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Garschnthal

Ortsansicht von Garschönthal um das Jahr 1900

Ansicht von Garschönthal

Tschechischer Name: Úvaly

Fläche: 1.066 ha

Einwohner 1910: 657 in 152 Häusern (648 dt.), 1930: 732 in 170 Häusern (630 dt.), 2001: 142.

heutige Gemeindezugehörigkeit: Valtice (Feldsberg)

heutiger Verwaltungsbezirk: Břeclav (Lundenburg)

Matriken: seit 1615 bei Feldsberg (Valtice)

Grundbücher: seit 1724.

Geschichte:

Garschönthal dürfte um die Mitte des 11. Jh. entstanden sein. Dieser Landstrich war Königsgut, wichtig für die Verteilung und wurde nur als Lehen vergeben.

1269 ist „Garssenthal“ in einem Stiftungsbrief erstmals erwähnt. Agnes, die Mutter des Truchsessen Albero von Feldsberg (ein Seefelder) stiftete demnach für das Kloster in Imbach (im Kremstal) jährlich drei Pfund, von ihren Gütern in Garschönthal.

In kirchlicher Hinsicht unterstand das Gebiet den Bischöfen von Passau, später gewann das Chorherrenstift von Klosterneuburg immer mehr an Einfluss. Auch die Babenberger hatten Besitzungen und bemühten sich um mehr Einfluss, da sie versuchten, die Grenzen ihrer Länder zu sichern.
Den Pfarrchroniken verdanken wir meist die Kenntnisse über die Geschichte der umliegenden Dörfer, in denen die Herrschaft oft wechselte und es nicht selten einige Grundherren nebeneinander gab.

1386 kam der Ort zur Herrschaft Liechtenstein.
1419 verlieh Hartmann von Liechtenstein dem Mathias von Garsenthal mehrere Güter.
Während der Hussitenkriege, wurden die Dörfer im offenen Land zwischen 1421 und 1440 Opfer von Raubzügen. Auch im Dreißigjährigen Krieg und in den Kriegen gegen das Osmanische Reich („Türkenkriege“) kam es zu Plünderungen. 1466 verkauften die Brüder Hans und Heinrich Härlinger ihre Güter in Garschönthal und Schrattenberg an Johann von Liechtenstein.

Garschönthal gehörte lange zur Pfarre Falkenstein und später zur Pfarre Steinebrunn.
In der Zeit der Reformation hatten die evangelischen Fünfkirchner ihrer Pfarre Steinebrunn die Dotation entzogen worauf die Pfarre aufgelassen wurde.
1719 wurde Garschönthal in die Pfarre Drasenhofen eingegliedert, doch 1759 der Pfarre Schrattenberg zugeteilt. Der Zehent musste allerdings weiter nach Falkenstein geliefert werden. Dadurch kam es zu langwährenden Konflikten.
Ab 1783 kam Garschönthal endgültig zur Pfarre Schrattenberg. Die Konflikte blieben aber weiter bestehen.

1841 wurde eine größere Kapelle errichtet. Im Jahr 1848 endete die Grundherrschaft.
Bald darauf wurden neue politische Verwaltungsbezirke gebildet. Garschönthal war Bestandteil des Bezirkes Mistelbach im Erzherzogtum unter der Enns (Niederösterreich).

In den preußisch-österreichischen Auseinandersetzungen im Jahr 1866 wurde die Cholera durch preußische Soldaten eingeschleppt, der 37 Ortsbewohner zum Opfer fielen.

Mit Hilfe der Fürsten Liechtenstein wurde 1883 die Kapelle in ein Gotteshaus mit Kirchturm umgebaut. Dies entspricht auch dem heutigen Erscheinungsbild.

Erst 1928, nach der Errichtung der Tschechoslowakischen Republik und der neuen Staatsgrenze wurde Garschönthal bei Feldsberg (Valtice) eingepfarrt (Diözese Brünn).
Politisch gehörte Garschönthal nun zum Bezirk Nikolsburg (Mikulov), der nach der Angliederung an das nationalsozialistische Deutsche Reich 1938 mit Teilen der Bezirke Auspitz (Hustopeče) und Göding (Hodonín) zum Kreis Nikolsburg wurde.

Der Zweite Weltkrieg forderte 38 Opfer aus dem Ort.

Vertreibung 1945/46:
Viele Dorfbewohner flohen vor den einsetzenden Gewaltexzessen über die nahe Grenze nach Österreich oder wurden von militanten Tschechen („Revolutionsgardisten“) „wild“ vertrieben.
1946 erfolgte der „organisierte“ Abtransport der restlichen deutschen Bevölkerung im Zuge des „Potsdamer Protokolls“ nach Westdeutschland. 85% (546) der Vertriebenen Bewohner konnten in Österreich eine Bleibe finden, die restlichen 15% (75) zogen weiter nach Deutschland und zwei wanderten nach Australien aus. Es gibt die folgende Aufteilung der Garschönthaler in Österreich nach 1945: Wien (161), Schrattenberg (50), Steinabrunn (38), Hauskirchen (24), Drasenhofen (23), Mistelbach (19), Wilfersdorf (16), Poysbrunn (15), Wetzelsdorf (11) und Zistersdorf (11).

Zum Gedenken an die Vertreibung der Garschönthaler Bevölkerung wurde am Mistelbacher Friedhof ein Gedenkstein errichtet.

In den kommenden Jahrzehnten wurde das Dorf sukzessive aufgegeben, da es nahe an der tschechoslowakisch-österreichischen Grenze lag und somit am „Eisernen Vorhang“, dessen Grenzbefestigungen ab den 1950er Jahren aufgebaut worden waren.

1964 wurde Garschönthal nach Feldsberg (Valtice) eingemeindet. Die 40 oder 50 Neusiedler bewohnten einige wenige Häuser, die übrigen verfielen und wurden ausgeschlachtet. Der Grund wurde einer Kolchose zugestanden. Über die Ruinen des alten Dorfes waren Robinien und Weiden gewachsen. Seit 1989 ist die hermetisch abgeriegelte Grenze Geschichte und die grenznahen Gebiete sind wieder frei zugänglich. Heute hat Garschönthal wieder ca. 150 Einwohner.

Wirtschaft und Infrastruktur:

Landwirtschaft: Feld-, Obst- und Weinbau. Meist mittlere und Kleinbauern. Vielseitiger Anbau begünstigt durch das Klima, wobei der Weinbau eine besondere Rolle spielte; der Absatz, bedingt durch die Abgelegenheit, war mit großen Schwierigkeiten verbunden, besonders in der Zeit der Wirtschaftskrise der Zwischenkriegszeit.
Der Weinbau der Liechtensteiner beschäftigte meist einheimische Arbeitskräfte. Der Herrschaftswald wurde später gerodet, die gewonnenen Flächen an die Bauern verpachtet.

Gewerbe: Kleingewerbe. Die meisten Gewerbetreibenden waren zugleich auch Nebenerwerbsbauern. Es gab Greissler, Wagnermeister, Schmiede, Bäckerei, Gasthaus, Tischlerei, Schuhmacher, Schneider und Zimmerei.
Die Ziegelei mit rund 60 Arbeitsplätzen wurde in den 1930er Jahren aufgelassen, die meist zugezogenen Arbeiter wanderten wieder ab.

Einrichtungen: zweiklassige Schule (Neubauten 1833, 1867, 1888, erste Schule 1783 nachweisbar), Gemeindebücherei, Armenhaus, Freiw. Feuerwehr (1897), Raiffeisenkasse (1902), einige Vereine.

Kulturerbe:

Filialkirche St. Stanislaus (zu Feldsberg): 1842 nach Plänen von Arch. Josef Popelak als Kapelle anschließend an den schon bestandenen Glockenturm angebaut. Erweiterung zur Kirche 1883. Glocke mit dem Bild der hl. Elisabeth von 1790. Zweite Glocke von Bartl Koffer in Wien 1850 gegossen. Im Jahr 1993 mit Hilfe der Erzdiözese renoviert und wieder eingeweiht.

Kapelle aus dem 17. Jh. beim Friedhof.

Christophorus-Statue im Park neben der Kirche.

sieben Marterln in der Umgebung.

Siegel:

Die Garschönthal betreffenden Urkunden bis zum 16. Jh. trugen die Siegel der jeweiligen Herrschaftsinhaber. Ein eigenes Dorfsiegel, welches auch später als Gemeindestempel verwendet worden wäre, konnte nicht nachgewiesen werden.

Bedeutende Persönlichkeiten:

Rudolf Johann Geist (*13.06.1900, +28.04.1957 Wien), Lyriker und Erzähler.

Weblinks:

Genealogie:

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