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Gemeindelacke von Saitz

Kirche von Saitz

Kirche von Saitz mit Kriegerdenkmal

Kriegerdenkmal von Saitz

Am Weg zur Kapelle nach Primitz

Tschechischer Name: Zaječí

Fläche: 1.812 ha

Einwohner 1910: 1.630 in 332 Häusern (1.625 dt. Ew.), 1930: 1.506 in 371 Häusern (1.282 dt. Ew.), 2010: 1.413.

heutiger Verwaltungsbezirk: Břeclav (Lundenburg)

Matriken: seit 1687.

Grundbücher: seit 1652.

Lage:

Zwischen dem Stausee Nové Mlýny (Neumühl) im Westen und Velké Pavlovice (Groß Pawlowitz) im Osten und südöstlich von Auspitz (Hustopeče) auf 248 m Seehöhe.

Geschichte:

Anfangs des 13. Jahrhunderts entstanden, ist Saitz 1252 erstmals urkundlich genannt, als das Kloster Saar mit dem Weinzehent von Saitz ausgestattet wurde.

1255 erwarb das kurz zuvor entstandene Kloster Saar in „Zajechi“ auch Gründe, übernahm die Seelsorge und Ortspfarre, sowie später den Ausbau einer befestigten Wehrkirche. Das Dorf wurde 1385 auf zwei Herrschaften aufgeteilt: etwa drei Viertel kamen zur Herrschaft Groß Pawlowitz und ein Viertel zur Herrschaft Eisgrub (Lednice) und damit zu den Liechtensteinern. 1512 gelangte der größte Ortsteil mit der Herrschaft Groß Pawlowitz an die Herrschaft Göding (Hodonín). Die Ortschaft war daher administrativ jahrhundertelang bis 1850 geteilt (1691 gehörten 25 Häuser mit 46 Bewohnern zu Eisgrub (Lednice) und 77 Häuser mit 82 Einwohnern zur Herrschaft Göding.

In den Jahr 1550 ließen sich die Täufer in der Ortschaft nieder. Sie wurden im Zuge der Rekatholisierung während des Dreißigjährigen Krieges 1622 vertrieben.

1839 erhielt Saitz eine Bahnstation. 1868 wurden die Ortsstraßen mit Öllampen beleuchtet (später Petroleumlampen).

Saitz gehörte nach der Auflösung der Grundherrschaften 1848 zum Bezirk Auspitz (Hustopeče).

Nach einer Reblausplage 1910 dauerte es fast zwanzig Jahre, bis sich die Weinbestände, dank Stockveredelung auf sogenannten „amerikanischen Unterlagen“, erholt hatten.

1930 wurde die weiterführende Schule in Auspitz (Hustopeče) geschlossen, so dass die Kinder aus Saitz nun nach Lundenburg (Břeclav) zur Schule gehen mussten.
Zum Kirtag im Jahr 1932 kam es beinahe zu einem Konflikt, als Angehörige des tschechischen Turnvereins Sokol in Saitz ein Fest veranstalteten. Dem Rat, an diesem Tag nicht auf die Straße zu gehen leisteten viele Folge.

Da nach der Angliederung des mehrheitlich deutschsprachige Teiles des alten Bezirkes Auspitz (Hustopeče) an das nationalsozialistische Deutsche Reich 1938 ein neuer Kreis Nikolsburg (Mikulov) geschaffen worden war, gehörte Saitz bis 1945 diesem Kreis an.

Anfang April 1945 wurde die Bevölkerung zum Ausheben von Panzer- und Schützengräben verpflichtet. Am 16. April wurde den Bewohnern die Räumung der Ortschaft befohlen. Ein Treck gelangte am 17. bis Kautzen im Waldviertel.

Vertreibung 1945/46:
Nach Kriegsende wurden die zurückkehrenden Trecks am 23. Mai von tschechischen „Partisanen“ aufgehalten und die Gespanne beschlagnahmt. In den noch frei stehenden Häusern wurden zwei bis drei Familien untergebracht.
Die deutschen Saitzer mussten in den nächsten Wochen Zwangsarbeit verrichten (später auch in Auspitz/Hustopeče). Wer der Zwangsarbeit entgehen wollte, musste einen Passierschein nach Österreich beantragen. Ein Mann wurde erschossen, weil er seine tschechische Schwiegertochter beschimpft hatte.
Von August 1945 bis Ende Februar 1946 wurden die übrigen deutschen Bewohner in drei Transporten abgeschoben.
Von den rund 1300 Personen die vertrieben worden sind, blieben ca. 200 in Österreich, während der Rest nach Württemberg, Bayern und Hessen abgeschoben wurde. 56 Personen durften in Saitz bleiben.

Wirtschaft und Infrastruktur:

Landwirtschaft: Anbau von Gemüse und Getreide auf 1.257 ha um 1900, Weinbau auf 144 ha.

Gewerbe: Kleingewerbe (darunter auch zwei Dachdecker, zwei Friseure und zwei Damenschneiderinnen).

Einrichtungen: Bahnstation (1839), Postamt (1910), Telegraphenanschluss (1898), Elektrifizierung 1928, Feuerwehr (1886), Raiffeisenkasse, Milchgenossenschaft (1912), Winzergenossenschaft (1935), Jagdgenossenschaft.
Schule: seit 1760, neuere Gebäude 1828 und 1892 entstanden; tschechische Schule für die Kinder der Bahnbediensteten von 1919 bis 1938.

Wappen:

Herrschaft Liechtenstein: nach rechts laufender Hase (1749);
Gödinger Anteil: ein nach links laufender Hase

Kulturerbe:

Pfarrkirche St. Johannes d. Täufers: 1508 spätgotisch errichtet, ursprünglich als Wehrkirche erbaut. Nur das Presbyterium mit Dreiachtel-Schluss ist vom gotischen Baubestand noch erhalten. Einschiffiges Langhaus nach Brand im Jahr 1846 in den Jahren 1912/13 neu erbaut und Turm auf 43 m erhöht. Einheitliche zeitgleiche Einrichtung; Hochaltar mit dem altkirchlichen Weinstockmotiv in Schnitzarbeit, linker Seitenaltar hl. Antonius, rechter Seitenaltar Mariae Verkündigung. Die Marienstatue beim Haupteingang (Travertin) und das Kreuz beim rechten Nebeneingang (Holz) stammen von dem Wiener Bildhauer Ludwig Schadler. Unter dem Presbyterium verläuft ein unterirdischer Gang, der ins Freie, aber auch zu einer Abzweigung nach Prittlach führte. Beim Nebeneingang auf der Südseite ist ein zerbrochener Grabstein eingemauert, der einen Geistlichen im Mantel mit langem Bart darstellt und als Pfarrer (oder Pastor) Reisinger identifiziert ist.

Florianikapelle (1710).

Dreifaltigkeitskapelle.

Persönlichkeit:

Josef Koch (*14. Oktober 1915 Saitz, 07. Juli 1986 Niedersulz/NÖ), Professor, Theologe und Obmann des Dachverbandes der Südmährer in Österreich von 1974 bis 1986.

heimatkundliche Literatur:

  • Gregor, Gustav: Heimatbuch der Gemeinde Saitz, 1969.
  • Tunkl, Franz: Saitzer Heimatbuch, 1980.

Weblinks:

Genealogie:

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