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Großrammerschlag

Spiritusbrennerei

Tschechischer Name: Velký Ratmírov

Fläche: 1.359 ha

Einwohner 1910: 420 in 72 Häusern, (384 deutsche Ew.), 1930: 382 in 81 Häusern (331 deutsche Ew.), 2010: 217.

heutiger Verwaltungsbezirk: Jindřichův Hradec (Neuhaus)

Matriken: seit 1651 bei Riegerschlag (Lodhéřov)

Lage:

Groß Rammerschlag liegt 5,5 km nordwestlich von Neuhaus (Jindřichův Hradec) auf 525 m Höhe. Das Angerdorf besteht aus den Ortsteilen Klenau, Försterei und Prokopihof.

Geschichte:

1255 wurde Groß Rammerschlag urkundlich erwähnt. Nach anderen Quellen als „Radmirow“ erst 1420. Dieser Name leitete sich vermutlich von Ratmír von Neuhaus ab. Der Zusatz „Groß“ wurde 1568 hinzugefügt, um die Ortschaft vom östlich von Neuhaus (Jindřichův Hradec) gelegenen Klein Rammerschlag zu unterscheiden. Das zunächst als „Groß Romerschlag“ bezeichnete Dorf bekam im 19. Jh. seine endgültige Namensform.

Im 16. Jh. wurde in der Region Silberbergbau betrieben. Ebenso gab es eine Glashütte.
Im Dreißigjährigen Krieg wurde Groß Rammerschlag 1631 von kaiserlichen Truppen geplündert. Im 17. Jh. war Groß Rammerschlag Sitz eines Dorfrichters. Im Jahr 1848 endete die Grundherrschaft der Herrschaft Neuhaus.
1908 zerstörte ein Großbrand das halbe Dorf.

Der Zweite Weltkrieg forderte 20 Opfer aus dem Ort.

Vertreibung 1945/46:
Am 30. Mai 1945 wurden die deutschen Einwohner von „Revolutionsgardisten“ aus dem Ort gejagt. Von den acht dabei genommenen Geiseln wurden zwei in Neubistritz (Nová Bystřice) inhaftiert. Der Vertriebenenzug verlief über Jindřichův Hradec (Neuhaus) und Neubistritz (Nová Bystřice) über die Grenze nach Österreich. Sechs Familien (30 Personen) konnten in Österreich bleiben, während die restlichen 52 (264 Personen) auf Verlangen der sowjetischen Besatzungsmacht nach Deutschland abgeschoben wurden.

Wirtschaft und Infrastruktur:

Landwirtschaft: Anbau von Roggen, Hafer, Klee, Gerste und Kartoffeln (Flachs bis 1914), Viehzucht (1910: 456 Rinder, 145 Schweine, 32 Pferde) und Waldwirtschaft (um 1900 ca. 593 ha).

Gewerbe: Handwerker (Schmied, Tischler, Wagner, Schneider Schuhmacher), Spiritusbrennerei (1914), Gasthaus, Greissler.

Einrichtungen: zweiklassige Volksschule (1896), Forst- und Hegerhaus, Meierhof, zuständiges Postamt in Neuhaus (Jindřichův Hradec), Freiwillige Feuerwehr (1891), Spiritusbrennereigenossenschaft (1914), Elektrizitätsgenossenschaft (1927).

Kulturerbe:

Filialkirche zu den hl. Schutzengeln: 1889, mit Hauptaltar, zwei Nebenaltären und großer Empore, nach Riegerschlag (Lodhéřov) eingepfarrt.

Pestsäule von 1630, außerhalb am Waldrand.

Persönlichkeiten:

  • Franz Schneider (*1. Oktober 1794, +17. März 1858), Priester und Schriftsteller.
  • Mathias Wonesch (*28. Jänner 1848, +27. April 1932 Budweis/České Budějovice), Dompropst in Budweis (České Budějovice).
  • Wenzel Wonesch (*1868, +25. Dezember 1934 Budweis/České Budějovice), Pädagoge, Direktor der Lehrerbildungsanstalt Budweis (České Budějovice) 1910-1930.
  • Wenzel Zettl (*26. September 1883, +?), Pädagoge, Fachschriftsteller ind Bürgerschullehrer in Brüx.

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