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Mitzmanns_-_Miezmanns

Ansichten von Mitzmanns

Tschechischer Name: Micmanice

Fläche: 911 ha

Einwohner 1910: 1.068 in 228 Häusern (alle dt.), 1930: 1.097 in 275 Häusern (1.080 dt. Ew.), 1961: 514 Einwohner

heutige Gemeindezugehörigkeit: Strachotice (Rausenbruck)

heutiger Verwaltungsbezirk: Znojmo (Znaim)

Matriken: seit 1650 bei Zulb, ab 1784 bei Rausenbruck (Strachotice).

Lage:

Das Rechteckangerdorf ist kennzeichnend für eine frühe Gründung, wie es für das Gebiet südlich der Thaya ausnahmslos zutrifft. So wie in vielen südmährischen Dörfern gibt es auch hier einen Ober- und einen Unterort.
Mitzmanns liegt auf 194 m Meereshöhe und ist als Straßendorf angelegt. Nachbarorte sind Strachotice (Rausenbruck) mit dem es heute eine räumliche Einheit bildet im Westen und Zulb (Slup) im Südosten. Im Norden fließt die Thaya (Dyje) und trennt Mitzmanns von Gurwitz (Krhovice) im Norden und von Waltrowitz (Valtrovice) im Osten.

Geschichte:

Urkundlich erstmals 1230 als „Vzmans“, 1302 „Muecmans“, 1672 „Mitzmans“, seit 1719 auch als „Miezmanns“ erwähnt. Wie Zulb (Slup) war Miezmanns dem Kloster Oslawan zugeteilt, dann aber dem Kloster Bruck.

1541 kam der Ort zusammen mit Gnadlersdorf (Hnanice) und Zulb (Slup) zur Herrschaft des Grafen Althan bei Joslowitz (Jaroslavice). Der Teilort Niemtschitz wurde im Dreißigjährigen Krieg zerstört.

Ein Brand vernichtete 1895 mehrere Scheunen und die Ernte. Um 1900 wurde ein Graben zur Entwässerung der oberen und unteren Weide ausgehoben wodurch auch Bauland entstand.

Im Ersten Weltkrieg fielen 30 Soldaten aus Mitzmanns.
Durch die Zugehörigkeit zur Tschechoslowakei nach 1918 war das Wahrnehmen von Verdienstmöglichkeiten für Kinder von Landwirten, die den Hof nicht erbten, schwierig. Davor bot Wien diesen Kindern eine gute Alternative. Um den den dadurch steigenden Bedarf an Wohnraum zu decken, wurden größere Bauflächen parzelliert und weitere Drainagen angelegt (Weidgraben). Um der wirtschaftlichen Not in den 1930er Jahren nach der „Weltwirtschaftskrise“ entgegenzuwirken, wurden in dieser Zeit vermehrt Gemüse, Hülsenfrüchte und Ölfrüchte angebaut.

Während der Zugehörigkeit zum „Reichsgau Niederdonau“ im nationalsozialistischen Deutschen Reich (1938-45) war Mitzmanns dem Kreis Znaim (Znojmo) zugeordnet (1939-1945).
Im Zweiten Weltkrieg fielen 54 Männer aus Mitzmanns, 35 blieben vermisst.
Noch vor dem Einmarsch der sowjetischen Armee flohen einige junge Mädchen nach Bayern. Die Sowjets erreichten am 8. Mai den Ort, in der Folge kam es zu Plünderungen und Vergewaltigungen. Der Bürgermeister von Mitzmanns wurde als NSDAP-Repräsentant von sowjetischen Soldaten – angeblich nach Denunziation durch ehemalige osteuropäische Zwangsarbeiter – erschossen.

Vertreibung der deutschen Bevölkerung 1945/46:
Zwischen 1. und 8. August 1945 wurden alle deutschen Bewohner von Mitzmanns „wild“ nach Österreich vertrieben. Bei den Aktionen gegen die deutsche Bevölkerung die schon im Mai und Juni 1945 begonnen hatten, kam es zu Misshandlungen und Todesfällen.
So wurde ein Mann an der österreichischen Grenze angeschossen und gefoltert. Er erlag später seinen Verletzungen im Krankenhaus in Znaim (Znojmo). In weiterer Folge starben ein junges Mädchen und ein Familienvater durch Misshandlungen.

Nach 1945 wurden ca. 25% aller Wohngebäude abgebrochen, der Friedhof verwahrloste. An Stelle des „Moahofes“ wurden Arbeiterreihenhäuser errichtet.

1961 wurde Mitzmanns nach Rausenbruck (Strachotice) eingemeindet.

Wirtschaft und Infrastruktur:

Landwirtschaft: Angebaut wurden Getreide, Zuckerrüben, Mais, Kartoffeln und Gurken. Die Ackerfläche betrug um 1900 ca. 799 ha. Ein Teil wurde vom Meierhof bewirtschaftet. Der Weinbau spielte ebenfalls eine Rolle (39 ha).

Gewerbe: Mühle (ab 1912 nach Brand Neubau mit Sägewerk), Ziegelei und übliches Kleingewerbe.

Einrichtungen: Gemeindebücherei, Armenwohnungen im alten Schulhaus, zuständiges Postamt in Rausenbruck (Strachotice), Bahnstation in Hödnitz (Hodonice), Kontributionsfonds (1747), Freiwillige Feuerwehr (1889), Landwirtschaftlicher Ortsverein (1889), Raiffeisenkasse (1911), Milchgenossenschaft (1911), Turnverein (1921), christlicher Burschenverein (1910), Kulturverband, Gesangsverein (1926), Viehversicherungsverein, Konsumverein.

Unterricht in Mitzmanns gab es bereits 1788. 1822 wurde ein eigenes Schulhaus gebaut, welches 1880 erweitert wurde. 1909 wurde der Schule ein Neubau zur Verfügung gestellt.

Siegel:

Drei gekreuzte Fische im Wappen auf der Mariensäule mit Jahreszahl 1549 deuten auf ein ursprüngliches Fischerdorf hin.

Kulturerbe:

Filialkirche zum Heiligen Schutzengel: 1895 als Kapelle erbaut und 1909 als Filialkirche eingeweiht. Davor stand nur ein Glockenturm. Die Kirche war nach Zulb (Slup) eingepfarrt.

Im Oberort steht die Bildsäule Muttergottes von Dreieichen, welche im Sockel das Gemeindewappen (3 Fische) und darunter die Jahreszahl 1549 zeigt. Renoviert wurde sie 1804 von Josef Unger.

Dreifaltigkeitssäule (am Weg Richtung tsch.-österr. Grenze) und Pestsäule.

Weblinks:

Genealogie:

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