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Absicht von Milleschitz

Tschechischer Name: Milíčovice

Fläche: 680 ha

Einwohner 1910: 307 in 76 Häusern (302 dt. Ew.), 1930: 319 in 78 Häusern (207 dt. Ew.), 1961: 265.

heutiger Verwaltungsbezirk: Znojmo (Znaim)

Matriken: seit 1705 bei Luggau.

Lage:

Milleschitz liegt 390 m über dem Meer. Nachbarorte sind Žerůtky u Znojma (Zierotek) im Norden, Citonice (Edmitz) im Osten, Bezkov (Weskau) im Südosten, Luggau (Lukov) im Süden, Oberfröschau (Horní Břečkov) im Südwesten und Edenthurn (Vracovice) im Westen.

Geschichte:

Milleschitz gehörte zu verschiedenen Herrschaften. 1349 urkundlich als „Miloschowiecz“ (1365 „Mylleschicz“), wahrscheinlich nach dem Stadtkämmerer Milic benannt. Die Wälder gehörten damals zum Kloster Bruck und dem Burggrafen von Znaim (Znojmo). Später kam der Ort zur Herrschaft Neuhäusl (Nový Hrádek) und ab 1645 zur Herrschaft Frain (Vranov).

Zwischen 1425 und 1431 erfolgte mehrmals eine Zerstörung des Ortes durch hussitische Heere. Ab diesem Zeitpunkt war Milleschitz eine Ödung. Im Jahr 1515 wurden Siedler aus dem Gebiet des heutigen Niederösterreich angesiedelt. Die neue Ansiedlung wurde 1540 von den neuen Siedlern ca. einen Kilometer südlich von der alten errichtet. In der Reformationszeit wurde die Pfarre von Milleschitz vorläufig lutherisch.

Zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges (1618) gehörte Milleschitz noch den Herren von Neuhäusl (Nový Hrádek), deren Burg später von den Schweden zerstört wurde.
Von 1645 bis 1848 gehörte Milleschitz zur Herrschaft Frain (Vranov).

Nach der Einführung der Schulpflicht unter Maria Theresia im 18. Jh. besuchten die Milleschitzer Kinder die Schule in Luggau (Lukov).
1805 und 1809 wurde im Rahmen der Napoleonischen Kriege der Ort von französischem Militär besetzt.

1860 wurde die Postlinie von Vöttau nach Znaim eingerichtet und ein Einkehrgasthaus eröffnet. 1866 wurden preußische Truppen während des Preußisch-Österreichischen Krieges einquartiert.
1898 ließ man zum fünfzigjährigen Regierungsjubiläum von Kaiser Franz Joseph II. den sogenannten Kaiserwald pflanzen. 1901 wurde die Straße zum Bahnhof in Wolframitzkirchen (Olbramkostel) gebaut.

Im Ersten Weltkrieg waren 14 Gefallene und Vermisste zu beklagen.

Nachdem der Ort nach 1918 Bestandteil der Tschechoslowakei geworden war, wurde die deutschsprachige Schule zu einer tschechischsprachigen Minderheitenschule für 10 Kinder, während die 30 deutschen Schüler über ein Jahr die Schule in Oberfröschau (Horní Břečkov) besuchen mussten. Ab 1921 wurden sie privat unterrichtet. 1937 wurde von der Behörde die Genehmigung zur Erbauung einer Privat-Kulturverbandsschule erteilt. Das Schulgebäude wurde 1938 aus Spendenmitteln des „Deutschen Kultur Verbandes“ erbaut. Nach der Angliederung an den nationalsozialistischen „Reichsgau Niederdonau“ im Herbst 1938 stand die ursprüngliche Schule den Kindern wieder zur Verfügung. Das neue Schulgebäude diente dann als Kindergarten. Während der NS-Herrschaft war Milleschitz dem Kreis Znaim (Znojmo) behördlich unterstellt. Im Zweiten Weltkrieg zählte Milleschitz unter seinen männlichen Einwohnern zwölf Gefallene.

Vertreibung der deutschen Bevölkerung 1945/46:
Am 21. und 29. Juni 1945 wurden alle deutschmährischen Bewohner aus Milleschitz unter Bewachung über die Grenze nach Hardegg (Österreich) getrieben. An der Grenze war Ihnen noch mitgeführtes Eigentum wie Sparbücher, Schuhwerk, Wäsche und Kleidung abgenommen worden. Nach einem Jahr Aufenthalt in Österreich sind 80% der Milleschitzer mit den darauffolgenden Transporten nach Deutschland zwangsausgesiedelt worden.

Wirtschaft und Infrastruktur:

Landwirtschaft: Neben fast allen Getreidesorten wurden auch Kartoffeln, Rüben, Klee und Hülsenfrüchte angebaut. Die 1900 ausgewiesene Ackerfläche der Gemeinde betrug 537 ha. Auch die Viehzucht spielte eine Rolle (Pferde-, Rinder- und Schweinezucht). So gab es bei ca. 300 Einwohnern um 1900 fast ebenso viele Rinder im Ort. Ca. 50 Prozent des Gemeindegebietes waren Wiesen und ca. 50 Prozent Wald.

Gewerbe: Sägewerk, Gasthaus, Greissler (Lebensmittelhandlung), Schmied, Wagner, Tischler, Schuhmacher.

Einrichtungen: Feuerwehrvereinshaus und Depot (1893), Milchhaus mit Eiskeller (1902), Omnibusverbindung nach Znaim (Znojmo) und Frain (Vranov), die Elektrifizierung erfolgte 1929; Feuerwehr (1892), Feuerwehr-Konsumverein (1894), Milchgenossenschaft (1901).

Schule: Volksschule (Neubau 1908) einklassig, ab ca. 1920 tschechischsprachige Schule.

Kulturerbe:

Kirche Mariä Himmelfahrt: 1732 als Friedhofskapelle gebaut und Mariae Himmelfahrt geweiht, wurde das Kirchlein 1860 erweitert, erhöht, gepflastert und als Filialkirche der Pfarre Luggau (Lukov) zugeordnet. 1902 bekam sie eine neue Orgel, 1905 zwei neue Fenster (mit Bildnissen der Heiligen Josef und Anna) sowie ein neuer Tabernakel.

Glockenturm von 1747

Persönlichkeit:

Rudolf Ströbinger (*5. März 1931; † 1. Dezember 2005 Hage, Ostfriesland), deutsch-tschechischer Journalist, Publizist und Autor.

Weblinks:

Genealogie:

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