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Irritz

Wappen

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Tschechischer Name: Jiřice u Miroslavi

Fläche: 854 ha

Einwohner 1910: 684 in 167 Häusern (658 deutsche Ew.), 1930: 708 in 189 Häusern (666 deutsche Ew.), 2010: 426.

heutiger Verwaltungsbezirk: Znojmo (Znaim)

Matriken: seit 1635. Ab 1831 bei Mißlitz (Miroslav).

Lage:
Irritz liegt in 198 m Höhe südöstlich von Mißlitz (Miroslav). Nachbarorte sind Treskowitz (Troskotovice) im Osten, Leipertitz (Litobratřice) im Süden, Tullnitz (Dolenice) und Damitz (Damnice) im Westen sowie Dornfeld (Trnové Pole) im Norden.

Geschichte:

Irritz wurde 1357 erstmals als zugehörig zur Herrschaft Mährisch Kromau (Moravský Krumlov) erwähnt. Von 1385 bis 1581 war der Ort Besitz des Brünner Klarissinenklosters. 1609 wurde im Ort ein Schloss gebaut. Ab 1634 gehörte Irritz zur Propstei Nikolsburg (Mikulov). Während des 17. Jh. erfolgte die Markterhebung. Im Jahre 1831 brannten 27 Wohnhäuser und die Kirche völlig aus. Daraufhin fanden alljährlich bis 1939 Wallfahrten nach Lechwitz (Lechovice) statt.

Bei der Errichtung neuer Verwaltungsbezirke Mitte des 19. Jh. kam Irritz zum Bezirk Mährisch Kromau (Moravský Krumlov).

Infolge der preußischen Invasion im Jahre 1866 wurde die Cholera auch in Irritz eingeschleppt. Innerhalb von vier Wochen starben laut Sterbematrik 99 Personen und 16 preußische Soldaten. Im Jahre 1882 wurde die Freiwillige Feuerwehr in Irritz gegründet.

22 Soldaten der Gemeinde mussten im Ersten Weltkrieg an den Fronten ihr Leben lassen.

Während der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft gehörte Irritz dem 1939 neu gebildeten Kreis Znaim (Znojmo) an.

Der Zweite Weltkrieg forderte 53 Irritzer Opfer.

Vertreibung der deutschen Bevölkerung 1945:
Nachdem Irritz am 08. Mai 1945 von russischen Truppen besetzt worden war, kamen tschechische Revolutionsgardisten, die mit gewaltsamen Vertreibungsatkionen gegen die deutsche Bevölkerung begannen. Viele deutsche Bewohner flüchteten vor den Exzessen über die nahe Grenze nach Österreich (31 von ihnen durften später dort bleiben). Die restlichen deutschen Irritzer bis auf drei Personen wurden in drei Transporten nach Bayern ausgewiesen. Der erste Transport wurde am 18. 01. 1946, der zweite am 03. 04. 1946 und der letzte am 15. 06. 1945 angeordnet. Pro Person durften nur 50 kg Gepäck mitgenommen werden, wobei viele tatsächlich mit weniger in ihrer neuen Heimat ankamen, da sie zuvor noch ausgeplündert worden waren. Drei Personen kamen nach 1945 in tschechischen Internierungslagern ums Leben.

Wirtschaft und Infrastruktur:

Landwirtschaft: Bis auf knapp 60 ha war die gesamte Gemeindefläche um 1900 Ackerland. Auf 8 ha wurde außerdem Weinbau betrieben. Mit ca. 400 Rindern und fast ebenso vielen Schweinen besaßen die Irritzer gemessen an der Einwohnerzahl auch einen beachtlichen Viehbestand. Diesem standen knapp 8 ha Weiden zur Verfügung. Insgesamt gab es ca. 150 landwirtschaftliche Betriebe und den Gutshof.

Gewerbe:
Kunstmühle, Schrotmühle, zwei Wirtshäuser, Kleingewerbe (Händler, Schmiede, Tischler, Schlosser, Schuster, Schneider, Sattler, Dachdecker, Wagner, Fleischhauer).

Einrichtungen:
Postamt, Volksschule (1908), Kindergarten, Gemeindeamt mit Gemeindebücherei, Pfarramt mit Pfarrbücherei, Armenhaus, Arzt (bis 1928), Elektrifizierung (1928), Freiw. Feuerwehr (1882), Raiffeisenkasse, Milchgenossenschaft (1923).

Kulturerbe:

Pfarrkirche St. Anna:, 1902 anstelle der 1831 durch Brand zerstörten alten Kirche gebaut. Die alte Kirche (hl. Ulrich) stammte aus 1507. Neubau mit Westturm, basilikaler Bau mit Querschiffen.

Statue des hl. Johannes v. Nepomuk (1724) an Stelle eines Prangers.

Schlösschen mit Meierhof (1750).

Synagoge und jüdischer Friedhof.

Siegel:

Das älteste Siegel stammt aus 1609. Es zeigt ein Renaissanceschild, worin sich ein mit einem Ring endender Stab befindet, dessen Spitze mit einer halben heraldischen Lilie und einem halben sechsstrahligen Stern versehen ist. Diese Symbolik ist auch im Wappen des Ortes erhalten.

Persönlichkeit:

  • Ernest Maria Müller (*30.06.1822 Irritz; +28.09.1888 Linz) ab 1858 Professor für Moraltheologie in Wien, wurde am 17. 02. 1885 Bischof in Linz.

heimatkundliche Literatur:

Sofka, Edmund: Heimatbuch der Gemeinden Irritz – Damitz – Tullnitz, 1975.

Weblinks:

Genealogie:

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