum hl. Sebastian in Form eines griechischen Kreuzes mit Kuppel neu gebaut und 1717 durch Zubau einer Sakristei vergrößert. Kirche und Glockenturm sind wiederholt in Brand geraten (durch Blitzschlag oder Kriegseinwirkung in den Jahren 1663, 1766 und 1945). Die im Glockenturm befindliche große Glocke mit 4.067 kg wurde 1767/68 vom Nikolsburger Glockengießer Adam Henkelmann am nördlichen Fuß des „Heiligen Berges“ gegossen und nach Fertigstellung mit sechs Paar Ochsen zum Gipfel geschafft.
In der Kirche ist ein Altarbild des „hl. Sebastian“ und eine Kreuzabnahme vom Tiroler Maler Josef Blank /Seitenaltäre hl. Karl Boromäus und hl. Rochus/ Orgel von Johann Beck, Brünn.
Auf der Hochfläche sind die Kapellen „Zur schmerzhaften Muttergottes“ / „hl. Barbara“/ im Sattel zum zweiten Gipfel das „hl. Grab“ mit einem maurischen Türmchen / danach eine weitere „Auferstehungskapelle“ (dzt. leer bzw. verwüstet) und am nördlichen Fuß des Berges, bei der ehemaligen Glockengießerhütte, die Kapelle zur „hl. Rosalia“ aus 1692, die 2002 vom Kulturverein Nikolsburg-Wien als Vertreibungs-Gedenkstätte renoviert wurde.

Aus den ehemaligen Wallfahrten zur Jungfrau Maria in der Annakirche wurde die Wallfahrt am 8. September zu Maria Geburt auf den „Heiligen Berg“. Von der Hochfläche mit 363 m Seehöhe ergibt sich ein atemberaubender Ausblick auf das Schloss und die Stadt, den Gaisberg mit Pulverturm (Kozí hrádek), den Turold (385 m), den Tafelberg (Stolová hora, 458 m), die Ruine Rosenburg (Sirotčí hrad), den Kesselberg (Obora/Kotel, 483 m), den Maidenberg (Děvín, 550 m) mit Ruine Maidenburg (Dívčí/Děvičky hrad); im Osten nach Feldsberg (Valtice) und im Süden nach Österreich.
Bei einem Abstieg auf bequemem Waldweg zur Rosalia-Kapelle kommt man auch zum Beginn des ehemaligen Janitschberg-Parkes und der Straße (Hliniště bzw. Bezručova) zum Stadtwald, die nach Millowitz (Milovice) führt und an der 1937/38 die Kasernen erbaut wurden (heute leerstehend).
Tausende Soldaten der Hoch-und Deutschmeister-Division zogen von hier an die Kriegsfronten, wo viele ihr Leben ließen.
Oberhalb der Kaserne schloss sich im „Oberfeld“ ein Barackenlager an, welches ab Mai 1945 als Arbeits- und Abschublager für die deutsche Bevölkerung diente und 1946 für 18 Transporte und 20.800 Stadt- und Bezirksbewohner die letzte Station in der Heimat war. 37.000 waren bereits 1945 Opfer von Flucht und „wilder Vertreibung“ geworden.

Folgen wir der ehemaligen Lazarettgasse (heute Bezručova) und der langen Pollauerstraße (Pavlovská) bis zum hl. Johannes, ebenfalls eine Plastik von Ignaz Lengelacher, führt die „Steinbruchgasse“ (U Lomu) links zur ehemaligen „Bürgerlichen Schießstätte“ des Schützenvereines von 1654 ( heute „Amphietheater„, Freiluftbühne) und rechts zur Turoldhöhle (Jeskyně Na Turoldu), die schon in der Frühgeschichte besiedelt war und die seltene Fledermäuse beherbergt (kleine Hufeisennase). Von dort können wir den Spaziergang zum Pulverturm (Kozí hrádek) und zum Friedhof an der Brünnerstraße (Brněnská) fortsetzen.

Der christliche Stadtfriedhof, welcher 1582 geweiht wurde, ist in den Jahren 1970/71 eingeebnet worden, wobei über 2000 Marmor-Grabsteine privat verkauf wurden. Lediglich fünf Grabsteine blieben bestehen, davon wurde ein Grabdenkmal 1993 vom Kulturverein Nikolsburg-Wien als Gedenkstätte für die 35 Generationen von Vorfahren adaptiert.

Eine besondere Sehenswürdigkeit ist jedoch der seit dem 15.Jh. bestehende jüdische Friedhof (židovský hřbitov)
mit seiner Ausdehnung über 18.000 qm und einem „Rabbonin-Hügel“ sowie einer Soldatengedenkstätte für die im Ersten Weltkrieg gefallenen 25 Nikolsburger Juden. Die weithin sichtbare Aufbahrungshalle stammt aus dem Jahr 1907 von Architekt Fleischer aus Wien.
Vom Friedhof ergibt sich ein malerischer Blick über die Reste des ehemaligen jüdischen Viertels in der Hauptgasse, wo es noch rund 70 unter Denkmalschutz stehende Gebäude aus Gotik und Renaissance gibt, die mit Messingtafeln beschriftet sind. Darunter befindet sich auch die Synagoge (Synagoga, Grundstein aus 1450, Neubau Renaissance, wieder renoviert ab 1990). An der Synagoge vorbei führte auch bis ins 17.Jh. die Auffahrt zur Burg.

Wir kehren zurück zum Stadtplatz und betreten von dort aus den sog. Ämterhof des Schlosses, wobei uns sofort das prächtige, schmiedeeiserne Parktor auffällt, das 1726 von H.G. Förster aus Brünn angefertigt wurde. Alle Plastiken des Vorhofes stammen von Ignaz Lengelacher. Durch das „Finstere Tor“, einer Befestigungsanlage die etwa 1663 angelegt wurde, steigen wir empor zu einem weiteren Tor und dahinter liegenden Torturm in den ersten Schlosshof. Links befindet sich der ehemalige Stall und dahinter die Winterreitschule (heute Schloßtaverne und Veranstaltungssaal), rechts das Bibliotheksgebäude (früher Theater) und vor uns der alte Bergfrit, ein Rundturm mit Schneide und im früheren Wehrgang ein Tor in den zweiten Burghof. Dieser älteste Teil der Burg , in den man auch durch das sog. Zwingertor gelangt, ist durch archäologische Untersuchungen , genauso wie der runde, oben sechseckige Turm schon für das 12./13.. Jh. belegt, wobei der Rundturm schon vor 1200 entstanden sein dürfte und der festungsartige erste Ausbau Heinrich von Liechtenstein ab 1249 zuzuschreiben ist , z.B. auch die Anlage des dreiviertelkreisförmigen „Selchturms“ beim Zwingertor. Im Hauptturm sieht man ein gotisches Fenster, das zur 1380 gegründeten Marienkapelle gehört, auch die Altane und das „Frauenhaus“ (Ahnensaal) und der „tiefe Keller“ sind in einer Liechtensteinschen Teilungsurkunde von 1514 belegt. Die urkundlichen Erwähnungen von 1173 (Kloster Kanitz) und 1218 (als landesfürstliche Burg) sind Fälschungen. Neben dem Bergfrit führt eine Treppe zur Bibliothek (Barockeinrichtung von 1719) und in der Ecke dieses zweiten Burghofes ist der Abgang zum tiefen Keller, in dem sich das zweitgrößte, noch bestehende Riesenweinfass befindet, das 1643 vom Bindermeister Specht aus Brünn angefertigt wurde (mit 101.081 Liter) und welches auch 100 Jahre für den Zehentwein benützt wurde. Neben dem Hauptturm gelangen wir durch das Felsentor in den Ehrenhof mit einer gotischen Zisterne, die 40 m tief in den Felsen gemeißelt wurde. Ignaz Lengelacher hat hier eine prächtige Schauwand mit Atlanten und Wappen gestaltet. Rechts davon befindet sich der Haupteingang des Schlosses über ein repräsentatives Stiegenhaus zum früheren Ahnensaal und zu den über 100 Zimmern.

Links wird der Hof durch einen Verbindungsgang im ersten Obergeschoss überbrückt. An einem Pfeiler befindet sich ein Relief Ferdinands von Aragon. In der linken Ecke des Hofes ist ein Eingang in die Repräsentationsräume (Ausstellung, u.a. technisches Kabinett des Gymnasiums), mit einer über 1000 qm großen Terasse und herrlichem Blick über Schlosspark und Stadt. An der Südseite befindet sich zwei Geschosse tiefer eine schöne Sala Terrena aus drei Räumen. Im ersten Stock die Dietrichsteingalerie im Thronsaal, in dem Maria Theresia die Huldigung der mährischen Stände 1743 entgegen nahm. Südseitig das „Napoleonzimmer“, in dem sich der französische Feldherr am Abend des 6. Dezember 1805 (nach der Schlacht bei Austerlitz) aufhielt, ferner das „Bismarckzimmer“ der Friedensverhandlungen von 1866 und weitere ehemalige Repräsentationsräume. Beim Brand von 1945 wurden 560 Kunstwerke vernichtet, u.a. zahlreiche Gobelins aus Flandern und Bilder von van Dyck u.a.

Der Wohnteil der Burg wurde bereits unter Kardinal Dietrichstein von 1611 bis 1618 als dreigeschossig im Renaissancestil erbaut, brannte aber 1719 ab (durch ein Feuer an der Schlossmauer im Ghetto, wo die Häuser keine Feuermauern hatten) und wurde ab 1721 als zweigeschossiger Barockbau neu errichtet. Die Erneuerungen 1951 und 1953, bzw. 1960 (nach dem Brand von 1945) sind eine besondere Leistung der heutigen Bewohner.
Das Schloss beherbergt heute das Regionalmuseum Nikolsburg (Regionální muzeum v Mikulově).

Persönlichkeiten:

  • Johannes Bammer(*31. Mai 1888; †17. März 1988 Bonn), Musiker.
  • Leopold Beierl (*12. September 1915, †13. Oktober 1991 Zwesten), Heimatforscher.
  • Johanna Dirnböck(*4. November 1850, †24. Juli 1918 Ollersbach/NÖ), Schriftstellerin.
  • Anton Elsinger (*15. März 1925, †1995 Brunn am Gebirge), Themenmaler.
  • Jakob Fellner (*25. Juli 1722, †12. Dezember 1780 Totis/Ungarn), Barockbaumeister.
  • Johann Finkes (*3. Januar 1891, †23. November 1964 Mistelbach), Kunst- und Industriemaler.
  • Leopold Götz (2. Oktober 1839, †20. Juli 1908 Nikolsburg), Abgeordneter des mähr. Landtag, 1891-1907 Reichsratsabgeordneter.
  • Leopold Huber (*13. November 1766, †25. August 1847 Wien), Schriftsteller und Theaterdirektor.
  • Moritz Jung (*22. Oktober 1885, †11. März 1915 bei Maniow/Lisko in Galizien), Grafiker,Buchillustrator und Maler im Jugendstil.
  • Heinrich Landesmann (*9. August 1821, †30. Dezember 1902), Dichter.
  • Johann Leeb Floridus (*8. Mai 1731, †13. August 1799), Probst von Klosterneuburg und Rektor an der Universität Wien.
  • Karel Krautgartner (*20. Juli 1922; †20. September 1982 Köln), Jazzmusiker, Komponist.
  • Anton Josef Leeb (13. Juni 1769; †6. Dezember 1837 Wien), Bürgermeister von Wien 1835-1837.
  • Julius Lehnert (*25. Januar 1871, †9. Mai 1962 Wien), Theaterkapellmeister und Komponist.
  • Hieronymus Lorm (bürgerlich: Heinrich Landesmann;*9. August 1821, †3. Dezember 1902 Brünn), Schriftsteller, Philosoph, Erfinder des Lorm-Alphabets, eines Tastalphabets für Taubblinde.
  • Kurt Nedoma (*26. Juli 1929), Lyriker.
  • Andreas Obsieger (*26. Januar 1824, †30. Dezember 1898 in Meran), Dichter, Philosoph und Schriftsteller.
  • Leopold Oser (*27. Juli 1839, †22. August 1910 Wien), Universitätsmediziner.
  • Heinrich Paschkis (*21. März 1849, †18. Mai 1923 Wien), Mediziner und Pharmakologe.
  • Adolf Schärf (*20.April 1890, †28. Februar 1965), Politiker (Sozialdemokrat), österreichischer Vizekanzler (1945-1957) und Bundespräsident (1957-1965).
  • Josef Freiherr von Sonnenfels (*1733, †25. April 1817 Wien), Humanist, Zensor und Professor.
  • Emanuel Stöckler (*24. Dezember 1819, †7. November 1893 in Zwölfmalgreien bei Bozen), Akademischer Maler.
  • Maria Magdalena Weinmann, Widerstandskämpferin gegen den Nationalsozialismus

heimatkundliche Literatur:

  • Elsinger, Reiner: Heimatbuch Nikolsburg, 1988.
  • Elsinger, Reiner: 750 Jahre Nikolsburg, 1999.
  • Elsinger, Reiner: Der heilige Berg in Nikolsburg, Manuskript 2009, hier als PDF:

Heiliger Berg erster Teil
Heiliger Berg zweiter Teil

  • Haas, Josef: Nikolsburg. Geschichte und Sehenswürdigkeiten, 1975
  • Lange, Fritz: Südmähren – Bilder erzählen Geschichte, Sutton-Verlag 2010 (viele Fotografien aus Nikolsburg und Umgebung).
  • Nezhodová, Soňa: Das jüdische Nikolsburg (Židovský Mikulov), 2006.

Weblinks:

Genealogie:

 

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