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Frischau

Ansicht von Frischau

Ortsansicht von Frischau

Tschechischer Name: Břežany u Znojma, bis 1949: Fryšava oder Vršava.

Fläche: 1.782 ha

Einwohner 1910: 1.060 in 225 Häusern (1.054 deutsch), 1930: 1.216 in 255 Häusern (955 deutsch), 2010: 915.

heutiger Verwaltungsbezirk: Znojmo (Znaim)

Matriken: seit 1744.

Lage:

Frischau liegt 206 m über dem Meer, 23 km östlich von Znaim (Znojmo) sowie nordwestlich von Hrušovany (Grusbach) in der Thayaebene. Nachbarorte sind Dolenice (Tullnitz) und die Ansiedlung Ležák im Norden, Litobratřice (Leipertitz) im Nordosten, Pravice (Probitz) im Südosten, Čejkovice im Westen sowie Mackovice (Moskowitz) im Nordwesten.

Geschichte:

Es ist anzunehmen, dass der Ort ein Teil des 1205 gestifteten Gründungskapitals von Markgraf Vladislav Heinrich an das Kloster Velehrad war. Jedenfalls gehörte er zum Klosterbesitz.

Die erste urkundliche Erwähnung erfolgte im Zuge der Erhebung der Kirche St. Bartholomäus zur Pfarrkirche durch den Bischof Robert von England als „Vrishan“ im Jahr 1222. Die Schreibweise änderte sich im Lauf der Jahrhunderte. So wurde der Ort als „Vrischaw“ 1338 von Markgraf Karl zum Markt erhoben und erhielt die Hochgerichtsbarkeit. Durch Seuchen und Raubzüge wurde der Ort in den nächsten Jahrhunderten fast menschenleer. Von 1347 bis 1349 wütete die Pest in Frischau und der Ort wurde bis 1681 noch öfters von der Seuche heimgesucht.

Die Herrschaft des Klosters dauerte bis 1490 an. In dieser Zeit erlebte Frischau seine Hochblüte. In der Folgezeit wechselten die Besitzer häufiger.
Im Jahr 1560, als Vratislav von Pernstein Gut und Herrschaft an Johann von Žerotín abtgetreten hatte, war der Ort derart heruntergewirtschaftet, dass Marktrecht und Gerichtsbarkeit verfielen.

Auch die Täufer siedelten um 1570 in Frischau. Um 1574 erwarb Peter Čertorejský von Čertorej die Güter Frischau und Grusbach (Hrušovany nad Jevišovkou). Wegen der Beteiligung seiner Familie am Aufstand gegen die kaiserliche Regierung 1618, wurden deren Güter 1620 konfisziert. Im Dreißigjährigen Krieg wurde der Ort mehrmals sowohl von kaiserlichen (1619, 1622), als auch von schwedischen (1645) Truppen geplündert. 1619 wurde er fast ganz zerstört. Die Täufergemeinde wurde aufgrund der gegenreformatorischen Bewegung aus Frischau vertrieben.

Ab dem Jahr 1672 ist die Bezeichnung „Frischau“ für den Ort bekannt. Nach mehrmaligen Besitzerwechseln im 17. Jh. übernahmen die Liechtensteiner 1692 die Allodialherrschaft über Frischau. Von diesen wurde im Jahr 1713 auch das Schloss errichtet.
Das Stift Klosterbruck, welches das Pfarrpatronat seit 1539 über Frischau inne hatte, richtete 1744 wieder eine eigene Pfarre in Frischau ein (bis dahin war Frischau in Grillowitz eingepfarrt).
Unter den Liechtensteinern wurde 1771 auch die spätbarocke Kirche gebaut.

1805 und 1809 schleppten französische Truppen die Cholera ein. Die Seuche brach 1831 und 1866 erneut aus, weshalb ein eigener Friedhof (Cholerafriedhof) für die Opfer angelegt wurde.

In den Jahren 1818/19 wurde das Schloss unter Moritz von Liechtenstein umgebaut und im Stil der Zeit ein englischer Landschaftspark angelegt.
Nachdem 1848 die Patrimonialherrschaft abgeschafft worden war, wurde Frischau zu einer selbständigen Gemeinde im Bezirk Znaim (Znojmo). Zuständiger Gerichtsbezirk war Joslowitz (Jaroslavice). Die übliche Infrastruktur (Feuerwehr, Postamt, Schule) wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jh. eingerichtet. Auch erhielt Frischau 1870 einen Anschluss an das Bahnnetz.

Der Erste Weltkrieg forderte 33 Gefallene und Vermisste aus dem Ort. Nach der Errichtung der Tschechoslowakei wurde der fürstliche Eigenbesitz (Meierhof) konfisziert und aufgrund der Bodenreform 1924 hauptsächlich unter tschechischen Siedlern aufgeteilt. Das Schloss wurde 1925 an die Kongregation der St. Hedwig-Schwestern übergeben durch die darin ein Heim für hilfsbedürftige Kinder und Jugendliche einrichteten.

1938 kam Frischau zum Landkreis Znaim (Znojmo) in „Niederdonau“ wo es bis zum Ende der NS-Diktatur und des Zweiten Weltkrieges verblieb.

Am 6. Mai 1945 in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges zerstörte ein Bombenangriff viele Häuser und forderte zwei Tote. Der Krieg kostete insgesamt 87 Opfer aus dem Ort (gefallen oder vermisst).

Vertreibung der deutschen Bevölkerung 1945/46:
Von den deutschen Einwohnern wurden 200 aus ihren Häusern getrieben und in ein Lager in Znaim (Znojmo) zur Zwangsarbeit verschleppt.
Dabei starben vier Einwohner an den Folgen der Misshandlungen, drei blieben verschollen. Die Zwangsaussiedlung der restlichen rund 500 Frischauer infolge des „Potsdamer Protokolls“ erfolgte zwischen Juli und September 1946 nach Westdeutschland. Von den Vertriebenen konnten 156 in Österreich bleiben während die restlichen nach Deutschland transferiert wurden (600 nach Baden-Württemberg, 117 nach Bayern). Eine Familie wanderte nach Schweden und zwei in die USA aus.

Wirtschaft und Infrastruktur:

Landwirtschaft: Auf den 1.557 ha Ackerfläche wurden um 1900 vor allem Getreide, Kartoffeln, Mais, Futter- und Zuckerrüben sowie Gemüse angebaut. Daneben wurden Obst- und Weinbau betrieben. Letzterer ging allerdings bis 1945 immer mehr zurück.

Gewerbe: Neben dem herrschaftlichen Meierhof gab es eine Schnapsbrennerei und florierendes Kleingewerbe in Frischau.

Einrichtungen: Volksschule (1834 erbaut, 1907 erweitert auf drei Klassen), Gemeindeschule (1727), tschechischsprachige Schule (1931, 1939-1945 deutschsprachige Hauptschule), Gemeinde- (1932) und Postamt (1870), Gendarmerieposten, Raiffeisenkasse und Milchabgabestelle (1929), Elektrifizierung (1929), Freiwillige Feuerwehr (1897).

Kulturerbe:

Pfarrkirche Mariae Verkündigung: Rokokobau aus 1765/71 nach den Plänen von Bartholomäus Zinner aus Brünn (Brno). Saalartiges Langhaus mit Spiegelgewölbe. Halbkreisförmig abgeschlossene Apsis; Hochaltar in die Architektur eingebunden, reich figürlich stukkiert, ebenso die beiden Nebenaltäre. Alle Altarblätter von Eichstätt. Orgel von Sieber aus Brünn (Brno) 1773.

Schloss: 1713 mit vier langgestreckten Flügeln um rechteckigen Hof. Im Hof Lauben mit Rustikabänderung. Südflügel 1818 klassizistisch. Schloss 1818/19 vollständig umgebaut und mit englischem Landschaftspark umgeben. Bis zum Umbau befand sich im Schloss eine bedeutende Gemäldesammlung, die Moritz von Liechtenstein an den Grafen von Desfours verkaufen wollte. Allerdings ging diese beim Transport nach London verloren. Ab 1925 diente das Schloss u.a. als lokale Stelle des Klosters der St. Hedwig-Schwestern mit Kinder- und Altenheim).

Bildsäulen: Dreifaltigkeit, Statuen der Hl. Joh. von Nepomuk und Florian, alle aus erster Hälfte des 18. Jh., Bildstock der hl. Maria.

Pfarrhof von 1744.

Persönlichkeiten:

  • Franz Hilmer (*6.Oktober 1892; +26.Oktober 1975 München), Direktor des Zentralverbandes der deutschen Landwirtschaftlichen Genossenschaften in Brünn
  • Anna Wamboldt von Umstadt (*1907;+24. Mai 1986 Neutrauchburg), Künstlerin für religiöse Plastiken.

heimatkundliche Literatur:

  • Hora, Johann/Muthny, Josef: Heimatbuch der Gemeinde Frischau, 1972.
  • Hörmann, Karl: Die Herrschaften Grusbach und Frischau unter den Herren Breuer (1622 – 1668), Geislingen/Steige 1997.

Weblinks:

Genealogie:

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