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Klein_Olkowitz

Tschechischer Name: Oleksovičky

Einwohner 1910: 415 in 84 Häusern (alle dt.), 1930: 400 in 93 Häusern (379 dt. Ew.).

heutiger Verwaltungsbezirk: Znojmo (Znaim)

Matriken: seit 1650 bei Zulb (Slup)

Lage:

Klein Olkowitz liegt in 190 m Höhe. Direkt benachbart ist Zulb (Slup) im Westen. Im Osten liegt der Fischteich Zámecký rybník (Schlossteich). Im Südosten liegt Joslowitz (Jaroslavice). Jenseits der nördlich von Klein Olkowitz fließenden Thaya liegt Klein-Grillowitz (Křídlůvky).

Geschichte:

1190 wird Klein Olkowitz erstmals erwähnt. Der Ort war bis 1540 unter der Herrschaft des Prämonstratenserstifts Bruck. Danach kam er an die Herrschaft Joslowitz (Jaroslavice) und verblieb bei dieser bis 1848. Der Ortsname erscheint 1672 und 1720 mit dem Zusatz „Klein“.

Im Jahr 1790 wurde neues Ackerland gewonnen, indem der aus dem Danitzbach gespeiste Teich trocken gelegt wurde.
Die Ortschaft war allerdings dreimal von Hochwasser betroffen (1830, 1862, 1900).
1890 und in den folgenden Jahren fiel der Weinbau der Reblausplage zum Opfer. Um 1905 wurden wieder veredelte Trauben gezüchtet.

Im Ersten Weltkrieg fielen zwölf Klein Olkowitzer.

Im Zuge der Befestigung der Grenzen mit militärischen Anlagen durch tschechoslowakisches Militär 1936-1938 wurden auch im Klein Olkowitzer Ortsgebiet fünf Bunker errichtet.

Unter nationalsozialistischer Verwaltung wurde Klein Olkowitz 1939 nach Zulb (Slup) eingemeindet. Die Gemeinde gehörte bis 1945 zum damaligen Kreis Znaim (Znojmo).
Der Zweite Weltkrieg forderte 22 Opfer unter den Klein Olkowitzer Soldaten.
Am 7. Mai 1945 rückten die letzten Teile der Wehrmacht ab, wobei sie die Brücken über den Mühlbach sprengten. Bereits einen Tag später drangen sowjetische Soldaten in den Ort ein. Es kam zu Plünderungen und Vergewaltigungen.

Vertreibung der deutschen Ortsbevölkerung 1945/46:
Anfang Juni kamen erste tschechische Hausbesetzer und nahmen die Höfe der Olkowitzer Bauern an sich. Diese mussten als Knechte für die Hausbesetzer arbeiten, die selbst zum Großteil keine Landwirte waren. Zu Fronleichnam wurden vier Männer in das Internierungslager Znaim (Znojmo) gebracht, drei Wochen später vier weitere. Am 8. August mussten die deutschen Bewohner den Ort verlassen.
Im ersten Transport waren 54 Familien. Diese durften nur 50 kg Gepäck mitführen. Wertvolles musste zurückgelassen werden (etwa Sparbücher oder Dokumente). Nun wurden die ehemaligen Einwohner über Zulb (Slup), Rausenbruck (Strachotice), Mitzmanns und Joslowitz (Jaroslavice) nach Österreich vertrieben. An der Grenze wurde das Gepäck von tschechischen Bewachern und Zöllnern noch einmal nach Wertvollem und Brauchbarem durchsucht. Mit dem nächsten Transport im März 1946 folgten die restlichen Einwohner von Klein Olkowitz.

Von den Einwohnern blieben 14 Familien in Österreich, während die übrigen nach Deutschland kamen.

Wirtschaft und Infrastruktur:

Landwirtschaft: Von der verhältnismäßig kleinen Gemeindefläche nahmen die Weingärten mit 50 ha einen beachtlichen Anteil ein, was die Bedeutung des Weinbaues unterstreicht. Auf den 188 ha Ackerland wurden Getreide- und Gemüseanbau betreiben. Auch Obst wurde kultiviert.

Gewerbe: Drei Ziegeleien, Greissler, Fleischhauer, Schmied, Schreiner, Wagner, Schneider, Maurer, eine Trafik.

Einrichtungen: Post in Joslowitz (Jaroslavice), Schule in Zulb (Slup), Gemeindeamt mit Gemeindebücherei, Raiffeisenkasse (1924) Milchsammelstelle (1925), Armenhaus (1935), Milchgenossenschaft (1919/20), Freiwillige Feuerwehr (1937), Elektrifizierung (1929/30), vier Gemeindebrunnen.

Kulturerbe:

Glockenhaus: Glockenweihe 1921 nach Requirierung im Ersten Weltkrieg.

Dreifaltigkeitssäule (1832).

„Schwedenkreuz“ auf dem Alten Berg,

Siegel:

Der Ort soll ein Siegelbild besessen haben. Es zeigte ein Herz mit drei daraus hervorsprießenden Blumen. Nach 1848 benutzte die Behörde nur noch einen Rundstempel mit einer Zier-Rosette in der Mitte.

heimatkundliche Literatur:

Bauer, Karl: Ortsgeschichte von Klein-Olkowitz, 1951 (unveröffentlichtes Manuskript).

Weblinks:

www.europas-mitte.de Ortsbeschreibung von Gerd Hanak.

Genealogie:

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