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Nikolsburg

Wappen
Luftaufnahme. Links im Bild Ausläufer des "Heiligen Berges".
Luftaufnahme von Nikolsburg
Kriegerdenkmal von Nikolsburg
Nikolsburg nach dem Schlossbrand im Jahre 1945
Panorama von Nikolsburg
Die Pollauerstraße in Nikolsburg
Propsteikirche von Nikolsburg
Sgraffitohaus am Stadtplatz in Nikolsburg
Heiliger Berg von Nikolsburg
Jüdischer Friedhof
Thronsaal im Schloß von Nikolsburg

Tschechischer Name: Mikulov

Stadtgemeinde (seit 1330) – 248 m ü.d.Meer, 16 Grad 38’ ö.L.; 48 Grad 49’ n.Br.

Bezirks- bzw. Kreishauptstadt vom 19. Jh. bis 1946.

Fläche: 4.641 ha (größte Gemeindeflur Südmährens)

Einwohner 1793: 7.440 Einwohner in 760 Häusern (damals fünftgrößte Stadt Mährens), 1910: 8.043 in 1.209 Häusern (7.787 dt. Ew.), 1930: 7.790 in 1.426 Häusern (6.409 dt. Ew.), 2010: 7.454 (mit Eingemeindungen).

heutiger Verwaltungsbezirk: Břeclav (Lundenburg)


Matriken: seit 1624 (St. Wenzel), seit 1785 (St. Johann).

Grundbücher: seit 1616.


Allgemeine Informationen: (von Reiner Elsinger)

Lage:

Nikolsburg (Mikulov) wurde als Burgort mit Breitstraßendorf angelegt und liegt an der Kreuzung der alten, von Westen nach Osten verlaufenden „Böhmischen Straße" zwischen Krems und Lundenburg (Břeclav) mit der von Norden nach Süden verlaufenden „Bernsteinstraße". Nikolsburg liegt auf 248 m Höhe am Fuß der Pollauer Berge (Pálava). Die Stadt liegt zwischen dem „Schlossberg" und dem „Heiligen Berg" (Svatý Kopeček). Im Norden befinden sich „Gaisberg" mit Pulverturm und „Turold", im Süden, nahe der Grenze zu Österreich, „Galgenberg" (Šibeniční vrch) und „Brennhügel" und im Nordwesten liegt der „Stadtwald" (2.550 ha).


Bauliche Situation und Denkmalschutz:

Die Altstadt innerhalb der ehemaligen Stadtmauern ist heute Denkmalreservat. Ebenso die Reste des jüdischen Viertels im Westen der Stadt und der 18.000 Quadratmeter große jüdische Friedhof (größter in Tschechien). Der größte Teil des Ghettos wurde in den 1960er Jahren dem Erdboden gleichgemacht, ebenso der deutsche Friedhof in den Jahren 1970-1972 (Verkauf von 3.000 Marmor-Grabsteinen zu Gunsten der Weltrevolution). Zwischen 1873 und 1918 wurden von der Stadtgemeinde 4,3 Millionen Friedenskronen für kommunale Einrichtungen aufgewendet (Schulen, Behörden, Feuerwehr, Wasserleitung). In der gleichen Zeit erbrachte die Gemeinde-Sparkasse von 1860 rund 1,9 Millionen Friedenskronen für gemeinnützige Zwecke und verwaltete große Stiftungen (Schulen, Waisenhaus, Armenstiftung), so dass 1945/46 ein Gemeindevermögen von rund € 30 Mio verloren ging. Durch die Kriegsereignisse am 22. April 1945 wurden 17 Gebäude zerstört und 85 schwer beschädigt. Das Nikolsburger Schloss brannte in Folge sowjetischen Artilleriebeschusses ab. Aufgrund der Beneš-Dekrete wurden 1.030 Häuser und 1.298 Grundstücke zwischen 1945 und 1946 enteignet. In der Folgezeit entstanden große Baulücken. Hingegen wurden in Bahnhofsnähe und im Westen der Stadt in den 1960er Jahren Plattenbauten errichtet. Auch das Bild des alten Stadtkerns wurde wesentlich beeinträchtigt.


Bedeutung:

Der Unterschied zu anderen Kleinstädten in Mähren oder Niederösterreich ergibt sich aus folgenden Tatsachen. Es handelt sich um einen alten Handelsplatz, ausgestattet mit sieben Jahrmarkts- und zwei Wochenmarktsrechten, mit weitem Einzugsbereich (einschließlich dem heutigen nördlichen Niederösterreich mit Poysdorf, Laa und Mistelbach). Der erste Wochenmarkt wurde „villa Nicolspurch“ am 24. August 1279 durch Rudolf von Habsburg gewährt. Im 16. Jh. ließen sich Nürnberger Kaufleute (Sgraffitohaus) in Nikolsburg nieder. Außerdem entstand eine Erb-Poststation. Nikolsburg besaß eine Salzlagerstätte und die Juden der Stadt erhielten Privilegien für Wolle- und Leinenhandel.

Nikolsburg war aber auch als Schulstadt überregional bedeutend (ältestes Piaristen-Gymnasium ab 1631 mit Sitz des Provinzials, Bürger- und Fortbildungs- sowie Fachschulen).

In Nikolsburg entstand der älteste landwirtschaftliche Bezirksverein von 1850. Ab 1623 war die Stadt Wallfahrtsort.

Über 700 Jahre lang war Nikolsburg Sitz der bedeutenden Adelsgeschlechter Liechtenstein und Dietrichstein.

Mit dem Standort der Fürstenresidenz war auch der Besuch der Stadt von prominenten Persönlichkeiten und der Abhaltung wichtiger Verhandlungen (Frieden 1621 und 1866) verbunden. So waren fast alle deutschen und österreichischen Kaiser und Erzherzöge in Nikolsburg, ausländische, diplomatisch hochgestellte Persönlichkeiten oder auch Usurpatoren wie Napoleon am 12. Dezember 1805 und Hitler am 27. Oktober 1938 (Abschlusskundgebung zum „Sudeten-Anschluss"). Historisch bedeutsam waren der Friedensbeschluss vom 31. Dezember 1621 mit Ungarn und die Verhandlungen über den „Vorfrieden" vom 22. bis 26. Juli 1866 mit Preußen; beides Ergebnisse mit den weitreichenden Folgen von 30jährigen Vernichtungskriegen in Europa!

Nicht zuletzt ist der Einfluß der seit ca. 1450 bestehenden Judengemeinde hervorzuheben.


Geschichte: (von Reiner Elsinger)

1.- 6.Jh. Germanische Zeit

Bis 400 nach der Zw. haben die Quaden und Markomannen Südmähren relativ dicht besiedelt. Die Archäologen fanden auch in der Nikolsburger Gemeindeflur Gräber aus dieser Zeit und zwar bei der Anlage des Oberfeld-Barackenlagers und in der Flur „Tirasäcker“ am westlichen Fuß des Muschelberges an der Voitelsbrunnerstraße. (z.B. 36 Gräber datiert 1.-3-Jh.). Bis Ende des 6.Jh. lebte in Südmähren auch die Heruler, dann die Langobarden, die 570 nach Norditalien zogen (Lombardei).

7.-9.Jh. Vordringen der Awaren, Slawen und Magyaren.

Unter Herrschaft der Awaren drangen auch die Slawen entlang der March vor. Karl der Große besiegte die Awaren 791-796, das Gebiet fiel an die Diözese Passau und das „altmährische Reich“ (Nationalisten sagen auch „Großmährisches Reich“) hat sein Zentrum bis 906 an der March: Mikulcice, Pohanskawald. Der Magyarensturm aus der ungarischen Tiefebene beendet diese Periode. Auch Der Kriegszug des deutschen Kaisers endet 907 mit einer vernichtenden Niederlage bei Pressburg (Bratislava).

10. – 12. Jh. Christianisierung und bleibende Besiedlung

Erst die Siege Heinrich I. -933 – und Otto I. – 955 auf dem Lechfeld beenden die ungarische Vorherrschaft in Niederösterreich und Südmähren. Durch einen Kriegszug Kaiser Arnulfs wird 998 auch die Lehenspflicht der Slawen gegenüber dem Frankenreich hergestellt und ab 1002 unter Heinrich I., mit dem systematischen Siedlungsausbau in der Babenberger Mark begonnen, dabei könnte Nikolsburg als Königslehen bereits den zentralen Ort der „böhmischen Mark“ 1039 gebildet haben. Unter Heinrich III. wurden 1042 -1044 die Magyaren endgültig aus dem östlichen Weinviertel hinter die March gedrängt und es entstand , unter Einbeziehung der böhmischen Mark , die sog. „Neumark“ unter den Babenberger Markgrafen Siegfried und Adalbert. 1058 besiegelte Kaiser Heimrich IV. mit seiner Mutter Agnes am Marchfeld den Frieden mit Ungarn. In wenigen Jahrzehnten zwischen 1020 und 1070 brachte das gewaltige bairische Siedlungswerk rund 200.000 Siedler nach N.Ö. und Südmähren, die 1.300 Anger- und Straßendörfer gründeten, wie an Flur- und Ortsformen noch heute nachgewiesen werden kann. Der Hauptgrund für diese bleibende Besiedlung war die Bildung dieser „Wehrdörfer“, die genaue Vermessung der Fluren und vor allem die „Dreifelder- Wirtschaft“, die durch die Einführung der Brache plötzlich weitaus bessere Erträge lieferte und daher auch mehr Menschen ernähren konnte.

13.Jh. Grenzkämpfe mit den Przemysliden.

Während die bairische Besiedlung schon im 11.Jh. die Thaya überschritten hatte, wurde sowohl 1041 als auch 1179 auf den Reichstagen in Regensburg die Thaya als Grenze zu Mähren festgelegt. Die von der Babenbergermark aus besiedelten Gebiete sollten bei der Mark bleiben (Pfandgebiet Neuhaus bis 1240 und Nikolsbg bis 1342 ). Durch die 1182 erfolgte Erhebung von Mähren zur Markgrafschaft durch Friedrich I. Barbarossa flammten die Grenzstreitigkeiten erneut auf. 1185 kam es zur großen Ritterschlacht bei Lodenitz, in der ein Großteil der bisherigen Herrschaftsbesitzer ums Leben kam. Besonders Graf Wilhelm verheerte das damalige österreichische Gebiet mit solcher Grausamkeit, dass er mit dem Kirchenbann belegt wurde. Um diesem zu entkommen, gründete er das Kloster Kanitz, dem er sämtliche Kirchen im Nikolsburger Raum als Kirchenzehent zuwies. Vor 1200 erfolgte auch der Ausbau der Burgenkette Staatz-Falkenstein-Nikolsburg-Rosenburg-Neuhäusl–Maidenburg. 1241 erfolgte ein Mongoleneinfall, grössere Verheerungen unterblieben durch die Heimkehr der Heere. 1246 ereignete sich eine siegrieche Schlacht des letzten Babenbergers Friedrich des „Streitbaren" bei Staatz gegen ein Böhmenheer. Friedrich verlor kurz darauf sein Leben gegen ungarische Heere. Aus diesem Jahrhundert sind zwei Urkunden mit dem deutschen Namen „Nicolspurch“ überliefert. 1249 nutzte Markgraf Pr.Ottokar II. die „kaiserlose Zeit“ (Interregnum) und schenkte am 14.1. das Reichslehen „Villam Nikulsburch“ dem Heinricus de Liechtenstein. Nach der Schlacht bei Dürnkrut in der Friedrich v. Liechtenstein einen entscheidenden Flankenstoß ausführte, erhielt „Nicolspurch“ am 24. August 1279 den ersten Wochenmarkt von Rudolf von Habsburg.

14. u.15.Jh weitere Kämpfe nach Ende der Przemysliden (1306 Ermordung Wenzels)

Die Luxemburger kommen in Böhmen an die Macht, die Österreicher wollen Nikolsburg zurückerobern, zwischen 1330 und 1362 erhielt Nikolsburg das Stadtrecht. Ungarneinfälle ab 1371. Ab 1404 verheeren mährische Freibeuter unter Viktorin das nördliche Niederösterreich, 1414 Liechtenstein URBAR, ausschließlich deutsche Namen 1419 : 1.Prager Fenstersturz, die Hussitenkriege beginnen.1422 trifft Albrecht V. von Österreich Kaiser Sigsimund im Schloss, gemeinsamer Kampf gegen Hussiten 1426 brennen die Hussiten Nikolsburg und Feldsberg nieder, ebenso 1429 – 1432. 1442 -1448 Raubritter und Streifscharen aus Polen (Pankraz) u. Ungarn. 1458 Heersäule Georg v. Podiebrad brandschatzt Nikolsburg, 1468 Mathias Corvinus, nach dessen Tod erobert Maximilian I. das Land zurück,Liechtenstein Landmarschall 1494 – 1525 Bauernaufstände, Bauernkriege in Deutschland.

16.Jh. Reformation, Täufer u.Gegenreformation, 17.Jh. 30j.Krieg, Türken

1526 Balthasar Hubmaier gründet Täufergemeinde, 18 Täuferschriften werden in Nikolsburg gedruckt, nach Disput mit Johann Hut wird Hubmaier 1528 verhaftet und nach Haft in Kreuzenstein in Wien verbrannt, Hut kann flüchten. Die Täufer trennen sich in Bergen in „Schwertler“ und „Stäbler“, letztere gründen in Auspitz eine Gemeinde, der 1529 und 1533 Jakob Huter Südtiroler Täufer zuführt. 1572 erhält Adam v. Dietrichstein von Maximilian II Nikolsburg zum Lehen. Bis 1582 erfolgreiche Gegenreformation (1.Fronleichnamszug) 1605 Einfälle von Türken und Siebenbürgen (Ungarn). 1618 2. Prager Fenstersturz, Beginn 30 j.Krieg: 1619 erste Schlacht bei Ut. Wisternitz, mähr.Stände besetzen die Stadt 1620. Nach der Schlacht am Weißen Berg verhandelt Franz v. Dietrichstein, Kardinal seit 1599, Reichsfürst 1624, am 31.12.1621 mit Bethlen Gabor v.Ungarn einen Frieden in Nikolsburg, als dessen Folge 1625 der Reichshofrat 3 Wochen im Schloss (letzte Wappenverbesserung durch Ferdinand II.) tagt: Wallenstein zum Herzog von Friedland und zum Generalbevollmächtigten ernannt, zieht mit den bei bei Znaim aufgestellten 20.000 Mann nach Deutschland, wo der Krieg bis 1648 andauert u,a. die Bevölkerung auf ein Viertel reduziert. 1645 erobern die Schweden Nikolsbg. (u.a. rauben sie die Schlossbibliothek: 48 Fässer werden nach Upsala gebr,) außerdem werden alle Burgen, auch in NÖ zerstört. 1623 Hl.Berg Kreuzweg 1663 Türkeneinfall, 1678-1680 fürchterliche Pestjahre (95 Häuser ausgestorben). 1683 das polnische Entsatzheer für Wien verheert Nikolsburg beim Durchzug 2 x.

18.u.19.Jh. Kaiserstraße und Barockumbau von Schloß Nikolsburg, Annakirche, Dreifaltigkeitssäule, Piaristenkirche St. Johann d.T., Franzosen- und Preußenkriege, Revolution 1848.

Durch die Kaiserstraße Wien-Brünn ab 1725 wirtschaftlicher Aufschwung, Neubau der Annakirche ab 1701, Neubau des Schlosses nach Brand 1719 – 1725 Ausgestaltung der Stadt, 1752 -1758 Neubau und hochbarocke Ausgestaltung der Piaristenkirche ( u.a.Lengelacher, Preuner,Troger, Maulbertsch, Leicher), ab 1784 zweite Pfarre. 1742 brandschatzen die Sachsen als Verbündete Friedrichs von Preußen die Stadt. 1743 huldigen die mährischen Stände im Schloss der Kaiserin Maria Theresia. 1793 und 1798 Durchzug von Russen und Auxiliartruppen, 1805 neuerlicher Truppendurchzug Russen und Franzosen zur Schlacht bei Austerlitz. Am 12.12. 1805 macht Napoleon 1 Nacht Station im Schloß. 1809 neuerliche Franzosenbesetzung, Verwundete Österreicher und Franzosen im Schloss und bei den Piaristen. Typhus: über 200 Tote. 1848 Revolution , neue Stadt- und Bezirksverwaltung, Durchzug der Entsatztruppen von Windischgrätz, denen die Kanonen vernagelt werden. 1866 Preußenkrieg, Preußisches Hauptquartier mit Wilhelm I.,Bismarck und Roon/Moltke im Schloß, Friedenspräliminare von 18. -26.Juli, Cholera über 200 Tote – Preußenfriedhof mit Kreuz von Wilhelm I. 1869. Nach dem Ausgleich mit Ungarn 1867 entstehen die Spannungen mit Böhmen und Mähren in den Landtagen und im Reichstag.

20.Jh. Weltkrieg I. v.1914 -1918 und Weltkrieg II v. 1939 – 1945 = 2. 30 j.Krieg.

Trotz des Mährischen Ausgleichs von 1905, an dem der Nikolsburger Bürgermeister, Landtags- und Reichstagsabgeordneter Dr. Leopold Götz namhaften Anteil hat, führen die nationalen Spannungen in der Monarchie schließlich nach dem Thronfolgermord von Sarajewo zum Weltkrieg 1914 – 1918. Über 250 Nikolsburger, darunter auch 15 Juden, bleiben an den Fronten. Im Vertrag von St. Germain (für die Verliererländer ein Friedensdiktat) erhalten u.a. die Tschechen ihren eigenen Staat, die unter Missachtung des Selbstbestimmungsrechtes bereits am 16.12. 1918 , also vor Beginn der Friedenskonferenz in Paris, die Stadt okkupieren. Die österreichischen Beamten verlieren ihre Stellung und müssen das Land verlassen. Die 1.Tschechoslowakische Republik zeichnet sich durch intensive und taktlose Tschechisierungspolitik aus, mit einem katastrophalen Rückgang der Wirtschaft in den deutschen Gebieten. Auch die Weltwirtschaftskrise nach 1929 trifft vor allem die hochindustrialisierten, deutschen Randgebiete durch andauernde Arbeitslosigkeit ( höchste Selbstmordrate). Die tschechische Bevölkerung - 1910 noch 1 % - nahm auf 15 % zu (in anderen deutschen Städten sogar auf 25%).

Durch das Erstarken des Nationalsozialismus und seine wirtschaftlichen Erfolge, erhofften die unterdrückten Deutschen in den Nachfolgestaaten der Monarchie eine Besserstellung durch den Anschluss an das Deutsche Reich. Als dieser im März 1938 in Österreich erfolgte, wurde am 21.September 1938 auch die CSR-Regierung, nach einer Mission des britischen Lords Runciman im Sinne der britischen Appeasement-Politik, von England und Frankreich zur Abtretung der mehrheitlich deutsch bewohnten Gebiete gezwungen. Im Münchner Abkommen vom 28.9. wurden völkerrechtlich unter den Signatarstaaten des Versailler Friedensvertrages von 1919 : Frankreich, England und Italien, die Übergabe an die Deutsche Wehrmacht vereinbart, die am 8.10.1938 in Nikolsburg einmarschierte. Am 27.10.1938 fand in Nikolsburg die Abschlusskundgebung zum Anschluss der Sudetengebiete statt, bei der Hitler ausführte, dass Deutsche nie wieder in fremden Staaten unterdrückt werden würden und eine starke Wehrmacht darüber wachen wird. Die sofort einsetzende Gleichschaltung mit der NS-Diktatur im Deutschen Reich, haben sich viele Bewohner Nikolsburgs sicher anders vorgestellt.

Um den Jubel der deutschen Bevölkerung zu verstehen, sollte man – abgesehen von 20 Jahren Unterdrückung in der Tschechoslowakischen Republik - auch die bedrohlichen und taktlosen Tatsachen der „Umsturzzeit" zwischen April und September 1938 nicht vergessen.

Zunächst erließ das Innenministerium am 1. April ein Versammlungsverbot und verlegte Militär in die Grenzgebiete. Auch eine strenge Zensur der Zeitungen und eine Teilmobilisierung im Mai sollten die Kommunalwahlen behindern. Diese verliefen aber in äußerster Disziplin zwischen 2. und 15.Juni, mit einem überwältigenden Erfolg von 95% für die Sudetendeutsche Partei Henleins. Trotzdem wurde mit Henlein nicht verhandelt, worauf sich die innenpolitische Lage zuspitzte und international eine Kriegsgefahr vermutet wurde. Daraufhin schickte die Regierung von GB den ehemaligen Handelsminister Lord Runciman zur Beobachtung . Nach 6 Wochen lautete seine Empfehlung die deutschen Gebiete an das Deutsche Reich abzutreten, so dass am 15. September Chamberlain diplomatische Verhandlungen aufnahm, in die auch Frankreich einbezogen war. Beide Regierungen verlangten von Prag mit der Abtretung einverstanden zu sein. Am 21.September verhängte die Regierung in Prag das Standrecht in den deutschen Grenzgebieten. Rundfunkgeräte, Jagdwaffen waren abzuliefern, die SDP wurde verboten und am 23. 09. wurde die Generalmobilmachung befohlen. In Nikolsburg wurden bei nächtlichen Razzien 42 Männer und 17 Frauen verhaftet und nach Brünn auf den Spielberg gebracht.

Die Bevölkerung der Stadt lebte in Angst und viele wehrpflichtige Männer entschlossen sich in den Stadtwald zu gehen, um sich dem Zugriff der nächtlichen Razzien zu entziehen. In Klentnitz wurden in dieser Phase zwei Bürger auf freiem Feld erschossen.

Die wehrpflichtigen Deutschen welche der Einberufung Folge leisteten (und das war ein hoher Prozentsatz) wurden ohne Waffen in die Ost-Slowakei geschickt, aber immerhin standen 44 kriegsbereite Divisionen, in der zwischen 1934 und 1938 gebauten, doppelten Bunkerlinie. In dieser Gefahr eines Kriegsausbruches im Falle einer militärischen Aktion NS-Deutschlands kam es durch die diplomatischen Bemühungen Italiens am 29.September zur Münchner Konferenz, in der die Signatarstaaten des Versailler Vertrags – Großbritannien, Frankreich und Italien - die Abtretung des deutschen Gebietes und die Übergabe-Modalitäten an die Deutsche Wehrmacht vereinbarten. Die neuen Grenzen sollten durch eine internationale Kommission festgelegt werden, die bei der Mobilisierung requirierten Vermögensteile sollten zurückgebracht werden ( Wagen, Pferdebespannungen, Eisenbahnmaterial usf.).

Am 8. Oktober erfolgte der Einmarsch der Deutschen Wehrmacht zur Erleichterung der meisten Bewohner. Freilich gab es auch politische Gegner (Kommunisten , Sozialdemokraten, Liberale) und vor allem Juden, soweit sie nicht schon ab 1935 ihre Abreise betrieben haben, die im letzten Moment ins Innere des Landes flüchteten und dabei oft von den CSR-Behörden zurückgewiesen wurden. Manche warteten wochenlang im Niemandsland bei Pohrlitz oder in Lagern in Brünn auf eine Möglichkeit auszuwandern. Nach dem Einmarsch der ersten motorisierten , der 29. Division aus Thüringen, übernahm am 16.10. das 4. leichte Inf. Reg. ( Hoch- und Deutschmeister) die Besetzung und es wurden daraus die Inf. Reg. 131 – 134 gebildet, mit den Garnisonen in Znaim, Nikolsburg, Feldsberg und Lundenburg. Zu diesem Zweck wurden auch die von den Tschechen begonnenen Kasernenbauten mit Hochdruck fertig gestellt. Wie man heute weiß, standen den 44 tschechischen Divisionen 1938 lediglich 20 Divisionen der D.W. gegenüber.

Der Anschluss an den „Reichsgau Niederdonau“ brachte für die Nikolsburger Bevölkerung zunächst viele Vorteile, die dem Regime anfänglich einen breiten Rückhalt in der Bevölkerung sicherte: Hilfsaktion der NS-Volkswohlfahrt für erholungsbedürftige Kinder, allein in Nikolsburg 200! Ausbau der vernachlässigten Infrastruktur (Bezirksstraßennetz, Busverbindungen), Entschuldung der Betriebe durch großzügige Kredite u.a.m..

Die Slowakei verlangte unter Bezugnahme auf den „Pittsburger Vertrag“ die Selbständigkeit. Durch die Schaffung des „Protektorats Böhmen u.Mähren“ ab 15.3.1939 wurde u.a dieser Wunsch erfüllt, allerdings auch eine völkerrechtliche Verletzung der in München garantierten Grenzen begangen. Der Hintergrund war aber scheinbar das hochgerüstete Kriegsmaterial, welches Hitler im Auge hatte. Im März 1939 rollten jede Nacht Transporte auch durch Nikolsburg. Bezeichnender Weise haben die Tschechen alles ohne geringste Beschädigungen an die Deutsche Wehrmacht übergeben: u.a. 501 Flak- und 2.175 Feldartillerie –Geschütze, 785 Minenwerfer, 469 Panzer, 43.876 Maschinengewehre, 1,090.000 Gewehre, 1.582 Flugzeuge, 114.000 Pistolen, über 1 Milliarde Infanteriemunition, über 3 Mio. Artillerie- und Gasmunition. Man fragt sich, ob ohne dieses Material die späte deutsche Rüstung für den Beginn eines Krieges ausgereicht hätte,

Als dieser Fall am 1.September 1939 eintrat, war die Bevölkerung sehr betroffen. Besonders Frauen weinten bei der Einführung der Lebensmittelrationierung. Die Erfolge der Blitzkriege machten Hoffnung auf eine baldige Beendigung des Weltkrieges, als auch Frankreich im Mai 1940 besiegt war. Bis zu diesem Zeitpunkt waren nur 12 Nikolsburger an der Front gefallen.

Mit Beginn des Russlandfeldzuges setzte in der Bevölkerung großer Pessimismus ein, besonders nach Stalingrad , wo allein 27 Nikolsburger fielen. Bei Ende des Krieges hatte Nikolsburg über 500 Gefallene zu beklagen, fast doppelt so viele wie im WK I. Kritik an Krieg und Diktatur wurde häufiger.

Im April 1945 überstürzten sich die Ereignisse als plötzlich die Front näher kam.

Bereits am 7. u. 15.4. wurden Frauen und Kinder evakuiert, am 22. 4. schoss die sowjetische Artillerie das Schloss in Brand – der verantwortliche Artilleriekommandant wird noch heute auf dem Sowjetdenkmal im Stumvollpark als Befreier von Mikulov gefeiert! Die Besetzung durch die Sowjets brachte viel Leid über die Bevölkerung, das nach der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands am 8.Mai 1945 bei Übernahme der Herrschaft durch die Tschechen ab 13. Mai das endgültige Aus für die deutsche Bevölkerung bedeutete.

Über 2.300 Besitze wurden nach den Benesch-Dekreten enteignet. Die Bewohner zur Zwangsarbeit gezwungen und z.T. ins Innere des Landes oder in die Ostrauer Kohlengruben verschleppt. Am 1.Juni fand der grauenhafte Brünner Todesmarsch seinen Weg durch Nikolsburg. Viele erschöpfte Ruhrkranke starben noch Ende Juni im Lager Muschelberg.

Massengräber von wenigstens 6.000 Opfern säumen den Weg von Brünn bis Pohrlitz und von dort nach Drasenhofen und bis nach Wien. Im Mai, Juni Juli 1945 nahmen die „nationalen Verwalter“ Besitz von den Häusern und Bauernhöfen. Viele gehörten dem „besitzlosen Landesproletariat“ an ( meist Arbeiter aus Zlin, die nur eine Aktentasche mit einem Bund Dietriche und einer Stichwaffe mitbrachten und gar nicht in der Lage waren die Bauernwirtschaft auszuüben, infolgedessen in die Gruppe der „Goldgräber“ fielen).

Opfer durch Krieg, Diktatur und Vertreibung: 505 Nikolsburgr blieben an den Fronten, 6 starben im KZ, 11 durch Bomben sowjetischer Schlachtflieger, 8 endeten im Mai 1945 durch Freitod und 31 durch Mord im Laufe der Umsturztage 1945.

Die „wilde Vertreibung“ aus dem Bezirk Nikolsburg umfasste 1945 insgesamt 37.000 Personen . 1946 erfolgte der „Abschub“ von 18 Transporten und 20.000 Personen aus dem

„Lager Nikolsburg“ in den Oberfeldbaracken.

Im Laufe der 900 Jahre ihres Bestehens als deutsche/österreichische Kleinstadt hatte Nikolsburg ein gemeinsames Schicksal mit den Orten und Kleinstädten im Norden und Osten von Niederösterreich. Bei insgesamt 38 Kriegen waren es 25 mal Völker aus dem Osten und 5 mal Völker aus dem Norden oder Westen die brandschatzend über die Einwohner herfielen.

Ferner gab es 21 Pest- oder Seuchenjahre, 33 Jahre mit Missernten und Hunger, 18 mal Großbrände; also alle 20-30 Jahre eine mittlere Katastrophe.

Jedenfalls endete mit der Vertreibung der deutschen Bevölkerung und dem Beginn des „Kalten Krieges" die historische Bedeutung von Nikolsburg nach 900 Jahren deutsch-österreichischer Geschichte. Die kleine Stadt mit seiner fruchtbaren und reizvollen Umgebung verschwand 44 Jahre hinter dem „Eisernen Vorhang" und sank unter ihrem tschechischen Namen Mikulov zu völliger Bedeutungslosigkeit herab.


Die jüdische Gemeinde:

Die Nikolsburger jüdische Gemeinde war eine der bedeutendsten in Mähren. Sie entstand wahrscheinlich nach der Vertreibung eines Großteils der Wiener Juden unter Herzog Albrecht V. nach 1420. Hartneid V. von Liechtenstein nahm vertriebene Juden in Nikolsburg auf. Eine erste Synagoge ist bereits im 15. Jh. anzunehmen (um 1450). Im Urbar von 1560 sind 32 jüdische Familien erwähnt. 1591 gewährte Maximilian von Dietrichstein der Gemeinde die Wahl eines eigenen Richters. Nikolsburg war Sitz des mährischen Landesrabbiners (z.B. Rabbi Löw). 1593 wurden die Juden gegen Entschädigung von Zug- und Handrobot befreit und man gestattete ihnen den Tuch- und Leinenhandel. 1657 waren es bereits 146 jüdische Familien, die in Nikolsburg ansässig waren. Das Tolernazpatent von Kaiser Joseph II. hob den Leibzoll und die Zeichen auf und 1787 wurde das Trage bürgerlicher Namen angeordnet. 1848 wurde das Ghetto aufgelöst und die Juden von der Ghettoisierung befreit.

In der Ersten Tschechoslowakischen Republik wurden die jüdischen mit den christlichen Gemeinden zusammengeschlossen, da die jüdischen Gemeinden oft als Vereinigung mit deutschem Hintergrund galten.

Durch die Machtergreifung des Nationalsozialismus in Deutschland 1933 und dessen rassenideologische, antijüdische Politik („Nürnberger Gesetze") ließen viele vermögenden Juden ab 1935 ihre Vermögenswerte ins Ausland transferieren. Generell begann auch eine Auswanderungswelle die sich bis 1938 zusehends verstärkte. Nach der Angliederung an das Deutsche Reich flüchtete der größte Teil (darunter ca. 105 Familien aus Nikolsburg). Die wenigen Zurückgebliebenen, vorwiegend alte Leute aus dem Altersheim, fielen der NS-Verfolgung zum Opfer und wurden nach Znaim (Znojmo) oder Theresienstadt (Terezín) deportiert. Diejenigen, die über die neue Grenze in die Tschechoslowakei geflohen waren (nicht immer wurden sie sofort über die Grenze gelassen, da die meisten von ihnen Deutsche waren und daneben antijüdische Ressentiments tw. auch auf tschechischer Seite bestanden) wurden nach der Okkupation und der Errichtung des „Protektorats Böhmen und Mähren" wieder von den NS-Instanzen eingeholt. Viele, denen die Flucht nicht mehr gelungen war, wurden ab 1941 über Theresienstadt in die Vernichtungslager im besetzten Polen deportiert.

Drei dutzend Nikolsburger Juden, welche die NS-Herrschaft überlebt hatten und im Laufe des Jahres 1945 zurückkehren wollten, wurden von den tschechischen Behörden mit dem Hinweis auf das Konfiskationsdekret die Rückgabe ihres unter NS-Herrschaft arisierten Eigentums verweigert und wieder fort geschickt.


Wirtschaft und Infrastruktur:

Landwirtschaft: Die Umgebung der Stadt war landwirtschaftlich geprägt. So machte um 1900 die Ackerfläche mit 2.623 ha mehr als die Hälfte der Gemeindefläche aus. Der Weinbau hatte in dieser Gegend eine besondere Bedeutung (Weinbaugebiet seit dem 13.Jh). Um 1900 betrug die Weinbaufläche 352 ha.

Gewerbe: Mühle, Ziegelofen, Kalköfen, Steinbruch, Maschinenfabrik Lange (Benzinmotoren und Dreschgarnituren), Kofferfabrik Rochleder, Farbwerke Kronsteiner, Druckerei; vielfältiges Kleingewerbe (neben den meist üblichen auch z.B. Auto- und Landmaschinenreparatur, Fotografen, Uhrmacher, Instrumentenbauer, Buchbinder).

Einrichtungen: Spital und Armenhaus (1360 im Piaristenkolleg, 1631 Neubau, später Haus in der Feldsberger Straße), Bezirkshauptmannschaft, Bezirksgericht, Steueramt, Gendarmeriekommando, Eichamt, Poststation bzw. später Postamt (1692), Ärzte; zahlreiche Vereine (z.B. Freiw. Feuerwehr 1881, Bicycle-Club 1884, Eislaufverein 1888, Bienenzuchtverein 1900, Fremdenverkehrsverband 1912, Museumsverein 1913, Bezirksverein für Landwirtschaft und Weinbau 1850, Mährisch-Schlesicher- Israeliten-Lehrerverein 1867 u.a.); Genossenschaften (Beamten- und Schrebergarten-Genossenschaft 1921, Sparkasse 1862, Raiffeisenkasse 1929).

Schulen: Piaristenkolleg 1631, später Gymnasium; Knabenschule 1869; Mädchenschule, 1886; Bürgerschule 1896.


Kulturerbe (ein kunsthistorischer Rundgang durch die Stadt, gestaltet von Reiner Elsinger):

Schloß Nikolsburg - Erster Stock
Grabkreuz
Toroberlichtgitter bei der Gruft in Nikolsburg
Zunftsiegel
Zunftsiegel

Betritt man von der Böhmgasse (ehemals Sonnenfelsgasse, heute Česká) durch das ehemalige Brünner Tor (heute Baulücke), den Kirchenplatz (Kostelní náměstí), führen Stufen mit Heiligenfiguren / Joh.v.Nepomuk und Franz Xaver von Ignaz Lengelacher/ zur Kollegiatkirche St. Wenzel (kostel sv. Václava) und zur Propstei: Pfarre urkundlich 1039, ehemalige Wehrkirche, nach Zerstörung durch die Hussiten 1426 als spätgotische, dreischiffige Hallenkirche mit fünf Paar achteckigen Säulen erneuert; dreigeschossig mit fünfachtel-geschlossenem, netzrippengewölbten (parlersches Muster) Chor im Osten, Langhaus 1625 mit Engelsköpfen und Akanthus- Rankenwerk stuckiert. / Westempore mit Zugang vom Schloss / Weymola Orgel am linken Chor 1773/ Ratsherrenempore rechts/ Altarbilder : „Ermordung des hl. Wenzel", „Enthauptung der hl. Barbara" und „Letztes Abendmahl" von Josef Anton Adolph v. Freental (aus Nikolsburg)/ Rokokokanzel von Andreas Schweigel d.Älteren/ Lobkowitz-Epitaph/ Grabplatten 16.Jh./ tonnengewölbte Seitenkapelle für die „Schwarze Madonna", welche aus der Annakirche beim Brand gerettet wurde/ Seitenkapelle rechts mit Pieta von Ignaz Lengelacher/ im Deckel des Taufsteins ein Bild von Joseph Winterhalter I. „Taufe Christi"/ Inneneinrichtung barock.

Stadtturm (beim Schlosstor, zámecká brána): viergeschossig, mit Glocken- und Türmerstube/ mit Renaissance-Laubengang aus 1584/dreiteiliger, ebenmäßig proportionierter Zwiebelhelm, von Laterne unterbrochen.

An der Ecke zum oberen Stadtplatz (náměstí) Haus mit Barockgiebel, anschließend Laubenhäuser, gegenüber das Rathaus (Městská radnice, bis 1574 herrschaftliches Brauhaus), daneben die ehemalige Erbpoststation (ab 1592), anschließend das Bezirksgericht (ehemalige Salzlagerstätte). Vor dem Rathaus der Stadtbrunnen mit Pomonastatue (kašna Pomona, 1699 von Ferdinand Groß) und vor dem Übergang in den unteren Stadtplatz, die Dreifaltigkeitssäule (Sousoší Nejsvětější Trojice, 1723 nach einem Entwurf des im Schloss beschäftigten Hofmalers Anton Josef von Preuner , ausgeführt vom Nikolsburger Steinmetz Philipp Nader und Andreas Steinböck aus Eggenburg (aus Zogelsdorfer Kalksandstein); Figurenschmuck von Ignaz Lengelacher, konsequente Dreigliederung: drei Engel (Glaube, Hoffnung, Liebe), drei Pestheilige, Maria mit Sternenkranz inmitten dreier, toskanischer Säulen, darüber Putten mit Gewölk und die Dreifaltigkeit, eines der schönsten Denkmäler in Mähren.

Platzöffnung zum abschüssigen Platz vor der ehemaligen Annakirche (kostel sv. Anny, jetzt Gruftkirche/Ditrichštejnská hrobka), mit der 1701/1704 erbauten Fassade im römischen Monumentalbarock (ein erhaltener fünfachsiger Entwurf mit Kuppel, ähnlich der Karlskirche, von Johann Bernhard Fischer von Erlach wurde nicht ausgeführt); Vorgängerbau 1640 von Giovanni Tencala, Fassade 1701 vermutlich von Domenico Martinelli.

Auf der linken Seite des Platzes die malerische Gruppe der Renaissancehäuser, als Wohnhäuser der Kanoniker (Kanovnické domy) und in der nordöstlichen Ecke der Stadtmauer war von 1611 bis 1784, als die ganze Innenstadt abgebrannt ist, die Kapuzinerkirche (jetzt noch Profanbau).

Lorettokapelle (nach dem Vorbild der Santa casa). Auf der Monumentalfassade das Relief „Anna selbdritt" von Mathias Roth, über den Seiteneingängen hl. Joachim und hl. Zacharias von Anton Riga, auf der Balustrade Christus und zwei Engel von Josef Kässmann ( 1932 Jedermannspiele). Nach dem Brand 1784 wurde 1846/1852 an Stelle des Presbyteriums die klassizistische Gruftkirche (Ditrichštejnská hrobka) zum hl. Kreuz von Heinrich Koch erbaut / Marmoraltäre von Cyrill Lerch/ Hl.Anna und hl. Leopold von Vinzenz Pilz/ Bronzeluster Entwurf Theophil Hansen/ Orgel von Deutschmann/ in den Seitenschiffen 44 fürstl.Bestattungen in Zinnsärgen auf Eichenpodesten von Bildhauer Leimen./Wien. Im offenen Gartenraum Standbild von Franz Josef Dietrichstein 1806-1854 (Maria-Theresia-Orden, Statue ursprünglich im Ahnensaal des Schlosses). Nachodkapelle reich stuckiert, ebenso das ehemalige Refektorium des Kapuzinerklosters im Gebäude rechts neben der Kirche.

Gegenüber der Dreifaltigkeitssäule ein Sgraffitohaus (dům U Rytířů) im Renaissancestil/ Darstellung der Sintflut/ Hof mit Loggien/ Vorbau mit Lauben. Gegenüber das ehemalige „Hotel Rose". Am Ende des unteren Platzes war bis 1837 das „Wiener Tor". Den Platz schließt seit 1992 das neue Gebäude der Sparkasse ab (die Dächer sind Architektonische Zitate des Brünner Tores).

Vor dem Wiener Tor war ursprünglich der Viehmarkt (mit den Fleischbänken und Anschluss zum Ghetto) auf den die Straßen aus Laa und Feldsberg (Valtice), später die Wr. Kaiserstraße, einmündeten. Später war hier der Josefsplatz mit dem Denkmal Kaiser Josefs II., das 1919 von tschechischen Soldaten demontiert wurde. Auf der linken Seite, Ecke Schleifmühlgasse, Neubau der Bezirkshauptmannschaft 1912 und des Feuerwehrdepots 1911.

Piaristenkirche hl. Johannes des Täufers (Kostel sv. Jana Křtitele): 1631 beruft Kardinal Franz v. Dietrichstein aufgrund seiner persönlichen Bekanntschaft mit Josef v. Calasanz die Piaristen nach Nikolsburg, die hier ihren ersten Konvent und das erste Gymnasium nördlich der Alpen errichteten (gleichzeitig Sitz des Provinzials für Böhmen und Mähren bis ins 18.Jh.). Zu diesem Zweck erhielten sie das ehemalige Spital mit Friedhof und Johanniskirchlein, unterhalb der Quergasse, welche die beiden Südstraßen am Viehmarkt verbindet, am sog. Töpfermarkt gelegen (später Schul- bzw. Hasnerplatz), 1658 bekamen sie auch den Meierhof zu den zwei Grundlehen. 1666 erfolgte der erste Kirchenumbau und ab 1746 der große Umbau durch Casparus Oswald (einem Piaristen Laienbruder, der sich schon mit 19 Bauwerken als Baumeister bewährt hatte). Dabei wurde durch Halbsäulen und ein flaches Gewölbe, bei gleichzeitiger Vergrößerung des Presbyteriums mit Ovalkuppel und Änderung der Orientierung der heutige Kirchenraum geschaffen. Besonders beachtenswert an diesem spätbarocken Juwel ist die Innengestaltung durch berühmte Künstler. Vor allem der „letzte große Freskant des Abendlandes" Franz Anton Maulpertsch, den die Kunstgeschichte an 59 Orten nachweist, schuf hier ein Deckenfresko aus dem Leben Johannes d.T. von der Geburt bis zur Enthauptung, ferner die Seitenaltarbilder „Hl. Josef v. Calasanz", „Sterbender hl. Josef" und „Himmelfahrt des Johannes von Nepomuk".

Das Hauptaltarbild „Taufe Christi" und die Seitenaltarbilder: „Hl.Philipp Neri" und „Maria Himmelfahrt" stammen von Felix von Leicher (aus Schlesien). Von Paul Troger (1759-1762 Direktor der Wr,.Akademie, auch als Freskant von 50 Freskenzyklen bekannt) stammt der reiche Figurenschmuck: hl. Elisabeth, hl. Zackarias, hl. Johannes d.T., hl. Johannes d. Evangelist und hl. Josef. Nachdem bereits 1731 der Meierhof neu gebaut wurde, konnte auch 1746 der Ausbau des Gymnasiums erfolgen, welches nach der Übernahme in staatliche Verwaltung 1873 auch noch 1887 eine Erweiterung erhielt. Ab 1784 wurde die Kirche zweite Pfarre der Stadt. In der an die Kirche angebauten, ehemaligen „Totenbruderschaftskapelle" befindet sich das Taufbecken mit einem Wandrelief von Andreas Schweigel.

Piaristengymnasium (Gymnázium): Die Nikolsburger Piaristen als Schulorden für breite Bevölkerungsschichten legten sehr früh den Schwerpunkt auch auf Mathematik und lehrten ergänzend Geographie und Geschichte. Im Gegensatz zu den Jesuiten, die in erster Linie die Heranbildung von Geistlichen im Auge hatten. So waren sie auch wesentlich an der Schul- und Lehrplanreform Maria Theresias im Jahre 1777 beteiligt und 1795 an der Errichtung einer deutschen Hauptschule und der Ausbildung von Fachlehrern. Pflege von Musik und Theater, vorwiegend durch die Seminaristen, auch „Lauretaner" genannt. Eine umfangreiche Bibliothek und Musik- bzw. Theaterliteratur befindet sich im Landesarchiv. 29 Stiftungen mit 1,2 Mio Kc Kapital ermöglichten die Vergabe von jährlich 115 Stipendien. Unter den Absolventen finden sich zahlreiche berühmte Namen, wie Jan Ev. Purkyne, die beiden Sonnenfels, drei Pröpste und Augustinerchorherren von Klosterneuburg (Leeb, Sedlacek, Pauker), Karl Renner u.v.a.m.

Schulkomplex: Ebenfalls an der Quergasse liegt die ehemalige, 1877 erbaute Knaben- bzw.die anschließend auch für Mädchen erweiterte Volksschule (je sieben Klassen) und die 1896 angebaute Bürgerschule, die auch eine landwirtschaftliche und gewerbliche Fortbildungsschule beherbergte. Seit geraumer Zeit steht der ganze Komplex leer und verfällt.

Kommt man von der Umfahrungsstraße, wo an der Bahnhofstraße (Nádražní) die 1903 erbaute ehemalige evangelische Kirche liegt, die heute als Orthodoxe Kirche zum hl. Nikolaus (Pravoslavný chrám sv. Mikuláše) in Verwendung steht, passiert man auch das große städtische Schwimmbad, das 1940 mit einem Kinder-, einem Nichtschwimmerbecken mit Wasserrutsche und einem 50 m Sportbecken mit Sprungturm (3, 5 und 10m) erbaut wurde und einen Park mit dem Sowjetdenkmal. Hier stand bis 1945 das Krieger- oder Soldatendenkmal, ein sechseckiger Turm mit Säulen und langen Glasfenstern für die im Ersten Weltkrieg gefallenen 259 Nikolsburger.

Der Bahnhof besteht seit 1873, als die Verbindungsbahn von Lundenburg (Břeclav) (Nordbahn) nach Grusbach (Hrušovany) (Ostbahn) und Znaim (Znojmo) (Nordwestbahn) ihren Betrieb aufnahm.

Der Rundgang führt vom Standort des ehemaligen Kriegerdenkmales zurück, entlang der Mauer des Piaristengartens, durch das im 12. Jh. besiedelte Neustift (Nové Sady) und bei der Kreuzung mit der alten Wienerstraße (Feldsberger Straße, Vídeňská bzw. Valtická) weiter durch die zwischen Niklbach (Ende des 19. Jh. im Stadtverlauf eingewölbt) Süd nach Nord verlaufende, lange Steinzeile (Koněvova). In Höhe der Schleifmühlgasse (Svobody, südl. Stadtmauer, an der Ecke das Waisenhaus) zweigt rechts die Berggasse (Novokopečná) ab, welche sich beim ehemaligen Keller der Piaristen (Piaristický dům) gabelt. Rechts führt sie zum Ölberg mit malerischen Häusern, von denen man einen reizvollen Ausblick auf Stadt und Schloss hat. In den Felsformationen mit Überschiebungen von Felsblöcken war das sog. „Studentenplatzl". Früher mündete oberhalb auch ein vom Verschönerungsverein angelegter Rundweg um den Heiligen Berg (Svatý kopeček).

Links von dem genannten Keller beginnt der Kreuzweg zur Kuppe des „Heiligen Berges (Svatý Kopeček)" mit der ersten Kapelle „Jesus Abschied von Maria", die Kapellen zwei bis sechs zeigen verschiedene Ölbergszenen („Schlafende Jünger", „Jesus im Gebet", „Geißelung". „Jesus fällt unter dem Kreuz"). Die siebente Kapelle steht bereits weithin sichtbar am Bergrücken, wie auch die Kapellen acht bis zehn, die zwar äußerlich verputzt, aber leer dastehen und auf Erneuerung der Kreuzwegstationen warten. Die Anlage des Kreuzweges begann 1622 durch Kardinal Franz v. Dietrichstein nach einem Pestjahr, als er am Plateau eine Sebastianskapelle (kostel sv. Šebestiána) und 1636 einen freistehenden Glockenturm erbauen ließ. Diese Kapelle wurde 1679 als Kirche zum hl. Sebastian in Form eines griechischen Kreuzes mit Kuppel neu gebaut und 1717 durch Zubau einer Sakristei vergrößert. Kirche und Glockenturm sind wiederholt in Brand geraten (durch Blitzschlag oder Kriegseinwirkung in den Jahren 1663, 1766 und 1945). Die im Glockenturm befindliche große Glocke mit 4.067 kg wurde 1767/68 vom Nikolsburger Glockengießer Adam Henkelmann am nördlichen Fuß des „Heiligen Berges" gegossen und nach Fertigstellung mit sechs Paar Ochsen zum Gipfel geschafft. In der Kirche ist ein Altarbild des „hl. Sebastian" und eine Kreuzabnahme vom Tiroler Maler Josef Blank /Seitenaltäre hl. Karl Boromäus und hl. Rochus/ Orgel von Johann Beck, Brünn. Auf der Hochfläche sind die Kapellen „Zur schmerzhaften Muttergottes" / „hl. Barbara"/ im Sattel zum zweiten Gipfel das „hl. Grab" mit einem maurischen Türmchen / danach eine weitere „Auferstehungskapelle" (dzt. leer bzw. verwüstet) und am nördlichen Fuß des Berges, bei der ehemaligen Glockengießerhütte, die Kapelle zur „hl. Rosalia" aus 1692, die 2002 vom Kulturverein Nikolsburg-Wien als Vertreibungs-Gedenkstätte renoviert wurde.

Aus den ehemaligen Wallfahrten zur Jungfrau Maria in der Annakirche wurde die Wallfahrt am 8. September zu Maria Geburt auf den „Heiligen Berg". Von der Hochfläche mit 363 m Seehöhe ergibt sich ein atemberaubender Ausblick auf das Schloss und die Stadt, den Gaisberg mit Pulverturm (Kozí hrádek), den Turold (385 m), den Tafelberg (Stolová hora, 458 m), die Ruine Rosenburg (Sirotčí hrad), den Kesselberg (Obora/Kotel, 483 m), den Maidenberg (Děvín, 550 m) mit Ruine Maidenburg (Dívčí/Děvičky hrad); im Osten nach Feldsberg (Valtice) und im Süden nach Österreich. Bei einem Abstieg auf bequemem Waldweg zur Rosalia-Kapelle kommt man auch zum Beginn des ehemaligen Janitschberg-Parkes und der Straße (Hliniště bzw. Bezručova) zum Stadtwald, die nach Millowitz (Milovice) führt und an der 1937/38 die Kasernen erbaut wurden (heute leerstehend). Tausende Soldaten der Hoch-und Deutschmeister-Division zogen von hier an die Kriegsfronten, wo viele ihr Leben ließen. Oberhalb der Kaserne schloss sich im „Oberfeld" ein Barackenlager an, welches ab Mai 1945 als Arbeits- und Abschublager für die deutsche Bevölkerung diente und 1946 für 18 Transporte und 20.800 Stadt- und Bezirksbewohner die letzte Station in der Heimat war. 37.000 waren bereits 1945 Opfer von Flucht und „wilder Vertreibung" geworden.

Folgen wir der ehemaligen Lazarettgasse (heute Bezručova) und der langen Pollauerstraße (Pavlovská) bis zum hl. Johannes, ebenfalls eine Plastik von Ignaz Lengelacher, führt die „Steinbruchgasse" (U Lomu) links zur ehemaligen „Bürgerlichen Schießstätte" des Schützenvereines von 1654 ( heute „Amphietheater", Freiluftbühne) und rechts zur Turoldhöhle (Jeskyně Na Turoldu), die schon in der Frühgeschichte besiedelt war und die seltene Fledermäuse beherbergt (kleine Hufeisennase). Von dort können wir den Spaziergang zum Pulverturm (Kozí hrádek) und zum Friedhof an der Brünnerstraße (Brněnská) fortsetzen.

Der christliche Stadtfriedhof, welcher 1582 geweiht wurde, ist in den Jahren 1970/71 eingeebnet worden, wobei über 2000 Marmor-Grabsteine privat verkauf wurden. Lediglich fünf Grabsteine blieben bestehen, davon wurde ein Grabdenkmal 1993 vom Kulturverein Nikolsburg-Wien als Gedenkstätte für die 35 Generationen von Vorfahren adaptiert.

Eine besondere Sehenswürdigkeit ist jedoch der seit dem 15.Jh. bestehende jüdische Friedhof (židovský hřbitov) mit seiner Ausdehnung über 18.000 qm und einem „Rabbonin-Hügel" sowie einer Soldatengedenkstätte für die im Ersten Weltkrieg gefallenen 25 Nikolsburger Juden. Die weithin sichtbare Aufbahrungshalle stammt aus dem Jahr 1907 von Architekt Fleischer aus Wien. Vom Friedhof ergibt sich ein malerischer Blick über die Reste des ehemaligen jüdischen Viertels in der Hauptgasse, wo es noch rund 70 unter Denkmalschutz stehende Gebäude aus Gotik und Renaissance gibt, die mit Messingtafeln beschriftet sind. Darunter befindet sich auch die Synagoge (Synagoga, Grundstein aus 1450, Neubau Renaissance, wieder renoviert ab 1990). An der Synagoge vorbei führte auch bis ins 17.Jh. die Auffahrt zur Burg.

Wir kehren zurück zum Stadtplatz und betreten von dort aus den sog. Ämterhof des Schlosses, wobei uns sofort das prächtige, schmiedeeiserne Parktor auffällt, das 1726 von H.G. Förster aus Brünn angefertigt wurde. Alle Plastiken des Vorhofes stammen von Ignaz Lengelacher. Durch das „Finstere Tor", einer Befestigungsanlage die etwa 1663 angelegt wurde, steigen wir empor zu einem weiteren Tor und dahinter liegenden Torturm in den ersten Schlosshof. Links befindet sich der ehemalige Stall und dahinter die Winterreitschule (heute Schloßtaverne und Veranstaltungssaal), rechts das Bibliotheksgebäude (früher Theater) und vor uns der alte Bergfrit, ein Rundturm mit Schneide und im früheren Wehrgang ein Tor in den zweiten Burghof. Dieser älteste Teil der Burg , in den man auch durch das sog. Zwingertor gelangt, ist durch archäologische Untersuchungen , genauso wie der runde, oben sechseckige Turm schon für das 12./13.. Jh. belegt, wobei der Rundturm schon vor 1200 entstanden sein dürfte und der festungsartige erste Ausbau Heinrich von Liechtenstein ab 1249 zuzuschreiben ist , z.B. auch die Anlage des dreiviertelkreisförmigen "Selchturms" beim Zwingertor. Im Hauptturm sieht man ein gotisches Fenster, das zur 1380 gegründeten Marienkapelle gehört, auch die Altane und das „Frauenhaus" (Ahnensaal) und der „tiefe Keller" sind in einer Liechtensteinschen Teilungsurkunde von 1514 belegt. Die urkundlichen Erwähnungen von 1173 (Kloster Kanitz) und 1218 (als landesfürstliche Burg) sind Fälschungen. Neben dem Bergfrit führt eine Treppe zur Bibliothek (Barockeinrichtung von 1719) und in der Ecke dieses zweiten Burghofes ist der Abgang zum tiefen Keller, in dem sich das zweitgrößte, noch bestehende Riesenweinfass befindet, das 1643 vom Bindermeister Specht aus Brünn angefertigt wurde (mit 101.081 Liter) und welches auch 100 Jahre für den Zehentwein benützt wurde. Neben dem Hauptturm gelangen wir durch das Felsentor in den Ehrenhof mit einer gotischen Zisterne, die 40 m tief in den Felsen gemeißelt wurde. Ignaz Lengelacher hat hier eine prächtige Schauwand mit Atlanten und Wappen gestaltet. Rechts davon befindet sich der Haupteingang des Schlosses über ein repräsentatives Stiegenhaus zum früheren Ahnensaal und zu den über 100 Zimmern.

Links wird der Hof durch einen Verbindungsgang im ersten Obergeschoss überbrückt. An einem Pfeiler befindet sich ein Relief Ferdinands von Aragon. In der linken Ecke des Hofes ist ein Eingang in die Repräsentationsräume (Ausstellung, u.a. technisches Kabinett des Gymnasiums), mit einer über 1000 qm großen Terasse und herrlichem Blick über Schlosspark und Stadt. An der Südseite befindet sich zwei Geschosse tiefer eine schöne Sala Terrena aus drei Räumen. Im ersten Stock die Dietrichsteingalerie im Thronsaal, in dem Maria Theresia die Huldigung der mährischen Stände 1743 entgegen nahm. Südseitig das "Napoleonzimmer", in dem sich der französische Feldherr am Abend des 6. Dezember 1805 (nach der Schlacht bei Austerlitz) aufhielt, ferner das „Bismarckzimmer" der Friedensverhandlungen von 1866 und weitere ehemalige Repräsentationsräume. Beim Brand von 1945 wurden 560 Kunstwerke vernichtet, u.a. zahlreiche Gobelins aus Flandern und Bilder von van Dyck u.a.

Der Wohnteil der Burg wurde bereits unter Kardinal Dietrichstein von 1611 bis 1618 als dreigeschossig im Renaissancestil erbaut, brannte aber 1719 ab (durch ein Feuer an der Schlossmauer im Ghetto, wo die Häuser keine Feuermauern hatten) und wurde ab 1721 als zweigeschossiger Barockbau neu errichtet. Die Erneuerungen 1951 und 1953, bzw. 1960 (nach dem Brand von 1945) sind eine besondere Leistung der heutigen Bewohner. Das Schloss beherbergt heute das Regionalmuseum Nikolsburg (Regionální muzeum v Mikulově).


Persönlichkeiten:

  • Johannes Bammer(*31. Mai 1888; †17. März 1988 Bonn), Musiker.
  • Leopold Beierl (*12. September 1915, †13. Oktober 1991 Zwesten), Heimatforscher.
  • Johanna Dirnböck(*4. November 1850, †24. Juli 1918 Ollersbach/NÖ), Schriftstellerin.
  • Anton Elsinger (*15. März 1925, †1995 Brunn am Gebirge), Themenmaler.
  • Jakob Fellner (*25. Juli 1722, †12. Dezember 1780 Totis/Ungarn), Barockbaumeister.
  • Johann Finkes (*3. Januar 1891, †23. November 1964 Mistelbach), Kunst- und Industriemaler.
  • Leopold Götz (2. Oktober 1839, †20. Juli 1908 Nikolsburg), Abgeordneter des mähr. Landtag, 1891-1907 Reichsratsabgeordneter.
  • Leopold Huber (*13. November 1766, †25. August 1847 Wien), Schriftsteller und Theaterdirektor.
  • Moritz Jung (*22. Oktober 1885, †11. März 1915 bei Maniow/Lisko in Galizien), Grafiker,Buchillustrator und Maler im Jugendstil.
  • Heinrich Landesmann (*9. August 1821, †30. Dezember 1902), Dichter.
  • Johann Leeb Floridus (*8. Mai 1731, †13. August 1799), Probst von Klosterneuburg und Rektor an der Universität Wien.
  • Karel Krautgartner (*20. Juli 1922; †20. September 1982 Köln), Jazzmusiker, Komponist.
  • Anton Josef Leeb (13. Juni 1769; †6. Dezember 1837 Wien), Bürgermeister von Wien 1835-1837.
  • Julius Lehnert (*25. Januar 1871, †9. Mai 1962 Wien), Theaterkapellmeister und Komponist.
  • Hieronymus Lorm (bürgerlich: Heinrich Landesmann;*9. August 1821, †3. Dezember 1902 Brünn), Schriftsteller, Philosoph, Erfinder des Lorm-Alphabets, eines Tastalphabets für Taubblinde.
  • Kurt Nedoma (*26. Juli 1929), Lyriker.
  • Andreas Obsieger (*26. Januar 1824, †30. Dezember 1898 in Meran), Dichter, Philosoph und Schriftsteller.
  • Leopold Oser (*27. Juli 1839, †22. August 1910 Wien), Universitätsmediziner.
  • Heinrich Paschkis (*21. März 1849, †18. Mai 1923 Wien), Mediziner und Pharmakologe.
  • Adolf Schärf (*20.April 1890, †28. Februar 1965), Politiker (Sozialdemokrat), österreichischer Vizekanzler (1945-1957) und Bundespräsident (1957-1965).
  • Josef Freiherr von Sonnenfels (*1733, †25. April 1817 Wien), Humanist, Zensor und Professor.
  • Emanuel Stöckler (*24. Dezember 1819, †7. November 1893 in Zwölfmalgreien bei Bozen), Akademischer Maler.
  • Maria Magdalena Weinmann, Widerstandsaktivistin gegen den Nationalsozialismus


heimatkundliche Literatur:

  • Elsinger, Reiner: Heimatbuch Nikolsburg, 1988.
  • Elsinger, Reiner: 750 Jahre Nikolsburg, 1999.
  • Elsinger, Reiner: Der heilige Berg in Nikolsburg, Manuskript 2009, hier als PDF:

- Heiliger Berg erster Teil - Heiliger Berg zweiter Teil

  • Haas, Josef: Nikolsburg. Geschichte und Sehenswürdigkeiten, 1975
  • Lange, Fritz: Südmähren - Bilder erzählen Geschichte, Sutton-Verlag 2010 (viele Fotografien aus Nikolsburg und Umgebung).
  • Nezhodová, Soňa: Das jüdische Nikolsburg (Židovský Mikulov), 2006.


Weblinks:


Genealogie:


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